Auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) am 4. Juni 2026 sprach der Europaabgeordnete Petr Bystron über die Bedeutung von Kultur, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und diplomatischem Dialog zwischen Europa und Russland. Dabei verband er persönliche Erfahrungen mit einer grundsätzlichen Kritik an der aktuellen europäischen Außenpolitik.
Unsere Analyse beleuchtet die politischen Botschaften seiner Rede und zeigt, warum Kultur für Bystron weit mehr als ein Randthema der Außenpolitik ist.
SPIEF 2026: Kultur als Brücke zwischen Europa und Russland
Von REDAKTION | Zu Beginn seiner Rede verwies Bystron auf einen Vorfall in Deutschland, bei dem ein politischer Aktivist an der Ausreise zu einer Veranstaltung in Italien gehindert worden sei. Für ihn habe dies eine besondere Bedeutung, da er in der damaligen Tschechoslowakei hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen sei und daher sensibel auf Einschränkungen der Reisefreiheit reagiere.
Rückkehr zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit
Als Europaabgeordneter aus München verwies Bystron auf die enge Verbindung seiner Region zu international tätigen Unternehmen wie BMW und Siemens. Er äußerte den Wunsch, dass deutsche Unternehmen künftig wieder uneingeschränkt auf dem russischen Markt tätig sein können.
Petr Bystron (Bild Mitte) Auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) | Bild: screenshot YouTube
Die symbolische Gegenüberstellung deutscher Marken mit chinesischen Herstellern wie Geely und Haval die jetzt in Russland statt deutschen Autos präsent sind verdeutlicht diesen Gedanken. Für Bystron ist die Frage nicht nur, ob Russland auf westliche Produkte verzichten kann, sondern vor allem, wer die entstehenden Lücken besetzt. Seine Antwort lautet: Nicht Europa profitiert von der wirtschaftlichen Entkopplung Russlands, sondern vor allem asiatische Wettbewerber.
Besonders kritisch bewertete er den Rückzug von Siemens aus Russland. Politische Entscheidungen und Sanktionen seien dafür verantwortlich gewesen, dass ein Unternehmen mit einer jahrzehntelangen Präsenz das Land verlassen musste. Die Sanktionen erscheinen als Instrument politischer Einflussnahme ungeeignet und seien Maßnahmen, die europäischen Unternehmen selbst schade und gleichzeitig Wettbewerbern aus anderen Regionen neue Marktchancen eröffne.
Kultur als Instrument der Verständigung
Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Rolle der Kultur in den internationalen Beziehungen. Im Rahmen einer Diskussion über „Cultural Diplomacy“ und „Soft Power“ kritisierte Bystron die aktuelle außenpolitische Haltung vieler Entscheidungsträger in der Europäischen Union.
Er stellte fest, dass sich Teile der EU heute sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber den USA in einer konfrontativen Position befänden. Dies sei eine historisch einmalige Situation für Europa, während die USA sehrwohl den Kontakt mit Russland suchen und für ein Ende des Ukrainekrieges eintreten. In diesem Zusammenhang führte er das Treffen der Präsidenten Trump und Putin in Alaska an.
Gemeinsame Geschichte statt neuer Trennlinien
Besondere Aufmerksamkeit widmete Bystron der kulturellen Dimension der internationalen Beziehungen. Er verwies darauf, dass Russland und die europäischen Nationen seit Jahrhunderten einen gemeinsamen Kulturraum teilen und durch eine lange Geschichte miteinander verbunden sind.
Als positives Signal wertete er die Entsendung eines amerikanischen Kulturvertreters nach St. Petersburg. Dies zeige, welche Bedeutung Kultur für den Dialog zwischen Staaten habe und dass Russland international weiterhin als bedeutende Kulturnation wahrgenommen werde. Nach Ansicht Bystrons sollten insbesondere die europäischen Staaten die kulturellen Gemeinsamkeiten mit Russland stärker in den Mittelpunkt stellen und Kultur als Brücke für Verständigung und Kooperation nutzen.
Plädoyer für Dialog und kulturelle Diplomatie
Zum Abschluss seiner Rede betonte Bystron, dass nachhaltige Beziehungen zwischen Staaten nicht allein auf wirtschaftlichen oder geopolitischen Interessen beruhen könnten. Kultur schaffe Vertrauen, öffne Türen für Gespräche und bilde die Grundlage für langfristige Verständigung.
Seine Teilnahme am SPIEF verstand er daher als Beitrag zu einem Dialog, der zwischen Europa und Russland wieder intensiviert werden sollte. Die Rede in St. Petersburg zeigt, dass die Debatte über das zukünftige Verhältnis zwischen Europa und Russland längst nicht beendet ist. (CR)
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Der Kolonialismus, der nach 500 Jahren überwunden schien, ist inzwischen wieder zu neuem Leben erwacht. Heute kämpft die nordisch-atlantische Gemeinschaft mit Neokolonialismus und weltweiten Kriegen für die Wiedererrichtung, der von ihnen vermissten Einen-Welt-Herrschaft.
Angriffe, wie auf Venezuela, Iran und andere zeigen, dass
der kollektive Westen verstärkt auf Neo-Kolonialismus setzt
Von REDAKTION | Die laufende Zeitenwende hat den Westen dazu gebracht, seine Maske fallen zu lassen und offen seine exklusive Machtansprüche gegenüber der globalen Mehrheit nicht nur mit Worten, doch immer häufiger mit nackter Gewalt geltend zu machen.
Russland als Vorkämpfer gegen den Kolonialismus atlantischer Seemächte hat die ideologische Grundstruktur des kollektiven Westens schon früh entlarvt: Es handelt sich dabei um die Herrschaftsform transnationaler Oligarchien, welche nach ihrer Methode unterworfene Protektorate nach außen hin als Simulationsdemokratien verpacken, um sie von innen heraus im neo-kolonialen Stil parasitär auszusaugen.
Um die 85 Prozent der Weltbevölkerung gegen die Angriffe der 15% des Westens besser einzustellen, hat die russische Partei „Einiges Russland“ im Februar 2024 die Bewegung der Unterstützer des Kampfes gegen moderne Formen des Neokolonialismus – „Für die Freiheit der Nationen“ – gegründet. Es ist eine von Russland angeführte informell strukturierte Bewegung mit dem gestellten Ziel, politische Parteien aus verschiedenen Nationen zu vereinen, um dem immer gewaltsamer und brutaler auftretenden Neo-Kolonialismus abzuwehren.
Zu den neo-kolonialen Praktiken der hauptsächlich atlantischen Täterkreise zählen:
völkerrechtswidrige Sanktionen und restriktive Maßnahmen,
Finanzkriege und Währungsmanipulationen,
kulturelle Indoktrinationen und Geschichtsfälschungen,
psychologische Kriegsführung und Medienkampagnen,
regulatorische Repressionen und asymmetrische Kriegsführung,
An der Gründungsvollversammlung des Forums der Unterstützer des Kampfes gegen moderne Praktiken des Neokolonialismus – „Für die Freiheit der Nationen!“ – im Jahr 2024 nahmen 50 politische Bewegungen teil, darunter aus:
Afrika: Algerien, Angola, Dschibuti, Simbabwe, Mosambik, Namibia, Uganda, der Zentralafrikanischen Republik, Eritrea, Äthiopien und Südafrika.
Asien: Vietnam, Indonesien, Iran, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Japan, China, Nordkorea, Laos, Libanon, Malaysia, Mongolei, Myanmar, Nepal, Pakistan, Bangladesch, Palästina, Tadschikistan, Thailand, Usbekistan und den Philippinen.
Europa: Aserbaidschan, Armenien, Weißrussland, Bulgarien, Moldawien, Russland, Serbien und der Türkei.
Lateinamerika: Bolivien, Brasilien, Venezuela, Honduras, Kuba, Mexiko, Nicaragua, Peru und El Salvador.
Als Vorsitzende der Bewegung „Für die Freiheit der Nationen“ agiert Dmitry Medvedev und als stellvertretender Vorsitzender wirkt Andrey Klimov. Letzterer hat jüngst einen Artikel, wie nachfolgend in deutscher Fassung abgedruckt, zum Thema der neo-kolonialen Ambitionen der EU verfasst:
Andrey Klimow ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften,
vormaliger Abgeordneter der Staatsduma der Russischen Föderation der III., IV., V. und VI. Legislaturperiode aus dem Gebiet Perm,
Mitglied des Föderationsrates, Senator für das Gebiet Perm 2012–2025,
Mitglied des Präsidiums des Obersten Rates der Partei
stellvertretender Vorsitzender der internationalen Kommission des Generalrats von „Einiges Russland“ (Vorsitzender Sergey Lawrow),
stellvertretender Vorsitzender der Weltbewegung gegen den Kolonialismus
Mitglied des Russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik (SWOP).
Mitglied des Präsidiums des Ständigen Ausschusses der Internationalen Konferenz asiatischer politischer Parteien (ICCPP),
Mitglied des Russischen Schriftstellerverbandes,
Koordinator des russischen parlamentarischen „Eurasischen Dialogs“,
Ehrenprofessor der Staatlichen (Klassischen) Universität Perm (PSNIU).
Der Artikel: „Europa“ ohne Kolonialismus: Auf keinen Fall!
Von Andrey Klimow | Gestern erklärte ich in einem Interview durch einen armenischen Journalisten, dass die Liebe „Europas“ – wie sich die Europäische Union heute selbst bezeichnet – zum postsowjetischen Raum im Grunde genommen eine Fortsetzung der Kolonialpolitik des westlichen Kerns der Alten Welt ist, ohne die sich dieser seit bereits fünfhundert Jahren nicht weiterentwickeln kann.
[Anmerkung der Redaktion: EU-Repräsentanten und gleichgerichtete atlantische Kartellmedien pflegen das Territorium der EU-Staaten notorisch mit „Europa“ zu verwechseln, obwohl die Europäische Union nur 42% des Territoriums Europas geographisch abdeckt. Doch, so lässt sich Brüssels „Drang nach dem Osten“ erklären, wohl einmal mehr mit dem Gesamtanspruch auf den ganzen restlichen „Lebensraum“, um die vormaligen – von den Schweden 1705 bis zur NATO/Ukraine 2026 heute – doch allesamt gescheiterten Großmachtträume vielleicht doch noch realisieren zu können.]
Im 16. Jahrhundert waren es gerade der starke Bevölkerungsanstieg in Westeuropa und die Unfähigkeit der damaligen kriegerischen katholischen und später protestantischen Monarchien, den wachsenden Bedarf aus eigenen Ressourcen zu decken, was die Eroberung von Übersee-Kolonien in Asien, Afrika und Nord- und Südamerika durch England, Belgien, Holland, Spanien, Portugal und später auch von Deutschland und Italien anspornte. [Anmerkung der Redaktion: Sowie auch von USA insbesondere ab 1900 im Zuge der blutigen Kolonialisierung samt Völkermord an den Philippinen]. Experten der von „Einiges Russland“ initiierten internationalen Bewegung „Für die Freiheit der Nationen“ schätzen …
… den Gesamtschaden jener Kolonialpolitik des Westens, nach heutiger Kaufkraftparität, auf eine Billiarde Dollar!
Nach der Schwächung der westeuropäischen Imperien in den 1940er- und 1950er-Jahren infolge des Zweiten Weltkriegs befreiten sich jedoch Dutzende von Nationen weltweit aus deren Herrschaft. Doch statt echter Freiheit erhielten viele von ihnen neue, neokoloniale Fesseln – weniger auffällig, aber nicht weniger fest und ausbeuterisch – verpasst. Damals war es jedoch gerade die UdSSR, die den Ländern der „Dritten Welt“ in vielerlei Hinsicht half, sich gegen die massiven Abgaben ihrer ehemaligen westeuropäischen Metropolen zu wehren.
Doch nach dem Zusammenbruch der UdSSR konnte der Westen seine neokoloniale Ausbeutung verstärken und begann, den Raum Osteuropas, der zuvor auf Moskau ausgerichtet war, sowie die ehemaligen Republiken der UdSSR im kolonialen Stil zu erschließen. Von dort wurden Arbeitskräfte und natürliche Ressourcen in Richtung Westen abgezogen:
Beispielsweise verlor das Baltikum mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung im Vergleich zur Sowjetzeit, in der es eine beschleunigte sozioökonomische und kulturelle Entwicklung erlebt hatte.
Armenien ist nach dieser bedauerlichen Liste für Ziele der europäischer Neokolonialisten keinesfalls eine Ausnahme geblieben. In diesem kleinen Bergland gibt es sowohl Bodenschätze als auch ein gewisses Maß an Arbeitskräften. Doch der Hauptvorteil Armeniens besteht darin, dass es für den Westen die Rolle eines Trojanischen Pferdes im gesamten Kaukasus spielen und neben anderen Ländern in der russischen Nachbarschaft zu einem weiteren potenziellen Werkzeug zur Zerstörung unseres Vaterlandes werden kann. Darüber bin ich mir sicher, dass weder das armenische Volk noch seine historische Heimat und alte Kultur, geschweige denn die derzeitige Führung dieses postsowjetischen Landes jetzt oder künftig für die EU-Spitzenpolitik von Interesse wären…
Das Gesagte gilt nicht nur für die Armenier. Auf ähnliche Weise werden von Brüssel, Paris und Berlin auch die Serben, Moldauer, Weißrussen und Georgiern behandelt… Allerdings fällt man in Minsk und Tiflis – im Gegensatz zum heutigen Eriwan – nicht so leicht auf die neokolonialen Köder des Westens herein, wofür jene ihre guten Gründe haben.
Ich werde versuchen, dieses Thema – den neokolonialen Parasitismus der EU – am 4. Juni auf der Plattform des St. Petersburg International Economic Forums (SPIEF) zu beleuchten. Inzwischen empfehle ich Ihnen sehr, meinem Kanal auf Zen unter „Kamerad Klimov“ https://dzen.ru/klimov342 sowie meiner Autorenwebseite unter www.klimov342.ru zu folgen.
Ende des Artikels von Andrey Klimow
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
Fortsetzung folgt
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Mearsheimer erläutert im letzten Teil der Serie – auf „Daniel Davies Deep Dive“ – welche Probleme auftreten, falls vermeintliche Blitzkriege nicht aufgingen, doch sich in die Länge ziehen, wie in der Ukraine und im Iran.
John J. Mearsheimer: Was man aus den Kriegen in Vietnam
und Afghanistan alles lernen kann? – Das Transkript von Teil 3
Daniel Davies: Da gäbe noch en weiteren Aspekt zu besprechen, doch wir nähern uns dem Ende der Sendezeit. Hätten Sie noch ein paar Minuten für weitere Fragen?
John Mearsheimer: Okay!
Daniel Davies: EU-Europa kann das so sehen [Russland als Gefahr einer UdSSR 2.0] und sagen: „Nachdem die Russen diese Bedrohung darstellen, machen wir weiter.“ Ich meine, man macht sich gerade daran EU-Europa wieder aufzurüsten, z.B. mit einem dafür auf 5% erhöhten BIP-Anteil.
Doch das benötigt ein Jahrzehnt: Douglas Macgregor hat in der Sendung dargelegt, wie lange es dauern würde, die Streitkräfte tatsächlich wieder aufzurüsten. Wenn man ihren derzeitigen Zustand betrachtet, verfügen sie nur über eine lächerliche Truppenanzahl. Man hat im Laufe der Jahre so viel Material in die Ukraine abgegeben, dann an Israel und jetzt den Rest im Iran verbraucht. Unsere wichtigsten Waffensysteme, die Sie zuvor erwähnten – seien es die JASSMs, Tomahawks, THAAD- oder PAC-3-Abfangraketen-Systeme – diese sind bei uns so gut wie aufgebraucht.
Hingegen hat Russlands Verteidigungsindustrie auf konventioneller Ebene alle möglichen Waffe aufs Lager produzieren lassen. Wir müssen einsehen, im Moment das nicht zu schaffen. Selbst wenn wir wollten, muss uns klar sein, dass wir im konventionellen Bereich derzeit nicht mit Russland mithalten können. Wird das in unsere Köpfe hineingehen, um eine rationale, wenn auch delikate Entscheidung, zu treffen?
John Mearsheimer: Ich glaube, man hat die Situation, wie gesagt verstanden. Übrigens, wie Sie betonten, wonach die Produktionsstätten in den Vereinigten Staaten und besagten europäischen Ländern sich in einem so erbärmlichen Zustand befänden, dass wir die Rüstung, die man bräuchte, um in Ländern wie Deutschland und Frankreich und den anderen eine schlagkräftige Armee aufzubauen, nicht schnell genug beschaffen können. Das wird also nicht passieren!
Doch es geschieht, dass …
… die Europäer die Ukrainer benutzen, um den Kampf für sich führen zu lassen!
Das ist eine sehr schäbige Art, Geschäfte zu machen. Es ist eine Form des Wegschiebens – mit anderen Worten: Aus Sicht der Europäer will man die Russen ausbluten lassen!Wollte man ihnen diese Geschichte, die sie sich zurechtlegten, abnehmen, indem die Russen als Wiedergeburt der Sowjetunion darauf aus wären, wieder nach Berlin zu marschieren, doch man sie selbst nicht aufhalten könne, so nutzt man dazu eben die Ukrainer und genau das tun sie:
Sie nutzen die Ukrainer und geben der Ukraine die Waffen, um Russland angreifen zu lassen!
So waren es nicht die Europäer selbst, die im August 2024 in Kursk einmarschierten: Es waren die Ukrainer mit Unterstützung des Westens. Das gilt auch für den Angriff auf die [strategische] Bomberflotte [Russlands]. Was den derzeit stattfindenden, eskalierenden Drohnenkrieg gegen das russische Hinterland angeht, so führen die Ukrainer die Kämpfe. Sie feuern zwar die Drohnen ab, aber es handelt sich größtenteils um westliche Flugkörper, was sie stark von der Unterstützung westlicher Geheimdienste abhängig macht. Wir arbeiten somit mit den Ukrainern zusammen, …
… aber die Ukrainer erledigen die Drecksarbeit!
Die EU-Europäer lehnen sich inzwischen zurück und konzentrieren sich stattdessen darauf, ihre Streitkräfte für den Dritten Weltkrieg hochzurüsten, während sie die Ukrainer in der Zwischenzeit auf die Russen losgehen lassen.
Daniel Davies: Doch, das scheint nicht realisierbar: Ich meine, es würde zu viele Jahre dauern, um eine solche Mobilisierung der Kriegswirtschaft voranzubringen. Das ließe sich nicht rechtzeitig umsetzen. Denn so ein Ereignisfall könnte buchstäblich schon in wenigen Tagen eintreten – möglicherweise nach Angriffen auf Kiew.
Lassen Sie mich Ihnen dazu eine letzte Frage stellen. Falls man Sie morgen nach Brüssel zitieren würde, um nach Ihrer Empfehlungen zu fragen, was würden Sie in einer solchem Fall Brüssel raten, um …
eine Eskalation im konventionellen, geschweige nuklearen Bereich, zu vermeiden?
der Situation eine gewisse Stabilität zu verleihen?
Was für eine Politik rationaler Art, sollte man künftig einschlagen?
John Mearsheimer: Ich denke, es ist völlig klar, was zu tun wäre:
Wir sollten die Unterstützung der Ukraine im Drohnenkrieg gegen Russland einstellen!
Darüber sollten wir die Ukrainer drängen, den Drohnenkrieg zu beenden und eine Art Friedensabkommen mit Russland zu schließen. Ich wiederhole, was ich zuvor schon sagte: Die Europäer benutzen die Ukrainer, um Russland niederzuschlagen. Es ist ganz klar, dass die europäischen Eliten ein tiefes Interesse verspüren, Russland zu besiegen, um sie aus den Reihen der Großmächte ausschließen und ihnen massiven Schaden zufügen zu lassen. Sie möchten das nicht selbst ausführen, doch wollen, dass die Ukrainer das für sie verrichten:
Sollten die Ukrainer sich dabei zu Tode bluten, so sei es!
Dieser Krieg liegt nicht im Interesse der Ukraine – wir haben das schon bis zum Überdruss durchgesprochen. Es liegt vielmehr im Interesse der Ukraine, jetzt ein Friedensabkommen abzuschließen, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Die Ukrainer werden niemals jene 20% des ukrainischen Territoriums, welches sie verloren haben, zurückerhalten. Noch werden sie die Krim wieder bekommen. Sie werden somit jene Gebiete im Donbass sowie in Saporischschja und Cherson, welche sie verloren haben, nicht zurückbekommen. Diese sind weg – so gilt es vielmehr jetzt ein Abkommen zu schließen.
Man sollte den Druck auf die Ukrainer erhöhen, damit sie einen Deal machten. Wir sollten unbedingt Druck auf die Ukrainer ausüben, damit sie aufhören, das russische Mutterland mit Drohnen zu beschießen:
Denn das könnte, wenn wir nicht aufpassen, zu einer Katastrophe führen!
Ich denke, was zu tun wäre, liegt auf der Hand und ist seit geraumer Zeit ziemlich offensichtlich. Aber unsere Argumente scheinen in den Wind gesprochen, denn kaum jemand an der Macht will daran glauben, wonach die Lösung dieses Konflikts, was im Interesse Europas und im dem der Ukraine läge, darin bestünde, diesen Krieg beenden zu lassen. Es liegt nicht im Interesse der Ukraine, diesen Krieg fortzuführen.
All diese Rhetorik, die man vernimmt, wonach die Ukraine für Demokratie kämpfe und dass man sie weiterhin unterstützen und die Ukraine bis zum bitteren Ende kämpfen soll. Dass sie die Russen am Ende besiegen könnten, ist Unsinn – die Ukraine wird Russland am Ende nicht besiegen. Tatsächlich machten die Russen inzwischen klar: Je besser die Ukraine gegen Russland abschneiden würde und genau das geschieht gerade mit immer effektiveren Drohnenangriffen, desto heftiger würden die Russen kontern. Die russische Reaktion bedeutet zugleich: Eskalation!
Das heißt, alles, was die Ukraine jetzt oder in Zukunft unternehmen würde, um ihre Lage zu verbessern, würde eine Eskalation auf der russischen Seite nach sich ziehen. Natürlich würden die Europäer und die Ukrainer nachziehen, gefolgt von den Russen:
So ginge es die Eskalationsleiter stetig hoch!
Wer weiß schon, wie das enden würde? Aber man kann von Szenarien ausgehen, die kein glückliches Ende versprechen. Deshalb wäre es das Beste, den Leuten in Brüssel zu raten, diesen Krieg einstellen zu lassen. Doch noch einmal: Das ist ein Argument, das Sie und ich schon seit langem vertreten haben. Doch aus irgendeinem Grund scheinen es jene Leute [in Brüssel] einfach nicht zu begreifen!
Daniel Davies: Ich habe das Gefühl, dass wir uns gerade in einer Situation befinden, wobei viele dieser Leute, wie Rutte, Starmer, Merz oder Macron und dergleichen, keine dummen Leute sind: Ich könnte mir vorstellen, dass diese ggfs. zu ähnlichen Ergebnissen, wie wir sie gerade besprachen, kamen. Sie können das sicher auch abschätzen, insbesondere nachdem russische Raketen beginnen würden, die Ukraine samt Kiew auf eine Weise zu vernichten, wie es bisher noch nicht geschah: Indem sie die zweite, dritte und vierte Eskalations-Stufe kommen sähen, doch diese vom Tisch haben wollten, wie Sie es gerade sagten.
Doch es scheint, als wären sie in einer mentalen Falle gefangen: Nachdem sie ihre ganze Karriere darauf aufgebaut hatten, so aufzutreten, fiele es ihnen schwer jetzt einen Rückzieher zu machen: Sie könnten befürchten ihre Machtpositionen zu verlieren, was sie dazu bewegen dürfte, einfach gedankenlos mit Eskalationen weiterzumachen. Das könnte bis hin zu einer potenziellen nuklearen Eskalation gehen, obwohl sie wüssten, dass es das Falsche wäre.
Sind Sie schon einmal in der Geschichte auf solche Situationen gestossen, bei denen man zwar wusste, was das Richtige wäre, sich aber dennoch machtlos fühlte, um einfach über die Klippe zu gehen?
John Mearsheimer: Ich glaube, man stößt laufend auf ein solches Verhalten. Es erinnert mich an den Vietnamkrieg, aus dem ich eine Menge an Lehren zog. Ich arbeitete von 1965 bis 1975 beim amerikanischen Militär, was zeitlich mit dem Vietnamkrieg zusammenfiel. Eine Lektion, die ich daraus zog, besagt, sich niemals in solche Kriege, wie in Vietnam einzulassen. Eine weitere Lektion, die ich in diesen Jahren lernte, war:
Es ist sehr leicht in solche Kriege hineinzugeraten, aber ungemein schwer wieder von dort herauszukommen!
Das ist einfach bemerkenswert und man hat es in Vietnam sowie auch in Afghanistan erlebt. Schon früh im Krieg gegen Afghanistan, nach vier bis sechs Jahren, wurde klar, dass wir in einem Sumpf steckten: Wir hatten keine Strategie, um den Krieg zu gewinnen. Doch wir brauchten 20 Jahre, um da wieder herauszukommen: Ganze zwanzig Jahre!
Sprechen wir über den Krieg im Iran: Wir werden wahrscheinlich auch noch in den nächsten Jahren darüber sprechen. Als Präsident Trump am 28. Februar 2026 in diesen Krieg zog, ging er davon aus, einen schnellen und entscheidenden Sieg zu landen: Er wollte das Regime stürzen lassen. Das wäre zugleich das Kriegsende gewesen und alles wäre fein bis ans Ende unserer Tage so geblieben.
Doch nachdem es daneben ging, landete man in einem langwierigen Krieg. Sich daraus zu befreien, ist extrem schwierig. Der Ukrainekrieg gibt dafür ein perfektes Beispiel ab. Um auf die Ursprünge dieses Krieges zurückzukommen: Viele Leute sagen, Putin sei in die Ukraine einmarschiert, um das ganze Land zu erobern. Er wäre darauf aus gewesen, Kiew zu erobern. Würde Kiew fallen, wäre die ganze Ukraine gefallen. Es wäre dann, wie mit Frankreich im Jahr 1940 gelaufen.
Doch das war hier nicht der Fall! Putin hingegen startete einen begrenzten Angriff auf die Ukraine. General Syrskyj [Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte] sagte, Russland sei nur mit 100.000 Kampftruppen einmarschiert. Ich habe die Zahl auf 190.000 [für die Truppen gesamt] als höchste Schätzung abgegeben. Syrskyi nannte 100.000 Mann, was nur eine kleine Streitmacht darstellt. Putin hat nicht versucht, Kiew zu erobern. Mit 100.000 Soldaten hätte er Kiew gar nicht erobern können, denn diese 100.000 Soldaten verteilten sich…
Daniel Davies: … auf fünf verschiedene Achsen!
John Mearsheimer: Genau! Was hat er also getan? Putin wollte einen begrenzten Krieg beginnen, um zu zeigen, wie ernst es ihm sei, um danach Verhandlungen mit den Ukrainern aufnehmen. Zwei oder drei Tage nach Kriegsbeginn sandte Putin eine Botschaft an Selenskyj mit dem Vorschlag Verhandlungen aufnehmen zu lassen.
Genau das führte fast unmittelbar im Anschluss zu Verhandlungen, die in Weißrussland begannen und dann nach Istanbul verlegt wurden. Das sind die berühmten Istanbul-Verhandlungen vom März bis Anfang April 2022! Es sah so aus, als würde Putins Strategie aufgehen. Mit anderen Worten: Es war eine Strategie mit begrenztem Ziel. Putin war nicht darauf aus, die gesamte Ukraine einzunehmen. Er war vielmehr darauf aus, einzumarschieren und diese Invasion dann als Mittel zu nutzen, um die Ukraine dazu zu bringen, im Rahmen des Istanbul-Prozesses eine Einigung zu erzielen. Er kam tatsächlich sehr nahe daran Erfolg zu haben! Hätten Boris Johnson und die Amerikaner den Ukrainern nicht gesagt, sich aus den Verhandlungen zurückziehen, hätten man eine Einigung erzielen und diesen Krieg schon damals beenden können.
Aber das Problem von Putin dann war: Wenn man eine Strategie mit begrenztem Ziel verfolgt und man die andere Seite nicht entscheidend besiegt, man darüber in einen [langen] Krieg gerät: Aus diesem Krieg kommt man sehr schwer nur wieder heraus. Putin befindet sich inzwischen im fünften Jahr dieses Krieges!
Daniel Davies: Ihre Analyse trifft haarscharf auf den Punkt!
John Mearsheimer: In gewisser Hinsicht bewegt sich Putin in demselben Dilemma, wie die USA in Vietnam und Afghanistan sowie heute wieder im Iran. Ich hoffe, dass ich mich mit diesen Vergleichen in Bezug auf den Iran und die Ukraine irrte.
Wenn man in einen Krieg zieht und glaubt, einen schnellen und entscheidenden Sieg holen zu können, doch dieses Ziel nicht erreicht, findet man sich in einem langwierigen Krieg wieder, so wie die USA im Iran. Wir dachten: Mit Schock & totale Enthauptung [in Anlehnung an das US-Kriegsmotto „Shock & Awe (Schock & Furcht)“ für den Irakkrieg im Jahr 2003] an einen entscheidenden (schnellen) Sieg!
Sie kennen den Rest der Geschichte: Das passierte nicht. Hier stehen wir nun. Bei Putin liegt der Fall insofern anders, als Russland keinen schnellen und entscheidenden Sieg erwartete: Putin wollte nur [über militärische] Gewalt zeigen, wie ernst es ihm sei, um Verhandlungen in Gang setzen, was ihm auch gelang. Er kam nahe ans Ziel, aber „nahe“ ist nicht gut genug, wenn es um Kriege geht. Hier befindet er sich in einem langwierigen Krieg, aus dem er sich – seien wir ehrlich – nur schwer wieder wird herauswinden können!
Das führt zum Punkt, den wir beide hier festmachten: Es offensichtlich, was hier zu tun wäre, nämlich jetzt einen Deal zu machen. Doch niemand hört zu: Das ist nur eine andere Art zu sagen, wie schwierig es ist, aus einem Krieg herauszukommen, wenn man erst einmal in diesen hineingeraten ist.
Daniel Davies: Unglücklicherweise werden wir es so oder so herausfinden, denke ich. Gerade eben habe ich eine Nachricht von jemandem, der Einblick in die Pläne der Russen hat, erhalten: Er sagt, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis zum ersten Schlag gegen Kiew. Man rechnet damit, dass es nichts bewirken werde, worauf man für Phase 2 bereitstünde.
Wir werden sehen, ob das passiert. Ich bete zu Gott, dass es nicht so weit kommt. Doch, wie Sie eben mit ziemlich fundierter Logik ausführten, wird das wahrscheinlich eintreten. Ich mache mir große Sorgen, wohin diese Dinge sich noch entwickeln könnten und wie man darauf reagieren werde. Mehr überschauen wir nicht, doch wissen es zu schätzen, dass Sie Licht in die Lage brachten – vielen Dank!
John Mearsheimer: Es war mir ein Vergnügen – danke, dass ich teilnehmen durfte.
Daniel Davies: Es ist mir immer eine Freude!
Ich möchte die Zuseher erinnern, dass sie, besonders nachdem sich etwas ereignet hätte, auf mearsheimer.substack.com gehen sollten. Ich bin mir sicher, Mearsheimer wird viel zu sagen haben über das, was auf uns zukommen dürfte. Auch wir werden das ebenfalls behandeln, sowie oder sobald etwas passieren werde.
Vielen Dank und wir sehen uns alle in der nächsten Folge von „Daniel Davis Deep Dive“. Vergesst nicht, das Euren Freunden, die gerne Podcasts schauen, mitzuteilen. Bringt sie dazu, „Daniel Davis Deep Dive“ zu ihrer Podcast-Liste hinzuzufügen. Sie müssen wissen, was Ihr wisst. Sie können es dort finden, wo sie ihre Podcasts bereits beziehen – Ihr müsst es ihnen nur sagen!
Ende der Serie
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Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
Teil 1 des Gesprächs zwischen Daniel Davies und John J. Mearsheimer erschien: HIER
Teil 2 des Gesprächs zwischen Daniel Davies und John J. Mearsheimer erschien: HIER
Der Interview auf „Daniel Davies Deep Dive“ mit J. Mearsheimer auf Englisch:
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Nachdem der „Tätervolk-Wanderpokal” von den Juden über die Deutschen gerade an die Russen von westlichen Medien und Politikern weitergereicht wurde, verwundert es wenig, dass man Russland nun auch als Auslöser des Ersten Weltkriegs verantwortlich macht.
Kriegschuldfrage nach „Bedarf“
Von REDAKTION | Gleich vorweg: Dieser Beitrag wird sich nicht mit der Kriegsschuld der am Ersten Weltkrieg beteiligten Staaten befassen. Mit Büchern, die sich damit befassen, könnte man ganze Bibliotheken füllen. Fest steht, dass aus der Sicht von Siegermächten natürlich die jeweiligen Kriegsverlierer die Schuld tragen – mit entsprechenden Konsequenzen. Das war schon immer so.
Für Deutschland waren es nach dem Ersten Weltkrieg die nicht zu stemmenden Reparationszahlungen samt Landabtretung und für Österreich/Ungarn die Zerschlagung der Monarchie sowie das Abtreten Südtirols an den zuvor noch verbündeten Staat Italien, der 1915 auf Zuruf der Briten die „Seiten wechselte“, da ihm Südtirol als „Lohn“ für den Verrat zugesagt wurde.
Die entsprechenden Knebelverträge waren bekanntlich auch die Auslöser des Zweiten Weltkriegs. Sollte es demnächst einen Dritten Weltkrieg geben, so wird auch dieser indirekt die Folge dieser furchtbaren Entwicklungen sein.
Da die historische Betrachtung über „gute“ und „böse“ Staaten von britischen Kreisen kuratiert wird, verwundert es wenig, dass bereits seit 2014 (Anektion der Krim durch Russland) seitens englischer Historiker die Kriegsschuldfrage für den Ersten Weltkrieg von Deutschland weg in Richtung Russland verschoben wurde. Schließlich galt es, Russland als neuen „Schurken“ aufzubauen – mit all den Folgen, die ein „Tätervolk“ eben so zu tragen hat. Besonders unappetitlich dabei ist, dass auch Privatpersonen dieses „Tätervolkes” im Westen persönlich diskriminiert werden. Die Palette reicht von Auftrittsverboten für Künstler und Sportler bis hin zu Schikanen aller Art. Das ist nichts Neues, was historisch Gebildete sicher bestätigen können.
Obwohl die Publikationen zur Neubewertung der Kriegsschuldfrage bezüglich des Ersten Weltkriegs bereits zehn Jahre alt sind (siehe Links unten) und die meisten von uns vermutlich nichts davon mitbekommen haben, scheint man sich nicht zu entblöden, ausgerechnet jetzt, am Vorabend eines Dritten Weltkriegs, die Katze aus dem Sack zu lassen. So konnte man beispielsweise in der FAZ von einer „Kriegsschulddebatte 1914” lesen. Nach der oben gezeigten Überschrift als Einleitung des Artikels konnte man Folgendes lesen:
„Das Völkerrecht konnte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht verhindern. Joachim Dolezik von der Universität Wien geht über Christopher Clark hinaus und sucht die Hauptschuld bei Russland.“
Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet jetzt, im Jahr 2026, von einer „Neubewertung“ die Rede ist, obwohl die entsprechenden „neuen Erkenntnisse“ bereits zehn Jahre zurückliegen und derartige entlastende Argumente von „bösen“ Revisionisten schon seit Jahrzehnten publiziert wurden, wie im Artikel schon erwähnt.
Signalisiert man den (jetzt ehemaligen) deutschen und österreichischen Schuldneurotikern etwa, dass eine erhoffte Niederlage Russlands im aktuellen Ringen mit der EU und Großbritannien mehr als gerecht sei, weil man sich in der Kriegsschuldfrage leider 100 Jahre lang „geirrt“ habe? Und dass man jetzt gemeinsam mit England den „Fehler“ Churchills wiedergutmachen wolle, der gesagt hat, man habe das „falsche Schwein geschlachtet“ und nun gemeinsam mit unseren angloamerikanischen „Freunden“ das „richtige Schwein“ schlachten wolle? Beute gäbe es ja genug, was den „Drang nach Osten“ aus der Sicht der gerade kriegstauglich zu Machenden schon wieder erklärbar macht.
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Im zweiten Teil des Gesprächs zwischen Daniel David und Professor John J. Mearsheimer auf dem Podcast Deep Dive geht es um die Sackgasse, in die sich der Westen manövriert hat: Wie könnte es weitergehen?
John Mearsheimer: „Viele Bürger Russlands haben das Gefühl,
dass Putin nicht früh genug ein Machtwort gesprochen hätte!“
Von REDAKTION | „Gefühle“ entspringen emotionalen Ursachen, doch können sich schnell in Narrative verwandeln, die dann jedoch nur auf Scheinwelten und Fiktionen der von diesen Gefühlen getragenen Massen beruhen. Der Spin mit Gefühlen bildet das Grundprinzip auf dem atlantische Propagandisten und Spindoktoren ihre Desinformationen aufmachen. Besagte Propaganda im Westen wird von den atlantischen Kartellmedien verbreitet, um sie dem Volk „voll mit Gefühlen“ als sogenanntes „Narrativ“ unterzuschieben!
So kann das zunehmende Gerede von „russischen Nuklearangriffen“ im Westen sehr schnell dazu beitragen über besagte „Gefühle“ Tatsachen verdrehen zu lassen, wie vor allem in Bezug auf Unterschiede zwischen der US-Nuklearstrategie [US-Nationale Sicherheitsstrategie, Nuclear Posture Review (NPR) und National Defense Strategie der USA] und der Nukleardoktrin Russlands:
Die USA haben sich in ihrer Nuklearstrategie stets geweigert einen nuklearen Erstschlag [No-First-Use] auszuschließen!
Die USA gehen sogar soweit, versteckt hinter semantischen Wortschöpfungen, wie „Präemption“ und „Prävention“, „extreme Umstände“ für einen US-Erstschlag, z.B. wie folgend offiziell definieren zu lassen:
Einen „Feind“ – ohne konkrete Beweise für einen bevorstehenden Angriff – nuklear angreifen zu lassen, bevor er über gefährliche Fähigkeiten verfügte!
Nicht-nukleare Bedrohungen, wie z.B. biologische Chemiewaffen-Potentiale nuklear ausschalten zu lassen, obwohl gerade die USA, was das Thema biologische Giftküchen betrifft, dafür weltweit die führenden Weltmeister sind!
Die Russische Föderation dagegen sieht nukleare Schläge nur für den Fall vor, dass der feindliche Angriff das nukleare Abschreckungspotential oder die Existenz des russischen Staates auszuschalten drohe: Allerdings sprechen Vertreter westlicher Eliten regelmäßig von der Zerschlagung Russlands, doch glücklicherweise unterscheidet die russische Führung zwischen Polit-Geplapper durch Repräsentanten von US-Vasallenstaaten und praktischer Umsetzung, wie z.B. über den Proxy- oder Vertreterstaat Ukraine:
So wartet Russland noch ab!
John Mearsheimer erläuterte im Teil 1 des Interviews die Logik hinter der Theorie des russischen Politikwissenschaftlers Sergei Karaganow, der ein viel radikaleres Eintreten Russlands nach Überschreiten roter russischer Linien durch den kollektiven Westen einmahnt und dabei die nukleare Komponente mit ins Spiel bringt. Hinweis: UNSER MITTELEUROPA veröffentlichte mehrere Artikel zu den Thesen von Sergei Karaganow – siehe Links im Anhang.
Zwischen den Extremen einer Speziellen-Militär-Operation [SMO] – sprich einer Militäroperation mit angezogener Handbremse – und dem Einsatz von Nuklearwaffen, existiert jedoch ein breites Spektrum anderer effektiverer Handlungsmöglichkeiten, die sich Russland anböten: Russland ist nicht nur eine der stärksten Nuklearmächte der Welt, sondern verfügt auch über eine kampfstarke konventionelle Armee auf höchstem Niveau. Dazu verfügt die Russische Föderation über eine Waffentechnik auf dem Gebiet für Hyperschall-Raketen, welchen den Feinden Russlands fehlt.
Unter russischen Raketen der letzten Generation fallen z.B. die Typen Oreshnik, Kinzhal, Zircon oder Iskander. Die US-Patriot-Raketenabwehr wäre heute nur in der Lage Iskander-Kurzstrecken-Raketen abzufangen. Westliche Experten sind sich über die eklatanten militärischen Schwächen des konventionellen Bereichs voll und ganz bewusst. Dabei geht es nicht nur um unterlegene Waffentechnik an sich, sondern ergänzend dazu um weitere zusätzlich Defizite, die ähnlich fatal klingen:
fehlende Produktionskapazitäten für Waffenarsenale generell, wie z.B. 155 mm Artilleriegranaten, die dem kollektiven Westen in der Ukraine ausgingen!
fehlende Rohstoffe im Westen, wie gegenwärtig Wolfram und Seltene Erden, was westliche Produktionsbänder hier und heute stillstehen lässt!
fehlende militärische Logistik und Infrastruktur, welche den westlichen Streitkräften aufgrund ihres kaputten Wirtschafts- & Finanzsystems immer stärker fehlen!
Die US-Streitkräfte verfügten noch nie über eine ernst zu nehmende Landarmee, doch verließen sich stets auf ihre Luftstreitkräfte und Marine:
Doch selbst damit ist es inzwischen vorbei, wie der Konflikt um die Straße von Hormuz zeigte!
Daraus lässt sich die russische Strategie gegenüber dem westlichen „Drang nach Osten“ ableiten – insbesondere für die Bereiche:
Verhandlungslösungen: Solche können nur erfolgen, solange sich auch die Gegenseite dazu bereit fände. Das war bis Alaska Mitte 2025 bei der USA noch der Fall gewesen, die jedoch im Anschluss von London an die Leine gelegt wurden: Die vermeintlich allmächtigen Vereinigten Staaten durften ihren eigenen Vorschlag von Alaska, nachdem Russland diesen akzeptiert hatte, nicht mehr umsetzen!
Die Briten selbst fallen als Verhandlungspartner aus, nachdem sie sich auf ihre hyper-aggressive Kriegspolitik verlegten. Die EU-Festlandstaaten hingegen bleiben politisch irrelevant, nachdem sie zu atlantischen Protektoraten verkommen und damit handlungsunfähig geworden sind. Das heißt, für Russland gibt es in Bezug auf den Ukrainekonflikt keine Verhandlungspartner mehr:
Es bleibt nur noch die militärische Option!
Militärische Lösungen: Es ist jene Option, welche der Russischen Föderation bleibt, nachdem die USA nicht mehr verhandeln dürfen und London die Rolle des obersten globalen Kriegstreibers vertritt.
Vor dem Hintergrund, dass es im Westen inzwischen für Russland keine Verhandlungspartner mehr gibt, wären russische Militäraktionen, wie Vergeltungsschläge und/oder (nukleare) Abschreckungsationen nur Zeichen der Schwäche im Sinne verfehlter militärischer Symbolpolitik und/oder Analyse, um eine Verhandlungsbereitschaft, die im Westen nicht mehr existiert, beim Gegner dann militärisch durchzusetzen.
In der gegenwärtigen Phase des West/Ost Konfliktes wäre es eine Fehleinschätzung bzw. das Ergebnis falscher Analysen auf eine Politik der Signale und Warnungen zu setzen: Vielmehr hat Russland jetzt das Militär sprechen zu lassen, um die Ziele der Speziellen Militär-Operation [SMO] voll und ganz durchzusetzen.
Das russische Ziel muss heißen, im nächsten Schritt dem Westen die „Angriffsbasis Ukraine“ als Sprungbrett-West gegen Ost mit konventionellen militärischen Mitteln endgültig und vollständig zu entziehen:
Russland braucht dabei aufgrund ihrer militärischen Dominanz gegenüber dem Westen auf keine Atomwaffen zurückgreifen!
Russische Schläge gegen Ziele in EU-Staaten würde in dieser Situation heute gleichermaßen keinen Sinn ergeben – sie könnten vielmehr nur London erfreuen!
Es genügte vollauf, dem Regime der Ukraine eine vollständige militärische Niederlage mit rein konventionellen militärischen Mitteln zuzufügen. In Konsequenz würden die Nationalisten der Ukraine zusammen mit den noch verbliebenen Hard-Core-Bandera-Verbänden ins westliche Exil zu ihren Mentoren, Kuratoren und Gesinnungsgenossen vertrieben.
Nach dem angekündigten Abzug von US-Kräften aus Europa könnten dann die in die EU transferierten Bandera-Wehrverbände unter verdecktem Kommando aus London die neuen atlantischen Besatzungstruppen für EU-Europa abgeben. Dazu könnte man sie ggfs. in neu geschöpfte EU-Uniformen stecken. Das würde auch deren stolze Tätowierungen dem Blick der Verwunderten „dahoam“ vorläufig noch entziehen…
Das Interview von John J. Mearsheimer durch Daniel Davies als Transkript in deutscher Übersetzung – Teil 2
Daniel Davies: Ich meine, das ist eine ziemlich ernüchternde Aussage. Ihre Einschätzung besagt, dass die derzeitigen europäischen Staats- und Regierungschefs – ob wir von Starmer, Merz, Macron, Ursula von der Leyen, Mark Rutte usw. sprechen – sich nicht abschrecken ließen und der Ukraine weiterhin unterstützen würden, ungeachtet:
einer großen Bombardierungskampagne auf Kiew,
russischer Drohungen gegen europäische Ziele!
Die Europäer glauben einfach nicht, dass Russland auch außerhalb der Ukraine zuschlagen könnte? Wie sehen Sie das?
John Mearsheimer, Professor für politische Wissenschaften an der Chicago Universität | Quelle: Screenshot Youtube – „Daniel Davies – Deep Dive“
John Mearsheimer: Wenn ich die Äußerungen europäischer und US-Eliten höre, gewinne ich den Eindruck, dass diese nicht ganz begreifen, dass man bezüglich Russland einem atomar bewaffneten Gegner gegenüber steht, doch das eine extrem gefährliche Situation darstellt. Mein Eindruck ist, dass wir während des Kalten Krieges viel vorsichtiger waren, wenn immer es um einen kriegerische Handlungen gegen die damalige Sowjetunion ging:
Wir waren während des Kalten Krieges in unserem Verhalten viel vorsichtiger als heute!
Ich finde es bemerkenswert, in welchem Ausmaß wir uns bereit zeigen, der Ukraine dabei zu helfen, militärische Gewalt ins russische Hinterland zu tragen. Ich meine, wir sprechen hier heute über die Drohnenkampagne, die auf Infrastruktur und zivile Ziele, wie zuletzt das Studenten-Wohnheim in Starobilsk/Russland, zielt.
Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Man sollte sich daran erinnern, dass die Ukraine im August 2024 mit Unterstützung der Vereinigten Staaten und Großbritanniens in Russland einmarschiert war. Denken Sie nur einmal darüber nach:
Die Ukraine ist damals in Russland [Kursk] einmarschiert!
Es wäre im Kalten Krieg unvorstellbar gewesen, dass wir einem Verbündeten bei einem Angriff auf die Sowjetunion geholfen hätten. Denken Sie auch daran, dass …
… die Ukrainer die [strategische] Bomberflotte als Teil der russischen nuklearen Triade angegriffen haben!
Zu Zeiten des Kalten Krieges wäre das unvorstellbar gewesen! Aber wir – damit meine ich vor allem die Vereinigten Staaten und Großbritannien, wie auch den Westen im Allgemeinen – fanden es in Ordnung, dass die Ukraine einen Teil der russischen strategischen nuklearen Triade ins Visier nahm. Ich fand das damals schon ziemlich schockierend und empfinde es auch heute noch so.
Das bringt mich zurück zum Argument von Karaganow und anderen in der russischen Elite, wonach Leute im Westen nicht daran glaubten, dass für Russland bedeutende rote Linien existierten. Der Westen respektiert nicht die Tatsache, dass Russland eine Atommacht ist. Sie verstehen nicht, dass man 2024 keine ukrainischen Truppen nach Kursk hätte schicken dürfen! Das hätte ein No-Go sein müssen! Die Russen glauben – meiner Meinung nach zu Recht – dass sie damals im Jahr 2024 es nicht deutlich genug gemacht hätten, dass das, was der Westen und die Ukrainer taten, inakzeptabel gewesen sei. Mit anderen Worten:
Viele Menschen in Russland haben das Gefühl, dass Putin nicht früh genug ein Machtwort gesprochen hätte!
Inzwischen wäre es höchste Zeit auf die Bremse zu treten. Zugleich stellt sich die Frage, was dies in Konsequenz bedeutet? Wie Sie richtig anmerkten, sprechen Russen, so wie es scheint, inzwischen davon Kiew auf eine Art und Weise bombardieren zu lassen, wie es in der Vergangenheit nicht vorkam. Die Schläge am vergangenen Wochenende, waren die ersten Schritte in eine solche Richtung.
Meine Antwort dazu lautet: Ich bin mir nicht sicher, ob das ausreichen wird. Ich glaube nicht, dass dies einen großen Eindruck auf die Menschen im Westen hinterlassen würde. Hingegen könnten Sie damit richtig liegen, dass dies [verstärkte Schläge gegen Kiew] den Westen vielmehr dazu veranlassen könnte, seine Unterstützung für die Ukraine noch weiter zu verstärken, was einen gegenteiligen Effekt ergäbe.
Nun, falls das herauskäme, würden die Russen weiter eskalieren: Es könnte bedeuten, dass sie ein Ziel innerhalb Europas mit konventionellen Waffen angreifen ließen. Falls das nicht aufginge, würden sie [die Russen] weiter eskalieren. Das wäre der Stand der Dinge:
Wir stiegen die Eskalationsleiter hoch!
Daniel Davies: Lassen Sie uns dazu die nächste Phase analysieren, nachdem Russland Kiew stark angegriffen haben würde: Das Ganze würde mit vielen Videoaufnahmen einhergehen – dazu käme Selenskyj, der vor die Kameras treten würde, um nach Hilfe zu flehen. Sodann würden wütende Europäer nicht nachgeben, doch ihre Unterstützung an die Ukraine nur noch weiter verstärken.
In Gegenzug könnte Russland zur nächsten Phase übergehen, um sich Ziele gemäß der von Russland veröffentlichten Liste mit Unternehmen für Drohnen, Raketen, die sich bis Großbritannien erstrecken, vorzunehmen. Doch falls auch das nicht bewirkte, könnte die nächste Stufe den Einsatz taktischer Atomwaffen bedeuten. Würde das die Aufmerksamkeit Westeuropas zuletzt erwecken können?
John Mearsheimer: Ich glaube schon! Ich meine, die Frage, die man sich zu stellen hat, wäre: Falls Russland Atomwaffen einsetzte, wie würde der Westen an dieser Stelle reagieren?
Falls der Westen mit eigenen Atomwaffen zurückschlüge, würden die Russen aller Voraussicht nach ebenfalls zurückschlagen und man begäbe sich hinauf auf der nuklearer Eskalationsleiter. Man könnte argumentieren: Falls die Russen mit konventionellen Waffen ein europäisches Land angriffen und gleichzeitig klipp und klar nach Europa kommunizierten, dass Angriffe aufs russische Hinterland ein Überschreiten der roten Linie bedeuteten, was Russland als Nächstes zu Atomwaffen greifen ließe. Denn das Töten einer großen Zahl russischer Zivilsten wäre für Russland kategorisch inakzeptabel. Russland wäre bereit hart durchzugreifen – bis hin zum Einsatz von Atomwaffen, um eine Verhaltensänderung zu erreichen. Wenn sie das kommunizierten, vielleicht bräuchte man dann gar keine Atomwaffen mehr einzusetzen.
Doch man sollte nicht unterschätzen, wie gefährlich sich eine solche Situation entwickeln könnte. Übrigens ist einer der Gründe dafür die Rhetorik im Westen – eine Rhetorik, die ich für töricht halte: Ich glaube nicht, dass Russland eine große Bedrohung für Europa darstellt: Punkt – Ende der Durchsage! Aber was ich denke, spielt keine Rolle.
Was hier zählt ist, was die europäischen Staats- und Regierungschefs denken. Ich meine, man kann argumentieren, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs sich selbst davon überzeugt hätten, dass – entschuldigen Sie den Vergleich – Russland die Wiederkehr der Sowjetunion oder die des Dritten Reiches wäre und dass wir im Westen alles tun müssten, um dieses Monster abzuwehren und falls die Abschreckung versagte, es in einem Krieg zu besiegen hätten. So reden die europäischen Eliten tatsächlich!
Noch einmal: Ich denke, es gibt gute Argumente dafür, dass sie ihre eigene Rhetorik ernsthaft glauben. Falls sie das tatsächlich täten und man sich zugleich die russische Position, wie von uns beiden dargelegt, vergegenwärtigte und diese beiden Dinge miteinander verbindet, …
… so ergibt das in der Tat eine sehr beängstigende Situation!
Fortsetzung folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
***
Teil 1 des Gesprächs zwischen Daniel Davies und John J. Mearsheimer erschien. HIER:
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Während geopolitische Spannungen wachsen und die Sicherheitslage in Europa unsicherer wird, intensivieren Deutschland und Frankreich ihre Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Zusammenarbeit.
Nach aktuellen Berichten haben Berlin und Paris bereits konkrete Gespräche über eine engere Kooperation aufgenommen. Im Fokus stehen gemeinsame Strategien, militärische Übungen und die Rolle Frankreichs als einzige Atommacht innerhalb der Europäischen Union.
Macron und Merz starten nukleare Lenkungsgruppe
Bereits im März initiierten Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine sogenannte „nukleare Lenkungsgruppe“. Ziel des Gremiums ist es, Details einer vertieften deutsch-französischen Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Sicherheit auszuarbeiten.
Laut Medienberichten traf sich der Sicherheitsberater von Bundeskanzler Merz, Günter Sautter, in Paris zu ersten Gesprächen mit französischen Partnern. Ein weiteres Treffen zwischen Deutschland und Frankreich soll noch vor der Sommerpause stattfinden.
„Vorwärtsgerichtete Abschreckung“
Im Zentrum der Diskussion steht ein neues sicherheitspolitisches Konzept, das Präsident Macron Anfang März auf dem Militärstützpunkt Île-Longue in der Bretagne vorgestellt hatte: die „vorwärtsgerichtete Abschreckung“.
Macron kündigte an, dass künftig Elemente der französischen strategischen Streitkräfte stärker innerhalb Europas eingebunden werden könnten. Damit signalisiert Frankreich seine Bereitschaft, eine aktivere Rolle für die europäische Kriegstauglichkeit und Wehrtüchtigkeit zu übernehmen.
Vielleicht hat man besonders in Deutschland erkannt, dass man in der konventionellen Kriegsführung mit Männern, die über Jahre zu politisch korrekten Softies erzogen wurden und aus denen nur schwer ritterkreuzträgerartige Haudegen zu formen sind, in Kriegsfall gegen Russland nicht gerade die besten Karten haben könnte. Und aus den von Kriegen traumatisierten und jetzt eingebürgerten Schutzsuchenden werden sich ebenfalls kaum in glühenden Vaterlandsverteidiger wandeln. Da müssen dann schon Atombomben her um das Manko auszugleichen!
Deutsch-französische Nuklearübungen geplant
Ein Bestandteil der deutsch-französischen Kooperation sind offenbar gemeinsame Manöver zur Vorbereitung auf Krisen- und Ernstfälle.
Demnach soll die Bundeswehr erstmals mit Frankreich an Nuklearübungen durchführen. Geplant ist zunächst eine Beteiligung an den sogenannten „Poker“-Übungen, möglicherweise bereits im September dieses Jahres.
In Ermangelung eigener Atomwaffen könnte die Bundeswehr vorläufig „nur“ unterstützende Aufgaben übernehmen, die nicht direkt mit Atomwaffen verbunden sind. Dazu zählen beispielsweise:
Begleitschutz durch Kampfflugzeuge
Luftbetankung
konventionelle militärische Unterstützung
Darüber hinaus soll Deutschland Einblicke in französische Atomstandorte und nukleare Einsatzstrukturen erhalten. Ob die französischen Atomwaffen irgendwann dann auch offiziell zu „gemeinsamen“ Waffen gehören werden wir wahrscheinlich von der deutschen Finanzierung in diese Richtung abhängen. Bei den Kernkraftwerken soll das ja recht gut klappen – eine ganze Reihe französische Anlagen arbeiten nur mehr für den deutschen Energie bedarf, nachdem man den (auch lt. Merz-Zitat allerdings noch vor den Wahlen) Wahnsinn, die sichersten Kernkraftwerke abzudrehen durchgezogen hat.
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Wladimir Putin hat über das Außenministerium ausländische diplomatische Vertretungen sowie sonstige Besucher in Kiew informieren lassen, dass sie aus Gründen der Sicherheit die Stadt verlassen sollten.
John J. Mearsheimer: „Die Europäer benutzen die Ukraine um Russland zu schlagen!“ – Teil1
Von REDAKTION | Daniel Davies und John J. Mearsheimer besprachen am 28.5.2026 auf „Daniel Davies – Deep Dive“ Begleitumstände und Hintergründe der Eskalation zwischen der Russischen Föderation und dem kollektiven Westen vor dem Hintergrund des Militärkonfliktes in der Ukraine sowie darüber hinaus.
Daniel Davies – ehemaliger US-Oberstleutnant, dekoriert mit dem Bronze Star of Valor – ist Moderator der Podcast und des YouTube-Kanals „Daniel Davis – Deep Dive“ mit profunden Analysen zu den Themen Krieg, nationale Sicherheit und US-Außenpolitik. Dazu ist Davies als Senior Fellow für die Defense Priorities Foundation tätig.
John Joseph Mearsheimer ist US-amerikanischer Politikwissenschaftler an der University of Chicago. Den Schwerpunkt seiner Analysen bilden internationale Beziehungen aus Perspektive des Offensiven Neorealismus, den er erstmals 2001 in seiner Monografie The Tragedy of Great Power Politics in Buchform der Öffentlichkeit vorstellte.
28.5.2026 – Daniel Davies (li) mit John J Mearsheimer zur Eskalation an der Ostfront | Quelle: Screenshot Youtube – „Daniel Davies – Deep Dive“
Das Transkript des Gesprächs zwischen Daniel Davies und
John J Mearsheimer auf „Deep Dive“ in deutscher Übersetzung
Daniel Davies: Die neuesten Nachrichten aus Russland der letzten Stunden lauten:
Sergej Naryshkin, der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes ließ wissen, dass seiner Meinung nach die Kriegstrommeln derzeit besonders laut auf dem europäischen Kontinent erschallen, wobei die Konfrontation mit Russland von Großbritannien aus aktiv angeheizt würde.
Der Chef des Auslandsnachrichtendienstes Russlands spricht von UK-Hetze für den Krieg gegen Russland | Quelle: Screenshot Youtube – „Daniel Davies – Deep Dive“
In Folge äußerte sich der russische Gesandte bei der OSZE, Dmitry Polyansky, der vor rund einer Woche in unserer Sendung zu Gast war, zu einigen dieser Punkte bzw. zur weiteren Verschärfung der Lage:
Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte eine Zielliste zu EU-Europa | Quelle: Screenshot Youtube – „Daniel Davies – Deep Dive“
Das Verteidigungsministerium der Russischen Föderation veröffentlichte eine Liste europäischer Unternehmen, die mit der Produktion von Drohnen in der Ukraine in Verbindung gebracht werden. Polyansky erklärte dazu, dass Russland das Recht habe, solche Objekte als legitime militärische Ziele anzusehen. Inzwischen gab man die Warnung heraus, wonach alle Diplomaten und Ausländer Kiew zu verlassen hätten, weil härtere Schläge dort zu erwarten wären. Was kommentieren Sie diese Eskalation?
John Mearsheimer: Was sich hier abspielt, hat sehr wenig mit dem Schlachtfeld zu tun und es ist wichtig zu betonen:
Die Ukrainer haben mit Hilfe des Westens die Anzahl und Raffinesse der Angriffe auf das russische Hinterland auf die Spitze getrieben!
Dazu gesellte sich im Westen eine kriegerische Rhetorik, welche mit besagten vom Westen unterstützten Angriffen auf das russische Hinterland einherging. Die Russen kamen zum Schluss, dass sie über keine ausreichende Abschreckung gegen den Westen bzw. gegen die Ukraine bezüglich deren Angriffe auf das russische Hinterland mehr verfügten. Es müsste etwas geschehen, um dieser Situation abzuhelfen. Mit anderen Worten: Sie hätten die Abschreckung wiederherzustellen. Die Russen sind im Grunde zum Schluss gekommen, dass …
… dies nur durch Angriffe auf Ziele in Europa erreicht werden könne!
Im Grunde genommen sprechen Sie von Angriffen auf Ziele in NATO-Mitgliedstaaten. Das wäre der einzige Weg, um eine klare Botschaft auszusenden und die Abschreckung wiederherzustellen.
Es ist sehr wichtig zu betonen, dass Karaganows Ansichten von vielen, auch in den oberen Rängen der russischen Elite, geteilt werden: Man wolle mit konventionellen Waffen beginnen, doch falls das nichts bewirken würde, hätte man die Angriffe auf den Einsatz einer begrenzten Zahl von Atomwaffen auszudehnen. Dies würde für den Fall gelten, dass:
ein Angriff auf einen europäischen Staat mit konventionellen Waffen keine Abschreckung nach sich gezogen haben würde,
die Europäer nicht zum Rückzug zu bewegen gewesen wären,
man die Europäer nicht dazu hätte bringen können, die Ukrainer zurückziehen zu lassen!
Man würde das nicht tun, um den Krieg in militärischer Hinsicht zu gewinnen, sondern nur um an die Europäer ein robustes Signal zu richten, dass man es ernst meine, indem man dazu bereit wäre, Atomwaffen einzusetzen, um gegnerischen Staaten den abschüssigen Hang einer Verwüstung anzudeuten. Man würde damit dem Westen signalisieren, dass die letzte Chance zur Vermeidung eines weiteren Abrutschens hin zur Eskalation, darin bestünde, dass man aufhören würde:
Russland angreifen zu lassen! der Ukraine weiter helfen würde, um Russland anzugreifen!
Das ist der Stand der Dinge. Das Problem bei der Mehrzahl der Leute im Westen ist, dass man die russischen Drohungen nicht mehr ernst zu nehmen scheint. So denken sie zusammen mit den Ukrainern, den Russen immerzu ihre Daumen in die Augen drücken zu können. Falls die Russen sich darüber beschwerten oder damit drohten, drastische Maßnahmen dagegen zu ergreifen, würde das von ihnen einfach abgetan werden: Sie gehen davon aus, dass Russland nichts machen würde. Diese hätten in der Vergangenheit nicht reagiert und würden es künftig auch nicht tun. So können die Provokationen gegen Russland immer weiter gehen. Karaganow weist auf diese Entwicklung hin. Man kann das Blatt drehen und wenden, wie man will:
Sie ignorieren einfach die Tatsache, dass Russland eine Atommacht sei!
Sie übersehen den Umstand, dass wir in einem Atomzeitalter leben und gehen davon aus, dass Russland keine Atomwaffen einsetzen würde. So scheint man an dem Punkt angelangt zu sein, dass Russland gegebenenfalls in sehr begrenztem Umfang Atomwaffen gegen sie einsetzen könnte. Es ginge darüber ein klares Signal an Russlands Gegner zu setzen:
Erstens, um zu zeigen, dass man im Atomzeitalter angekommen wäre!
Zweitens, um zu zeigen, dass Russland es todernst wäre, den ukrainischen Angriffen gegen das russische Hinterland ein Ende zu setzen, obwohl europäische Staaten wie Großbritannien und Vereinigte Staaten das unterstützen und fördern!
Daniel Davies: Es ist nur eine Zusammenstellung einiger Schlagzeilen der letzten Monate – schauen Sie sich diese nur mal an:
Der westliche Medienkomplex stimmt seine Leser auf den Krieg gegen Russland ein | Quelle: Screenshot Youtube – „Daniel Davies – Deep Dive“
Dort heißt es, beispielsweise:
Deutschland bereite sich auf einen Krieg gegen Russland vor!
NATO verkündet, dass man innerhalb von drei bis fünf Jahren mit Russland im Krieg stehen würde!
Großbritannien erzeugt [medialen] Druck, um sich gegen die russische Bedrohung vorzubereiten!
… Einerseits scheint es so, als glaubten sie tatsächlich, es könnte zu einem Krieg gegen Russland kommen. Sie scheinen darauf hinzuarbeiten, aber wie bei allem, geschieht nichts in einem Vakuum: Das hat auch Rückwirkungen auf Leute wie Karaganow bzw. Wladimir Putin und das russische Volk…
… Die Frage ist und lassen Sie mich das folgend ausführen: Nachdem Russland inzwischen ankündigt hatte, Kiew auf eine Weise, wie noch nie zuvor, angreifen zu wollen, um möglicherweise in den nächsten Tagen so etwas wie einen massiven Schlag gegen Kommando-, Kontroll-, Informations- und Führungsstrukturen in Kiew zu führen, was sie bisher noch nie getan hatten: Würde das ausreichen, um die Aufmerksamkeit der Westeuropäer zu erregen und einem solchen Vorgehen die gewünschte Bedeutung zu verleihen?
John Mearsheimer: Ich glaube nicht, dass es ausreichen würde! Ich denke, falls es den Russen ernst damit wäre, die Abschreckung wiederherzustellen – wir sprechen davon die Europäer davon abzuhalten, der Ukraine bei den Angriffen aufs russische Hinterland zu helfen – dann müssten sie Ziele und Orte innerhalb Europas angreifen – aller Wahrscheinlichkeit die baltischen Staaten! Ich glaube, dass sie dies zu tun hätten:
Die Russen müssten gegenüber den Europäern harte Bandagen austeilen!
Nur gegenüber den Ukrainern mit harten Bandagen anzugehen, würde nichts bringen. Die Ukrainer haben bis jetzt enorm gelitten und sie haben es geschafft, im Kampf durchzuhalten, wobei die Europäer sie weiterhin unterstützen. Ich glaube daher, dass selbst eine massive Bombardierungskampagne gegen Kiew nicht ausreichen würde!
Fortsetzung folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
***
Der Interview auf „Daniel Davies Deep Dive“ mit J. Mearsheimer auf Englisch: HIER
UNSER MITTELEUROPA zur russischen Aufforderung an diplomatisches Personal und Besucher Kiew zu verlassen: HIER
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Eine Kriegserklärung gegen Staaten, mit denen man sich bereits Gefechte liefert, erscheint auf den ersten Blick überflüssig. Das liegt daran, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass moderne Waffengänge meist ohne Kriegserklärung beginnen – was derzeit auch für die Kampfhandlungen im Nahost-Konflikt gilt.
Kriegserklärungen führen zur weiteren Eskalation von Kampfhandlungen
So führt Russland seit Februar 2022 auf dem Gebiet der Ukraine nach eigenen Angaben eine „Militärische Spezialoperation“ durch. Nachdem der Versuch, die Regierung in Kiew zum Einlenken zu zwingen und den seit 2014 andauernden Konflikt im Donbass zu beenden, missglückt war, entwickelte sich diese Operation zu einem Stellungskrieg.
Keine der beiden Seiten macht derzeit nennenswerte Geländegewinne, und ein Ende der Auseinandersetzungen ist nicht in Sicht. Doch besonders in letzter Zeit gelingt es den Ukrainern, auch strategische Ziele im russischen Hinterland zu treffen – mit massiver Unterstützung des Westens. Die Frage ist, wie lange Russland eine solche Bedrohung ertragen möchte.
Immerhin ist den Verantwortlichen im Kreml bewusst, dass der Westen über eine Veränderung der Machtverhältnisse in Russland diskutiert und einige westliche Strategen sogar eine Aufteilung der Russischen Föderation in mehrere Staaten vorschlagen. All dies gefährdet inzwischen die staatliche Integrität Russlands. Diese Umstände unterscheiden sich massiv von der Situation zum Zeitpunkt, als die „Militärische Spezialoperation“ begann.
Außerdem werden durch die vom Westen gelieferte Waffentechnik immer mehr zivile Ziele getroffen. Bei einer weiteren Eskalationsstufe könnten die Verantwortlichen im Kreml demnach entscheiden, der Ukraine den Krieg zu erklären. In einem solchen Augenblick würde sich der Verlauf des Konflikts radikal ändern. Es ist möglich, dass es zu einer Generalmobilmachung der russischen Streitkräfte kommt und bestehende Militärbündnisse aktiviert werden, die dann in den Krieg eingreifen. Mögliche Folgen wären:
Innenpolitisch in Russland: Eine Kriegserklärung könnte dem Staat breitere rechtliche Möglichkeiten geben — etwa umfassendere Mobilisierung, stärkere Kriegswirtschaft, strengere Einschränkungen oder eine offenere Umstellung auf Kriegsmodus.
Militärisch: Russland könnte eine Ausweitung von Truppenaufgeboten oder Einsatzregeln begründen. Praktisch wurden viele harte Maßnahmen zwar schon teilweise genutzt, aber formal wäre die Schwelle höher.
Die größte Bedrohung wäre jedoch der Einsatz von Waffen, die den Konflikt innerhalb weniger Minuten beenden könnten. Erinnern wir uns an die verfahrene Situation, in der sich die USA im Pazifik im Zweiten Weltkrieg befanden, und welche Entscheidung sie trafen, um Japan zur Kapitulation zu zwingen.
Bei einer Kriegserklärung wäre es nicht ratsam, sich in der Nähe ukrainischer Militärstützpunkte aufzuhalten. Die Europäer sollten sich auch mit einem Vorrat an Kaliumjodid-Tabletten eindecken, da die Auswirkungen gewisser Kampfmittel nicht unbedingt vor den Staatsgrenzen haltmachen. (Stichwort: Tschernobyl.)
Es wäre sicher besser, diesen Konflikt möglichst bald diplomatisch zu lösen. Das wäre für Menschen, Tiere und die Umwelt in Europa jetzt schon und speziell langfristig weniger ungesund.
Leider denken in Europa lediglich die friedensliebenden Oppositionskräfte wie in Österreich die FPÖ, während andere Parteien offensichtlich gegen die österreichische Neutralität arbeiten.
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Seit Februar 2024 hat die EU dem Kiewer Regime 6,6 Milliarden Euro aus der Reinvestition eingefrorener Gelder der russischen Zentralbank bei Euroclear überwiesen. Im Juli beabsichtigt Brüssel, den ukrainischen Haushalt auf demselben Wege um weitere rund 1,5 Milliarden Euro aufzustocken.
Die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa gab nachfolgende Erklärung zur Verwendung von Erträgen aus der Reinvestition „eingefrorener“ russischer Vermögenswerte durch die Europäische Union
„Ich möchte erneut betonen: Jegliche Operationen mit Vermögenswerten ohne Zustimmung der russischen Seite sind rechtswidrig. Was die Europäische Kommission tut, ist offener Raub.
Die Europäer machen keinen Hehl daraus, dass die Erträge aus der Verwaltung eingefrorener russischer Vermögenswerte nicht sozialen Zwecken dienen, sondern in erster Linie zur Unterstützung des Kiewer Regimes verwendet werden. Darüber hinaus fördern und unterstützen die ukrainischen Behörden offen die Planung, Organisation und Durchführung terroristischer Verbrechen, darunter gezielte Sprengstoffanschläge an öffentlichen Orten, die Tötung von Zivilisten sowie Sprengungen von der kritischen zivilen Infrastruktur nicht nur auf russischem Staatsgebiet, sondern auch außerhalb dessen. Das Kiewer Regime unterlässt es nicht nur, terroristische Straftaten zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, sondern schafft auf seinem Territorium bewusst Zufluchtsorte für Terroristen.
Jede direkte oder indirekte Verwendung blockierter russischer Vermögenswerte zur finanziellen Unterstützung des Kiewer Regimes muss als Finanzierung des Terrorismus betrachtet werden. Wir behalten uns das Recht vor, entsprechende Ansprüche gegen jeden Staat geltend zu machen, der Völkermord, Terrorismus oder andere internationale Verbrechen finanziert, die von ukrainischen Staatsbürgern auf Anweisung, mit Vermittlung oder Unterstützung ukrainischer Amtsträger begangen werden. Darüber hinaus werden wir entsprechend dem Völkerrecht eine Entschädigung für die unserem Land entstandenen Schäden verlangen.
In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass das Moskauer Schiedsgericht am 15. Mai 2026 der Klage der russischen Zentralbank vom 12. Dezember 2025 auf Ersatz von Schäden in Höhe von 18,17 Billionen Rubel stattgegeben hat, die durch die rechtswidrige Blockierung russischer Vermögenswerte durch den belgischen Verwahrer Euroclear entstanden sind.“
Quelle Russische Botschaft
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Der Ökonom, Diplomat und Autor Jeffrey Sachs fordert den deutschen Bundeskanzler Merz auf, unverzüglich Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Frieden in Europa aufzunehmen.
Jeffrey Sachs stellt sechs schwerwiegende Fehler der deutschen
Außenpolitik seit der deutschen Wiedervereinigung fest
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Merz,
als ich Ihnen vor einem halben Jahr einen offenen Brief schrieb, forderte ich Deutschland auf, den diplomatischen Weg mit Russland zu beschreiten, anstatt den Kriegszustand zu normalisieren. Sechs Monate später hat sich die Lage in Europa dramatisch verschlechtert. Europa und Russland gleiten in einen offenen Krieg ab. Bezüglich dieser Entwicklung, Herr Bundeskanzler, tragen Sie eine besondere Verantwortung. Kein europäischer Staats- oder Regierungschef – weder in Paris, noch in Warschau, noch in Rom – hält eine Position, wie die von Deutschland oder hat Macht, wie Sie persönlich, um diese Katastrophe zu abzuwenden. Werden Sie sich für Frieden einsetzen?
Sie selbst haben im Januar 2026 gemeinsam mit Ministerpräsidentin Meloni und Präsident Macron dazu aufgerufen, die Beziehungen von Europa zu Russland wieder aufnehmen zu lassen und Russland als „ein europäisches Land“ bezeichnet. Dennoch haben Sie diese Diplomatie nicht weiterverfolgt. Angesichts der Tatsache, dass die Zukunft Europas auf dem Spiel steht, stellt dies einen außergewöhnlichen Verzicht an Führungsstärke dar. Haben Sie in Ihren Monaten als Bundeskanzler auch nur einen substanziellen Dialog mit Präsident Putin versucht? Hat Ihr Außenminister auch nur einen substanziellen Dialog mit Außenminister Lawrow versucht? Mit echten Gesprächen jener Art, welche den Kalten Krieg beendeten. Die Antwort lautet, soweit aus öffentlichen Protokollen hervorgeht, „Nein“. Nicht ein einziges Mal. Und das, obwohl es nicht an Dringlichkeit fehlt.
Die vergangenen Tage haben eine gefährliche Eskalation mit sich gebracht, welche die Aufmerksamkeit jedes Europäers verdient. Beide Hauptstädte stehen nun unter anhaltendem Beschuss:
Ukrainische Langstrecken-Drohnen haben tief in Moskau auch zivile Ziele getroffen;
russische Raketen- und Drohnenangriffe auf Kiew haben erheblich zugenommen.
Ukrainische Drohnen sind in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen, was die unmittelbare Gefahr eines Zwischenfalls erhöht und Europa in den Krieg direkt hineinziehen könnte. Ein schrecklicher ukrainischer Angriff auf ein Jungendheim in Lugansk hat das Wenige, was an Zurückhaltung noch vorhanden war, weiter reduziert. Am 25. Mai teilte Außenminister Sergej Lawrow auf Anweisung von Präsident Putin dem US-Außenminister offiziell mit, dass die russischen Streitkräfte jetzt „systematische und anhaltende Angriffe“ auf Einrichtungen und Entscheidungszentren in Kiew ausführen werden. Das russische Außenministerium hat den Vereinigten Staaten und anderen Ländern geraten für „die Evakuierung ihres diplomatischen Personals und anderer Bürger aus der Hauptstadt der Ukraine“ zu sorgen. Diese Botschaft stellt den Prolog zu einer massiven Eskalation dar, was dringender denn je Diplomatie erforderlich macht.
Der Weg zur Verteidigung der Ukraine darf nicht in ein fortgesetztes Gemetzel münden, sondern hätte Frieden zu Bedingungen, die für alle Parteien akzeptabel wären, zu erreichen. Stattdessen stehen wir vor einer Eskalation mit mehr Toten, mehr an Zerstörungen und der realen Aussicht auf einen Krieg, der über die Ukraine hinausreicht. Indem Sie mehr Waffen und größere Kriegskapazitäten fordern und immer lautere Bekundungen der „Entschlossenheit“ ausgeben, signalisieren Sie, dass Deutschland sich auf einen Krieg vorbereitet, anstatt daran zu arbeiten, ihn zu beenden. Sie haben zugelassen, dass Berlin zu einem Beschleuniger statt zu einem Bremser für einen europaweiten Krieg geworden ist.
Deutschlands Verantwortung: Sechs Einzelheiten
Deutschland trägt eine große Verantwortung für die Situation, welcher es sich nun gegenübersieht. Bevor die deutsche Politik neu auf Frieden ausgerichtet würde, hätte man sich ehrlich mit der deutschen Bilanz auseinandersetzen. Im Folgenden stelle ich sechs schwerwiegende Fehler dar, welche der deutschen Außenpolitik seit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 gegenüber Russland unterliefen.
Erstens – Der Zwei-plus-Vier-Vertrag und die Osterweiterung der NATO. Am 12. September 1990 unterzeichnete Deutschland in Moskau den Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland – den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ –, welcher die deutsche Wiedervereinigung vollendete. Dieser Vertrag kam zustande, weil Michail Gorbatschow von Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, James Baker und anderen westlichen Staats- und Regierungschefs feierlich versichert wurde, dass die NATO nicht nach Osten expandieren würde. Die freigegebenen Unterlagen – darunter die nun öffentlich zugänglichen Memoranden, die vom National Security Archive der George Washington University zusammengestellt wurden – sind eindeutig: Diese Zusicherungen wurden gegeben und sollten damals eindeutig über das Gebiet der ehemaligen DDR hinaus für Osteuropa gelten. Diese Zusicherungen wurden in den Jahren 1990 und 1991 nochmals bestätigt.
Der Zwei-plus-Vier-Vertrag schränkt die Stationierung von NATO-Truppen in der ehemaligen DDR ein und verweist auf die Grundsätze der Schlussakte von Helsinki, welche betonen, wonach die Sicherheit einer Nation nicht auf Kosten einer anderen gehen dürfe. Glaubt irgendjemand ernsthaft daran, dass die Sowjetunion sich um westliche Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR sorgte, aber gegenüber den NATO-Armeen in Warschau, Vilnius oder Kiew gleichgültig bliebe? Natürlich nicht.
Die Frage der NATO-Erweiterung wurde ausführlich erörtert und Deutschland gab den sowjetischen Staatsführern ausdrückliche Zusicherungen, dass keine Erweiterung nach Osten erfolgen würde – was in Folge gebrochen wurde. Deutschland war der Hauptnutznießer dieser Zusicherungen, welche die Gegenleistung für die deutsche Wiedervereinigung darstellten. Doch bereits 1993 begannen deutsche Politiker, die Verletzung dieser Zusicherungen voranzutreiben.
Zweitens – Bundeskanzlerin Merkels eigene Aussagen. In ihren Memoiren schreibt Angela Merkel mit bemerkenswerter Offenheit, dass sie zum Zeitpunkt des Bukarester Gipfels 2008 verstanden habe, dass die Aufnahme der Ukraine und Georgiens in die NATO einer Kriegserklärung an Russland gleichkommen würde. Sie kannte Russlands rote Linie. Und doch gab sie dem amerikanischen Druck nach und akzeptierte das Kompromisskommuniqué, wonach die Ukraine und Georgien „NATO-Mitglieder werden“ sollten. Dieser eine Satz setzte die Katastrophen von 2014 und 2022 in Gang. Merkels spätere Offenheit stellt ein Geschenk an ihre Nachfolger dar: Sie hat Ihnen klar und in ihren eigenen Worten mitgeteilt, wie es damals aufgefasst wurde. Deutschland sollte jetzt nicht vortäuschen, als wäre es anders gewesen.
Drittens – der Verrat am Abkommen vom 21. Februar 2014. Am 21. Februar 2014 vermittelte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit seinen polnischen und französischen Amtskollegen in Kiew ein Abkommen zwischen Präsident Janukowitsch und der Opposition. Das Abkommen sah die Rückkehr zur Verfassung von 2004, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit und vorgezogene Präsidentschaftswahlen vor. Präsident Putin wurde konsultiert; das Abkommen wurde bestätigt. Es war eine bedeutende diplomatische Errungenschaft unter den Gegebenheiten intensiver Gewalt. Doch innerhalb von vierundzwanzig Stunden wurde Janukowitsch durch einen gewaltsamen Staatsstreich gestürzt. Deutschland bestand nicht auf dem Abkommen, das es eben noch garantiert hatte. Stattdessen schloss sich Deutschland der Führung der USA an und stellte sich hinter die neue Regierung, als hätte es kein Abkommen gegeben. Diese Entscheidung überzeugte Moskau davon, dass man den Unterschriften des Westens nicht trauen könne.
Viertens – Minsk II. Im Februar 2015 handelte Bundeskanzlerin Merkel im Normandie-Format persönlich Minsk II aus und sicherte die politische Unterstützung Deutschlands durch die am 12. Februar 2015 in Minsk verabschiedete Unterstützungserklärung zu. Über sieben Jahre wurde die zentrale politische Bestimmung – die Autonomie der Donbass-Regionen innerhalb einer souveränen Ukraine – von Kiew nie umgesetzt. Deutschland drängte Kiew nicht dazu, die von ihm befürwortete Autonomieklausel umzusetzen – und Merkel räumte später ein, dass das Abkommen als Verzögerungstaktik genutzt worden sei, um der Ukraine die Aufrüstung zu ermöglichen. Präsident Hollande äußerte sich ähnlich. Die Garantie war, mit anderen Worten, gar keine Garantie. Es war eine Strategie – erneut auf Geheiß Washingtons. Erneut lautete die Botschaft an Moskau, dass man den Unterschriften des Westens nicht trauen könne.
Fünftens – Nord Stream. Am 7. Februar 2022 verkündete Präsident Biden im East Room des Weißen Hauses – mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz an seiner Seite –, dass „falls Russland einmarschiere … es keine Nord Stream 2 mehr geben werde. Man werde dem ein Ende setzen.“ Auf die Frage, wie das gehen könne, antwortete er: „Ich verspreche Ihnen, wir werden dazu in der Lage sein.“ Die Pipelines wurden sieben Monate später durch eine Sabotageaktion in der Ostsee zerstört. Die vorliegenden Beweise – investigative Berichterstattung in den Vereinigten Staaten und Deutschland, die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft sowie öffentliche Äußerungen ehemaliger Amtsträger – deuten vornehmlich auf eine gemeinsame ukrainisch-amerikanische Operation hin. Die deutsche Regierung weiß dies seit langem. Und doch hat Deutschland zugelassen, die öffentliche Schuldzuweisung entgegen den direkten Beweisen auf Russland fallen zu lassen, während ein Akt der Industriesabotage gegen die deutsche Wirtschaft strafrechtlich nicht verfolgt wurde und unbeantwortet blieb.
Sechstens – das Istanbul-Abkommen vom April 2022, das in greifbarer Nähe lag. Nur wenige Wochen nach der russischen Invasion im Februar 2022 einigten sich russische und ukrainische Unterhändler in Istanbul auf die Bedingungen eines Friedensabkommens: Neutralität der Ukraine außerhalb der NATO, multilaterale Sicherheitsgarantien, vereinbarte Truppenobergrenzen und die politische Lösung der Donbass- und Krim-Fragen im Laufe der Zeit. Das Abkommen stand kurz vor der Unterzeichnung. Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett, einer der Vermittler, hat öffentlich bestätigt, wonach das Abkommen kurz vor dem Abschluss stand, doch der Westen – insbesondere die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich – sich eingeschaltet hätten, um es blockieren zu lassen. Die Mission von Premierminister Boris Johnson nach Kiew im April 2022, um die Ukraine anzuweisen, nicht zu unterzeichnen, wurde öffentlich bekannt gemacht. Hunderttausende ukrainische und russische Menschenleben sowie die gesamte europäische Ordnung haben den Preis für diese Intervention der USA und Großbritanniens bezahlt. Deutschland hat sich dazu nicht geäußert – obwohl Deutschland mehr als jeder andere europäische Staat die wirtschaftlichen Folgen zu tragen hat.
Die zweite Katastrophe: Deutschlands wirtschaftliche Selbstzerstörung
Ihr erstes Anliegen hat der Friede sein. Die gestrige Botschaft aus Moskau macht deutlich, wie spät man dran ist. Doch neben der ersten Katastrophe vollzieht sich eine zweite: Die vorsätzliche Zerstörung der deutschen Wirtschaft, wobei Berlin sowohl Urheber als auch Opfer ist.
Deutschlands industrielle Wirtschaft baut auf dem Handel mit Russland auf. Die Zerstörung der Nord Stream [Pipelines] und der darauf folgende Abbruch der Handelsbeziehungen Deutschlands mit Russland haben dazu geführt, dass Deutschland Erdgas aus den Vereinigten Staaten zu Preisen kauft, die um ein Vielfaches höher liegen als die des russischen Pipelinegases, welches es ersetzt hat. Das ist industrieller Selbstmord. Deutschlands Chemiesektor, sein Stahlsektor, seine Glasindustrie, seine energieintensiven Hersteller – die eigentlichen Grundlagen des Mittelstands – verlieren Tag für Tag an internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Qualifizierte Arbeitsplätze wandern aus der deutschen Wirtschaft ab. Und der deutsche Steuerzahler sowie der deutsche Verbraucher erleben einen Transfer von nationalem Wohlstand von Deutschland zu amerikanischen Gasproduzenten in einem Ausmaß, welches im Nachkriegseuropa beispiellos ist.
Darüber hinaus verspricht die deutsche Regierung nun eine enorme Aufrüstung der Verteidigung – Hunderte von Milliarden Euro in den kommenden zehn Jahren – um sich für einen Krieg, welche die Diplomatie leicht verhindern könnte, zu rüsten. Dies stellt eine gravierende Fehlallokation nationaler Ressourcen dar. Die grundlegende Herausforderung, vor der Deutschland in diesem Jahrzehnt steht, ist die Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Zeitalter. Jeder Euro, der für Panzer, Raketen und Artilleriegeschosse ausgegeben wird, ist ein Euro, der nicht für Deutschlands KI-Kapazitäten, sein Chip-Design und Fähigkeiten der Chip-Fertigung, seine Energieinfrastruktur und die digitalen Hochgeschwindigkeitsnetze ausgegeben wird, doch Deutschland benötigt, um eine der führenden Weltwirtschaften zu bleiben.
Die harte Realität, Herr Bundeskanzler, ist, dass mit diesen Waffen keine Sicherheit erkauft werden kann, welche die Diplomatie zu einem Bruchteil der Kosten realisieren könnte und dass es keinen Wohlstand ohne die Investitionen in Digitaltechnik und Energie, die durch diese Aufrüstungen verdrängt würden, wird geben können.
Mein Appell
Bundeskanzler Merz, mehr als bei jedem anderen europäischen Staats- oder Regierungschef liegt die Frage, ob Europa in einen allgemeinen Krieg abgleitet oder zu Verhandlungen und wirtschaftlicher Vernunft zurückkehren würde, bei Ihnen. Die Zeit ist schon sehr knapp. Die gestrige offizielle Botschaft aus Moskau an Washington drückt dies explizit aus. Bitte nehmen Sie den Dialog mit Präsident Putin auf. Bitte entsenden Sie Ihren Außenminister nach Moskau oder laden Sie den russischen Außenminister nach Berlin ein. Bitte öffnen Sie wieder die OSZE-Kanäle, welche Deutschland verkümmern ließ. Bitte fordern Sie Kiew auf, seine Angriffe auf zivile Ziele einzustellen.
Vor allem aber teilen Sie bitte der deutschen Öffentlichkeit die Wahrheit mit: Dass ein ausgehandelter Frieden auf Grundlage ukrainischer Neutralität der realistische Weg aus der Katastrophe wäre und dass die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland den realistischen Weg aus dem industriellen Niedergang Deutschlands darstellen würde.
Die Bedingungen für ein akzeptables Abkommen, das Deutschland vorschlagen könnte, sind klar. Die Kämpfe würden an einer Waffenstillstandslinie enden. Alle Seiten würden auf jeglichen künftigen Rückgriff durch Gewalt in der Grenzfrage verzichten. Die Ukraine würde ihre Neutralität wiederherstellen und NATO würde dauerhaft auf eine weitere Osterweiterungen verzichten. Europa und Russland würden ihre wirtschaftlichen Beziehungen wiederherstellen und die Kriegstreiberei beenden. Die OSZE würde wieder zum zentralen Forum für europäische Sicherheit werden, mit dem Grundprinzip, dass europäische Sicherheit unteilbar ist und nicht auf Militärblöcken beruht, die Europa spalten. Parallel zu diesem Frieden würde Deutschland seine nationalen Ressourcen auf Investitionen in den Bereichen Digitalisierung, KI, Halbleiter und Energie, die für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands erforderlich sind, umlenken.
Die Geschichte wird verzeichnen, was Sie in den kommenden Wochen tun und was Sie unterlassen werden. Das wird auch die deutsche Öffentlichkeit tun. Das werden auch die Völker Russlands, der Ukraine und Europas im Allgemeinen tun. Es ist Zeit für Diplomatie, Herr Bundeskanzler. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen
Jeffrey D. Sachs
Universitätsprofessor an der Columbia University
***
Übersetzung: UNSER MITTELEUROPA
Der offene Brief von J. Sachs erschien in der Berliner Zeitung auf Englisch: HIER
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Das russische Außenministerium veröffentlichte zwei Protokolle: Das eine zu Konsequenzen aufgrund von Kriegsverbrechen durch „Ukraine & Co“ im russischen Hinterland und das andere zum Telefonat der beiden Minister.
Russland hat entschieden, die Handschuhe abzulegen
Von REDAKTION | Nach dem Anruf von Sergey Lawrow bei seinem Amtskollegen Marco Rubio scheint es, als hätte es der US-Seite die Stimme verschlagen. Doch das lässt sich erklären, wenn man die Erklärungen der Außenministerien liest und die Hintergründe versteht.
Die Erklärung des russischen Außenministeriums zu den Angriffen bewaffneter
Formationen ‚des Kiewer Regimes auf die Zivilbevölkerung in Russland in deutscher Übersetzung
Zitat russisches Außenministerium Anfang
Der blutige Angriff der ukrainischen Streitkräfte in der Nacht zum 22. Mai unter Einsatz von Drohnen auf das Schulgebäude und Wohnheim der Lugansker Staatlichen Pädagogischen Universität in Starobilsk (Volksrepublik Lugansk) war ein weiterer eklatanter Beweis für das nationalsozialistische und terroristische Wesen des Kiewer Regimes, welches gezielt Angriffe auf Zivilisten verübt und selbst vor der kaltblütigen Ermordung von Kindern nicht zurückschreckt.
Die Junta von Selenskyj und ihre westlichen Sponsoren, welche die ukrainischen Streitkräfte mit Waffen für Verbrechen gegen unser Volk versorgen, haben der ganzen Welt ihre grobe Missachtung der Normen des humanitären Völkerrechts demonstriert. Es liegt ein offensichtlicher Verstoß gegen die Genfer Konventionen von 1949 und deren Zusatzprotokolle zur Regelung des Schutzes der Zivilbevölkerung während Konflikten sowie gegen die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 und eine Reihe weiterer bedeutender internationaler Rechtsakte, vor.
All dies hat das Maß der Geduld überschritten. Unter den gegebenen Umständen beginnen die Streitkräfte der Russischen Föderation mit der konsequenten Durchführung systematischer Schläge gegen Unternehmen des ukrainischen Rüstungskomplexes in Kiew, einschließlich konkreter Standorte zur Entwicklung, Produktion, Programmierung und Einsatzvorbereitung von UAVs [Drohnen], die vom Kiewer Regime unter Mitwirkung von NATO-Spezialisten, die für die Lieferung von Komponenten, die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Zielzuweisungen verantwortlich sind, eingesetzt werden. Die Schläge werden sich auch gegen Entscheidungszentren und Kommandostellen richten.
Da die oben genannten Objekte über ganz Kiew verteilt sind, möchten wir die ausländischen Staatsbürger informieren, einschließlich des Personals diplomatischer Vertretungen und eines solchen internationaler Organisationen, um die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen und rufen die Einwohner der ukrainischen Hauptstadt auf, sich den Objekten der militärischen und administrativen Infrastruktur des Selenskyj-Regimes nicht zu nähern.
Zitat russisches Außenministerium Ende
Man beachte, dass die russische Staatsführung betont, nur militärische Ziele angreifen zu wollen und die Zivilbevölkerung der Ukraine rechtzeitig davor warnt, um sich von der militärischen Infrastruktur des ukrainischen Regimes stets fernzuhalten.
Zu besagtem Thema fand am 25. Mai auch ein follow-up-Telefonat zwischen dem Außenminister der Russischen Föderation Sergey W. Lawrow und US-Außenminister Marco Rubio statt.
Das Telefonprotokoll von russischer Seite in deutscher Übersetzung
Zitat Telefonprotokoll russisches Außenministerium Anfang
„Im Auftrag des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir W. Putin hat Sergey W. Lawrow der amerikanischen Seite offiziell mitgeteilt, dass die Streitkräfte der Russischen Föderation als Reaktion auf die anhaltenden Terroranschläge des Kiewer Regimes gegen die Zivilbevölkerung und zivile Objekte auf russischem Territorium mit systematischen und konsequenten Schlägen gegen in Kiew gelegene Objekte und entsprechende Entscheidungszentren, die Zwecken der ukrainischen Streitkräfte dienen, beginnen. Sergey W. Lawrow verwies auf die Erklärung des russischen Außenministeriums vom 25. Mai, in der den USA sowie anderen Staaten, die Vertretungen in Kiew unterhalten, empfohlen wird, die Evakuierung ihres diplomatischen Personals und anderer Bürger aus der ukrainischen Hauptstadt zu veranlassen.
Der Minister erinnerte an die auf höchster Ebene und Vorschlag der USA im August 2025 in Anchorage erzielten Vereinbarungen zum Ukraine-Konflikt und bedauerte, dass die rücksichtslosen Bemühungen der europäischen Eliten und des Kiewer Regimes diese Vereinbarungen, die den Weg zu einer nachhaltigen, langfristigen Lösung auf der Grundlage eines Interessenausgleichs geebnet hätten, untergruben.
Die Leiter der Außenministerien tauschten sich über diplomatische Initiativen zur Überwindung der Krise in der Straße von Hormuz und zur Lage rund um Kuba aus.
Sergy W. Lawrow und Marco Rubio bekräftigten trotz bekannter Meinungsverschiedenheiten ihre gemeinsame Bereitschaft, die Bemühungen zur Normalisierung der Arbeitsbedingungen der diplomatischen Vertretungen Russlands und der USA auf dem jeweiligen Hoheitsgebiet zu intensivieren.“
Zitat Telefonprotokoll russisches Außenministerium Ende
Man beachte, dass das russische offizielle Protokoll festhält, dass die Vereinbarung von Alaska zu den von der US-Administration gemachten(!) Friedens-Vorschlägen, welchen die russische Seite zustimmte, von der US-Administration nicht durchgebracht werden konnte.
Dieses Versagen bestätigt, dass der vermeintlich „mächtigste Mann auf Erden“ – der US-Präsident, wovon atlantische Medien und ihre verblendete Leserschar so gerne tagträumen – sich nicht in der Lage sieht, seine eigenen US-Vorschläge gegenüber den ihm vorgesetzten transnationalen Klans durchzubringen.
Es wird somit Zeit, dass die kollektiven Analysten des Westens, sich langsam daran machen sollten ihre notorischen Denk- & Analysefehler gründlich zu überprüfen. Das könnte es erleichtern, die sich häufenden Bauchlandungen der vermeintlich Mächtigsten dieser Welt, den irregeführten Bevölkerungen im Westen vielleicht noch einigermaßen erklären zu können – vorausgesetzt sie würden in der Lage sein die Realitäten auch psychisch zu verkraften. Mediziner kennen das Problem aggressiver Reaktionen von Patienten, nachdem sie aus einem künstlichen Tiefschlaf aufgeweckt worden waren.
Entsprechend „kleinlaut“ und kurz fiel das entsprechende Telefonprotokoll des US-State Departments (US Außenministerium) aus. Das verwundert, zumal US-Sprüche ihrer vermeintlich „Mächtigen und Prächtigen“ zu Gott und der Welt oft nur Kaffee-Haus-Geplapper auf kindlichem Niveau, dem es selten an Länge fehlte, gleicht.
25. Mai 2026 – Dem Department of State sind die Worte im Hals stecken geblieben | Quelle: Screenshot US State Dept.
Das Telefon-Protokoll Rubio – Lawrow durch das State Department in deutscher Übersetzung:
Zitat US State Department Anfang. Die folgende Erklärung wird Sprecher Tommy Pigott zugeschrieben:
Außenminister Marco Rubio führte heute auf Wunsch des Ministers ein Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Die beiden Seiten tauschten sich über den Krieg zwischen Russland und der Ukraine, die bilateralen Beziehungen sowie die Lage im Iran aus.
Zitat US State Department Ende
Der oben gezeigte Sachverhalt macht deutlich: Wenn es ernst wird, bleiben atlantischen Politikern gerne die Worte im Hals stecken. Eine Erklärung für das politische Versagen westlicher Politik besagt, dass viele Regierungsvertreter im Westen sich dem Metier der Schauspielerei verbunden fühlen und zugleich zu oft nur nach Kriterien der Unterhaltungsindustrie ausgewählt werden.
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UM zur „ersten langen Nacht in Kiew“ nach Starobilsk:HIER
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