2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück zum 600. Mal. Knapp zwei Jahrhunderte lang lebten jüdische Familien zusammen mit der christlichen Mehrheitsgesellschaft in einem von sozialen Spannungen und religiösen Konflikten geprägten Nebeneinander. Antijudaismus war Alltag.
1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 von der christlichen Nachbarschaft brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Neustadt eine neue jüdische Gemeinde. Nach der faktischen Aufhebung des Zinsverbotes für Christen wurden Juden als Geldgeber verdrängt. 1426 endete die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit in der Stadt mit letzten Steuerzahlungen.
In der Ausstellung erinnern kostbare mittelalterliche Originale an diese Phase Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte. Am lokalen Beispiel werden die über Jahrhunderte tradierten antijudaistischen Wurzeln des Antisemitismus sichtbar. Der durch ihre kulturelle und religiöse Vielfalt geprägten bundesdeutschen Gesellschaft bietet „Van den Yoden“ mit Ausstellung, Begleitprogramm und Katalog angesichts des aktuellen Antisemitismus den öffentlichen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den im Antijudaismus gründenden Ursprüngen des Antisemitismus.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 11 – 18 Uhr Samstag und Sonntag/Feiertag: 10 – 18 Uhr
Die neuen Osnabrücker Mitteilungen wurden vorgestellt
Musikalisch Ansprechende Umrahmung des Programms durch das “Trio Chocolat” (Foto: Thorsten Unger)
Am gestrigen Abend wurden im Museumsquartier Osnabrück die jüngst erschienenen Osnabrücker Mitteilungen 130 (2025) vor ca. 85 interessierten Besucherinnen und Besuchern vorgestellt. Der Band vereinigt 13 Beiträge von zwölf Autorinnen und Autoren sowie 18 Buchbesprechungen auf 358 Seiten, die sich thematisch mit antiker Archäologie, Mittelalterforschung und Zeitgeschichte befassen.
Valentin Loos warf einen Blick auf “Widerstand in Osnabrück” (Foto: Thorsten Unger)
Nach der Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Thorsten Heese warf der zweite Vorsitzende Thomas Brakmann einen Blick auf die Geschichte des Historischen Vereins und explizit auf Entstehung und Inhalt des neuen Bandes, der für “Kontinuität” steht und gleichzeitig auch “ein Spiegel des Wandels der lebendigen stadt- und regionalgeschichtlichen Forschung im Historischen Verein” ist. Der 130. Band (in 178 Jahren Vereinsgeschichte) ist darüber hinaus ein Jubiläumsband, denn seit 1985 erscheinen die OM ohne Unterbrechung jährlich.
“Der Name und die regionale Ausrichtung — Osnabrücker Land, Emsland, Grafschaft Bentheim — bleiben gültig, zugleich passen sich Forschungsfragen, Methoden und Darstellungsformen fortlaufend an”, so Brakmann. Die Osnabrücker Mitteilungen sind ein Pfeiler der hiesigen regionalhistorischen Forschung; sie waren und sind aber auch offen für neue Forschungsfragen, die sich teilweise erst durch die neuen technischen Möglichkeiten der jüngsten Zeit adäquat bearbeiten lassen oder stellen.
Hervorgehoben wurde, dass all dies vor allem der ehrenamtlichen Arbeit der Redaktion, der Autorinnen und Autoren sowie der Unterstützung durch Förderer wie den Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V., die Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück, die Stadt Osnabrück und die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück zu verdanken ist – nicht zu vergessen sind hierbei die zahlreichen Vereinsmitglieder, deren Kreis sich im Rahmen der Veranstaltung erfreulicherweise vergrößerte.
Rolf Spilker stellte seinen Beitrag zur Risch-Halle vor (Foto: Thorsten Unger)
Im Mittelpunkt der inhaltlichen Vorstellung des Bandes standen die drei Kurzvorträge von Achim Rost und Susanne Wilbers-Rost (“Zur Interpretation des Fundareals Kalkriese – Einige kritische Anmerkungen”), Valentin Loos (“Widerstand in Osnabrück – Osnabrück im Widerstand. Wahrnehmung und Bewertung des regionalen NS-Widerstands”) und Rolf Spilker (“Von Gasgeräten, einer Jazz-Legende und dem karierten Sakko von Peter Frankenfeld. Die Risch-Halle in Osnabrück”). Thomas Brakmann stellte darüber hinaus die weiteren Beiträge des Bandes kurz vor.
Abgerundet wurde die Buchvorstellung von musikalischen Einlagen des “Trio Chocolat“ des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums in Osnabrück, das das Chanson “La vie en rose”, das humoristische Studenten- und Volkslied “Als die Römer frech geworden” und eine Violinvariation zu “Bella Ciao” darbot.
Im Anschluss an die Buchvorstellung lud der Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück zu einem Sektempfang, der die Möglichkeit zu tiefergehenden Diskussionen und zum Kennenlernen bot.
“Regionale Forschung macht Lebenswelten sichtbar, erklärt, warum Orte und Gemeinschaften so geworden sind, wie wir sie heute erleben, und liefert damit wichtige Bausteine für Identität, Orientierung und historisches Verständnis”, so Thomas Brakmann. Viele bis in den späten Abend hinein reichende Gespräche und Diskussionen lassen hoffen, dass dies mit dem neuen Band und auch der gestrigen Veranstaltung wieder gelungen ist.
Zum Abschluss: Sektempfang und weiterführende fachliche Diskussionen (Foto: Thorsten Unger)