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Außerplanmäßige Versorgungsmaßnahmen des Osnabrücker Rates während der Ernährungs- und Wirtschaftskrise der Jahre 1771/1772
Abb. 1: Der Spendenaufruf des Osnabrücker Rates vom 21.2.1772 in der Beylage zum 8ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 22.2.1772 (Foto: NLA OS Dep 3 b VIII Nr. 137).
Die Ereignisse der 1770er-Jahre stellten den Osnabrücker Rat vor enorme Herausforderungen: Ganzjährig andauernde, extreme Feuchtigkeit sowie bis ins Frühjahr auftretender Frost und Schneefall sorgten in Mitteleuropa für minderwertige und äußerst geringe Ernteerträge. Erstmals bemerkbar machten sich die Folgen im Spätsommer 1769 und aufgrund der anhaltenden anomalen Wetterverhältnisse potenzierten sich die Effekte in den beiden darauffolgenden Jahren.[1] So fielen auch im Hochstift und in der Stadt Osnabrück die Erträge 1770 deutlich schlechter aus als in den Vorjahren, ihren Höhepunkt erreichte die Krise dann im Sommer 1772, kurz vor der Ernte.[2] Unterdessen reichten die rund um die Stadt gewonnenen landwirtschaftlichen Erzeugnisse schon in guten Zeiten nicht aus, um die Einwohner der Hasestadt vollständig zu ernähren, sodass dort immer wieder Preissteigerungen drohten. Dementsprechend führten die witterungsbedingten Ernteausfälle zu einer massiven Teuerungswelle.[3] Der Jahresdurchschnittspreis für Hafer erhöhte sich zwischen 1769 und 1772 um 100 Prozent, für Roggen um 72 Prozent und für Weizen um immerhin 40 Prozent.[4] Abgesehen von den potentiellen Versorgungsengpässen führten die Preissteigerungen häufig dazu, dass die Nachfrage nach anderen Dienstleistungen und Waren zurückging, sodass der Handel und die Märkte stagnierten.[5] Vor allem die Angehörigen der Unterschichten konnten sich in diesen Zeiten nicht mehr ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen: Jene, die sich vor der Krise gerade noch aus eigener Kraft hatten ernähren können, waren nun auf externe Unterstützung angewiesen und solche, die bereits vor der Teuerung auf zusätzliche Hilfe angewiesen gewesen waren, benötigten nun umfangreichere Beiträge. Gleichzeitig versuchten die Tagelöhner durch eine Erhöhung ihrer Arbeitsleistung, ihren Verdienst zu steigern – sie erreichten jedoch oft nur das Gegenteil: Es kam zu einem Überangebot von Arbeitskraft, sodass die Löhne sanken. In ihrer Not griffen die Betroffenen zu Ersatzprodukten wie Kräutern oder Wurzeln, um das Getreide zu strecken, oder sogar zu verdorbenem Korn; häufig waren Krankheit und Tod die Folge.[6]
Die Zuspitzung der Lage im Verlauf des Jahres 1771 führte dazu, dass sich der Rat verstärkt Gedanken über seine Kornvorräte, die Preissteigerungen und die daraus resultierenden Konsequenzen machte. Dabei konstatierte er eine kontinuierlich ansteigende Armut und Bedürftigkeit unter den kinderreichen Familien, den verwitweten Müttern sowie den älteren und gebrechlichen Personen in der Stadt, die mithilfe einer christlichen Beyhulfe an Brod und Gelde[7] zu mildern angestrebt wurde. Außerdem galt das besondere Augenmerk der Ratsversammlung dem Nahrungsstand beschaeftigter Handwerker[8], deren Einkommen nicht mehr zur Beschaffung von Lebensmitteln ausreiche. Daher entschlossen sich Bürgermeister und Rat, die eigenen, äußerst spärlichen Getreidevorräte mit dem Ankauf auswärtigen Roggens[9] – insgesamt 172 Malter für rund 3.342 Rtl. – aufzustocken und für eine umfassende Verpflegungsmaßnahme zu verwenden. Die Koordination dieses Vorhabens wurde der extra eingesetzten Verpflegungskommission übertragen, zu deren zentralen Akteuren der Altermann und spätere zweite Bürgermeister Dr. Justus Eberhard Berghoff,[10] der Ratssenior Franz Bartholomäus Struckmann sowie der Lohnherr Heinrich Christoph Ameldung gehörten.[11] Während letzterer für die Rechnungslegung zuständig war, traten Berghoff und Struckmann in erster Linie bei der zur Finanzierung des Roggenkaufs initiierten Spendenaktion in Erscheinung. Da die geplanten außerordentlichen Unterstützungsmaßnahmen weder aus den bestehenden wöchentlichen Kollekten für die Versorgung der Armen noch aus der durch den Siebenjährigen Krieg und dessen Folgen stark belasteten Stadtkasse finanziert werden konnten, beraumte die Ratsversammlung eine außerplanmäßige Sammelaktion an, die in einer Beylage zu den Osnabrücker Anzeigen am 22. Februar publiziert wurde (Abb. 1):[12]
So werden alle und jede ersucht, durch eine milde freywillige Beysteuer diese heylsame Absicht Christlich zu unterstuetzen, und selbige entweder auf einmal oder vor und nach denen dazu sich erbotenen Doctori und Altermann Berghoff auf der Altenstadt und Seniori Struckmann auf der Neustadt einzusenden: Wogegen sie von der segnenden Hand Gottes die Vergeltung sich gewiß versprechen können.[13]
Mit einem Verweis auf die christliche Nächstenliebe und Gottes Gnade wurde die Stadtbevölkerung aufgerufen, entweder einmalig oder auch mehrmals eine freiwillige Spende bei Dr. Berghoff und Senior Struckmann einzureichen. Dass die Formulierung ‚alle und jede‘ in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist, zeigt ein Blick in die Spenderlisten. An der Sammelaktion beteiligten sich zahlreiche soziale Gruppen der Stadt über die konfessionellen Grenzen hinweg und sogar Fremde bezuschussten das Vorhaben – ein bemerkenswertes Bekenntnis der ansonsten recht heterogenen Stadtbevölkerung, sich der drohenden Versorgungskrise als Gemeinschaft entgegenzustellen.[14] Unter den Beiträgern lassen sich sowohl Regierungsbeamte, wie der Vizekanzleidirektor Johann Christian Gruner, und Kommunalpolitiker, etwa der regierende Bürgermeister Dr. Wilhelm Gerding, finden als auch Händler, Zünfte und Handwerker – so beispielsweise der Goldschmied Lengercke und ein Müller aus dem Amt Wittlage – sowie Mitglieder der katholischen und evangelischen Geistlichkeit, wie der erzbischöfliche Generalvikar Karl von Vogelius und der zweite Pastor an St. Katharinen, Konrad Rudolf Iden. Darüber hinaus unterstützten viele weniger bekannte Stadtbewohner und anonyme Wohltäter, wie ein katholisches Dienstmädchen, die Sammlung.[15] Zur Finanzierung der kommunalen Versorgungsanstalten trug auch eine landesherrliche Beisteuer bei. Georg III. hatte als Regent der Vormundschaftsregierung im Februar 1772 der Stiftskasse zur Unterstützung der Armen und Notleidenden im Hochstift 5.000 Rtl. aus seiner bischöflichen Privatschatulle geschenkt und die Osnabrücker Regierung mit der zweckmäßigen Austeilung beauftragt.[16] Nach Auffassung der Geheimen Räte Gotthelf Dietrich von Ende und Ernst August Wilhelm von dem Bussche gehörte dazu auch die Linderung der von Bürgermeister und Rat geschilderten Not innerhalb der Stadtmauern, sodass sie ihnen 200 Rtl. des landesherrlichen Geschenkes zukommen ließen.[17]
Kurz nach dem Eintreffen der ersten Malter des zugekauften Roggens am Rathaus startete das umfangreiche Aktionsprogramm, mit dem die Versorgung der Stadtbevölkerung gewährleistet werden sollte. So wurde auf Anweisung der Verpflegungskommission ein Teil des Roggenkorns an zwei Bäcker der Stadt gegeben, die daraus in der Zeit von März bis Dezember insgesamt 8.381 Brote mit jeweils sechs Pfund backten. Die Mehrzahl der Laibe verkauften diese sonnabends zu einem vergünstigten Preis von je 3 ß und lieferten die Einnahmen an den Lohnherren. Rund ein Drittel der Brote brachten die Bäcker zudem nach und nach zum Rathaus, wo sie kostenlos an Bedürftige verteilt wurden. Der andere Teil des Roggenkorns wurde regelmäßig – ebenfalls samstags – mit einem Nachlass von einem Drittel auf den Einkaufspreis am Rathaus der Altstadt verkauft.[18] Allerdings wurden die Brote und der Roggen nicht beliebig ausgegeben. Vielmehr kam die Verpflegungskommission immer donnerstags zusammen, prüfte die vorliegenden Gesuche und entschied, wer in welcher Menge sonnabends a) unentgeltlich Brot am Rathaus der Altstadt, b) vergünstigtes Brot bei den Bäckern und c) Roggenkorn zu einem ermäßigten Preis erhalten sowie wer montags in der Armenkirche eine zusätzliche Beisteuer aus den Mitteln der allgemeinen Stadtarmen bekommen sollte. Entsprechende Aufzeichnungen haben sich, wenn auch lückenhaft, erhalten.[19] Unklar bleibt dabei, ob sich die Hilfsbedürftigen selbst bei der Versorgungskommission meldeten oder ihre Namen von Pastoren bzw. Vorsitzenden der Bürgerwehren gemeldet wurden. Denkbar wäre sowohl, dass beides parallel praktiziert wurde als auch, dass Pastoren und Vorsitzende nur für die Überprüfung der sich selbst bei der Versorgungskommission meldenden Hilfsbedürftigen zuständig waren. Die Maßstäbe, nach denen die Bittsteller letztlich konkret als ‚hilfsbedürftig‘ eingestuft wurden, entsprachen vorwiegend den bereits seit dem Spätmittelalter gängigen: Fehlende Verdienstmöglichkeiten aufgrund des hohen Alters oder Krankheit, der Verlust des Ernährers oder auch die besondere Belastung einer großen Kinderschar qualifizierten für eine Unterstützung. Darüber hinaus ordnete die Kommission jene bereits erwähnten Bürger und Einwohner in die Gruppe der Hilfsbedürftigen ein, die sich aufgrund der Teuerung mit ihrer Arbeit nicht mehr den nötigen Unterhalt verdienen konnten.[20]
Außerdem wurden bei der Austeilung sowohl Angehörige beider Konfessionen als auch Bürger und in der Stadt wohnende Nichtbürger berücksichtigt. Ersteres fand explizit Erwähnung. So verkündete die zuständige Verpflegungskommission in einer ihrer Bekanntmachungen:
Aus dem milden Beytrage, welchen das wohltaetige Osnabrueck der jetzigen Theuerung halber […] eingesandt, sind in dem nunmehr zurueckgelegten Monate […] Rocken und […] Brodt, theils unentgeltlich, theils zu geringern Preisen […] vertheilet worden. Es wird auch einem jeden sich meldenden Einwohner nach dem Befinden seiner Umstaende, ohne Unterschied der Religion, diese Austheilung bis zur Erndte ferner angedeyen.[21]
Abb. 2: Undatiertes Verzeichnis der Bedürftigen der Markt und Haseleischaft, u.a. mit Angabe der Konfession und des Bürgerrechts (NLA OS Dep 3 b V Nr. 1409, Nr. 158v–159r).
Bemerkenswert ist dabei, dass die Merkmale – Konfession und Bürgerrecht – in den Tabellen der Versorgungskommission äußerst akribisch erfasst wurden (Abb. 2).[22] Dies deutet darauf hin, dass es sich bei beiden um durchaus relevante Faktoren handelte, auch wenn sie nicht als Inklusions- beziehungsweise Exklusionskriterium dienten. So wäre denkbar, dass die Verzeichnung der konfessionellen Zugehörigkeit eine obrigkeitliche Strategie der Absicherung war, um im Zweifelsfall die Austeilung ‚ohne Unterschied der Konfession‘ nachweisen zu können. Vorstellbar wäre in diesem Zusammenhang nicht nur, dass sich die Notwendigkeit dazu aus der generellen konfessionellen Situation ergab. Schließlich würde der Vorwurf einer konfessionellen Diskriminierung ein hohes Konfliktpotential bergen. Möglich wäre auch, dass die Beteiligung sowohl einzelner katholischer Wohltäter als auch der katholischen Armenfürsorgeträger, des Dom- und Stiftskapitels, an der Finanzierung des Projektes eine solche Erfassung erforderte. Die Verzeichnung des Bürgerrechtsstatus war hingegen wohl eine Präventionsmaßnahme, falls sich die Subsistenzkrise verschlimmern sollte. So hatte der Rat bereits im März 1772 in einem Schreiben an die Geheimen Räte klargestellt, dass sie Personen ohne Bürgerrecht so wenig Almosen als Schutz zu leisten schuldig[23] seien. Zu diesem Zeitpunkt handelte es sich für die städtische Obrigkeit um ein strategisches Argument, um die Wiederherstellung der innerterritorialen Handelsfreiheit für Korn und eine Zuzahlung für die kommunalen Versorgungsanstalten zu erreichen. Es ist indes nicht auszuschließen, dass aus dem theoretischen Argument bei zunehmenden Versorgungsschwierigkeiten gelebte Praxis geworden wäre. Dazu kam es letztlich jedoch nicht, da sich die Zustände mit der Ernte des Jahres 1772 verbesserten und mit den Erträgen von 1773 wieder normalisierten.[24] Als die Stadt und das Umland 1794 erneut von einer extremen Teuerung betroffen waren, bediente sich der Rat der Erfahrungen von 1772 und griff auf die bewährten Maßnahmen zurück.[25]
[1] Vgl. Dominik Collet, Die doppelte Katastrophe. Klima und Kultur in der europäischen Hungerkrise 1770–1772, Göttingen 2019, S. 79–86; Wilhelm Abel, Massenarmut und Hungerkrisen im vorindustriellen Europa. Versuch einer Synopsis, Hamburg/Berlin 1974.
[2] Vgl. Sebastian Schröder, Hunger verwalten in Zeiten der Krise. Herrschaftliche Praktiken im Hochstift Osnabrück und in der Grafschaft Ravensberg (1770–1773), in: Westfälische Forschungen 71, 2021, S. 47–71, hier S. 47.
[3] Vgl. Ansgar Schanbacher, Kleine Schritte. Praktiken des Umgangs mit Nahrungskrisen in Osnabrück im 18. und 19. Jahrhundert, in: Westfälische Forschungen 71, 2021, S. 105–121, hier S. 110 f.
[4] Vgl. Christine van den Heuvel, Osnabrück am Ende des Alten Reiches und in hannoverscher Zeit, in: Gerd Steinwascher (Hg.), Geschichte der Stadt Osnabrück, Belm 2006, S. 313–444, hier S. 354, Fn 157.
[5] Vgl. Robert Jütte, Arme, Bettler, Beutelschneider. Eine Sozialgeschichte der Armut in der Frühen Neuzeit, Weimar 2000, S. 41 f.
[6] Vgl. Martin Rheinheimer, Arme, Bettler und Vaganten. Überleben in der Not 1450–1850, Frankfurt a. M. 2000, S. 20–22.
[7] „Bekanntmachung.“, in: Beylage zum 8ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 22.2.1772.
[9] Manfred Rudersdorf und Ansgar Schanbacher zufolge wurde der Roggen in der Regel in Emden und in Bremen erworben. Aus den für den vorliegenden Beitrag gesichteten Quellen geht indes nicht hervor, wo das zusätzliche Korn angekauft wurde, vgl. Manfred Rudersdorf, „Das Glück der Bettler“. Justus Möser und die Welt der Armen. Mentalität und soziale Frage im Fürstbistum Osnabrück zwischen Aufklärung und Säkularisation, Münster 1995, S. 265; Schanbacher, Schritte (wie Anm. 3), S. 113.
[10] Dr. Justus Eberhard Berghoff war zu Beginn des Jahres zunächst als vorsitzender Altermann der Wehr wiedergewählt worden. Am 9.2.1772 starb jedoch der bisherige zweite Bürgermeister Dr. Gerhard Anton von Blechen. Berghoff wurde daraufhin als Nachfolger in den Rat und auch zum zweiten Bürgermeister gewählt. Aus den Ratsprotokollen geht der genaue Zeitpunkt nicht hervor, Olaf Spechter datierte die Wahl unterdessen auf den 6.4.1772. Dazu würde passen, dass sowohl in den offiziellen Bekanntmachungen als auch in den an Berghoff adressierten Schreiben der Monate Februar und März weiterhin vom Altermann und Doktor gesprochen wird, vgl. Niedersächsisches Landesarchiv (NLA OS) Dep 3 b IV Nr. 351, fol. 267r; NLA OS Dep 3 b IV Nr. 352, fol. 9r; Olaf Spechter, Die Osnabrücker Oberschicht im 17. und 18. Jahrhundert. Eine sozial- und verfassungsgeschichtliche Untersuchung, Osnabrück 1975, S. 163.
[11] Hinsichtlich dieser Verpflegungskommission gibt es noch einige Unklarheiten. So ist ihre genaue Zusammensetzung nicht bekannt, da sie wohl nie veröffentlicht wurde und sich auch in den erhaltenen Akten keine Übersicht findet. Neben den bereits genannten Personen dürfte noch der zweite Lohnherr, Christian Konrad Karl, beteiligt gewesen sein. Auch die Selbstbezeichnung als ‚Verpflegungscommißion‘ taucht erst verhältnismäßig spät auf, nämlich in der dritten öffentlichen Bekanntmachung. Manfred Rudersdorf geht zudem davon aus, dass die Verpflegungskommission „in enger Kooperation mit Möser“ (aus: Rudersdorf, Glück (wie Anm. 9), S. 262) eingesetzt wurde. Aus dem von ihm angegebenen Brief der Geheimen Räte v. Ende und v. d. Bussche lässt sich eine solche Annahme jedoch nicht ableiten. Allerdings gibt es ein undatiertes handschriftliches Fragment Mösers, in dem er sich lobend über einen undefinierten Ort äußert, der eine ‚Nahrungskommission‘ eingerichtet habe. Seine Schilderungen von den Aufgaben der Kommission (Überprüfung der Bedürftigen/Entscheidung über die Versorgungsleistungen) und ihrer Zusammensetzung (acht Ratsherren, zwei Handwerker, zwei Kaufleute, zwei Geistliche und zwei aus dem Magistrat) weisen dabei durchaus eine große Übereinstimmung mit der Osnabrücker Versorgungskommission auf, vgl. „Verpflegungs=Sachen“, in: Beylage zum 11ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 14.3 1772; Rudersdorf, Glück (wie Anm. 9), S. 262; NLA OS Dep 3 b V Nr. 1413, fol. 8r; Justus Möser: Von einer Nahrungs-Kommission, in: Ludwig Schirmeyer/Eberhard Crusius (Bearb.): Justus Mösers sämtliche Werke. Zweite Abteilung: Patriotische Phantasien und Zugehöriges. [Bd. 7:] Den Patriotischen Phantasien verwandte Handschriften, Osnabrück 1968, S. 200.
[12] Vgl. „Bekanntmachung.“, in: Beylage zum 8ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 22.2.1772; Rudersdorf, Glück (wie Anm. 9), S. 264. Auch der weitere Verlauf der Sammelaktion wurde regelmäßig durch Bekanntmachungen in den Osnabrücker Anzeigen begleitet. Eine vermutlich vollständige Sammlung dieser Bekanntmachungen findet sich als Anhang in einem Exemplar der Stadtarmenrechnung von 1772, vgl. NLA OS Dep 3 b VIII Nr. 137.
[13] „Bekanntmachung.“, in: Beylage zum 8ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 22.2.1772.
[18] Vgl. NLA OS Dep 3 b V Nr. 1409, fol. 35v; NLA OS, Dep 3 b V, Nr. 1413, fol. 8r–9r, 12r/v; „Verpflegungs-Sachen“, in: Beylage zum 9ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 29.2.1772; „Verpflegungs=Sachen“, in: Beylage zum 11ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 14.3.1772; „Verpflegungs-Sachen“, in: Beylage zum 14ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 4.4.1772; „Verpflegungs=Sachen. Osnabrück den 7 May a. c.“, in: Beylage zum 20ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 16.5.1772; Rudersdorf, Glück (wie Anm. 9), S. 266.
[19] Vgl. NLA OS Dep 3 b V Nr. 1409; NLA OS Dep 3 b V Nr. 1413, fol. 8r–9v, 12r/v.
[20] Vgl. „Verpflegungs-Sachen“, in: Beylage zum 12ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 21.3.1772.
[21] „Verpflegungs-Sachen“, in: Beylage zum 14ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 4.4.1772. Eine ähnliche Formulierung wurde nochmal in der Bekanntmachung vom 7.5.1772 verwendet, vgl. „Verpflegungs=Sachen. Osnabrück den 7 May a. c.“, in: Beylage zum 20ten Stück der wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen vom 16.5.1772.
[22] Vgl. NLA OS Dep 3 b V Nr. 1409, fol. 95r–120r.
Luise, Ikone der Nationalbewegung. Als Napoleon Europa mit Krieg überzieht, erwägt der preußische König die Kapitulation. Für seine Ehefrau kommt das nicht in Frage. Sie drängt auf Widerstand und führt nach der Niederlage höchstpersönlich die Verhandlungen mit dem Franzosenkaiser. Dieser Artikel erschien im COMPACT-Geschichte 25: „Preußens Glanz. Tugend, Schwert und Krone“. _ von Jan von [...]
Exkursion des Historischen Vereins nach Bramsche und Kalkriese
Anfang Mai startete der Historische Verein sein Exkursionsprogramm 2026 mit einem Besuch der Werkstatt Torlage, dem Tuchmacher Museum in Bramsche sowie dem Museum Varusschlacht in Kalkriese.
Bramsches letzte Tuchmacher-Werkstatt
Die Tuchmacherwerkstatt Torlage ist die letzte private Tuchmacher-Werkstatt in Bramsche, die bis heute im Besitz der Familie Torlage ist. Die Werkstatt wurde 1946 errichtet und ist als vollständig eingerichtete, aber stillgelegte Wollwarenfabrikation erhalten geblieben. Sie bildet ein seltenes, nahezu unverändertes Zeugnis der lokalen Textilproduktion des 20. Jahrhunderts.
Abb. 1: Die Exkursionsgruppe in der vollständig erhaltenen Werkstatt Torlage in Bramsche (Foto: Thomas Brakmann)
Elf Generationen der Familie Torlage betrieben in Bramsche seit etwa 1600 das Tuchmacherhandwerk; die Werkstatt am Otterkamp ist der jüngste, privat betriebene Produktionsort dieser langen Tradition. 1946 bauten Wilhelm Hermann Torlage und sein Sohn Franz Rudolf Heinrich die Produktionsräume im Hof des Wohnhauses auf. Nach Auflösung der Innung wurde die Werkstatt weiterhin genutzt, später als Lohnweberei, und bis in die Lebenszeit von Heinrich und seiner Frau Gertrud Torlage gepflegt.
Die Werkstatt verfügt über eine Kettscheranlage, Spulmaschinen, zwei Buckskin-Webstühle sowie gut erhaltene Musterbücher. Diese Ausstattung erlaubt es, die gesamte Produktionskette von der Kette- und Schussvorbereitung bis zum gewebten Tuch nachzuvollziehen.
Besuch im Tuchmachermuseum Bramsche
Die Räume und Maschinen der Werkstatt Torlage blieben über Jahrzehnte unverändert, sodass die originale Arbeitsatmosphäre noch unmittelbar erfahrbar ist. Näheres zur Technik und Materialkultur war im Anschluss in dem nur wenige Gehminuten entfernten Tuchmacher Museum im Rahmen einer Führung durch Ilka Thörner zu erleben.
Abb. 2: Die Webstühle im Tuchmachermuseum in Bramsche im Einsatz (Foto: Thomas Brakmann)
Während das Museum die gemeinschaftlich genutzten Produktionsräume der ehemaligen Innung dokumentiert, liefert die Werkstatt das Gegenstück einer privaten, vollständig eingerichteten Produktionsstätte.
Abb. 3: Maschinelle Bearbeitung der Wolle (Foto: Thomas Brakmann)
Die vorhandenen Geräte und Musterbücher dokumentieren handwerkliche Fertigkeiten, Produktionsprozesse und Materialwahl – von Tuchen über Mäntel bis zu Uniformstoffen. Museum und Werkstatt geben gleichermaßen Einblick in die regionale Tuchmachertradition. Die Vorführungen der Maschinen vermittelten lebendig, was über reine Ausstellungstafeln hinausgeht.
Sonderausstellung „Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“ im Museum Kalkriese
Nach dem Rundgang zur Industriegeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts schloss sich unter der Anleitung von Dr. Ulrike Hindersmann eine Reise 1.500 Jahre zurück in die Vergangenheit an. Im Museum Kalkriese in Bramsche versammeln sich aktuell auf engem Raum rund 1.200 Objekte aus den Mooren von Thorsberg und Nydam: Speere, Schwerter, Schilde, aber auch persönliche Gegenstände wie Armreifen, Fingerringe und Textilien. Besonders eindrücklich sind die erhaltenen Kleidungsstücke – eine Reiterhose und eine Tunika –, die überraschend nahbar machen, wie Menschen damals lebten und kämpften.
Abb. 4: Ulrike Hindersmann erläutert den Fund einer fast 2.000 Jahre alte Reiterhose (Foto: Thomas Brakmann)
Die Vitrinen erzählen nicht nur von Technik und Kriegskunst, sondern auch von Ritualen. Zerhackte Pferdegeschirre und systematisch zerstörte Ausrüstungsstücke deuten auf bewusste Handlungen hin, vielleicht symbolische Entmachtung besiegter Krieger. Die Thorsberger Maske sticht als einzigartiges Exponat hervor: eine germanische Nachahmung römischer Parademasken, die kulturelle Verflechtungen und Identitätsbildung sichtbar macht. Die unterschiedlichen Erhaltungsbedingungen der Moore erklären, warum in Thorsberg vor allem Buntmetalle und Textilien, in Nydam aber auch Holz und Eisen überdauerten.
Abb. 5: Rund 1.200 germanische Objekte aus dem heutigen Norddeutschland sind im Varusschlacht-Museum in Kalkriese zu sehen (Foto: Thomas Brakmann)
Eine hochkarätige Ausstellung, die wissenschaftliche Analyse mit atmosphärischer Inszenierung verbindet und eine seltene Gelegenheit bietet, diese Funde außerhalb Schleswig-Holsteins zu sehen.
Die Besuche in einem Lost-Place eines untergegangenen Industriezweiges im Osnabrücker Land, in einem zentralen Museum zur Textilgeschichte in Bramsche und die beeindruckenden Moorfunde aus der Sammlung des Museums für Archäologie Schloss Gottorf in Kalkriese regten alle Teilnehmenden der Exkursion zum Staunen und Diskutieren an.
Justus Möser (1720–1794) gilt in der deutschen Geistesgeschichte als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Nordwestdeutschlands im Zeitalter der Aufklärung. Die Basis hierfür bildet zum einen seine allumfassende amtliche Tätigkeit im Fürstbistum Osnabrück, zum anderen sein literarisch-publizistisches Schaffen. Bis heute erfuhr Möser ganz unterschiedliche Bewertungen. Erklären lässt sich dies unter anderem durch die jeweilige betrachtende Person und deren zeitlichen Horizont. Erschwert wird der Blick aber auch dadurch, dass es bis heute keine moderne Biographie gibt. Hinzu kommt die einseitige Edition seiner Schriften und die Fokussierung auf die publizistische und schriftstellerische Tätigkeit.
Zum Projekt
Um nun ein umfassenderes Bild von Justus Möser zu gewinnen, muss seine amtliche Tätigkeit stärker berücksichtigt und in Verbindung mit seiner publizistischen und schriftstellerischen Tätigkeit gesehen werden. Denn in erster Linie war Möser Jurist und Politiker. Im Zusammenhang mit seinen politischen Ämtern hat Möser zahlreiche Gutachten und Stellungnahmen zu Projekten der praktischen Aufklärung verfasst. Allerdings ist ein Großteil dieser handschriftlichen Texte bis heute nicht ediert, obwohl in der Forschung schon seit Jahrzehnten der Wunsch danach besteht.[1] Erklären lässt sich dies vor allem durch den schier unüberschaubaren Quellenfundus – werden doch tausende Schriften Mösers in dem Bestand des Niedersächsischen Landesarchivs, Abteilung Osnabrück (NLA OS) vermutet.[2] Als grundlegendes Problem gilt dementsprechend das fehlende Wissen darüber, wie viele amtliche Schriften Möser zeit seines Lebens verfasst hat und wo diese zu finden sind.
An dieser Stelle setzt das hier vorgestellte Projekt an. Ziel ist eine Tiefenerschließung einschlägiger Bestände des NLA OS, bei der insbesondere das Osnabrücker Hauptarchiv (Rep 100) in den Blick genommen wird. Im Fokus stehen Gutachten und Empfehlungen Mösers, die in den Jahren 1764–1794 verfasst wurden. Schriften aus diesem Zeitraum sind besonders interessant, weil Möser ab 1764 nicht mehr nur die Interessen der Ritterschaft vertrat, sondern als Konsulent der Regierung auch direkt seinem Landesherrn unterstellt war. Er vertrat somit die Interessen zweier Parteien, die einander gegenüberstanden, was ihm eine einmalige und einflussreiche Position im Fürstbistum sicherte.
Justus Mösers Bemühungen um eine Medizinalordnung für Osnabrück – Beispiel für ein von Möser verfasstes Gutachten und Einblick in dessen Entstehungskontext
Im Jahr 1765 wurde im Fürstbistum Osnabrück eine Verordnung erlassen, die es Apothekern und Chirurgen untersagte, Kranken innerlich anzuwendende Medikamente zu verabreichen oder zu verschreiben. Anlass hierzu gaben „allerley unerfahrene Leute“, welche Patienten „unhinlängliche Mittel“ verschrieben und diese dadurch von der „Wiedererlangung ihrer Gesundheit“ abhielten.[3] Damit lässt sich in Osnabrück, ebenso wie in anderen Territorien des Alten Reichs, ein gewisses Interesse der Obrigkeit an der Regulierung des Medizinalwesens nachweisen. Eine systematische Bündelung derartiger Verordnungen gab es in Osnabrück aber noch nicht.
Abb. 1-3: Gutachten von Justus Möser (1777) und Transkription (NLA OS Rep 100 Abschnitt 216 Nr. 12, fol. 338r–339v, Aufn. 0354–0356).
Ab der zweiten Hälfte der 1770er Jahre beschäftigte sich dann der Staatsmann und Aufklärer Justus Möser intensiv mit einer Medizinalordnung[4] für Osnabrück.[5] Als Vorbild fungierte dabei insbesondere die 1777 erlassene und von Möser selbst als „Meisterstück“[6] bezeichnete Medizinalordnung von Münster. Mit dem Verfasser dieses viel beachteten Regelwerks, Christoph Ludwig Hoffmann (1721–1807), tauschte sich Möser gleich auf mehreren Wegen aus. So wechselten die beiden Männer nicht nur Briefe,[7] sondern der Osnabrücker empfing den Arzt auch für ein persönliches Gespräch in seinem Wohnhaus.[8] Ein Blick in den edierten Briefwechsel macht deutlich, dass das Medizinalwesen und dessen Verbesserung stets zentrale Themen dieses Austauschs bildeten.
Zwar gelang es Möser schließlich nicht, eine Medizinalordnung in Osnabrück einzuführen, doch konnte er Reformen durchsetzen, die im medizinalpolizeilichen[9] Kontext als besonders dringlich erachtet wurden. Dies betraf vor allem die staatlich regulierte Ausbildung von Hebammen.[10] Damit sind die Bemühungen im Medizinalwesen ein beachtenswertes Beispiel für die praktische Aufklärungstätigkeit Mösers im Fürstbistum Osnabrück. Einen besonderen Stellenwert nahm dabei der Austausch mit Hoffmann und weiteren Ärzten ein, die über ein spezifisches Fachwissen oder besondere berufliche Erfahrungen verfügten.
Das hier vorgestellte Gutachten befindet sich im Bestand Rep 100 des NLA OS und entstammt der Feder Justus Mösers (s. Abb. 1-3). Die entsprechende Akte trägt den Titel Verbesserung des Medizinalwesens und hat eine Laufzeit von 1765–1792.[11] Im Rotulus wird das vier Seiten lange Schreiben unter der Nr. 30.b als Gutachten des Herrn Raths Möser geführt.[12] Der Präsentatumsvermerk 20. Juni 1777 legt nahe, dass der Text kurz nach Inkrafttreten der Medizinalordnung von Münster am 14. Mai 1777 verfasst wurde. Der Inhalt des Gutachtens macht deutlich, dass Möser bestrebt war, die Aufmerksamkeit des lokalpolitischen Diskurses auf die Medizinalordnung von Münster zu lenken. Er betonte die Überlegenheit des Regelwerks gegenüber allen bisherigen Ordnungen und stellte Überlegungen dazu an, ob man die Hoffmannsche Ordnung als Grundlage für eine eigene nutzen oder sogar ganz übernehmen könne.
Erschließungsdaten in Arcinsys dank Kooperation mit dem NLA OS
Die im Rahmen der Tiefenerschließung ermittelten Daten werden in einer relationalen No-Code-Datenbank strukturiert erfasst und verwaltet. Auf dieser Grundlage erfolgt eine automatisierte Aggregation bestimmter Daten, die dem NLA OS sukzessive übermittelt werden. Dank einer Kooperation mit dem Archiv werden die übermittelten Datensätze anschließend in das Archivinformationssystem Arcinsys eingepflegt und auf diese Weise der Forschung wie auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. So ist es seit Oktober 2025 möglich, eine Vielzahl an Gutachten und anderen amtlichen Schriften Mösers in den digitalisierten Beständen des NLA OS zu suchen, zu finden und zu sichten. Auch das hier vorgestellte Gutachten Mösers aus dem Jahr 1777 kann über die Funktion „Einfache Suche“ in Arcinsys gefunden werden (s. Abb. 4-5).
Abb. 4 und 5: Suche von Gutachten Justus Mösers in Arcinsys (Screenshot: Jennifer Staar).
Die Tiefenerschließung und die damit verbundene Verbesserung der Datensätze macht Recherchearbeiten somit deutlich einfacher. Nicht zuletzt bietet eine Tiefenerschließung aber auch eine gute Grundlage für ein künftiges Editionsvorhaben ausgewählter amtlicher Schriften Justus Mösers und kommt damit dem seit langer Zeit gehegten Wunsch der Forschung endlich einen großen Schritt näher.
Weiterführende Informationen:
Verfasserin: Dr. Jennifer Staar.
Projekt: „Justus Möser: Politikberater im Zeichen der Aufklärung. Eine Tiefenerschließung politischer Gutachten Justus Mösers in den Beständen des Niedersächsischen Landesarchivs, Standort Osnabrück“, angesiedelt am Forschungszentrum Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN).
Projektleiterin: Prof. Dr. Siegrid Westphal.
Kooperationspartner: Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Osnabrück, Justus-Möser-Gesellschaft/Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (Historischer Verein).
Förderhinweis: Gefördert durch die VGH Stiftung, Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück, Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück (Historischer Verein), Forschungszentrum Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN).
[1] Siehe hierzu Ulrich Winzer/Susanne Tauss, Einleitung, in: dies. (Hg.), „Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct…“ Neue Blicke auf Justus Möser (1720-1794) (Kulturregion Osnabrück 33), Münster 2020, S. 13–23, hier S. 21; Reinhard Renger, Probleme einer Edition der amtlichen Schriften Justus Mösers, in: Winfried Woesler (Hg.), Möser-Forum 1/1989 (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen 27), Münster 1989, S. 273–279; Paul Göttsching, Vorwort, in: Justus Möser, Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe in 14 Bänden, Bd. 14,1: Osnabrückische Geschichte und historische Einzelschriften. Bearb. Von Paul Göttsching, hrsg. von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Oldenburg/Hamburg 1976, S. 11–29, hier S. 15.
[2] Die Rede ist von Gutachten, Voten, Vermerken und Anmerkungen, die Möser während seiner amtlichen Tätigkeit verfasst
hat; vgl. Renger, Probleme einer Edition, S. 273.
[3] NLA OS Rep 100 Abschnitt 216 Nr. 12, fol. 13r.
[4] Zu dem Begriff Medizinalordnung vgl. Eckart, Art. „Medizinalordnung“, in: Enzyklopädie der Neuzeit Online (in der Folge EdNO), im Auftrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts (Essen) und in Verbindung mit den Fachherausgebern hrsg. v. Friedrich Jaeger (bis 2019) [u.a.], URL: http://dx.doi.org/10.1163/2352-0248_edn_COM_309461 (Zugriff 17.04.2026).
[5] Zu dem aufklärerischen Diskurs über eine Medizinalordnung für Osnabrück vgl. Jennifer Staar, Pragmatische Aufklärung und kommunikative Strategien. Justus Mösers Wirken im Fürstbistum Osnabrück (1766–1782) (bibliothek altes Reich 43), Diss., Berlin 2025.
[6] Justus Möser: Brief an Christoph Ludwig Hoffmann von Anfang 1777, in: Justus Möser, Briefwechsel. Neu bearb. v. William F. Sheldon i. Z. m. Horst-Rüdiger Jarck, Theodor Penners und Gisela Wagner (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 21), Hannover 1992, Nr. 466, S. 527–529, hier S. 528.
Dienstag, 21. April 2026, 18 Uhr Museumsquartier, Vortragssaal
Das Leben jüdischer Menschen im mittelalterlichen Deutschland war seit den Kreuzzügen vielfach bedroht und mit beträchtlichen Risiken verbunden. Glaubensunterschiede und daraus nicht selten erwachsener religiöser Fanatismus führten zur Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. Der Vortrag zeigt die Entstehung langfristig wirkender stereotyper Grundmuster von Judenfeindlichkeit auf und beschreibt ihre gesellschaftlichen Auswirkungen in Form der regelmäßigen Verfolgungen jüdischer Menschen im deutschen Wirkungsraum.
Mehr Infos zur aktuellen Ausstellung “Van den Yoden” und der dazugehörigen Veranstaltungsreihe im Museumsquartier finden Sie hier.
Auf verschlungenem Wege ist kürzlich ein Werk eines Kunstdozenten der Pädagogischen Hochschule Osnabrück an das Universitäts- und Hochschularchiv gelangt. Es handelt sich dabei um einen undatierten Druck von Max Egon Martin mit dem Titel „Der Einsiedel“.
Mehr Infos auf dem Blog zur Geschichte der Pädagogischen Hochschule / Adolf-Reichwein-Hochschule Osnabrück:
Manch einer kennt sie noch aus seiner eigenen Schulzeit: die sogenannten Schulwandbilder. Auch das Emslandmuseum Lingen besitzt eine Vielzahl dieser Bilder aus verschiedenen Epochen.
Das Schulwandbild zeigt das sagenhafte Aufeinandertreffen zwischen Otto I. und dem jungen Hermann Billung (Foto: Emslandmuseum Lingen).
2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück zum 600. Mal. Knapp zwei Jahrhunderte lang lebten jüdische Familien zusammen mit der christlichen Mehrheitsgesellschaft in einem von sozialen Spannungen und religiösen Konflikten geprägten Nebeneinander. Antijudaismus war Alltag.
1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 von der christlichen Nachbarschaft brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Neustadt eine neue jüdische Gemeinde. Nach der faktischen Aufhebung des Zinsverbotes für Christen wurden Juden als Geldgeber verdrängt. 1426 endete die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit in der Stadt mit letzten Steuerzahlungen.
In der Ausstellung erinnern kostbare mittelalterliche Originale an diese Phase Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte. Am lokalen Beispiel werden die über Jahrhunderte tradierten antijudaistischen Wurzeln des Antisemitismus sichtbar. Der durch ihre kulturelle und religiöse Vielfalt geprägten bundesdeutschen Gesellschaft bietet „Van den Yoden“ mit Ausstellung, Begleitprogramm und Katalog angesichts des aktuellen Antisemitismus den öffentlichen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den im Antijudaismus gründenden Ursprüngen des Antisemitismus.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 11 – 18 Uhr Samstag und Sonntag/Feiertag: 10 – 18 Uhr
Vom 28.02. bis 14.03.2026 jeden Abend ab 19 Uhr an der Kirchturmfassade St. Johann
Eine Bilderschau am Kirchturm, ein Open Air Event in der Neustadt – das sind die Johannis.Licht.Bilder.
Sie holen die Menschen dort ab, wo sie sind: Auf der Straße. Menschen begegnen sich zufällig, sprechen miteinander. Sie werden neugierig auf die Geschichte(n), die die Bilder an der Kirchturmfassade von St. Johann vermitteln.
Das vorliegende Begleitprogramm lädt dazu ein, das Quartier rund um die Johanniskirche mit anderen Augen zu betrachten. Drei Führungen und zwei Bildvorträge machen die Geschichte der Neustadt lebendig, drei weitere Veranstaltungen lassen Raum für Begegnungen und Erleben rund um den Kirchturm entstehen.
Die Johannis.Licht.Bilder werden am ersten Abend von Frau OB Katharina Pötter eröffnet. Sie enden mit einer musikalischen Finissage und einem zwanglosen Treffen.
Im Museumsquartier treffen sich Zeitzeug:innen regelmäßig im „Forum Zeitgeschichte“, um unter wissenschaftlicher Anleitung ihre Erinnerungen zu Nationalsozialismus, zum Zweitem Weltkrieg und zur Nachkriegszeit aufzuarbeiten. Das Forum bietet Raum für Gespräche und Diskussionen zu der Frage, wie die Geschichte von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg bis heute das gesellschaftliche Leben beeinflussen. Und es geht auf Spurensuche in der Zeitgeschichte. Die Ergebnisse des Oral History-Projektes werden für das Museum dokumentiert.
Dienstag, 3. Februar 2026, 10.00 Uhr [sic!] Deutsch-französischer Austausch über das Ende des Zweiten Weltkriegs Im Rahmen einer Videokonferenz tauschen sich deutsche Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs mit Jugendlichen im südostfranzösischen Gap (Departement Hautes-Alpes) über ihre Erfahrungen des Kriegsendes und der Nachkriegszeit aus.
Mittwoch, 22. April 2026, 10.30 Uhr Osnabrück als Hochschulstadt Anfang der 1970er Jahren wurde Osnabrück mit den Gründungen der Universität und der (Fach-)Hochschule zum Hochschulstandort. Viele Menschen sind durch das Studium oder als Hochschulbedienstete nach Osnabrück gekommen, um hier zu leben und zu bleiben. Es werden Zeitzeug:innen gesucht, die ihre persönliche Geschichte zur Osnabrücker Universität und/oder Hochschule erzählen möchten. Interesse besteht auch an Erinnerungen zur Geschichte der Vorgängereinrichtungen (Pädagogischen Hochschule, Staatliche Ingenieurakademien).
Mittwoch, 17. Juni 2026, 10.30 Uhr Die Kraft des Erinnerns – Bericht von einer Reise anno 2025 in die USA Bernd Kruse berichtet von seiner Vortragsreise durch die USA, bei der er über das Schicksal der jüdischen Menschen in Fürstenau während der NS-Herrschaft referierte. Neben den vielen persönlichen Kontakten, die dabei entstanden, bekam er auch Einblick in eine gespaltene US-Gesellschaft, in der die Demokratie politisch zunehmend unter Druck gerät.
Mittwoch, 16. September 2026, 10.30 Uhr „British Garrison“ – Osnabrück als britische Garnisonsstadt In der „AG Garrison“ bewahren interessierte Osnabrücker:innen Erinnerungen an die Zeit der britischen Militärpräsenz seit 1945. Das Fraternisierungsverbot hielt nur kurz. Aus Besatzern wurden NATO-Partner. Mit dem Abzug der Britischen Armee 2008/09 und der Konversion der Kasernen und Wohngebiete wird diese Geschichte zunehmend unsichtbar. Der Austausch dient der Spurensuche über diese wichtige Episode Osnabrücker Zeitgeschichte.
Mittwoch, 4. November 2026, 10.30 Uhr Wer kann noch „Sütterlin“ lesen? In den Familienarchiven befinden oft interessante Dokumente, die wegen der alten Schreibweise (Sütterlin, Deutsche Schrift) nicht mehr jede:r lesen kann. Zu der Veranstaltung können solche Dokumente (z.B. Feldpostbriefe) mitgebracht werden. Zeitzeug:innen des Forums helfen gerne beim Lesen und Transkribieren.
Mittwoch, 9. Dezember 2026, 10.30 Uhr „2027“ planen Die Zeitzeug:innen treffen sich in gemütlicher, vorweihnachtlicher Atmosphäre, um die Veranstaltungen des Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen und gemeinsam neue Themen für das kommende Jahr 2027 vorzubereiten.
Museumsquartier Osnabrück Die Villa_ Forum Erinnerungskultur und Zeitgeschichte
Der diesjährige Tag der ostfriesischen Geschichte am 6. Dezember 2025 befasst sich mit dem friesischen Gelehrten und Kartographen Am Samstag, 6. Dezember, laden die Ostfriesische Landschaft und das Niedersächsische Landesarchiv – Abteilung Aurich zum 25. „Tag der ostfriesischen Geschichte“ ein. Von 10 bis 12:45Uhr dreht sich bei der kostenfreien Veranstaltung im Landschaftsforum der Ostfriesischen Landschaft am Georgswall 1 in Aurich anlässlich seines 400. Todestages alles um den friesischen Gelehrten und Kartographen Ubbo Emmius (1547-1625). Als erster wissenschaftlicher Geschichtsschreiber Frieslands legte Ubbo Emmius mit seiner …