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„Neue Helden braucht das Land“ sang schon vor 16 Jahren eine bekannte Pop-Rock-Band. Und es stimmt immer noch. Mut und Aufbruchstimmung vermisst in diesem Land doch eigentlich jeder. Wäre sonst das Interesse an den vielbeschworenen Helden des Alltags so groß?
Wenn die Helden dann auch noch aus Deutschland kommen, sollte das zumindest nicht als Makel angesehen werden. Denn wenn wir in diesem Land etwas verbessern wollen, müssen wir uns wohl am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Andere machen das nicht für uns. Nicht nur der Krieg formt Helden. Der selbstverständlich auch. Deshalb werden Persönlichkeiten wie Erwin Rommel („Der Wüstenfuchs“) oder Gebhardt Lebrecht von Blücher („Marschall Vorwärts“) in unserer Serie gewiss den ihnen gebührenden Platz finden.
Doch über deren Wirken hinaus wollen wir auch die Charaktere würdigen, die in Friedenszeiten für unser Land eintreten. Ein Held kann heute schon der sein, der frei seine Meinung äußert und sich nicht vor den Folgen fürchtet. Das sollte in diesem Land eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Cancel Culture lässt an jeder Ecke grüßen.
So sind es unter anderem auch die Helden des Wortes und des Geistes, die wir mit unserer neuen Serie „Deutsche Helden“ feiern möchten. Denn immerhin hat sich Deutschland schon vor Jahrhunderten als Land der Dichter und Denker profiliert. Also ist es ganz selbstverständlich, dass wir an dieser Stelle zukünftig Geistesgrößen wie etwa Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, aber auch Martin Luther präsentieren werden.
Und damit diese Gestalten stofflich fassbar werden und in unserem Alltag wieder mehr greifbaren Platz einnehmen, bieten wir dazu auch das passende Equipment. In unserem Shop können Sie T-Shirts mit dem Konterfei unserer „Deutschen Helden“, passende Tassen und vieles mehr erwerben.
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Beginnen wollen wir unsere Serie aber mit dem Archetypen des Deutschen Helden schlechthin:
Siegfried, der Drachentöter!
Wiederentdeckt – das Urbild des Deutschen Helden
„Ein Wetterchen zum Helden zeugen“, dachte sich Jung-Siegfrieds künftiger Vater Siegmund aus dem nordischen Heldengeschlecht der Wälsungen eines lauen Abends. In seiner von ihm beherrschten Heimatstadt Xanten machte er sich sogleich frisch ans Werk.
Das dachten wir uns auch und taten es ihm gleich. Wenigstens im Geiste, wenn wir jetzt hier die Geschichte des Urbildes aller deutschen Helden wieder zum Leben erwecken. Und zum Leben erweckt werden muss sie wohl, die alte Siegfried-Saga, die erstmals zusammenhängend vor etwa 800 Jahren im legendären Nibelungenlied erzählt wurde.
Denn viel von ihrem Geist ist im heutigen Deutschland, dem Heimatland der Sage, nicht mehr zu finden. Zumindest unter den offiziellen Vertretern unserer Nation in Regierung und etablierten Parteien nicht.
Siegfried hatte alles, was einen echten Helden ausmacht. Es sind die zeitlosen Eigenschaften, die die Epochen überdauern und die Menschen damals wie heute in ihren Bann ziehen: Treue, Loyalität, Kraft, Mut und Gestaltungswillen. Qualitäten, die sich selbst erklären und keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Jedenfalls für die unter uns nicht, die das Herz auf dem rechten Fleck haben.
Aber der Reihe nach. Die historische Person des Siegfried ist schwer zu fassen. Ihre Sternstunde erlebt sie erst in ihrer kulturellen Verdichtung im Nibelungenlied im zwölften Jahrhundert unserer Zeitrechnung sowie in der legendären Wagner-Oper „Ring des Nibelungen“, die im Jahre 1876 uraufgeführt wurde.
Der ursprüngliche Verfasser des Nibelungenliedes bleibt unbekannt. Einige Literaturwissenschaftler vermuten Walther von der Vogelweide, den deutschen Dichterfürsten des Mittelalters, als Urheber des Werkes. Doch diese Annahme ist historisch keineswegs gesichert.
„Uns ist in alten Maeren – wunders vil geseit“ beginnt die erste der 2.300 Strophen des deutschen Nationalepos. Was dann folgt, ist eine Geschichte in epischer Breite, die alles zu bieten hat. Es geht um Treue und Verrat, um Liebe und Tod, um Kampf und Krieg, um Ungeheuer und Jungfrauen.
Am Anfang war der Drache. Siegfried, dem jungen Helden und Königssohn aus Xanten, eilt schon früh der Ruf der Unbesiegbarkeit voraus. Gegürtet mit seinem legendären Schwert Balmung kann dem Recken niemand widerstehen. So begibt er sich auf seine lange Heldenreise, auf der ihm zunächst ein kapitaler Lindwurm begegnet, eine besonders gewaltige und gefährliche Spezies aus dem Geschlecht der Drachen.
Sogar einen Namen hat das wenig possierliche Tierchen: Fafnir, was auf die Identität einer nordischen Gottheit verweist. Doch weder Herkunft noch Kraft oder das vernichtende Feuer, das aus seinem Maul strömt, helfen dem Monster im Kampf gegen den Unbesiegbaren. Siegfried häutet das Ungeheuer Schuppe um Schuppe und sticht ihm sein Schwert schließlich mitten ins Herz.
Anschließend badet der Held im Blut des Drachen, womit er seine Unbesiegbarkeit noch einmal signifikant steigert. Denn das Drachenblut verwandelt seine Haut in einen undurchdringlichen Panzer, den keine Klinge dieser Welt durchdringen kann. Nur eine kleine Stelle zwischen Siegfrieds Schulterblättern bleibt ungeschützt, weil darauf ein Lindenblatt landete, als er im Drachenblut badete. Ein kleines Missgeschick, das unvermeidlich anmutet. Lebte der Lindwurm doch in einem Lindenwald. Und in eben diesem Wald bewachte der Drache eine dunkle Höhle. Das war seine Aufgabe, die ihm einst Alberich, der König des Zwergengeschlechtes der Nibelungen, gestellt hatte. Nachdem Siegfried den mächtigen Drachen getötet hat, ist es für ihn keine unlösbare Aufgabe mehr, auch Alberich zu bezwingen.
Doch ganz leicht ist es für unseren Helden auch nicht. Immerhin verfügt der listige Zwergenkönig über eine magische Tarnkappe, die ihn unsichtbar macht. Aber schließlich bekommt Siegfried die flüchtige Gestalt des kleinen Männchens zu packen und kann seiner habhaft werden. Womit das letzte Hindernis überwunden ist und der Königssohn aus Xanten endlich Zugang zur finsteren Drachenhöhle hat. Was er dort vorfindet, verschlägt ihm kurz die Sprache: einen sagenhaften Schatz, den sogenannten „Hort der Nibelungen“.
Aber schnell hat sich Siegfried wieder gefangen und sichert sich als Mann der Tat seine wohlverdiente Beute. Damit geht’s dann aber weiter in südlicher Richtung den Rhein entlang an den Königshof zu Worms, wo der Burgunderkönig Gunther herrscht.
Hier ist unser Held endlich am Ziel seiner Reise angekommen. War er doch ausgezogen, um um die Hand der wunderschönen Kriemhild zu werben, der Schwester des Königs Gunther. Die aber leider dafür bekannt ist, bisher alle Freier abgewiesen zu haben. Sie wolle, so hatte sie stets erklärt, jungfräulich bleiben und lehne die Liebe ab.
Doch nachdem Siegfried dem König Gunther sowie dessen Brüdern Gernot und Giselher im Kampf zum Sieg über die Dänen und Sachsen verhalf, tauscht Kriemhild mit ihm erstmals liebevolle Blicke. Gunther willigt ein, der Verbindung seinen Segen zu geben, wenn Siegfried ihn zunächst dabei unterstützt, Brünhild, die Königin von Island, zur Gattin zu gewinnen.
Unser Held erklärt sich dazu bereit und segelt gemeinsam mit Gunther zur Insel im eisigen Nordmeer. Hier erweist sich Königin Brünhild als mächtige Kriegerin, die über magische Kräfte verfügt. Solange sie jungfräulich bleibt, sind ihr diese Kräfte von den Göttern verliehen. Gleichwohl tritt Gunther in drei Kampfspielen gegen Brünhild an. Gewinnt er, will sie sich ihm hingeben. Verliert er aber, hat er sein Leben verwirkt. Siegfried greift in dieser schwierigen Situation zu einer List und streift sich die von ihm eroberte Tarnkappe des Zwerges Alberich über.
Unsichtbar kämpft er an Gunthers Seite gegen Brünhild und überwindet die isländische Königin. Diese willigt schließlich in die Ehe mit Gunther ein, weil sie glaubt, der Burgunderkönig habe sie überwunden.
Gemeinsam mit Brünhild kehren Gunther sowie Siegfried mit ihrem Gefolge nach Worms zurück und feiern dort Doppelhochzeit. Gunther ehelicht Brünhild und Siegfried darf endlich seine Kriemhild heiraten. Doch schon in der Hochzeitsnacht kommt es im königlichen Schlafgemach zu einem weiteren Eklat. Ohne Siegfrieds Hilfe gelingt es Gunther nicht, die nach wie vor mit magischen Kräften ausgestattete Brünhild zu überwinden und zu entjungfern. Stattdessen fesselt die übermächtige Braut den schwachen Bräutigam mit ihrem Gürtel und hängt ihn an die Wand.
Erneut muss Siegfried seine Tarnkappe bemühen und dem König zur Hilfe eilen. Unsichtbar zwingt der Held Brünhild auf das Ehebett. Danach tauscht er mit Gunther den Platz, damit dieser die Ehe vollziehen kann. Erst dann verliert Brünhild ihre magischen Kräfte und die Ehe nimmt ihren bestimmungsgemäßen Verlauf.
Nach der Hochzeit reisen Siegfried und Kriemhild nach Xanten. Der junge Held beerbt dort seinen Vater und tritt die Herrschaft über die Stadt am Niederrhein an. Jahre später reist das Xantener Königspaar zu einem Turnier nach Worms. Dort geraten Kriemhild und Brünhild in einen schlimmen Streit darüber, welcher ihrer beiden Ehemänner der größere Krieger sei. Im Eifer des Wortgefechts klärt Kriemhild Brünhild darüber auf, dass es Siegfried war, der sie in der Hochzeitsnacht mit seiner unbesiegbaren Kraft überwunden und deren Entjungferung erst möglich gemacht habe.
Rasend vor Zorn sinnt die einstige Königin von Island auf Rache. Unterstützung findet sie bei Hagen von Tronje, einem einflussreichen Berater am Königshofe zu Worms. Kurz danach lädt Hagen Siegfried zu einem gemeinsamen Jagdausflug ein. Am Abend vor der Jagd erkundigt sich der königliche Berater bei Siegfrieds Frau Kriemhild nach der verwundbaren Stelle auf der Haut des Helden. Wenn er genau wüsste, wo dieser Punkt sei, könne er ihn auf der Jagd besser vor möglicherweise plötzlich auftretenden Gefahren schützen. Arglistig stickt Kriemhild in der Nacht ein weißes Kreuz auf Siegfrieds grünes Jagdwams an der Stelle, auf die einst das unschuldige Lindenblatt fiel. Als sich Siegfried am nächsten Tag nach der Jagd über eine Quelle beugt, um zu trinken, versenkt Hagen seine Lanze hinterrücks genau an der Stelle in den Körper des Helden, an der das weiße Kreuz aufgenäht ist. Sterbend verflucht Siegfried sowohl Hagen als auch König Gunther sowie seine Brüder.
Danach entwendet Hagen Siegfrieds Witwe Kriemhild den Schatz der Nibelungen und versenkt ihn im Rhein. Obwohl Kriemhilds Macht damit endgültig gebrochen ist, sinnt sie auf Rache. Diese ruchlose Tat darf nicht ungesühnt bleiben.
Kriemhilds Stunde kommt, als der Hunnenkönig Etzel, der mächtigste Herrscher der Welt, Jahre später um sie wirbt und sie heiratet. Nach der Eheschließung laden Kriemhild und Etzel den Berater Hagen, König Gunther sowie dessen Brüder zu einem Fest an ihrem Hof. Die Burgunder, die sich mittlerweile auch Nibelungen nennen, folgen der Einladung mit 1.000 Kriegern und 9.000 Knechten.
Auf dem Fest kommt es zum Streit und schließlich zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, die kein einziger Burgunder überlebt. Kriemhild schlägt Hagen mit Siegfrieds Schwert eigenhändig den Kopf ab. Woraufhin einer von Hagens Vertrauten Kriemhild erschlägt. Das Reich der Burgunder ist untergegangen.
Quellen:
Historiker vermuten, dass möglicherweise Arminius, der Cherusker, ein reales Vorbild für die Siegfried-Sage gewesen sein könnte. Er verteidigte im Jahre 9 unserer Zeitrechnung die germanischen Grenzen erfolgreich gegen die römischen Truppen, deren Legionen sich seinerzeit in endlosen Reihen wie ein gewaltiger Lindwurm durch das Land wanden. Xanten war in der Antike ein römisches Legionslager in der Nähe des Cheruskergebietes. Arminius, der vor seinem Aufstand als Soldat im römischen Heer kämpfte, könnte hier durchaus einen Teil seiner Dienstzeit verbracht haben. Einen gewaltigen Schatz hatte der siegreiche germanische Kriegsherr übrigens auch noch von den Römern erbeutet.
Kurzform:
Das Nibelungenlied in vier Zeilen:
Auf Drachen, Schwerter und auf Gnomen
die Sage unsre Blicke lenkt,
dies für den Untergang sind Omen,
bis Hagen einen Schatz versenkt
The post DEUTSCHE HELDEN: Warum wir Siegfried den Drachentöter heute mehr brauchen als je zuvor! appeared first on Deutschland-Kurier.