Für den Erfolg der Energiewende fordert Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) vom Bund einen stärkeren Windkraftausbau an Land. Niemand könne erklären, warum bei Ausschreibungen an Land nur ein Drittel der Gebote einen Zuschlag erhalte, sagte Goldschmidt zum Start der Energiewendekonferenz Powernet 2026. «Wir brauchen Sonderausschreibungen für die Windkraft an Land.»
«Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist es erforderlich, dass wir einen weiteren Schub beim Zubau der erneuerbaren Energien bundesweit nehmen», sagte Goldschmidt. Potenzial bleibe derzeit ungenutzt. Notwendig sei rasch Klarheit bei der Reform des Ende 2026 auslaufenden Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Wie das aussehen solle, sei aber noch vollkommen unklar.
Schleswig-Holstein sieht Goldschmidt bei der Energiewende auf gutem Weg. Dort seien 600 Kilowatt (kW) Leistung pro Quadratkilometer installiert. «Das ist einsame Spitze im Bundesvergleich.» Beim Verhältnis der installierten Windenergieleistung zur Landesfläche folge dahinter Brandenburg mit gut 300 kW.
Insgesamt waren bundesweit Ende vergangenen Jahres 29.226 Windenergieanlagen mit 68.067 Megawatt Leistung in Betrieb. 3.316 davon mit einer Leistung von 9.624 Megawatt standen in Schleswig-Holstein. Nach früheren Angaben des Umweltministeriums deckte Schleswig-Holstein 2024 bereits 170 Prozent seines Strombedarfs mit grünem Strom. Etwa acht Monate im Jahr liefert das Land Strom ab, vor allem in den Westen und Süden Deutschlands. Bereits 2016 erzeugte das Land demnach erstmals mehr Strom aus erneuerbaren Energien, als es selbst verbrauchte.
Wirtschaftsfaktor
Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) verwies auf den Wirtschaftsfaktor. Sein Ziel sind geschlossene Wertschöpfungsketten durch die Ansiedlung energieintensiver Unternehmen. «Wo Energie entsteht, soll auch Energie verbraucht werden.» Es gebe derzeit viele Anfragen in Richtung Rechenzentren und anderer Branchen mit hohem Energiebedarf.
Nach einer Auswertung der Gewerbesteuerzahlungen aus der Stromproduktion durch die Unternehmensgruppe Arge Netz auf Grundlage von Daten der Industrie- und Handelskammer zu branchenbezogenen Gewerbeerträgen flossen 2024 allein aus dem Betrieb von Windrädern an Land und Solaranlagen 110 bis 120 Millionen Euro in die Gemeindehaushalte Schleswig-Holsteins. Damit erreicht das Aufkommen nahezu das Niveau des Ausnahme-Jahres 2022 (rund 140 Millionen Euro). 2023 gab es Einnahmen von rund 95 Millionen Euro.
Für den Geschäftsführer des Landesverbands Erneuerbare Energien, Marcus Hrach, ist die Energiewende eine große wirtschaftliche Chance. «Schon heute sind die Erneuerbaren Energien ein Wachstumstreiber für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein und bringen Wertschöpfung in die ländlichen Regionen.» Investitionen in grüne Energien sicherten qualifizierte Arbeitsplätze in Industrie oder Handwerk.
Solarpanels
Aus wirtschaftlicher Sicht berichtete der Geschäftsführer des Schwentinentaler Unternehmens e-nema, Tillmann Frank, über die energieintensive Herstellung biologischer Pflanzenschutzmittel. Vom Umsatz des Unternehmens fielen sechs bis sieben Prozent für Energiekosten an, hauptsächlich zur Dampferzeugung. Bei der Nutzung von Solarenergie sieht Frank noch Nachholbedarf: Man dürfe Dächer mit Solarpanels belegen.
Das sei an Fassaden und auf freien, gepflasterten Flächen nach dem örtlichen Bebauungsplan jedoch nicht möglich. «Und die Kommune tut sich auch sehr schwer, das zu ändern. Dass man nicht neue Flächen versiegelt, ist verständlich», so Frank.
Goldschmidt betonte, das Land wolle Solaranlagen auf Dächern und Fassaden. Deshalb habe die Koalition mit der Reform des Klimaschutzgesetzes eine Verpflichtung erlassen, bei Neubauten Solaranlagen zu installieren.
Der Minister verwies auf kommunale Planungshoheiten. «Ich kann als Energiewendeminister immer nur sagen: Mich stört eine Fassaden-Photovoltaik überhaupt nicht.» Er wünsche sich, dass viele Kommunen zugunsten von Fassaden-Photovoltaikanlagen entscheiden. Wirtschaftsminister Madsen ergänzte: «An Industriegebäuden erst recht.»
Zur Powernet wurden auf Einladung der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein rund 600 Gäste erwartet aus Unternehmen, Politik, Forschung, Kommunen und öffentlichen Verwaltungen.