Vorschau ansehen
Die Deutsche Bahn startet auf einer ihrer wichtigsten Nord-Süd-Achsen die größte Baustelle des Jahres: Zwischen Hamburg und Hannover wird bis Juli umfangreich saniert. Für Pendler und Fernreisende bedeutet das Umleitungen, längere Fahrzeiten und vielerorts Ersatzbusse. Ab dem 14. Juni verschärfen sich die Einschränkungen noch einmal deutlich. Ein Überblick darüber, was sich jetzt ändert – und worauf sich Hamburger einstellen müssen.
Schon seit Anfang Mai läuft die sogenannte „Qualitätsoffensive“ der Deutschen Bahn auf der Strecke Hamburg–Hannover. Allerdings geschieht das bislang nur in einer ersten Bauphase mit abschnittsweisen Sperrungen.
Bis 14. Juni: Noch fahren Züge – aber längst nicht mehr normal
Zwischen Hannover und Celle ist die Strecke bereits seit Wochen dicht. Auf anderen Abschnitten rollten bislang zumindest noch einzelne Fern- und Güterzüge weiter. Hintergrund ist die parallel laufende Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin: Weil dort bis Mitte Juni noch nicht der Regelbetrieb möglich ist, benötigt die Bahn Ausweichrouten für Fern- und Güterverkehr.
Für Reisende bedeutete das bereits spürbare Einschränkungen. Viele ICE- und IC-Züge zwischen Hamburg und Süddeutschland wurden umgeleitet, einzelne Verbindungen fielen aus oder brauchten deutlich länger. Auch im Regionalverkehr gab es bereits Ersatzbusse und geänderte Fahrpläne. Noch verkehren allerdings einzelne Fernzüge zwischen Hamburg und Uelzen beziehungsweise Lüneburg. Diese Restkapazitäten enden nun.
Ab 14. Juni: Die Strecke wird komplett gesperrt
Mit dem kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni beginnt die zweite und deutlich einschneidendere Phase der Bauarbeiten: Dann wird die Strecke Hamburg–Hannover vollständig gesperrt.
Bis zum 10. Juli fahren auf der direkten Verbindung keine regulären Züge mehr. Betroffen ist eine der meistbefahrenen Bahnstrecken Deutschlands mit einer Auslastung von bis zu 147 Prozent.
Die Bahn erneuert unter anderem Gleise, Weichen, Oberleitungen, Stellwerkstechnik sowie einzelne Bahnhöfe und Brücken. Ziel ist es nach Angaben der DB, die Strecke kurzfristig stabiler und pünktlicher zu machen, bevor 2029 eine komplette Generalsanierung folgt. Für Fahrgäste bedeutet die Vollsperrung vor allem: längere Reisezeiten, mehr Umstiege und weniger direkte Verbindungen.
Fernverkehr: ICE-Züge werden großräumig umgeleitet
Besonders betroffen ist der Fernverkehr zwischen Hamburg und Hannover sowie weiter Richtung Kassel, Frankfurt, München und Basel.
Die meisten ICE- und IC-Züge werden ab Hamburg über Bremen und Verden umgeleitet. Dadurch verlängern sich viele Fahrzeiten um etwa 30 bis 60 Minuten. Einzelne Verbindungen entfallen komplett. Vor allem Reisende aus Hamburg müssen sich darauf einstellen, dass gewohnte Direktverbindungen seltener werden oder andere Zwischenhalte bekommen. Teilweise ändern sich auch Abfahrtszeiten deutlich.
Die Bahn empfiehlt Fahrgästen ausdrücklich, Verbindungen vor jeder Reise neu zu prüfen. Hintergrund ist, dass während der Bauphase immer wieder Fahrplananpassungen vorgenommen werden. Besonders für Pendler problematisch: Die Ausweichstrecken sind ebenfalls stark belastet. Dadurch steigt das Risiko zusätzlicher Verspätungen im gesamten norddeutschen Netz.
Regionalverkehr: Busse ersetzen viele Züge
Im Nahverkehr setzt Niedersachsen gemeinsam mit der Deutschen Bahn auf ein groß angelegtes Ersatzverkehrssystem mit Bussen. Betroffen sind vor allem die Linien RE3, RB31, RE2 sowie weitere Regionalverbindungen zwischen Hamburg, Lüneburg, Uelzen, Celle und Hannover.
Die Busse fahren je nach Strecke in unterschiedlichen Takten – teilweise als Expressbusse ohne Zwischenhalt, teilweise mit Bedienung aller Bahnhöfe. Besonders wichtig für Hamburger Pendler:
Zwischen Hamburg und Lüneburg verkehren weiterhin Regionalzüge, allerdings mit Fahrplanänderungen. Südlich von Lüneburg werden viele Zugfahrten durch Busse ersetzt. Zwischen Uelzen, Celle und Hannover müssen Reisende oft vollständig auf Ersatzbusse umsteigen. Auf einzelnen Relationen werden Schnellbusse eingesetzt, um die Reisezeiten etwas zu verkürzen.
Die LNVG verspricht ein „leistungsstarkes Ersatzkonzept“ mit barrierefreien Bussen, Echtzeitinformationen und zusätzlichen Expresslinien. Fahrräder dürfen allerdings in den meisten Ersatzbussen nicht mitgenommen werden.
Vor allem im Berufsverkehr müssen Pendler dennoch mit deutlich längeren Reisezeiten rechnen. Je nach Verbindung kann sich die Fahrzeit um 30 bis 90 Minuten verlängern.
Was Hamburger jetzt beachten sollten
Für Reisende aus Hamburg dürften die kommenden Wochen vor allem eines werden: planungsintensiv. Wer regelmäßig Richtung Hannover, Göttingen, Kassel oder Süddeutschland fährt, sollte deutlich mehr Zeit einplanen. Auch Fahrten nach Lüneburg und Uelzen können länger dauern, weil Anschlüsse im Ersatzverkehr weniger stabil sind als im regulären Bahnverkehr. Die Bahn empfiehlt, möglichst frühere Verbindungen zu wählen, Anschlüsse großzügig zu planen, Tickets und Verbindungen kurz vor der Fahrt erneut zu prüfen und möglichst Stoßzeiten meiden.
Die gute Nachricht für Pendler: Die Sperrung ist zeitlich begrenzt. Ab dem 11. Juli soll die Strecke wieder regulär befahrbar sein – zunächst allerdings weiter unter Baustellenbedingungen an einzelnen Stellen.
Langfristig hofft die Bahn, dass die Qualitätsoffensive die Pünktlichkeit auf der chronisch überlasteten Strecke spürbar verbessert. (egr)
Bahn-Großbaustelle zwischen Hamburg und Hannover: Was Reisende wissen müssen wurde gefunden bei mopo.de
