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☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Thomas Abbt (1738–1766)

veröffentlicht.
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Literaturkritiker – Philosoph – Politiker

Eine Tagung des Niedersächsischen Landesarchivs Bückeburg,
17.–19. September 2026

Wiss. Leitung und Organisation: Stefan Brüdermann, Anne Pollok und Gideon Stiening

Thomas Abbt galt in den 1760er Jahren bis zu seinem sehr frühen Tod als eine Art „Wunderkind“ der Aufklärung. Sein Werk „Vom Tode für das Vaterland“ machte den an der Universität Frankfurt/Oder lehrenden 23-jährigen 1761 schlagartig bekannt. Im Herbst des gleichen Jahres nahm Abbt einen Ruf an die Universität Rinteln an, wo er als Professor der Mathematik tätig war. Durch sein zweites Buch „Vom Verdienst“ kam er im August 1765 mit Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe in Kontakt, im November 1765 folgte er dessen Angebot, als Regierungsrat in Bückeburg tätig zu sein. Leider verstarb er bereits ein Jahr später.

Abbt hat sich in seinem kurzen Leben auch mit anderen als religions- und literaturkritischen sowie soziopolitischen Themen und Fragestellungen beschäftigt. Neben seinem epistemologischen Skeptizismus und seine grundlagentheoretischen Arbeiten zur Geschichte, gibt es Arbeiten zur Logik, zur Anthropologie, zur Ästhetik und Geschlechterpolitik sowie zur Frage des Umgangs mit Vorurteilen. Sein umfangreicher Briefwechsel muss als eigener Werkbereich gewertet werden.

Die Tagung soll nicht nur die Entwicklungslinien der deutschsprachigen Aufklärung in den 1760er Jahren konkretisieren, sondern möglichst alle Arbeits- und Reflexionsfelder Thomas Abbts zu erfassen und zu interpretieren suchen sowie diese zu einem ‚Werkprofil‘ synthetisieren.

Programm

Do., 17.09.2026

09.00–09.30    Begrüßung und Eröffnung

1. Biografie und historischer Kontext

Diskussionsleitung: Anne Pollok

09.30–10.30    Stefan Brüdermann (Bückeburg): Thomas Abbt als Regierungsrat und Gesprächspartner des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe

10.30–11.00    Kaffeepause

11.00–12.00    Jana Kittelmann (Halle): Abbt als Briefschreiber

12.00–14.00    Mittagspause

2. Religionskritik und Philosophie

Diskussionsleitung: Gideon Stiening

14.00–15.00    Stefan Klingner (Göttingen): Abbts Religionskritik

15.00–16.00    Andree Hahmann (Mainz): Thomas Abbt über Wahrheitsgewissheit in der Metaphysik

16.00–16.30    Kaffeepause

16.30–17.30    Anne Pollok (Mainz): Ein Vermittlungsversuch? Abbt, Dohm und Mendelssohn

Fr., 18.09.2026

3. Ethik und Politik

Diskussionsleitung: Stefan Klingner

09.00–10.00    Achim Vesper (Frankfurt): Abbts Ethik in Vom Verdienste (1765)

10.00–11.00    Gideon Stiening (München): Abbt über das „Wohlwollen“ in der Schrift Vom Verdienste (1765)

11.00–11.30    Kaffeepause

11.30–12.30    Sophie Forst (Oxford): Abbt über die „Freundschaften der Frauenzimmer“

12.30–13.30    Mittagspause

13.30– 14.30   Oliver Bach (Tübingen): Abbts Republikanismus in der Schrift Vom Verdienste (1765)

4. Sprache, Literaturkritik und Ästhetik

Diskussionsleitung: Oliver Bach

14.30– 15.30   Hans-Peter Nowitzki (Jena): Abbts Ansichten über die Sprache

15.30–16.00    Kaffeepause

16.00–17.00    Vincenz Pieper (Osnabrück): Abbt als Autor der Briefe, die neuste Literatur betreffend

17.00–18.00    Lore Knapp (Bielefeld): Abbt und Klotz über ‚Schöne Wissenschaften‘

21.00–22.00    Öffentlicher Abendvortrag

Dietrich Schotte (Regensburg): Der Bürger als patriotisch-opferbereiter Citoyen? Thomas Abbts Vom Tode fürs Vaterland (1761)

Sa., 19.09.2026

09.00-10.00    Alina Schuch (München): Abbt als Biograf in Alexander Gottlieb Baumgartens Leben und Charakter

5. Geschichte und Geschichtsschreibung

Diskussionsleitung: Stefan Brüdermann

10.00–11.00    Antonino Falduto (Ferrara): Abbts Geschichtskonzeption

11.00–11.30    Kaffeepause

11.30–12.30    Demian Berger (Zürich): Abbts Geschichtsphilosophie

ca. 13.00         Ende der Tagung

Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldungen erbitten wir an: [email protected] oder telefonisch an 05722-967730

Veranstaltungsort:
Niedersächsisches Landesarchiv – Abteilung Bückeburg, Schlossplatz 2, 31675 Bückeburg, Vortragssaal (nicht barrierefrei)

Gefördert durch die Schaumburger Landschaft

(Auszug von RSS-Feed)

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Neubeginn nach dem Krieg: Eheschließungen polnischer Displaced Persons im Lager Bad Essen 1945

veröffentlicht.
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Auszug aus dem Heiratsregister von Bad Essen (NLA OS, Rep 492, Nr. 8004, 11/1945)

Bad Essen blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Zerstörungen verschont. Dennoch war der Ort unmittelbar von den Folgen des Kriegsendes betroffen. Wie in vielen Gemeinden der britischen Besatzungszone befanden sich hier nach 1945 zahlreiche sogenannte Displaced Persons (DPs) – Menschen, die sich infolge von Krieg, Verschleppung und Zivilzwang außerhalb ihrer Heimat befanden. Ein Teil von ihnen war polnischer Staatsangehörigkeit. Während der deutschen Besatzung wurden sie als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich deportiert. Nach Kriegsende wurden sie in Sammelunterkünften untergebracht, die in den Quellen als „polnisches Lager“ bezeichnet werden.

Diese Lager dienten der Versorgung und Registrierung der Betroffenen sowie der Vorbereitung ihrer Rückführung oder Auswanderung. Viele Menschen kehrten jedoch nicht sofort in ihre Herkunftsregionen zurück. Unsichere politische Verhältnisse, zerstörte Infrastruktur und neue Grenzziehungen führten dazu, dass zahlreiche polnische Displaced Persons über längere Zeit vor Ort verblieben.

Ein Standesamtsregister aus Bad Essen, das kürzlich in das Niedersächsische Landesarchiv übernommen wurde, dokumentiert diese Situation auf eindrucksvolle Weise. In den Einträgen ab Herbst 1945 häufen sich Eheschließungen, bei denen als Wohnort der Verlobten „polnisches Lager“ angegeben ist. Trauzeugen stammen häufig ebenfalls aus dem Lagerumfeld und sind dem Standesamt als Dolmetscher dienlich. Mehrfach wird vermerkt, dass die Identität der Brautleute dem Standesbeamten „auf Grund [der] Aufgebotsverhandlung bekannt“ sei – ein Hinweis darauf, dass Ausweisdokumente oft fehlten und die Feststellung der Identitätsdaten auf Zeugenaussagen beruhte.

Die Herkunftsorte der Eheschließenden liegen überwiegend in den Regionen Posen, Schlesien und anderen Teilen Polens. Diese Angaben spiegeln die Herkunft vieler während des Krieges verschleppter Arbeitskräfte wider.

Auffällig ist zudem, dass in mehreren Fällen Kinder erst nachträglich anerkannt wurden. Solche Legitimationsvermerke deuten darauf hin, dass Beziehungen bereits vor der standesamtlichen Eheschließung bestanden. Die nachträgliche Anerkennung diente der rechtlichen Absicherung der Familienverhältnisse und war insbesondere für die staatsrechtliche Stellung der Kinder von Bedeutung.

Geburteneinträge aus späteren Jahren weisen darauf hin, dass polnische Displaced Persons teilweise über längere Zeit in Bad Essen verblieben sind. Dies entspricht der historischen Situation: Viele DPs warteten auf Rückkehrmöglichkeiten oder zögerten aufgrund politischer Veränderungen in ihren Herkunftsgebieten eine Rückkehr hinaus.

Die Einträge verdeutlichen zugleich den sozialen Kontrast der unmittelbaren Nachkriegszeit. Zwischen den zahlreichen Eheschließungen polnischer Lagerbewohner findet sich die Trauung eines Angehörigen des Adels. Diese Gleichzeitigkeit des Seins verweist auf die räumliche und administrative Nähe sehr unterschiedlicher sozialer Gruppen im lokalen Alltag.

Auch administrative Veränderungen lassen sich im Register ablesen. Unmittelbar nach Kriegsende erscheint in den Eheformulierungen zur Hoheitsgewalt „im Namen des Reiches“ der Zusatz „und der englischen Militärregierung“. Diese Ergänzung dokumentiert den Übergang der staatlichen Hoheitsgewalt auf die britische Besatzungsmacht und deren Einfluss auf standesamtliche Verfahren. Parallel dazu ist eine Veränderung der Handschrift und Schreibweise festzustellen, was auf personelle Wechsel im Standesamt hindeuten könnte.

Administrative Veränderungen lassen sich im Register u.a. an handschriftlichen Ergänzungen erkennen (NLA OS, Rep 492, Nr. 8004, 11/1945)

Mit dem fortschreitenden Abbau der DP-Lager und der Rückkehr beziehungsweise Auswanderung ihrer Bewohner verloren diese Einträge in den folgenden Jahren wieder an Bedeutung. Gleichwohl dokumentieren sie eine Phase des Übergangs, in der sich globale Ereignisse unmittelbar im lokalen Raum niederschlugen.

Das Standesamtsregister der Gemeinde Bad Essen macht damit sichtbar, wie Menschen nach Jahren des Zwangs, der Entwurzelung und der Unsicherheit begannen, familiäre Strukturen neu zu ordnen und rechtlich abzusichern. Hinter den nüchternen Verwaltungsvermerken stehen individuelle Lebensgeschichten von Verlust und Neubeginn. Zugleich spiegeln die Einträge den administrativen und gesellschaftlichen Wandel der frühen Nachkriegszeit wider.

Solche Quellen erinnern daran, dass Archive nicht nur amtliche Vorgänge dokumentieren, sondern auch Zeugnisse menschlicher Erfahrungen bewahren. Sie eröffnen Perspektiven auf Migration, Integration und das Wiederaufkeimen ziviler Strukturen nach Krieg und Gewalt – Themen von bleibender historischer und gesellschaftlicher Relevanz.

Am 08. März 2026 öffnet das Niedersächsische Landesarchiv Abteilung Osnabrück von 11 – 16 Uhr seine Türen auch außerhalb der Öffnungszeiten: Der Tag der Archive wird alle zwei Jahre vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare ausgerufen. Das diesjährige Motto lautet „Alte Heimat – neue Heimat“. Neben Vorträgen, Informationsständen und einem Büchertisch des Historischen Vereins wird bei Magazinführungen unter anderem auch das Heiratsregister aus Bad Essen zu sehen sein. Zum gemeinsamen Programm mit dem Diözesanarchiv Osnabrück gelangen Sie hier.

(Auszug von RSS-Feed)
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