Hammer-Los ist keine Übertreibung. Das erste Pflichtspiel des FC St. Pauli als Wieder-Zweitligist steht fest – eine sportlich große Herausforderung, die zusätzliche Brisanz birgt. In der ersten Runde des DFB-Pokals (21. bis 24. August) müssen die Kiezkicker bei Drittligist Rot-Weiss Essen ran, der den Zweitliga-Aufstieg in der Relegation knapp verpasst hatte. Das ergab des Auslosung am Samstagabend in Dortmund. Heikel: zuletzt hat es Berichte über starke rechtsextreme Umtriebe innerhalb der Fanszene von RWE gegeben. Auch bewiesene und sanktionierte Sexismus-Vorfälle haben für Schlagzeilen gesorgt. Das alles dürfte die Partie zu einem Risikospiel machen.
Sportlich hätte es nicht viel schwieriger kommen können für den Kiezklub. St. Pauli war im sogenannten Profi-Topf der besten 32 Klubs (18 Bundesligisten, 14 Zweitligisten) der vergangenen Saison, während die Mannschaften auf den Plätzen 15 bis 18 der Zweiten Liga und die vier besten Teams der Dritten Liga – darunter Rot-Weiss Essen – zum ebenfalls 32 Vereine umfassenden „Amateur-Topf“ gehörten.
FC St. Pauli: Pokalspiel in Essen „ein schwieriges Los“
„Rot-Weiss Essen ist sportlich ein schwieriges Los, dazu erwartet uns an der Hafenstraße eine sehr intensive Atmosphäre“, sagte Sportchef Andreas Bornemann kurz nach der im Dortmunder Fußballmuseum durchgeführten Auslosung. „Genau solche Spiele machen den DFB-Pokal aber aus. Wir werden diese Aufgabe ganz sicher nicht unterschätzen. Gleichzeitig haben wir große Lust auf diesen Wettbewerb. Wir standen in den vergangenen fünf Jahren im DFB-Pokal dreimal im Viertelfinale und wollen auch in dieser Saison eine gute Rolle spielen.“
Es wird definitiv ein heißer Tanz werden im Essener Stadion an der Hafenstraße, das knapp 20.000 Plätze bietet. In der vergangenen Spielzeit lag RWE mit im Schnitt 17.800 Fans auf Rang vier der Zuschauertabelle der Dritten Liga. In der abgelaufenen Saison war die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat hinter den direkten Aufsteigern VfL Osnabrück (mit Ex-St. Paulianer Timo Schultz) und Energie Cottbus Dritter geworden und hatte in den beiden Relegationsspielen gegen Greuther Fürth (1:0, 0:2) nur knapp den Kürzeren gezogen.
Rot-Weiss Essen: ARD-Magazin berichtet über rechte Fans
Doch nicht nur sportlich hat RWE zuletzt Schlagzeilen gemacht. Im Mai hatte das ARD-Magazin „Monitor“ einen Report mit dem Titel „Wie Rechte die Fußballkurven erobern“ veröffentlicht, im Fokus dabei stand Rot-Weiss Essen. Dokumentiert wurden Vorfälle wie Hitlergrüße und rassistische Rufe im Stadion. Zudem gibt es ein Problem mit gewaltätigen Fans.
In dem ARD-Beitrag kommt ein langjähriger Essener Stadiongänger zu Wort, der anonym bleiben will. „Bei fast jedem Spieltag hört man rassistische Ausrufe“, berichtet er. „Bei fast jedem Spieltag sieht man rechte Szene-Kleidung, einen Hitlergruß oder die Aussage ‚Sieg Heil‘. Wir sehen bei uns am Standort Essen, dass es eine emporkommende junge Generation von Rechten gibt.“
Hitlergrüße und „Sieg Heil“ bei RWE an der Tagesordnung?
Der Verein reagierte mit einer Stellungnahme. „Rot-Weiss Essen nimmt sämtliche Hinweise auf Extremismus, Diskriminierung und menschenverachtende Tendenzen sehr ernst. Als Verein stehen wir für Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander – sowohl im Stadion als auch darüber hinaus. Entsprechend gehen wir Hinweisen konsequent nach und setzen Maßnahmen um, um problematischen Entwicklungen entgegenzuwirken.“
Zugleich trat die Klubführung der Berichterstattung entgegen. Man sehe „den ausgestrahlten Beitrag kritisch. Trotz der großen Präsenz von Rot-Weiss Essen im Bildmaterial und in der Berichterstattung entsteht aus unserer Sicht ein sehr einseitiges Bild, das an mehreren Stellen wichtige Zusammenhänge ausblendet oder Sachverhalte unzureichend einordnet.“
Übler Sexismus-Vorfall: Fans beleidigen Schiedsrichterin
Auch mit Sexismus-Vorfällen hat RWE bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Im Mai 2025 war der Verein nach „beleidigenden und diskriminierenden Rufen und Gesängen“ gegen Schiedsrichterin Fabienne Michel während des Heimspiels gegen den SC Verl am 28. März vom DFB-Sportgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro verdonnert worden. Beim RWE-Heimspiel gegen Schweinfurt im November 2025 hatten Essener Ultras in der Kurve Flyer verteilt mit Verhaltensregeln für den Support, eine davon: „Keine Weiber in den ersten Reihen.“ Auch das hatte für Schlagzeilen und Kritik gesorgt.
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Es gibt aber auch Gegenpositionen in der Essener Fanszene, die als heterogen gilt. Das Fan-Initiative „Rot-Weisse Solidarität“ engagiert sich gegen Diskriminierung. Dennoch sind die Kräfteverhältnisse in der Kurve schwer zu durchschauen.
Nazi-Problem bei St. Pauli-Gegner? So reagiert der Kiezklub auf das Pokal-Los wurde gefunden bei mopo.de
