NDS-News

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

„Christusmörder“ und „Brunnenvergifter“ – Das Entstehen antijüdischer Vorurteile im Mittelalter und die großen Wellen der Judenverfolgungen

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Vortrag von Prof. Dr. Thomas Vogtherr

Dienstag, 21. April 2026, 18 Uhr
Museumsquartier, Vortragssaal

Das Leben jüdischer Menschen im mittelalterlichen Deutschland war seit den Kreuzzügen vielfach bedroht und mit beträchtlichen Risiken verbunden. Glaubensunterschiede und daraus nicht selten erwachsener religiöser Fanatismus führten zur Ausgrenzung und Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung. Der Vortrag zeigt die Entstehung langfristig wirkender stereotyper Grundmuster von Judenfeindlichkeit auf und beschreibt ihre gesellschaftlichen Auswirkungen in Form der regelmäßigen Verfolgungen jüdischer Menschen im deutschen Wirkungsraum.

Mehr Infos zur aktuellen Ausstellung “Van den Yoden” und der dazugehörigen Veranstaltungsreihe im Museumsquartier finden Sie hier.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Osnabrücker Steinwerke. Bauhistorische Untersuchung einer komplexen Profanarchitektur des ausgehenden Hochmittelalters

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Vortrag von Carolin Sophie Prinzhorn, Altenbücken

Donnerstag, 23. April 2026, 19 Uhr
Museumsquartier Osnabrück, Vortragssaal

Steinwerk in der Bierstraße 7, © Museumsquartier Osnabrück

Als „Steinwerke“ werden in der westfälischen Stadt Osnabrück bruchsteinerne Hinterhäuser bezeichnet, die als älteste Teile der städtischen Wohnbauten bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen und Spiegel der Bau- und Wohnkultur der hochmittelalterlichen Stadt sind. Die Hinterhäuser bildeten zusammen mit einem der Straße zugewandten niederdeutschen Dielenhaus einen zweiteiligen Hauskomplex. Singulär im deutschen Profanbau wurden die Osnabrücker Steinwerke im Dachgeschoss mit einem steinernen Tonnengewölbe überdeckt, wodurch eine vollständig geschlossene, feuersichere Hülle entstand.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Eintritt ist frei.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Druck eines Werkes des PH-Kunstdozenten Max Egon Martin nun im Universitäts- und Hochschularchiv Osnabrück

veröffentlicht.
Vorschau ansehen
Max Egon Martin: “Der Einsiedel”

Auf verschlungenem Wege ist kürzlich ein Werk eines Kunstdozenten der Pädagogischen Hochschule Osnabrück an das Universitäts- und Hochschularchiv gelangt. Es handelt sich dabei um einen undatierten Druck von Max Egon Martin mit dem Titel „Der Einsiedel“.

Mehr Infos auf dem Blog zur Geschichte der Pädagogischen Hochschule / Adolf-Reichwein-Hochschule Osnabrück:

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Ein Schulwandbild aus der NS-Zeit im Emslandmuseum Lingen

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Manch einer kennt sie noch aus seiner eigenen Schulzeit: die sogenannten Schulwandbilder. Auch das Emslandmuseum Lingen besitzt eine Vielzahl dieser Bilder aus verschiedenen Epochen.

Das Schulwandbild zeigt das sagenhafte Aufeinandertreffen zwischen Otto I. und dem jungen Hermann Billung (Foto: Emslandmuseum Lingen).

Ein lesenswerter Beitrag über ein Schulwandbild aus der NS-Zeit im Blog des Emslandmuseums Lingen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Das Mausoleum Koke

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Archivalie des Monats April 2026 (Stadtarchiv Lingen)

Die Familie Koke gehörte im 19. Jahrhundert zu den führenden Industriellenfamilien der Stadt. Die Basis dafür hatte sie mit dem Erwerb eines Windmühlenbetriebs, der fortan so genannten Kokenmühle, gelegt. Wie viele andere Emsländer der damaligen Zeit suchten einige Familienmitglieder allerdings ihr Glück in der Ferne. Philip und Hermann Koke wanderten in den 1830er Jahren nach Indiana aus, Christian und Heinrich Koke 1847 bzw. 1866 nach New York.

Die Grabstätte der Familie Koke und das Gefallenendenkmal auf dem Alten Friedhof in Lingen.  Blick vom Stadtpark aus, ca. Ende der 1930er Jahre. (Stadtarchiv Lingen)

Auch den Müller Friedrich Koke (*22.12.1857) zog es in die neue Welt, allerdings nicht in die USA, sondern nach Chile. In Rancagua, einer landwirtschaftlich geprägten Kleinstadt mit damals über 4000 Einwohnern, gründete er als Federico Koke 1892 eine eigene Kokenmühle („el Molino Koke“), die er mit großem Erfolg betrieb. Verheirat war er mit der ebenfalls aus Lingen stammenden, aber deutlich jüngeren Maria Klasing (*22.12.1875). Am 2.11.1897 brachte sie in Santiago de Chile die Tochter Blanca zur Welt.

Mit ihrer Heirat wurde Blanca eine Freifrau von Flotho, doch die Ehe scheiterte. 1931 heiratete sie in Hannover erneut, nämlich Friedrich Frisius (*17.1.1895), der nach seinem Abitur in Lingen bei der Marine Karriere machte. Friedrich Kokes jüngerer Bruder Hermann hatte sich in Lingen inzwischen als Besitzer der Kokenmühle und Senator einen Namen gemacht. Trotz der großen Entfernung riss der Kontakt nicht ab. Noch 1922/23 verbrachte Maria Klasing mehrere Monate in Lingen, bis sie wieder nach Chile zurückkehrte.

Am 17.12.1924 starb Friedrich Koke in Rancagua. Seinem Wunsch entsprechend wurden Vorkehrungen getroffen, ihn in Lingen zu beerdigen. So entstand bis 1930 auf dem Alten Friedhof das Mausoleum Koke, ein neoklassizistischer Bau aus Kunststeinblöcken mit Säulenportikus und Apsis. Über dem Eingang befindet sich ein Kreuz und die Inschrift „Familie Friedrich Koke“. Das Innere bot Platz für sechs Sarg- und vier Urnenkammern. Bei der Sargkammer Kokes findet sich unter den Sterbedaten die Inschrift „LEBEN IST ARBEIT“. Als Maria Koke am 16.4.1938 in Rancagua starb, wurde auch ihr Sarg im Mausoleum aufgenommen. Ihr Spruch lautet „GOTT LEGT UNS EINE LAST AUF, ABER ER HILFT UNS AUCH.“

Die Lingener Kokenmühle (Stadtarchiv Lingen)

Friedrich Frisius setzte seine Militärkarriere im Zweiten Weltkrieg fort. Im September 1944 wurde er Festungskommandant der von alliierten Truppen eingeschlossenen Stadt Dünkirchen. Inzwischen zum Vizeadmiral befördert, verhinderte er bis zum Schluß die Befreiung der Stadt. Seine Frau Blanca verbrachte die 1930er und 1940er Jahre derweil in Wilhelmshaven, Hamburg und in der Lingener Klasingstr. 2. 1951 kehrte sie nach Chile zurück, wo sich nach Aufenthalten in Lingen und den USA auch Friedrich Frisius schließlich einfand. 1967 verbrachte sie erneut einige Tage, er einige Monate in der Lingener Klasingstraße, im Mai 1970 siedelten sie dann dauerhaft von Santiago de Chile zur Klasingstraße um. Nur wenig später starb Friedrich Frisius am 30.8.1970. Blanca Frisius, geborene Koke, geschiedene von Flotho, überlebte ihren Mann um fast 23 Jahre. Sie starb am 6.6.1993 in Rancagua. Auch sie beide fanden im Mausoleum Koke ihre letzte Ruhe. Bei ihren Lebensdaten findet sich ein Zitat aus dem Johannesevangelium: „ABER SEID GETROST, ICH HABE DIE WELT ÜBERWUNDEN“.

Nach langen Verhandlungen mit der Erbengemeinschaft übernahm schließlich die Friedhofsverwaltung das Mausoleum. Im Vorfeld der 2017 erfolgten Grundsanierung fand man eine gießkannenartige Keramik mit zwei stilisierten Fröschen, einer Art Kaulquappe und einem Wesen mit anthropomorphen Gesichtszügen, eine traditionelle Grabbeigabe aus dem präkolumbischen Peru. Als Kolumbarium dient das Mausoleum heute der Aufbewahrung von Urnen. Die Kokenmühle in Rancagua ist im Bereich der Lebensmittelindustrie auch heute noch eines der wichtigsten Unternehmen der Stadt. Das dahinterliegende ausgedehnte Grundstück mit den Wohnhäusern ist heute ein öffentlicher Park mit über hundertjährigem Eichen- und Mammutbaumbestand und als Parque Koke bekannt.

Quellen und Literatur

  • StadtA LIN, Fotosammlung, Nr. 1258.
  • StadtA LIN, Fotoserien, Nr. 315.
  • StadtA LIN, Karteislg., Nr. 3, Nr. 10 (56).
  • StadtA LIN, Lingener Tagespost vom 12.6.1993, 4.11.2018 und 24.6.2019.
  • Dlugay, Inge: Der alte Friedhof zu Lingen-Ems, in: Lingener Heimatkalender auf das Jahr 1854, S. 74-89.
  • Eiynck, Andreas: Von der Neuen in die Alte Welt, vom Jenseits ins Diesseits. Ein geheimnisvoller Fund im Koke-Mausoleum (2020).
  • Galle, Karl-Ludwig: Frisius – Koke. Einige ergänzende „Splitter“ zur lutherischen Gemeinde in Lingen, in: Emsländische und Bentheimer Familienforschung, Heft 141/142, Band 28 (2017), S. 180-195.
  • Tenfelde, Walter: Auswanderungen und Auswanderer aus dem ehemaligen Kreise Lingen nach Nordamerika, Lingen 1993.
  • Wikipedia, Art. „Parque Koke“.

Diese und frühere Archivalien des Monats können eingesehen werden auf den Seiten des Stadtarchivs Lingen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Archiv-Nachrichten Niedersachsen 29/2025

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Förderwege, Digitale Archivierung und regionale Netzwerke im Fokus

Die 29. Ausgabe der Archiv-Nachrichten Niedersachsen ist erschienen. Dieses Heft bietet ein kompaktes, praxisorientiertes Panorama aktueller Fragen, die die Archivlandschaft Norddeutschlands bewegen: Wie profitieren Archive von großen Förderprogrammen? Wie verändern die Digitale Archivierung und die Digitalisierung die Zusammenarbeit? Welche Rolle spielen regionale Netzwerke für die Zukunft der Archive?

Das Umschlagbild der Ausgabe 29 / 2025 der Archiv-Nachrichten Niedersachsen.
Das Umschlagbild der Ausgabe 29 / 2025 der Archiv-Nachrichten Niedersachsen.

Im Mittelpunkt steht die Dokumentation des 9. Norddeutschen Archivtags in Bremen unter dem Leitmotiv „Archive und ihre Partner“. Beiträge und Berichte zeigen eindrücklich, dass Archivarbeit heute nicht im Elfenbeinturm stattfindet, sondern als gemeinschaftliches Handeln: Werkstätten, Verwaltungen, Dienstleister und ehrenamtliche Initiativen arbeiten zusammen, um Originale zu erhalten, zu erschließen und nutzbar zu machen.

Ein Schwerpunkt des Hefts ist die neue Förderlandschaft: Das Programm „Schriftliches Kulturgut erhalten“ eröffnet Chancen für kleinere Einrichtungen, rückt Fotobestände stärker in den Fokus und ermöglicht modulare Antragstellungen. Die Beiträge geben konkrete Hinweise, wie sich Projekte bündeln, Partnerschaften vor Ort nutzen und Förderanträge als Teamarbeit gestalten lassen – pragmatisch, ressourcenschonend und wirkungsorientiert.

Zahlreiche Fallstudien liefern unmittelbare Praxis: Kooperationen zwischen Landesarchiven und Werkstätten, ein Citizen-Science-Projekt zur Erschließung, filmische Zugänge zur Stadtgeschichte sowie Erfahrungsberichte zur Übernahme elektronischer Akten. Ergänzt werden diese Einblicke durch Beiträge zu digitaler Überlieferung, Bestandserhalt und Notfallvorsorge – Themen, die nur im Verbund erfolgreich zu bewältigen sind.

Die Rubrik „Aus der Arbeit der Archive“ enthält zwei prägnante Beiträge: eine Analyse der welfischen Adelserinnerung und ein Rückblick auf 100 Jahre Universitätsarchiv Göttingen, die beide die Bedeutung von Archiven für Identität, Forschung und Lehre unterstreichen. Unter „VANB-Angelegenheiten“ informieren der Verband und seine Regionalgruppen über aktuelle Projekte und Planungen, die Sichtbarkeit und Zugänglichkeit vor Ort stärken.

Die Archiv-Nachrichten werden allen empfohlen, die nach konkreten Anregungen, erprobten Lösungen und vernetzten Perspektiven für die Archivarbeit suchen. Seien es Ideen für den Lesesaal, die Gestaltung der Werkstatt oder das Magazin.

Die Mitglieder des VANB (Verband der Archivarinnen und Archivare in Niedersachsen und Bremen e.V.) erhalten die Zeitschrift kostenlos im Rahmen ihrer Mitgliedschaft.

Die A-NN können über das Kreisarchiv Emsland erworben werden: Herzog-Arenberg-Straße 12, 49716 Meppen, 05931/446107, [email protected]

Inhalt

9. Norddeutscher Archivtag in Bremen

Konrad Elmshäuser, 9. Norddeutscher Archivtag in Bremen. Archive und ihre Partner – Bestandserhaltung, Erschließung und Vorsorge

Ursula Hartwieg, Das neue Förderprogramm für den bundesweit koordinierten Originalerhalt: „Schriftliches Kulturgut erhalten“

Thomas Bardelle, Die Kooperation der Abteilung Stade im Niedersächsischen Landesarchiv mit den Werkstätten des Deutschen Roten Kreuzes in Stade

Angela Huang, Citizen Science zur Erschließung historischer Quellenbestände an der FGHO

Henning Steinführer, Das Stadtarchiv Braunschweig und seine Kooperationspartner bei der Erschließung und Nutzung von Archivgut

Daniel Tilgner, Archiv auf ungewohnten Wegen: Zur Entstehung einer Kinodokumentation zur Stadtgeschichte im Landesfilmarchiv Bremen

Matthias Manke, Die eAkten-Übernahme im Landesarchiv Mecklenburg-Vorpommern mit dem DIMAG-Ingest-Werkzeug elektronische Akte (DIWA)

Uwe Leuenhagen, Anbietung und Übernahme von elektronischen Akten der Landesverwaltung in Schleswig-Holstein: ein Erfahrungsbericht

Olga Aginski und Viktor Pordzik, Die Archivierung elektronischer Akten im Staatsarchiv Bremen – ein Arbeitsbericht

Susanne Meinicke, Digitale Archivierung gemeinsam meistern. Erfahrungen aus der Aufbauphase der kommunalen Servicestelle für digitale Archivierung

Nele Bösel-Hielscher, Archive und ihre (Notfallverbund-)Partner – Podiumsdiskussion

Jörn Brinkhus, Zur rechtssicheren Onlinestellung von urheberrechtlich geschütztem Kulturgut. Die Regelungen für nicht-verfügbare Werke und das öffentliche Archivwesen

Dominik Dockter, Christian Hellwig und Ben Rieger, Archivalische Quellen zum (post-)kolonialen Erbe in Niedersachsen und Bremen. Ein Projektbericht

Aus der Arbeit der Archive

Arne Hoffrichter, Der „welfische“ Adel als Erinnerungsgruppe nach 1866: Gutsarchive als Fundus imaginierter Kontinuität

Holger Berwinkel, 100 Jahre Universitätsarchiv Göttingen. Produkt und Voraussetzung der Forschung

VANB-Angelegenheiten

Lars Nebelung, Bericht aus der Mitgliederversammlung des VANB e. V. am 4. Juni 2025

Kathrin Flor, VANB-Regionalgruppe Bentheim – Emsland – Osnabrück

Thomas Bardelle und Sönke Kosicki, Die VANB-Regionalgruppe Elbe-Weser plant einen Archivführer

8. Niedersächsisch-Bremischer Archivtag in Bremerhaven

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

„Van den Yoden“ – Judentum im spätmittelalterlichen Osnabrück (1260–1430)

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Sonderausstellung mit Begleitprogramm

Kulturgeschichtliches Museum
22. März bis 30. August 2026
Museumsquartier Osnabrück

Antijüdische Darstellung im Codex Gisle, Handschrift, um 1300
© Bistumsarchiv Osnabrück, MA 101

2026 jährt sich das Ende der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück zum 600. Mal. Knapp zwei Jahrhunderte lang lebten jüdische Familien zusammen mit der christlichen Mehrheitsgesellschaft in einem von sozialen Spannungen und religiösen Konflikten geprägten Nebeneinander. Antijudaismus war Alltag.

1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 von der christlichen Nachbarschaft brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Neustadt eine neue jüdische Gemeinde. Nach der faktischen Aufhebung des Zinsverbotes für Christen wurden Juden als Geldgeber verdrängt. 1426 endete die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit in der Stadt mit letzten Steuerzahlungen.

In der Ausstellung erinnern kostbare mittelalterliche Originale an diese Phase Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte. Am lokalen Beispiel werden die über Jahrhunderte tradierten antijudaistischen Wurzeln des Antisemitismus sichtbar. Der durch ihre kulturelle und religiöse Vielfalt geprägten bundesdeutschen Gesellschaft bietet „Van den Yoden“ mit Ausstellung, Begleitprogramm und Katalog angesichts des aktuellen Antisemitismus den öffentlichen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit den im Antijudaismus gründenden Ursprüngen des Antisemitismus.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag: 11 – 18 Uhr
Samstag und Sonntag/Feiertag: 10 – 18 Uhr

Museumsquartier Osnabrück
Lotter Straße 2
49078 Osnabrück
www.museumsquartier-osnabrueck.de
Telefon: 0541 323-2207 / 323 2237

Eintritt frei für alle U18, Osnabrücker Studierende mit Studierendenausweis und Geflüchtete.

Mehr Infos:

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Ossietzkys Rückkehr ins Emsland. Erinnerungskultur Esterwegen

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Vortrag von Gerhard Kromschröder und Hermann Vinke

Donnerstag, 12. März 2026, 19 Uhr
Museumsquartier Osnabrück, Vortragssaal

Buchcover “Ossietzkys Rückkehr ins Emsland”

Vertuscht, verdrängt, verleugnet: In den 1960ern drohte die KZ-Vergangenheit des Emslandes dem Vergessen anheimzufallen. Zwei junge Redakteure stemmten sich dagegen. Ihre berufliche Laufbahn ist eng damit verwoben: Gerhard Kromschröder und Hermann Vinke waren in den 1960er Jahren Redakteure der „Ems-Zeitung“. Trotz heftiger Gegenwehr vor Ort rückten sie das Geschehen in den 15 Emslandlagern während der NS-Zeit und ihren prominentesten Häftling, den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, in ihrer Berichterstattung immer wieder in die breite Öffentlichkeit.
Der Vortrag zeigt ein Bild von der verbreiteten Erinnerungsabwehr im Emsland. Die beiden jungen Journalisten bezahlten ihr Engagement gegen das Vergessen mit ihrem Arbeitsplatz. Doch auf dem Gelände des ehemaligen KZ Esterwegen steht heute eine Gedenkstätte, in der Carl von Ossietzky einen würdigen Platz gefunden hat. Er ist also an den Ort seines Leidens zurückgekehrt, wo er als Mahner gegen die aktuell vermehrt auftretenden Feinde der Demokratie weiterwirkt.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Eintritt ist frei.

Im Anschluss an den Vortrag findet die Jahreshauptversammlung 2026 des Vereins statt.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Jahreshauptversammlung 2026 des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Einladung zur Jahreshauptversammlung

Donnerstag, 12. März 2026
Museumsquartier, Vortragssaal

Programmpunkte:
1. Bericht des Vorsitzenden
2. Kassenbericht
3. Entlastung des Vorstandes
4. Wahlen
5. Bericht der Justus-Möser-Gesellschaft
6. Bericht des Arbeitskreises Stadt- und Regionalgeschichte
7. Digitale Medien und Öffentlichkeitsarbeit
8. Planungen
9. Verschiedenes

Die Jahreshauptversammlung beginnt gegen 20.30 Uhr im Anschluss an den Vortrag von Gerhard Kromschröder und Hermann Vinke.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Neubeginn nach dem Krieg: Eheschließungen polnischer Displaced Persons im Lager Bad Essen 1945

veröffentlicht.
Vorschau ansehen
Auszug aus dem Heiratsregister von Bad Essen (NLA OS, Rep 492, Nr. 8004, 11/1945)

Bad Essen blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Zerstörungen verschont. Dennoch war der Ort unmittelbar von den Folgen des Kriegsendes betroffen. Wie in vielen Gemeinden der britischen Besatzungszone befanden sich hier nach 1945 zahlreiche sogenannte Displaced Persons (DPs) – Menschen, die sich infolge von Krieg, Verschleppung und Zivilzwang außerhalb ihrer Heimat befanden. Ein Teil von ihnen war polnischer Staatsangehörigkeit. Während der deutschen Besatzung wurden sie als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich deportiert. Nach Kriegsende wurden sie in Sammelunterkünften untergebracht, die in den Quellen als „polnisches Lager“ bezeichnet werden.

Diese Lager dienten der Versorgung und Registrierung der Betroffenen sowie der Vorbereitung ihrer Rückführung oder Auswanderung. Viele Menschen kehrten jedoch nicht sofort in ihre Herkunftsregionen zurück. Unsichere politische Verhältnisse, zerstörte Infrastruktur und neue Grenzziehungen führten dazu, dass zahlreiche polnische Displaced Persons über längere Zeit vor Ort verblieben.

Ein Standesamtsregister aus Bad Essen, das kürzlich in das Niedersächsische Landesarchiv übernommen wurde, dokumentiert diese Situation auf eindrucksvolle Weise. In den Einträgen ab Herbst 1945 häufen sich Eheschließungen, bei denen als Wohnort der Verlobten „polnisches Lager“ angegeben ist. Trauzeugen stammen häufig ebenfalls aus dem Lagerumfeld und sind dem Standesamt als Dolmetscher dienlich. Mehrfach wird vermerkt, dass die Identität der Brautleute dem Standesbeamten „auf Grund [der] Aufgebotsverhandlung bekannt“ sei – ein Hinweis darauf, dass Ausweisdokumente oft fehlten und die Feststellung der Identitätsdaten auf Zeugenaussagen beruhte.

Die Herkunftsorte der Eheschließenden liegen überwiegend in den Regionen Posen, Schlesien und anderen Teilen Polens. Diese Angaben spiegeln die Herkunft vieler während des Krieges verschleppter Arbeitskräfte wider.

Auffällig ist zudem, dass in mehreren Fällen Kinder erst nachträglich anerkannt wurden. Solche Legitimationsvermerke deuten darauf hin, dass Beziehungen bereits vor der standesamtlichen Eheschließung bestanden. Die nachträgliche Anerkennung diente der rechtlichen Absicherung der Familienverhältnisse und war insbesondere für die staatsrechtliche Stellung der Kinder von Bedeutung.

Geburteneinträge aus späteren Jahren weisen darauf hin, dass polnische Displaced Persons teilweise über längere Zeit in Bad Essen verblieben sind. Dies entspricht der historischen Situation: Viele DPs warteten auf Rückkehrmöglichkeiten oder zögerten aufgrund politischer Veränderungen in ihren Herkunftsgebieten eine Rückkehr hinaus.

Die Einträge verdeutlichen zugleich den sozialen Kontrast der unmittelbaren Nachkriegszeit. Zwischen den zahlreichen Eheschließungen polnischer Lagerbewohner findet sich die Trauung eines Angehörigen des Adels. Diese Gleichzeitigkeit des Seins verweist auf die räumliche und administrative Nähe sehr unterschiedlicher sozialer Gruppen im lokalen Alltag.

Auch administrative Veränderungen lassen sich im Register ablesen. Unmittelbar nach Kriegsende erscheint in den Eheformulierungen zur Hoheitsgewalt „im Namen des Reiches“ der Zusatz „und der englischen Militärregierung“. Diese Ergänzung dokumentiert den Übergang der staatlichen Hoheitsgewalt auf die britische Besatzungsmacht und deren Einfluss auf standesamtliche Verfahren. Parallel dazu ist eine Veränderung der Handschrift und Schreibweise festzustellen, was auf personelle Wechsel im Standesamt hindeuten könnte.

Administrative Veränderungen lassen sich im Register u.a. an handschriftlichen Ergänzungen erkennen (NLA OS, Rep 492, Nr. 8004, 11/1945)

Mit dem fortschreitenden Abbau der DP-Lager und der Rückkehr beziehungsweise Auswanderung ihrer Bewohner verloren diese Einträge in den folgenden Jahren wieder an Bedeutung. Gleichwohl dokumentieren sie eine Phase des Übergangs, in der sich globale Ereignisse unmittelbar im lokalen Raum niederschlugen.

Das Standesamtsregister der Gemeinde Bad Essen macht damit sichtbar, wie Menschen nach Jahren des Zwangs, der Entwurzelung und der Unsicherheit begannen, familiäre Strukturen neu zu ordnen und rechtlich abzusichern. Hinter den nüchternen Verwaltungsvermerken stehen individuelle Lebensgeschichten von Verlust und Neubeginn. Zugleich spiegeln die Einträge den administrativen und gesellschaftlichen Wandel der frühen Nachkriegszeit wider.

Solche Quellen erinnern daran, dass Archive nicht nur amtliche Vorgänge dokumentieren, sondern auch Zeugnisse menschlicher Erfahrungen bewahren. Sie eröffnen Perspektiven auf Migration, Integration und das Wiederaufkeimen ziviler Strukturen nach Krieg und Gewalt – Themen von bleibender historischer und gesellschaftlicher Relevanz.

Am 08. März 2026 öffnet das Niedersächsische Landesarchiv Abteilung Osnabrück von 11 – 16 Uhr seine Türen auch außerhalb der Öffnungszeiten: Der Tag der Archive wird alle zwei Jahre vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare ausgerufen. Das diesjährige Motto lautet „Alte Heimat – neue Heimat“. Neben Vorträgen, Informationsständen und einem Büchertisch des Historischen Vereins wird bei Magazinführungen unter anderem auch das Heiratsregister aus Bad Essen zu sehen sein. Zum gemeinsamen Programm mit dem Diözesanarchiv Osnabrück gelangen Sie hier.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Darme

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Archivalie des Monats März 2026 (Stadtarchiv Lingen)

Wie in Baccum und Bramsche reichen die frühesten Siedlungsspuren im Gebiet Darme bis in die Steinzeit zurück. Erstmals erwähnt wird Darme 1302, als der Famulus Matheus de Thune dem Kloster Wietmarschen für 29 Mark sein Erbe „Sudendorpe“ (später Heitel) verkaufte, das „in villa dicta Dermen“ lag. Darme, unterteilt in Niederdarme im Westen und Hohendarme im Osten, gehörte trotz seiner Lage östlich der Ems zum Kirchspiel Schepsdorf und zum Bistum Münster.

Schleuse bei Hanekenfähr (Stadtarchiv Lingen)

Das adelige Gut Haneken in Niederdarme war ursprünglich ein Sundern im Besitz der Grafen von Bentheim. Diese verkauften es 1320 an den Ritter Johann von Langen. Beschrieben wird es dabei als großes und kleines Haus in „Hanikena“ mit dem zugehörigen Sundern, mit Wäldern, einer Mühle und Fischereirechten. Die Familie von Langen errichtete hier bald darauf eine Burg. Auf einer Karte von 1645 ist von dieser Burg allerdings nur noch die Gräfte zu sehen. Die Grenze der Fischereirechte des Hauses Haneken markierte der sogenannte Ikenstein („Eckstein“) oder Fischstein, ein seit dem 15. Jahrhundert belegter Findling auf der anderen Seite der Ems.

Noch in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verlief die Ems so nahe an Lingen vorbei, dass Überschwemmungen drohten. In Absprache mit den Münsterschen wurde deshalb bei Darme ein Durchstich vorgenommen und der Ems so ein neues Bett gegeben, das näher bei Schepsdorf lag. Doch das neue Bett versandete bald, und nach einem Hochwasser 1546 suchte sich die Ems einen neuen Weg. Das Bett wurde daraufhin vertieft, sodass die Ems hierhin zurückfand. Die vormals westlich der Ems gelegenen Gebiete – etwa ein Großteil von Reuschberge und wohl auch der Möddelhof – blieben jedoch münsterisch und gehörten damit zu Darme. Die Fehrstation wurde zur neuen Ems und damit auf münsterisches Gebiet verlegt, verblieb aber als Enklave in Lingener Hand.

Nach den „Bischofsjahren“ 1672/74 setzen die im Lingenschen nun wieder herrschenden Oranier die Reformation konsequent durch. Im März 1675 wurde katholischen Geistlichen der Aufenthalt im Lingener Land untersagt. In Darme entstanden derweil katholische Notkirchen. So besuchten die Lingener Katholiken eine als Kirche eingerichtete Scheune auf dem Möddelhof, die Thuiner und Baccumer Katholiken eine weitere auf dem Lükenhof. Heidenreich Stodtbrock, vormals katholischer Erzpriester in Lingen, war bereits 1662 nach Darme geflohen, bis ihn der Bischof von Münster 1667 mit der Schepsdorfer Pfarrei betraute. In dieser Phase lässt sich auch die Darmer Kapelle erstmals belegen. Hier findet sich ein Wappenstein von Isabella Clara Eugenia, Stadthalterin der spanischen Niederlande, und ihrem Mann Albrecht VII. Diese hatten Lingen seinerzeit katholisch beherrscht, und so diente ihr Wappen später als ein Symbol des katholischen Widerstandes gegen die reformierten Oranier.

Die Staustufe bei Hanekenfähr (Stadtarchiv Lingen)

Im 19. Jahrhundetr litt Darme unter ähnlichen ökologischen Problemen wie Bramsche und Schepsdorf. Plaggenhieb und Überweidung hatten zu einer Versandung weiter Flächen geführt. Das änderte sich erst allmählich mit einer weiträumigen Aufforstung. Um die Ems schiffbar zu machen, wurde 1824 bei Haneken ein Wehr angelegt und in der Folge der Ems-Hase-Kanal ausgehoben. Das Gut Haneken durchschnitt er dabei in gerader Linie. Das ursprünglich hölzerne Wehr in Hanekenfähr wurde 1877 durch ein neues Wehr aus Beton und Stein ersetzt. Dafür wurden auch die Megalithgräber in Gleesen und Rottum geplündert. Begonnen 1871 von französischen Kriegsgefangenen wurde bis 1904 zwischen Hanekenfähr und Nordhorn der Ems-Vechte-Kanal angelegt. Auch der Anschluss an das Eisenbahnnetz 1856 prägte die Landschaft.

Das Gasthaus zum Grünen Jäger (Stadtarchiv Lingen)

Bei den Reichstagswahlen im November 1932 holte die NSDAP in Darme 11,8%, nach Brögbern das höchste Ergebnis unter den späteren Ortsteilen. Bürgermeister Bernhard Lohmann (ab 1937 NSDAP, ab 1939 mit Parteiamt) wurde 1934 vom NS-Landrat bestätigt. Sein Beigeordneter August Spratte, Leiter der Darmer Volksschule, war bereits 1933 in die NSDAP eingetreten. 1936 bekam seine Schule die Erlaubnis zum Hissen der HJ-Fahne. In Reuschberge waren derweil auf Darmer Grund die Scharnhorst- und die Walter-Flex-Kaserne errichtet worden. Das Gebiet wurde 1936 nach Lingen umgemeindet.  1941 wurde ein Gebäude auf dem Heidhof zum Kriegsgefangenenlager umgebaut und bald darauf mit Franzosen belegt. Angesichts der vorrückenden Front sprengten die Deutschen am 7. April 1945 die Eisenbahnbrücke in Hanekenfähr, die Briten ersetzten sie zügig durch eine Pontonbrücke und konnten so in Darme einziehen.

Haus Heidhof (Stadtarchiv Lingen)

Nach dem Krieg stiegen die Bevölkerungszahlen rasch an. Hatten sich die Katholiken bisher nach Schepsdorf orientiert, bekamen sie 1959 die Christ-König-Kirche, die 1971 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Die Lutheraner hingegen konnten ab 1958 die Johanneskirche besuchen. Ende der 1950er Jahre kaufte VEW den Hof Rekkert und verschiedene Ländereien, um dort ein Elektrizitätswerk zu errichten. War zunächst von einem Kohle-, Öl- und Gaskraftwerk die Rede, zielten die Planungen schließlich auf ein Kernkraftwerk. Während die Darmer Schulchronik „Skepsis und Besorgnis“ in der Bevölkerung feststellte, begrüßte die Politik angesichts der zahlreichen neuen Arbeitsplätze das Projekt. Das 1968 in Betrieb genommene Kernkraftwerk Lingen und der in der Folge entstandene Industriepark Süd begründeten eine rasante wirtschaftliche Entwicklung. Darme war die erste Gemeinde, die mit Lingen 1968 in Verhandlungen über einen freiwilligen Zusammenschluss trat. Zusammen mit Laxten und Brockhausen wurde sie 1970 ein Lingener Ortsteil.

Quellen und Literatur:

  • BArch, R 9361-IX KARTEI / 26330529.
  • NLA OS, Rep 980, Nr. 13555, Nr.
  • StadtA LIN, Allgemeine Sammlung, Nr. 1287.
  • StadtA LIN, AV-Medien, Nr. 224.
  • StadtA LIN, Fotosammlung.
  • StadtA LIN, Lingener Volksbote vom 7.11.1932.
  • StadtA LIN, Slg. Schulchroniken, Nr. 12.
  • Bojer, Reinhard: Sag mir, wo die Gräber sind. Kriegserinnerungen aus Darme, Lingen 2002.
  • Eiynck, Andreas: Unterwegs in Hanekenfähr, Lingen 1992.
  • Fickers, Manfred: Ortsteilportrait Darme, in: Kivelingszeitung 2005, S. 201ff.
  • Goldschmidt, Bernhard Anton: Geschichte der Grafschaft Lingen und ihres Kirchenwesens insbesondere. Neudruck der Ausgabe Osnabrück 1850, Osnabrück 1975.
  • Heimatverein Darme (Hg.): Die Ems in unserer Heimat, Bad Bentheim 2008.
  • Interessengemeinschaft Chronik Darme (Hg.): Darme. Von einer Bauerschaft zu einem Stadtteil 1302-2002, Lingen 2002.
  • Lornatus, Erich: Der Wappenstein in der Kapelle zu Darme. Eine heimatkundliche Betrachtung über Vorgänge um den alten Festungsring der Stadt Lingen, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes 27 (1981), S. 45-54.
  • Nick, Karl-Josef: Der Wandel des Landschaftsbildes im 19. und 20. Jahrhundert am Beispiel der ehemaligen Bauerschaft Darme bei Lingen anhand historischer Karten, in: JB 55 (2009), S. 201-222.
  • Remling, Ludwig: Im Bannkreis habsburgischer Politik. Stadt und Herrschaft Lingen im 15. und 16. Jahrhundert (Quellen und Forschungen zur Lingener Geschichte 1), Bielefeld 1997.
  • Schriever, Ludwig: Geschichte des Kreises Lingen, Lingen a.d. Ems 1905/1910.
  • Tenfelde, Walter: 300 Jahre Darmer Schützen zum Jubelfest, 1959.

Diese und frühere Archivalien des Monats können eingesehen werden auf den Seiten des Stadtarchivs Lingen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

ENTFÄLLT!

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Jennifer Staar, Einblicke in Justus Mösers (1720-1794) praktische Aufklärungstätigkeit

Leider muss der Vortrag von Jennifer Staar (Osnabrück)
„… ob man den Hofmanschen Plan borgen, und darauf eine eigne Verordnung bauen … wolle?“ — Einblicke in Justus Mösers (1720–1794) praktische Aufklärungstätigkeit
am Donnerstag, 5. März 2026, 19:00 Uhr im Museumsquartier entfallen.

Wir bedauern die kurzfristige Absage sehr und bitten um Ihr Verständnis.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Johannis.Licht.Bilder – Projektionen historischer Fotografien

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Vom 28.02. bis 14.03.2026 jeden Abend ab 19 Uhr an der Kirchturmfassade St. Johann

Eine Bilderschau am Kirchturm, ein Open Air Event in der Neustadt – das sind die Johannis.Licht.Bilder.

Sie holen die Menschen dort ab, wo sie sind: Auf der Straße. Menschen begegnen sich zufällig, sprechen miteinander. Sie werden neugierig auf die Geschichte(n), die die Bilder an der Kirchturmfassade von St. Johann vermitteln.

Das vorliegende Begleitprogramm lädt dazu ein, das Quartier rund um die Johanniskirche mit anderen Augen zu betrachten. Drei Führungen und zwei Bildvorträge machen die Geschichte der Neustadt lebendig, drei weitere Veranstaltungen lassen Raum für Begegnungen und Erleben rund um den Kirchturm entstehen.

Die Johannis.Licht.Bilder werden am ersten Abend von Frau OB Katharina Pötter eröffnet. Sie enden mit einer musikalischen Finissage und einem zwanglosen Treffen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Tag der Archive zum Thema “Alte Heimat – neue Heimat” am 7./8. März in Osnabrück

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Tag der Archive in Osnabrück – Geschichte zum Anfassen

Am 7. und 8. März 2026 öffnen das Diözesanarchiv Osnabrück und die Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs ihre Türen zum bundesweiten 13. Tag der Archive. Unter dem gemeinsamen Motto „Alte Heimat – Neue Heimat“ laden die beiden Archive alle Neugierigen ein, Geschichte zu entdecken, Quellen zu befragen und ins Gespräch zu kommen. Der Aktionstag macht die Rolle von Archiven als Orte des Erinnerns und Forschens sichtbar und bietet ein abwechslungsreiches Programm für Familien, Schülerinnen und Schüler, Forschende und alle, die sich für Erinnerung, Integration und regionale Identität interessieren.

Programm im Diözesanarchiv Osnabrück

Am Samstag, 7. März 2026, ist das Diözesanarchiv in der Großen Domsfreiheit 10 von 10:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. Im Mittelpunkt steht die Ausstellung „Heimat und Glaube nach 1945“, die an die Situation der Heimatvertriebenen vor 80 Jahren erinnert und anhand ausgewählter Exponate zeigt, wie provisorische Seelsorgestellen, neue Gemeinden, veränderte Frömmigkeitsformen und ökumenische Initiativen das kirchliche Leben prägten. Ergänzende Magazinführungen gewähren einen Blick hinter die Kulissen und in Archivalien aus über tausend Jahren Bistumsgeschichte; eine Familienführung beginnt um 14:00 Uhr, eine weitere Magazinführung um 11:00 Uhr. Zum Verweilen und Austauschen laden ein offenes Archivcafé, ein Büchertisch und Informationsangebote zur Archivnutzung. Für Kinder gibt es eine Kreativstation zum Mitmachen.

Programm im Niedersächsischen Landesarchiv Osnabrück

Am Sonntag, 8. März 2026, empfängt die Abteilung Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs in der Schloßstraße 29 ihre Besucherinnen und Besucher von 11:00 bis 16:00 Uhr. Auf dem Programm stehen Kurzvorträge von prämierten Beiträgen des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2024/25 zum Thema „Grenzen in der Geschichte“. Schülerinnen und Schüler stellen Projekte vor, die sich mit Flucht und Vertreibung, mit Gastarbeitenden und Russlanddeutschen sowie mit dem Schicksal von Felka Platek und Felix Nussbaum befassen. Mehrmals täglich angebotene Magazinführungen geben Einblick in Bestände und Arbeitsweisen des Landesarchivs; ein Infostand zur Archivnutzung und ein Büchertisch des Historischen Vereins sind ganztägig vor Ort.

Für wen sich der Besuch lohnt

Die Veranstaltungen sind offen für alle: Geschichtsinteressierte, Familien, Schülerinnen und Schüler, Studierende, Forschende und Menschen, die persönliche oder regionale Herkunftsthemen erkunden möchten. Die Kombination aus Ausstellung, Vorträgen, Magazinführungen und Mitmach-Angeboten macht den Tag der Archive in Osnabrück zu einem leicht zugänglichen Erlebnis: Quellen werden sichtbar, Fragen finden Fachleute, und junge Beiträge zeigen, wie lebendig historische Forschung vor Ort sein kann.

Praktische Hinweise und Kontakt

Der Besuch ist kostenfrei; nähere Informationen zum bundesweiten Tag der Archive sind auf der Webseite des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare verfügbar.

Beide Archive freuen sich auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher und laden herzlich ein, am Tag der Archive in Osnabrück historische Bestände zu erkunden und neue Perspektiven auf das Thema „Alte Heimat – Neue Heimat“ zu gewinnen.

Mehr Infos finden Sie im Veranstaltungsflyer.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Bauern, Plaggen, Neue Böden. Zur Geschichte der Plaggenwirtschaft im Osnabrücker Raum

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Donnerstag, 19. Februar 2026
Museumsquartier Osnabrück, Vortragssaal
, 19 Uhr

Die Plaggenwirtschaft war eine über 1.000 Jahre praktizierte Form der Landwirtschaft, die den gesamten nordwestdeutschen Raum in einzigartiger Weise geprägt hat. Zeugnisse dieser Landnutzung wie fruchtbare Böden, Eschkanten und ausgedehnte Heidegebiete lassen sich bis heute in der Landschaft finden.

Die Lechtinger Mark gemäß der Vermessung von Johann Wilhelm Du Plat, 1786
© Niedersächsisches Landesarchiv Osnabrück, NLA OS K 100 Nr. 1 H IV Nr. 3 b

Neben der landwirtschaftlichen Entwicklung, Bodennutzung und typischen Landschaftsformen beeinflusste sie auch ganz wesentlich das Fühlen, Denken, Handeln und Zusammenleben der Menschen dieser Zeit. Aber wer weiß heute noch etwas darüber? Der Vortrag gibt eine Übersicht zu allen Aspekten der Plaggenwirtschaft in Nordwestdeutschland

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Eintritt ist frei.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Zwischen Tanzfläche und Museum

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Diskotheken und Jugendkultur entlang der B 213

Wer die Alltagskultur der Provinz und die flirrenden Räume jugendlicher Vergnügung der 1960er bis 1980er Jahre erkunden möchte, findet in Werner Straukamps Buch „Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213 1965-1989“ eine reichhaltige Fundgrube voller überraschender Details und lebendiger Zeitzeugnisse.[1]

Abb. 1: Cover des Buches „Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213“ von Werner Straukamp.

Werner Straukamps „Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213 1965-1989“ ist in erster Linie eine beeindruckende Materialsammlung: auf 222 Seiten versammelt der Band eine dichte Chronik regionaler Popkultur, die lokale Akteurinnen und Akteure, Veranstaltungsorte und Alltagspraktiken der Provinz in bemerkenswerter Detailtiefe sichtbar macht. Der Untertitel des Projekts, „Eine Disco kommt ins Museum. Diskothek ‚Zum Sonnenstein‘“, markiert programmatisch, worum es dem Autor geht: nicht nur um die Rekonstruktion von Orten, sondern um die museale Verhandelbarkeit und Präsentation lokaler Jugendkultur.

Quellen und Methodik

Die besondere Stärke des Buches liegt in der Breite und Vielfalt seiner Quellen. Regionale Zeitungsartikel, Werbeanzeigen, Leserbriefe und Gerichtsberichte werden mit zahlreichen Oral‑History‑Interviews kombiniert; die Einbindung eigener Erfahrungen als DJ und Veranstalter verleiht vielen Passagen eine unmittelbare Authentizität und macht technische, organisatorische und atmosphärische Details greifbar (vgl. etwa die Beschreibungen zur „Scala“ in Lastrup, S. 142-145).

Inhaltliche Stärken

Die Darstellung der musikalischen Wandlungen von Beat und Rock über Soul, Funk und Disco bis zur Neuen Deutschen Welle ist anschaulich und gut dokumentiert (S. 24–36). Werner Straukamp zeigt überzeugend, wie sich aus vereinzelten Tanzlokalen und Beat‑Clubs eine differenzierte Diskothekenlandschaft entwickelte und wie Boutiquen, Plattenläden, Jugendzentren und regionale Festivals als Kristallisationspunkte wirkten. Quantitative Hinweise – etwa die Entwicklung von einer einzigen stationären Diskothek 1965 zu 81 Tanzlokalen 1984 – vermitteln dem Leser ein Gefühl für die Größenordnung der lokalen Entwicklung (S. 202). Die zahlreichen Zeitzeugenstimmen machen deutlich, dass Diskotheken im ländlichen Raum mehr waren als Vergnügungsstätten; sie fungierten als soziale Treffpunkte und Orte der Identitätsbildung. Für Museen, Lokalhistorikerinnen und Lokalhistoriker sowie Forschende der Alltagskultur bietet der Band daher eine reichhaltige Fundgrube (vgl. Anhang 2, S. 202-218).

Abb. 2: Werbeplakat „Georgies Boutique – Haare wachsen für den Frieden / LSD zum Mitnehmen“ (Original 1970, George Mikolajew, Nordhorn) (zugleich hintere Umschlagseite des Buches „Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213“).

Kritische Anmerkungen

Trotz der dokumentarischen Sorgfalt bleibt die Darstellung an vielen Stellen deskriptiv und nostalgisch gefärbt; problematische Aspekte wie Kommerzialisierung, soziale Ausgrenzung, Geschlechterverhältnisse, Gewalt oder Drogenkonsum werden zwar benannt, aber nicht systematisch oder theoretisch fundiert aufgearbeitet (u. a. S. 114, 125, 176, 181). So werden etwa Veranstaltungen wie „Miss Bikini“-Wahlen oder „Go‑Go‑Girl‑Wettbewerbe“ beschrieben, ohne die dahinterliegenden Geschlechterdynamiken oder die ökonomischen Mechanismen der Sexualisierung vertieft zu analysieren (S. 180 f.). Berichte über Polizeirazzien, Schießereien oder Drogenfunde verbleiben überwiegend auf chronikaler Ebene, ohne Ursachen, strukturelle Bedingungen oder längerfristige Folgen zu erörtern (S. 175-184). Eine stärkere theoretische Einbettung, etwa durch Bezüge zu Konsumsoziologie, Raumtheorie oder Gender Studies, hätte die empirischen Befunde in größere analytische Zusammenhänge stellen können.

Formal und in der Aufbereitung bestehen ebenfalls Verbesserungsmöglichkeiten. Die Detailfülle führt mitunter zu überlangen Passagen und Redundanzen, die den Lesefluss hemmen; eine straffere Gliederung und kürzere Abschnitte hätten die Lesbarkeit erhöht. Visuelle Hilfsmittel wie Karten, Tabellen oder Diagramme zur räumlichen und quantitativen Entwicklung der Diskothekenlandschaft fehlen weitgehend; gerade bei einer regionalen Studie entlang einer Verkehrsachse wären Karten zur Verortung und Tabellen zur Entwicklung der Betriebszahlen hilfreich gewesen. Auch das Fehlen eines Registers erschwert den Zugriff auf die zahlreichen genannten Orte und Betriebe. Schließlich bleibt die Auswertung der Zeitzeugenbefunde in Teilen unsystematisch: Viele Anekdoten sind reich an Details, werden aber nicht nach Themenfeldern klassifiziert oder vergleichend analysiert.

Fazit und Ausblick

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt der Wert der Studie unbestritten. Werner Straukamp legt eine sorgfältig dokumentierte Materialsammlung vor, die für weitergehende Forschung exzellent nutzbar ist. Die dichte Quellenbasis eröffnet zahlreiche Anschlussfragen: Wie veränderten sich soziale Differenzierungen innerhalb der Besuchergruppen über die Jahrzehnte? Welche Rolle spielten ökonomische Rahmenbedingungen und lokale Politik bei der Entstehung und Schließung von Betrieben? Auf welche Weise lassen sich Gewaltphänomene oder Drogenkonsum analytisch fassen? Werner Straukamp macht mit seinem Projekt zudem deutlich, dass lokale Popkultur nicht nur dokumentiert, sondern auch museal verhandelt werden kann; die institutionelle Perspektive des Vorhabens ist damit sowohl historisch als auch praktisch relevant (vgl. Anhang 2, S. 202-218; Literaturverzeichnis, S. 219-221).

Für die weitere Forschung ergeben sich daraus klare Aufgaben: Eine stärkere theoretische Rahmung könnten aus der reichhaltigen Chronik eine analytisch stringentere Studie machen. Vergleichende Untersuchungen mit anderen ländlichen Verkehrsachsen oder mit urbanen Zentren würden helfen, die Spezifika der B‑213‑Region zu schärfen.

Abschließend überzeugt „Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213“ vor allem als lebendige, quellenreiche Chronik. Die persönliche Nähe des Autors verleiht dem Text Wärme, Detailkenntnis und Glaubwürdigkeit, auch wenn die kritische Distanz an einigen Stellen möglicherweise fehlt. Wer eine anekdotisch reiche, lokal verankerte Darstellung sucht, findet in diesem Band viel Wertvolles; wer eine theoretisch stringent aufgebaute Analyse erwartet, wird die fehlende Tiefe bemängeln. Als Ausgangspunkt für weitergehende Forschung, Ausstellungen und Oral‑History‑Projekte ist das Werk jedoch hervorragend geeignet und lädt dazu ein, die hier versammelten Materialien analytisch weiterzudenken.

[1] Werner Straukamp, Diskotheken und Jugendkultur entlang der Bundesstraße B 213 1965-1989. Forschungsbericht zu dem Projekt „Eine Disco kommt ins Museum. Diskothek ‚Zum Sonnenstein‘“ im Niedersächsischen Freilichtmuseum Cloppenburg, Cloppenburg 2021.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Die Gouverneure von Lingen

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Archivalie des Monats Februar 2026 (Stadtarchiv Lingen)

Im Achtzigjährigen Krieg, in dem die aufständischen Provinzen der Niederlande um ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone kämpften, war Lingen zeitweise Standort einer Garnison und befand sich unter dem militärischen Befehl eines Gouverneurs, auch Stadtkommandant genannt. Lingen stand zunächst auf spanischer Seite. Bereits 1586 beschwerte sich der Lingener Drost Ernst Mulert über die Belastung durch die einquartierten Soldaten. 1589/90 fielen berittene Soldaten aus Lingen im Kirchspiel Emsbüren ein. Friedrich van dem Berg, Statthalter und Generalkapitän von Overyssel, Friesland und Lingen, hatte die Lingener Festungswerke gut befestigt, und so blieb die Stadt 1590 von marodierenden niederländischen Truppen verschont. Die Verteidigung der Stadt unter seinem Kommando 1597 scheiterte jedoch, am 13. November hielt Moritz von Oranien Einzug in die Stadt und am 14. November verließen Gouverneur Friedrich van den Berg und seine Soldaten sie Richtung Salzbergen. Lingen stand damit unter dem Befehl des niederländischen Kommandanten Martin Cobbe.

Ansicht der Belagerung Lingens 1605 aus dem 1609 erschienenen Werk „Della guerre de Fiandra“ des Lingener Gouverneurs Pompeo Giustiniano. (StadtA LIN, Fotoserien, Nr. 712)

Gouverneur Cobbe war auch noch in Lingen, als der spanische Herrführer Spinola die Stadt 1605 unter Belagerung stellte. Auf die Verteidigung war die Stadt nur unzureichend vorbereitet und Cobbes Hauptleute hatten kaum Erfahrung. In Verhandlungen willigte Cobbe schließlich in die Übergabe der Stadt ein, wofür er sich später in einem Prozess rechtfertigen musste. Am 18. August verließ er mit 600 Mann die Stadt, und am 19. August zog die spanische Garnison ein.

Nun wurde Philipp von Croy, Graf von Solre und Baron von Sempy und Molembais (1562-1612), der neue Stadtkommandant. Glücklich war seine Zeit in Lingen nicht. Am 1. Mai 1607 gab er ein Bankett auf der Burg. Anlass war wohl sein 55. Geburtstag. Einer der Gäste vergas, beim Zubettgehen das Licht zu löschen, und so brach in der Nacht zum 2. Mai ein Feuer auf dem Burggelände aus. Schließlich entzündete sich auch das unter dem Haupthaus gelegene Pulvermagazin und explodierte. Ein Übergreifen der Flammen auf den Pulverturm konnte durch den umsichtigen Befehl des Grafen von Solre im letzten Moment verhindert werden. Zugleich aber behinderte er die Löscharbeiten, weil er als erstes sein Hab und Gut aus der Burg geholt haben wollte. Das Unglück forderte zahlreiche Tote und beschädigte zahlreiche Häuser der Stadt. Das Haupthaus der Burg, in dem Graf von Solre zusammen mit dem Drosten residierte, war unbewohnbar geworden, so dass er notdürftig mit seinem Gesinde in fünf Bürgerhäuser umziehen musste.

Spätestens 1608 wurde der Graf von Solre abgelöst durch Pompeo Giustiniano (Pompeius Justiniano) (1569-1615), einem Verwandten Spinolas, der sich nach der Explosion um die Wiederherstellung der Straßen kümmerte. Wegen zu zahlender Kontributionen zum Wiederaufbau der Festung stand er außerdem in Verhandlungen mit Oldenburg. Giustiniano stammte aus Korsika. Er hatte sich früh in spanische Dienste gestellt und bereits 1588 an der Belagerung von Bergen op Zoom teilgenommen. Da er im Krieg einen Arm verloren hatte und eine Prothese trug, erhielt er den Beinamen „Eisenarm“. 1605 kämpfte er an der Seite Spinolas. Ihm unterstand das dritte Regiment, aus dem fünf Kompagnien die Lingener Garnison verstärkten. Aufgrund seiner militärischen Erfahrung schrieb er das Buch „Della guerre de Fiandra 1601-1609“, das 1609 in Antwerpen veröffentlicht wurde. In dem Werk findet sich auch ein Grundriss der Festung Lingen, der entsprechende Detailkenntnis zeigt.

Der „Gouverneurs Hoff“ auf einer um 1609/32 erstellten Karte vom Lingener Umland. Die Karte ist nach Südosten ausgerichtet. Links erscheint der Böhmerhof mit Wassermühle, rechts das Burgtor der Festung Lingen. (StadtA LIN, Karten und Pläne, Nr. 47)

Auf Pompeo Giustiniano folgte als „Gubernator“ der Lingener Festung Marcellus Judicis (Marcello del Judicius), bis sich für das Jahr 1627 Lucas Cairo (de Cayro) als Gouverneur in Lingen belegen lässt. Von Cairo ist bekannt, dass er von dem Amtmann Mars aus Neuenburg Pferde geschenkt bekam. Vor allem aber dürfte er, wenn nicht schon einer seiner Vorgänger, für den Bau des neuen Gouverneurshofs verantwortlich gewesen sein, der als Ersatz für das zerstörte Haupthaus auf der Burganlage diente. Überliefert ist ein spätestens 1629 aufgestelltes Inventarverzeichnis des Gouverneurshofes, genauer eine „Annotatie van schottelen in des Gouvern. Cayro syn logement“ (Notiz über die Schüsseln in der Wohnung des Gouverneurs Cairo). Neben Zinnschüsseln und Zinntellern fanden sich in dem Haus unter anderem ein großer Kupferpott , Kerzenhalter und eine Eisenpfanne, später kamen noch ein Tresor, eine Bettstätte, Stühle, eine Eisenkette für den Brunnen und zwei große Kesselhaken für den Feuerherd dazu.

Zum ersten Mal erscheint der „Gouverneurs Hoff“ auf einer um 1609/1632 angefertigten Umgebungskarte der Stadt Lingen Er lag zwischen dem Burgtor und dem Böhmerhof, umgeben von einer Gräfte, die sich aus dem Stadtgraben speiste. Dieser Zufluss dürfte ein Überbleibsel des alten Mühlenbaches sein, der sich noch im 16. Jahrhundert in den Stadtgraben ergoss, inzwischen aber ab Böhmers Wassermühle um die Stadt herumgeführt wurde. Auch auf einem Stadtplan von 1903 ist der Zufluss noch zu erkennen. So erklären sich auch die eigenartigen Windungen der Straße „Brümmers Wiese“: Sie folgt dem Verlauf der einstigen Gräfte.

Der Wasserzulauf vom Stadtgraben unter der noch nicht vorhandenen Kulturvilla (Wilhelmstraße 49) her zum in den Umrissen noch erkennbaren einstigen Gouverneurshof auf einer genordeten Karte von 1903. (StadtA LIN, Karten und Pläne, Nr. 207)

1628 lässt sich als neuer Gouverneur zu Lingen ein gewisser Cazzola belegen. Ihm folgte Matthias von Dulcken. Die dauerhafte Belegung mit einer Garnison stellte für die kleine Stadt allerdings eine große Belastung dar. Es gab mehr Soldaten als Bürger, viele von ihnen waren in Bürgerhäusern einquartiert und immer wieder kam es zu Übergriffen. Man könne abends nicht mehr über die Straßen gehen, ohne belästigt zu werden, beschwerte sich der Magistrat. Im Juli 1630 verließen die letzten Garnisonssoldaten die Stadt und Truppen der katholischen Liga zogen ein. Neuer Gouverneur wurde damit der stellvertretende Kavalleriekommandeur Johannes von Horst, gefolgt von Ottomar von Erwitte. Für die Stadt bedeutete das weniger Soldaten, aber auch höhere Abgaben. Der Magistrat bat mehrfach um Erleichterungen, bis er die überraschende Antwort erhielt, dass dies nur bei Schleifung der Festungswerke möglich sei. In Verhandlungen einigte man sich schließlich darauf, genau das zu tun. 1632 wurde die Lingener Festung niedergerissen, und noch vor Mitte November verließ Kommandant Leoprechting mit den letzten Soldaten die Stadt. Die Zeit als Garnisonsstadt war für Lingen damit vorläufig vorbei.

 

Quellen und Literatur:

  • NLA HA, Cal. Br. 24, Nr. 6036.
  • NLA OL, Best. 20, -49 Nr. 4.
  • NLA OS, Dep 3 a 1, XI Nr. 101 a-b.
  • NLA OS, Dep 3 b III, Nr. 1.
  • NLA OS, Rep 25, Nr. 3, Nr. 4.
  • NLA OS, Rep 900, Nr. 651.
  • StadtA EMD, I, Nr. 338 a
  • StadtA LIN, Altes Archiv, Nr. 43, Nr. 5390.
  • StadtA LIN, Fotoserien, Nr. 712.
  • StadtA LIN, Karten und Pläne, Nr. 47, Nr. 207.
  • Giustiniano, Pompeo: Delle Guerre di Fiandra Libri VI, Antwerpen 1609.
  • Oldenhof, H.: Als Spinola vor Lingen lag. Tatsachenbericht des Obersten Pompeo Giustiniano, in: Kivelingszeitung 1978, S. 53-61.
  • Remling, Ludwig: Berichte über das Explosionsunglück auf der Burg Lingen am 2. Mai 1607, in: Kivelingszeitung 1999, S. 97-101.
  • Remling, Ludwig: Der Dreißigjährige Krieg in der Niedergrafschaft Lingen und den benachbarten münsterischen Kirchspielen Salzbergen, Emsbüren und Schepsdorf, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes 46 (2000), S. 57-101.
  • Remling, Ludwig: Egbert Wantschers Plan der Festung Lingen und des näheren Umlandes, in: Remling, Ludwig (Hg.): Aus der Geschichte Lingens und des Lingener Landes. Festgabe für Walter Tenfelde zum 70. Geburtstag (Materialien zur Lingener Geschichte 2), Lingen 1989, S. 44-47.
  • Tenfelde, Walter: Ambrosius Spinola und die Spanische Zeit in Lingen 1605-1630, Lingen (Ems) 1958.

Diese und frühere Archivalien des Monats können eingesehen werden auf den Seiten des Stadtarchivs Lingen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

“Forum Zeitgeschichte” des Museumsquartiers – Programm 2026

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Im Museumsquartier treffen sich Zeitzeug:innen regelmäßig im „Forum Zeitgeschichte“, um unter wissenschaftlicher Anleitung ihre Erinnerungen zu Nationalsozialismus, zum Zweitem Weltkrieg und zur Nachkriegszeit aufzuarbeiten. Das Forum bietet Raum für Gespräche und Diskussionen zu der Frage, wie die Geschichte von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg bis heute das gesellschaftliche Leben beeinflussen. Und es geht auf Spurensuche in der Zeitgeschichte. Die Ergebnisse des Oral History-Projektes werden für das Museum dokumentiert.

Dienstag, 3. Februar 2026, 10.00 Uhr [sic!]
Deutsch-französischer Austausch über das Ende des Zweiten Weltkriegs
Im Rahmen einer Videokonferenz tauschen sich deutsche Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs mit Jugendlichen im südostfranzösischen Gap (Departement Hautes-Alpes) über ihre Erfahrungen des Kriegsendes und der Nachkriegszeit aus.

Mittwoch, 22. April 2026, 10.30 Uhr
Osnabrück als Hochschulstadt
Anfang der 1970er Jahren wurde Osnabrück mit den Gründungen der Universität und der (Fach-)Hochschule zum Hochschulstandort. Viele Menschen sind durch das Studium oder als Hochschulbedienstete nach Osnabrück gekommen, um hier zu leben und zu bleiben. Es werden Zeitzeug:innen gesucht, die ihre persönliche Geschichte zur Osnabrücker Universität und/oder Hochschule erzählen möchten. Interesse besteht auch an Erinnerungen zur Geschichte der Vorgängereinrichtungen (Pädagogischen Hochschule, Staatliche Ingenieurakademien).

Mittwoch, 17. Juni 2026, 10.30 Uhr
Die Kraft des Erinnerns – Bericht von einer Reise anno 2025 in die USA
Bernd Kruse berichtet von seiner Vortragsreise durch die USA, bei der er über das Schicksal der jüdischen Menschen in Fürstenau während der NS-Herrschaft referierte. Neben den vielen persönlichen Kontakten, die dabei entstanden, bekam er auch Einblick in eine gespaltene US-Gesellschaft, in der die Demokratie politisch zunehmend unter Druck gerät.

Mittwoch, 16. September 2026, 10.30 Uhr
„British Garrison“ – Osnabrück als britische Garnisonsstadt
In der „AG Garrison“ bewahren interessierte Osnabrücker:innen Erinnerungen an die Zeit der britischen Militärpräsenz seit 1945. Das Fraternisierungsverbot hielt nur kurz. Aus Besatzern wurden NATO-Partner. Mit dem Abzug der Britischen Armee 2008/09 und der Konversion der Kasernen und Wohngebiete wird diese Geschichte zunehmend unsichtbar. Der Austausch dient der Spurensuche über diese wichtige Episode Osnabrücker Zeitgeschichte.

Mittwoch, 4. November 2026, 10.30 Uhr
Wer kann noch „Sütterlin“ lesen?
In den Familienarchiven befinden oft interessante Dokumente, die wegen der alten Schreibweise (Sütterlin, Deutsche Schrift) nicht mehr jede:r lesen kann. Zu der Veranstaltung können solche Dokumente (z.B. Feldpostbriefe) mitgebracht werden. Zeitzeug:innen des Forums helfen gerne beim Lesen und Transkribieren.

Mittwoch, 9. Dezember 2026, 10.30 Uhr
„2027“ planen
Die Zeitzeug:innen treffen sich in gemütlicher, vorweihnachtlicher Atmosphäre, um die Veranstaltungen des Jahres noch einmal Revue passieren zu lassen und gemeinsam neue Themen für das kommende Jahr 2027 vorzubereiten.

Museumsquartier Osnabrück
Die Villa_
Forum Erinnerungskultur und Zeitgeschichte

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

“Kontinuität und ein Spiegel des Wandels der lebendigen stadt- und regionalgeschichtlichen Forschung im Historischen Verein”

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Die neuen Osnabrücker Mitteilungen wurden vorgestellt

Musikalisch Ansprechende Umrahmung des Programms durch das “Trio Chocolat” (Foto: Thorsten Unger)

Am gestrigen Abend wurden im Museumsquartier Osnabrück die jüngst erschienenen Osnabrücker Mitteilungen 130 (2025) vor ca. 85 interessierten Besucherinnen und Besuchern vorgestellt. Der Band vereinigt 13 Beiträge von zwölf Autorinnen und Autoren sowie 18 Buchbesprechungen auf 358 Seiten, die sich thematisch mit antiker Archäologie, Mittelalterforschung und Zeitgeschichte befassen.

Valentin Loos warf einen Blick auf “Widerstand in Osnabrück” (Foto: Thorsten Unger)

Nach der Begrüßung durch den Vereinsvorsitzenden Thorsten Heese warf der zweite Vorsitzende Thomas Brakmann einen Blick auf die Geschichte des Historischen Vereins und explizit auf Entstehung und Inhalt des neuen Bandes, der für “Kontinuität” steht und gleichzeitig auch “ein Spiegel des Wandels der lebendigen stadt- und regionalgeschichtlichen Forschung im Historischen Verein” ist. Der 130. Band (in 178 Jahren Vereinsgeschichte) ist darüber hinaus ein Jubiläumsband, denn seit 1985 erscheinen die OM ohne Unterbrechung jährlich.

“Der Name und die regionale Ausrichtung — Osnabrücker Land, Emsland, Grafschaft Bentheim — bleiben gültig, zugleich passen sich Forschungsfragen, Methoden und Darstellungsformen fortlaufend an”, so Brakmann. Die Osnabrücker Mitteilungen sind ein Pfeiler der hiesigen regionalhistorischen Forschung; sie waren und sind aber auch offen für neue Forschungsfragen, die sich teilweise erst durch die neuen technischen Möglichkeiten der jüngsten Zeit adäquat bearbeiten lassen oder stellen.

Hervorgehoben wurde, dass all dies vor allem der ehrenamtlichen Arbeit der Redaktion, der Autorinnen und Autoren sowie der Unterstützung durch Förderer wie den Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V., die Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück, die Stadt Osnabrück und die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück zu verdanken ist – nicht zu vergessen sind hierbei die zahlreichen Vereinsmitglieder, deren Kreis sich im Rahmen der Veranstaltung erfreulicherweise vergrößerte.

Rolf Spilker stellte seinen Beitrag zur Risch-Halle vor (Foto: Thorsten Unger)

Im Mittelpunkt der inhaltlichen Vorstellung des Bandes standen die drei Kurzvorträge von Achim Rost und Susanne Wilbers-Rost (“Zur Interpretation des Fundareals Kalkriese – Einige kritische Anmerkungen”), Valentin Loos (“Widerstand in Osnabrück – Osnabrück im Widerstand. Wahrnehmung und Bewertung des regionalen NS-Widerstands”) und Rolf Spilker (“Von Gasgeräten, einer Jazz-Legende und dem karierten Sakko von Peter Frankenfeld. Die Risch-Halle in Osnabrück”). Thomas Brakmann stellte darüber hinaus die weiteren Beiträge des Bandes kurz vor.

Abgerundet wurde die Buchvorstellung von musikalischen Einlagen des “Trio Chocolat“ des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums in Osnabrück, das das Chanson “La vie en rose”, das humoristische Studenten- und Volkslied “Als die Römer frech geworden” und eine Violinvariation zu “Bella Ciao” darbot.

Im Anschluss an die Buchvorstellung lud der Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück zu einem Sektempfang, der die Möglichkeit zu tiefergehenden Diskussionen und zum Kennenlernen bot.

“Regionale Forschung macht Lebenswelten sichtbar, erklärt, warum Orte und Gemeinschaften so geworden sind, wie wir sie heute erleben, und liefert damit wichtige Bausteine für Identität, Orientierung und historisches Verständnis”, so Thomas Brakmann. Viele bis in den späten Abend hinein reichende Gespräche und Diskussionen lassen hoffen, dass dies mit dem neuen Band und auch der gestrigen Veranstaltung wieder gelungen ist.

Zum Abschluss: Sektempfang und weiterführende fachliche Diskussionen (Foto: Thorsten Unger)

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Die „Osnabrücker Mitteilungen 2025“ sind da!

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Buchpräsentation mit anschließendem Empfang

Donnerstag, 15. Januar 2026
Museumsquartier Osnabrück, Vortragssaal, 19 Uhr

Cover der Osnabrücker Mitteilungen 130 (2025)

Für viele Geschichtsinteressierte aus Osnabrück gehört es dazu, dass sie im Jahresverlauf den neuesten Band der Osnabrücker Mitteilungen „unter dem Weihnachtsbaum“ finden. Dieses besondere Erlebnis, zu erfahren, was es Neues an historischer Forschung zur Stadt und Region Osnabrück gibt, möchte der herausgebende Verein erneut zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis machen.

Deshalb wird der 130. Band in diesem Jahr wieder in feierlichem Rahmen vorgestellt. Er versammelt Beiträge, die sich in ihren zeitlichen Schwerpunkten von der Antike bis zur Zeitgeschichte erstrecken und völlig neue und unbeachtete Aspekte der Geschichte beleuchten.

Im Rahmen der Präsentation werden ausgewählte Beiträge kurz vorgestellt – eine vielfältige und kurzweilige Geschichtsstunde.

Im Anschluss wird zu einem kleinen Umtrunk eingeladen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Eintritt ist frei.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Schreiben im Internet: Texte, die gelesen werden

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Ein empfehlenswerter Beitrag von Ulrike Stockhausen (Redaktionsblog des Blogportals Hypotheses) zum Verfassen von wissenschaftlichen Blogbeiträgen:

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Rezensionen der Osnabrücker Mitteilungen 2025 (130) online

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Die Rezensionen des Bandes 130. Bandes der Osnabrücker Mitteilungen finden Sie nun auch auf dem Rezensionsportal recensio.regio downloadbar als Einzel- oder Gesamt-PDF.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Mitteilungsblatt Monte S. Gertrudis

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Die Januar‑Ausgabe 2026 des Mitteilungsblatts „Monte S. Gertrudis“ bietet einen spannenden Einblick in die Geschichte des Klosters Gertrudenberg. Im ersten Teil einer neuen Serie wird die Entwicklung des Ortes nachgezeichnet – von einem vorchristlichen Heiligtum der Sachsen bis zum klösterlichen Alltag um das Jahr 1300.

Ein weiterer Schwerpunkt beleuchtet die faszinierende Geschichte der unterirdischen Kalksteinbrüche in Europa, darunter das bekannte Gertrudenberger Loch, das heute vom Verein Interessengemeinschaft Gertrudenberger Loch e. V. für Besucher geöffnet wird.

Abgerundet wird die Ausgabe durch eine Erläuterung der Heftbezeichnung „Monte S. Gertrudis“ sowie ein vollständiges Inhaltsverzeichnis des Jahres 2025.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Termiten und die Apokalypse – Der Lingener Künstler Harry Kramer

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Archivalie des Monats Januar 2026 (Stadtarchiv Lingen)

Harry Kramer wurde am 25. Januar 1925 in Lingen geboren. Seine Eltern waren Johann Kramer, Klempner im Ausbesserungswerk, und seine Frau, die Schneiderin Elisabeth Keppler aus Nimwegen. Als überzeugter Kommunist wehrte sich der Vater zunächst dagegen, den Jungen taufen zu lassen, doch die Verwandtschaft drängte erfolgreich auf eine protestantische Taufe. Er erhielt schließlich die Vornamen Harry (nach dem Schauspieler Harry Piel) und Karl (nach Karl Marx). Der Vater war Mitglied der Lingener Ortsgruppe der KPD und ließ sich 1929 erfolglos für die Gemeinde- und Kreistagswahl 1929 aufstellen. Außerdem waren die Eltern Mitglied des KPD-nahen Freien Turn- und Sportvereins „Vorwärts“. Als Harrys Mutter 1932 nach längerem Sanatorienaufenthalt an Tuberkulose starb, fielen dem Siebenjährigen die Trauerkränze mit Hammer und Sichel auf. Er zog nun zur Urgroßmutter.

Aus Angst vor Verfolgung ließ sich der Vater – inzwischen wieder verheiratet – 1938 ins Ausbesserungswerk Neumünster versetzen, und der dreizehnjährige Harry ging mit ihm. Eine Rechtschreibschwäche hatte den Besuch eines Gymnasiums verhindert. Die dortige Volkschule verließ er mit einem Zeugnis, das Ziel der 8. Klasse mangelhaft erreicht zu haben. Auf Wunsch des Vaters begann er eine Aubildung bei dem Neumünsteraner Herrenfriseur Petau. Doch er langweilte sich, plante eine Überfahrt nach Amerika, verlor aber seinen Pass und endete im Polizeigefängnis Osnabrück. Unter den dortigen „Pennern, Säufern, Dieben“, so erzählt er später, habe er sich wohler gefühlt als bei den „selbst nackt noch uniformierten Zombies“. Als sein Vater ihn nach 14 Tagen auslöste, verweigerte Harry die Rückkehr nach Neumünster. Er ging zum Lingener Friseur Fritz Droop und befreundete sich mit dem reformierten Pastorensohn Jochen Staedtke. Es sei „die Verachtung des banalen Terrors, der Ekel vor der dumpfen, nicht identifizierbaren Gewalt“, so Harry Kramer später, die beide Kinder zusammengeführt habe. Er versuchte, Schauspieler zu werden. Doch Vorsprechen 1942 im Stadttheater Osnabrück und 1943 im Stadttheater Münster blieben ohne Erfolg.

1943 wurde er mit 18 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen und als Panzergrenadier im Norden Frankreichs eingesetzt. Nach einem nächtlichen Feuergefecht brachte er einen verletzten Amerikaner zum Sanitäter. Damit war der Amerikaner der erste Gefangengenommene der Division, und Harry Kramer bekam das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Später wurde er selbst gefangengenommen und für den Küchen- und Casinodienst eingeteilt. Ein Fluchtversuch scheiterte 20 km vor Paris, ein weiterer – bereits nach der Kapitulation im Mai 1945 – brachte ihn bis nach Belgien und endete in einem amerikanischen Lager. Auf dem englischen Landsitz Farmhall diente er für einige Monate als einer der Burschen für zehn internierte deutsche Wissenschaftler, unter ihnen Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker.

Nach kurzem Aufenthalt im Osnabrücker Gefängnis kehrte er nach Neumünster zurück, wo ihn das Arbeitsamt wieder zu dem Friseur Petau schickte. Nach einer erfolglosen Bewerbung im Operettenhaus Hamburg ging Harry Kramer auf die Tanzschule Rogge in Hamburg und absolvierte erste Auftritte. Danach wechselte er ans Stadttheater Bielefeld, dann ans Stadttheater Münster, wo er seine spätere Frau, die Tänzerin und Folkwang-Schülerin Helga Brauckmeyer kennenlernte. Das Stadttheater Münster verließ er jedoch 1951 im Streit.

Das Paar zog zunächst nach Starnberg, dann folgte er ihr nach Berlin. Hier entstanden die ersten Puppen für sein „Mechanisches Theater“, das große Aufmerksamkeit erhielt. 1956 siedelte das Paar nach Paris über. Mit dem Kameramann Wolfgang Ramsbott schuf er fünf kurze Experimentalfilme. Außerdem begann er mit der Schaffung von Drahtplastiken. 1964 nahm er an der Documenta 3 in Kassel teil. Im Jahr darauf wurde er Gastdozent an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Er reiste Helga nach Las Vegas nach, wo beide heirateten.

1970 folgte er dem Ruf als Professor an die Hochschule für Bildende Künste Kassel. Seine eigene Produktion gab er daraufhin auf. Unter dem Namen „Atelier Kramer“ arbeitete er fortan gemeinsam mit seinen Studierenden. Einer seiner Schüler war Gunter Demnig, der später auch in Lingen Stolpersteine verlegen wird. 1971 mauerte sich Kramer im Museum Fridericianum Kassel zehn Tage lang ein und kommunizierte nur durch Gitterstäbe mit den Besuchern. 1978 entstand die Installation „1984 – Termitenstaat“ in Form eines auf Menschenmaß vergrößerten und von Versuchspersonen bewohnten Termitenbaus. Von 1979 bis 1987 entstanden 20 großformatige „Apokalypse“-Bilder. Sein letztes Projekt war 1981 bis 1992 die Künstlernekropole Kassel, für die verschiedene Künstler ihre eigene Grabplatte entwerfen sollten, um sich hier später begraben zu lassen. Die Nekropole wurde im Jahr seiner Emeritierung 1992 eröffnet. Harry Kramer starb am 20. Februar 1997 in Kassel. Er wurde – allerdings ohne eigenes Grabmonument – in der Künstlernekropole bestattet. Sein Nachlass befindet sich heute in der Kunsthalle Lingen.

 

Die Ausstellung „Harry Kramer und seine Zeit“ ist noch bis zum 11. Januar 2026 in der Kunsthalle Lingen zu sehen.

 

Quellen und Literatur

  • StadtA LIN, Allg., Slg., Nr. 124.
  • StadtA LIN, Plakate, Nr. 815.
  • NLA OS, Rep 439, Nr. 21810.
  • Behm, Meike: Ironisch mit den Themen umgehen, ohne dabei den Inhalt lächerlich zu machen. Harry Kramer (1925 in Lingen geboren, 1997 in Kassel gestorben), in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes 56 (2010), S. 275-286.
  • Lüddemann, Stefan: Harry Kramer (Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen 64), Hannover 2007.
  • Lüddemann, Stefan: Störfall im Betriebssystem Kunst. Was Harry Kramer und seine Werke uns heute sagen, in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes 62 (2016), S. 287-310.
  • Scherger, Anne Gertrud: Stolpersteine. Ein Wegweiser zu den Stolpersteinen für die verfolgten und ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Lingen (Ems). Ein Stadtrundgang, Lingen 2019.
  • Willhardt, Michael (Hg.): Harry Kramer. Ein Friseur aus Lingen, Freren 1990.

Diese und frühere Archivalien des Monats können eingesehen werden auf den Seiten des Stadtarchivs Lingen.

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Mösers Mutter und Stüves Urgroßmutter

veröffentlicht.
Vorschau ansehen
Abb. 1: Kirchenbuch-Eintrag der Taufe Mösers am 20.12.1720. (Landeskirchliches Archiv Hannover – Kirchenkreis Osnabrück – Osnabrück – St. Marien – Kirchenbücher: Taufen 1691–1751)

Johann Carl Bertram Stüve (1798–1872) und Justus Möser (1720–1794) waren zwar durch mehrere Generationen voneinander getrennt, aber für den überregional renommiertesten Osnabrücker des 19. Jahrhunderts war der berühmte Schriftsteller, Jurist und Osnabrücker Staatsmann des 18. Jahrhunderts immer ein Vorbild und Maßstab gewesen.[1]

Kaum bekannt dürfte sein, dass sie weitläufig mit einander verwandt waren. Mösers Mutter, Regina Juliana Elverfeld (1695–1758) und Stüves Urgroßmutter Anna Catharina Elverfeld waren nämlich Schwestern. Deren Eltern waren der Doktor beider Rechte Justus Itel Elverfeld (1656–1738), seit 1699 Ratsherr und seit 1736 einer der beiden Bürgermeister der Osnabrücker Altstadt,[2] und seine Ehefrau Catharina Gertrud, geborene Hönemann (1659–1730). Zu ihren Kindern gehörten die Töchter Anna Catharina, die am 18. Mai 1712 den Juristen Eberhard Berghoff heiratete[3] und Regina Juliana, die Mösers Vater Johann Zacharias (1690–1768) am 3. November 1716 heiratete.[4] Deren Sohn Justus wurde am 14. Dezember 1720 geboren.

Für Eberhard Berghoff und seine Frau Anna Catharina, geb. Elverfeld sind in den Kirchenbüchern von St. Katharinen in Osnabrück insgesamt acht Taufen aufgeführt, bei der Taufe des zweiten Sohnes Johann Heinrich Berghoff am 30. September 1718 ist unter anderen auch der Onkel Johann Zacharias Möser als Pate aufgeführt.[5] Der dritte Sohn, der wie sein Vater nur den einzigen Vornamen Eberhard erhielt, wurde am 18. Oktober 1720 getauft[6] und gehörte zu den Jugendfreunden seines gleichaltrigen Cousins Justus Möser.[7]

Abb. 2: Die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Möser und Stüve

Eberhard Berghoff, wie sein Vater Doktor beider Rechte, war bis zu seinem Tod 1780 als Kanzleirat im ständigen beruflichen Kontakt mit dem geheimen Referendar der Regierung Justus Möser. Er heiratete am 29. September 1749 Anna Sophia Wöbeking,[8] die Tochter des Arztes und Bildersammlers Johann Christoph Wöbeking.[9] Deren 1756 geborene Tochter Margaretha Agnesa heiratete am 20. Juli 1784 den späteren Bürgermeister Heinrich David Stüve.[10] Ihr jüngster Sohn war der am 4. März 1798 geborene Johann Carl Bertram Stüve.[11]

Auch wenn diese weitläufige Verwandtschaft nur eine Fußnote in der Geschichte Osnabrücks ist, so ist sie doch ein Beispiel dafür, dass die Mitglieder der zahlenmäßig überschaubaren bürgerlichen städtischen Oberschicht sich alle kannten und in vielfältigen Beziehungen zueinander standen.

Anmerkungen:

[1] Zum Verhältnis von Stüve zu Möser: Christine van den Heuvel: Justus Mösers ‚Kleine Welt‘ – Aspekte politischer Memoria nach 1794, in: Ulrich Winzer / Susanne Tauss (Hg.): „Es hat also jede Sache ihren Gesichtspunct …“ Neue Blicke auf Justus Möser (1720–1794). Beiträge der wissenschaftlichen Tagung vom 14. bis 16. März 2019, Münster/New York 2020, S. 267–280, hier S. 275 f.

[2] Karl H.L. Welker: Rechtsgeschichte als Rechtspolitik. Justus Möser als Jurist und Staatsmann, Bd. 2, Osnabrück 1996, S. 685.

[3] Landeskirchliches Archiv Hannover – Kirchenkreis Osnabrück – Osnabrück – St. Katharinen – Kirchenbücher: Trauungen 1678–1796. Weitere Lebensdaten zu Anna Catharina Elverfeld lassen sich den Kirchenbüchern nicht entnehmen.

[4] Landeskirchliches Archiv Hannover – Kirchenkreis Osnabrück – Osnabrück – St. Marien – Kirchenbücher: Trauungen 1685–1799.

[5] Landeskirchliches Archiv Hannover (wie Anm. 3): Taufen 1695–1734.

[6] Ebd.

[7] Welker, Rechtsgeschichte (wie Anm. 2), Bd. 1, S. 522, Anm. 1312. Welker nennt hier als einziger die Verwandtschaft der Familien Möser und Berghoff.

[8] Landeskirchliches Archiv Hannover (wie Anm. 4): Trauungen 1685–1799.

[9] Zu Wöbeking: Thorsten Heese: „Gegenstände meiner besonderen Vorliebe“. Die Gemälde der „Sammlung Gustav Stüve“ im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück, Bramsche 2013, S. 21.

[10] Landeskirchliches Archiv Hannover (wie Anm. 3): Trauungen 1678–1796.

[11] Landeskirchliches Archiv Hannover (wie Anm. 3): Taufen 1735–1800.

(Auszug von RSS-Feed)

☑ ☆ ✇ Osnabrücker Geschichtsblog

Die Lingener Nachtwächter

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Archivalie des Monats Dezember 2025 (Stadtarchiv Lingen)

Der Dortmund-Ems-Kanal bei Nacht mit der 1899 errichteten Drehbrücke an der Lindenstraße. (Stadtarchiv Lingen)

Wie in anderen Städten auch hatte es in Lingen ursprünglich eine Wachpflicht für sämtliche männliche Einwohner gegeben. Doch wuchs der Widerstand gegen diese lästige Pflicht, und insbesondere die städtische Oberschicht suchte sich davon zu befreien. Schließlich gab auch die Stadt Lingen das alte System auf und stellte bezahlte Nachtwächter ein. Im 18. Jahrhundert hatte man vier städtische Nachtwächter. Unterwegs waren sie entweder mit einer hölzernen Ratel oder Ratsche, wie sie auch im ostfriesischen und niederländischen Raum üblich waren, oder mit einem Blashorn. Entsprechend unterschied man „Ratelwächter“ auf der einen Seite und „Blasewächter“ oder „Hornwächter“ auf der anderen. Erkennbar waren sie an ihrer Amtskleidung, den „NachtRöcken“. Der Lingener Chronist Johann Christoph Gabel berichtet 1787, dass „die Wächter alle halbe und ganze Stunden radeln oder rufen und die Zeit anzeigen müssen“.

1737 starb der alte Ratelwächter Haine. Gleich am nächsten Tag erschien der Kleidermacher Christoff Carl vor dem Magistrat und bat angesichts seiner Armut darum, die Nachfolge antreten zu dürfen. Der Magistrat stimmte zu, und so musste sich Carl eidlich verpflichten, dass er „alle stunde beharlig auff alle gaßen patrolliren“, mit seiner Ratsche „alle verdachtige Ohrtere gnau besichtigen“ und, soweit es in „seynem Vermogen“ stehe, alles zum Nutzen der Stadt befördern werde. Noch im selben Jahr starb auch der Blasewächter Osewalt. Der andere Blasewächter Jan Schulte genannt KoeJan hatte während dessen sechswöchiger Krankheit das nächtliche Wachtblasen für ihn übernommen und das eingesammelte Geld mit Osewalts Witwe geteilt. Nun bat er darum, noch bis Ostern das „nacht wacht blasen“ allein zu übernehmen. Der Magistrat war einverstanden, betonte aber, dass Osewalts Witwe weiterhin beteiligt werden müsse und Schulte, wenn er seiner Arbeit nicht gerecht werde, mit derben Strafen zu rechnen habe.

Wie der Henker und der Gefängniswärter gehörte der Nachtwächter zu den unehrlichen Berufen. Zur fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz kam eine notorisch schlechte Vergütung. Dies stand allerdings in keinem Verhältnis zur Bedeutung der Nachtwächter für die städtische Sicherheit. Diese Diskrepanz konnte sich nur negativ auf ihre Zuverlässigkeit auswirken. Entsprechend hoch waren die angedrohten Strafen bei Versäumnissen. 1746 wurden alle vier Nachtwächter auf das Alte Rathaus zitiert und angemahnt, von 9 Uhr abends bis zum morgen (im Winter bis 4 Uhr) „ihre Stunde zu blasen und zu rädeln“ und alles ordentlich zu observieren. Sollte ein Feuer in der Stadt ausbrechen oder ein anderes Unglück geschehen und herauskommen, dass sie ihre Wacht vernachlässigt hätten, sollten sie „derbe bestraffet“ und gegebenenfalls sogar „nach Wesel geschicket und an die Carre geschloßen“ werden. Gemeint ist eine Karrenstrafe, bei der man zum Arbeiten an einen Karren gekettet wurde. Freilich versprachen die vier Nachtwächter, wachsam zu bleiben.

In eine ganz ähnliche Richtung ging die Eidesformel der Lingener Nachtwächter, die spätestens ab 1750 Anwendung fand. Sie lautete für die Blasewächter (in hochdeutscher Übersetzung):„Ich N.N. gelobe und schwöre zu Gott, dem Allmächtigen, dass ich als bestellter Nachtwächter sorgfältig und treufleißig jede zweite Nacht im Winter (also von Michaelis bis Ostern) meinen Dienst tun wolle; des Abends um 9 Uhr mit Blasen durch alle Straßen und Örter der Stadt anfangen und alle Stunde bis morgens um 4 Uhr inklusive ohne Unterlass fortfahren wolle; zur Verhütung von Feuergefahr, Diebereien und sonstigen Exzessen treufleißige Acht haben wolle; und auch ebenso von Ostern bis Michaelis verfahren wolle, jedoch in dieser Zeit nur von 10 Uhr Abends bis 3 Uhr morgens alle Stunde blasen und die Wacht halten wolle; und außerdem mich in meinem Dienst betragen wolle, wie es einem christlichen, ehrlichen und aufrichtigen Nachtwächter eignet und gebührt, so wahr mir Gott helfe durch seinen Sohn Jesus Christus.“

Die Lingener Burgstraße im Mondlicht. (Stadtarchiv Lingen)

Norm und Praxis wichen allerdings durchaus voneinander ab. 1771 stellte der Magistrat fest, dass die Nachtwächter „aller vom Magistrat geschehenen Erinnerungen ohngeachtet ihr devoir sehr schlecht verrichten“. In einer Märznacht des Jahres 1784 kam es zu einem weiteren Zwischenfall. Beim Regierungsdirektor wurden die Fenster eingeschlagen, und Nachtwächter Stein musste zugeben, dass seine Frau und sein Sohn für ihn den Nachtdienst geleistet hatten, weil er selbst als Bote außer Landes gewesen wäre. 1802 verlangte der Magistrat gar eine schriftliche Verpflichtung, die Saumseligkeiten im Dienst fortan zu unterlassen. Alle vier Nachtwächter unterschrieben mit Kreuzen, keiner von ihnen konnte lesen oder schreiben. 1805 dann beschwerte sich der Akziseinspektor Leesemann, der hinter der Lateinschule wohnte. Bei ihm sei in der Nacht eingebrochen worden, die Nachtwächter aber habe er um Mitternacht das letzte Mal gehört. Solche Nachtwächter, so Leesemann, verdienten wohl eher Nachtschläfer genannt zu werden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gingen die Aufgaben der Nachtwächter zunehmend auf die Polizei über. Die Bezeichnung „Nachtwächter“ verschwand schließlich ganz. Stattdessen wurden 1919 zwei „Nachtpolizeibeamte“ bzw. „Hilfspolizeibeamte für den Nachtwachdienst“ eingestellt. Sie bekamen ein Dienstfahrrad ausgehändigt und 1921 wurden ihnen drei Begleithunde zur Seite gestellt.

 

Quellen und Literatur

  • StadtA LIN, Altes Archiv, Nr. 247, 277, 314, 315, 323, 1675, 5504.
  • StadtA LIN, Fotosammlung, Nr. 2523, 4989.
  • Glimme, Martina: „Slaept niet die daer waeckt“. Von Nachtwächtern und Türmern in Emden und anderswo. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Ostfriesischen Landesmuseum/ Emder Rüstkammer (Veröffentlichungen des Ostfriesischen Landesmuseums und Emder Rüstkammer 11), Oldenburg 2001
  • Hilkenbach, Friedrich: Lingen, Land und Stadt. Aus einer Chronik 1787, in: Heimat- und Verkehrsverein Lingen-Ems (Hg.): Lingener Heimatkalender auf das Jahr 1951, S. 37-50.

Diese und frühere Archivalien des Monats können eingesehen werden auf den Seiten des Stadtarchivs Lingen.

Eine ausführliche Behandlung des Themas findet sich im aktuellen Emsland-Jahrbuch 72 (2026), S. 267-286.

(Auszug von RSS-Feed)
❌