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Bremen (dpa) –
Selten war es so gefährlich, einen Derbysieg zu feiern. Die Spieler von Werder Bremen bejubelten vor ihrer Fankurve gerade ausgelassen den verdienten 3:1 (1:1)-Erfolg gegen den Hamburger SV, als neben ihnen mehrere Leuchtraketen einschlugen. Abgeschossen wurden sie am anderen Ende des Weserstadions im Gästeblock der HSV-Anhänger.
«Irgendwo sind Grenzen. Die Verletzungsgefahr war groß», sagte Werder-Trainer Daniel Thioune dazu. Aber immerhin: Verletzt wurde niemand. Die Polizei drängte zur Verhinderung einer weiteren Eskalation in den nicht einmal mehr halbgefüllten HSV-Block. Und auch der Hamburger Trainer Merlin Polzin meinte: «Wir wollen das in keinster Weise unterstützen oder gutheißen.»
Das Nordderby zwischen Bremen und Hamburg ist eines der brisantesten Duelle des deutschen Fußballs. Sieben Jahre lang fand es zumindest auf Erstliga-Niveau nicht mehr statt. In dieser Saison aber hat sich die Rivalität zwischen Werder und dem HSV mit voller Wucht in der Bundesliga zurückgemeldet.
Rote Karten nach Rudelbildung
«Das war ein Derby, das alles hatte vom ersten Moment an», sagte Thioune: «Sehr viel Energie. Zwei Mannschaften, die wollten. Unfassbare Tore auf beiden Seiten. Emotionen, die dazugehören. Rote Karten, die vielleicht überzogen waren.» Schon vor dem Anpfiff liefen beide Teams zu einer gigantischen Fan-Choreographie ein, die sich über mehrere Tribünen erstreckte.
Bei aller Rivalität und allen Emotionen war es ein Geschenk für dieses hitzige Duell, dass die beiden Trainer so eng befreundet sind. Thioune und Polzin verurteilten nicht nur die Attacken aus dem HSV-Fanblock. Thioune und Polzin waren sich auch beide einig, dass gleich zwei Rote Karten als Reaktion auf eine Rudelbildung in der Nachspielzeit nicht verhältnismäßig waren. Je ein Co-Trainer musste nach dem Tor zum 3:1 durch Cameron Puertas (90.+1) vom Platz.
Punktgleich sind beide Trainer jetzt auch noch. Vier Spieltage vor dem Ende der regulären Saison haben Werder und der HSV fünf Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Die Ausgangslage ist dennoch verschieden. Dieses Nordderby hat gerade die Krise der Hamburger noch einmal verschärft.
«Das war ein sehr emotionaler Nachmittag für uns mit einer Mischung aus Enttäuschung, Wut und Unzufriedenheit. Und das wird sicherlich noch ein, zwei Tage nachwirken», sagte Polzin.
HSV in der Krise
Beim HSV verstärken sich gerade mehrere Faktoren gegenseitig. Der Form- und Energieverlust ist nach nur einem Sieg in den vergangenen neun Spielen offensichtlich. Der Qualitätsverlust durch die Verletzungen von Luka Vuskovic und Sambi Lokonga kommt hinzu. Die vieldiskutierte aber regelkonforme Rote Karte für Philip Otele (79.) war bereits der achte Platzverweis in dieser Saison. «Immer in Unterzahl hinterherzulaufen, kostet Energie», sagte Nicolai Remberg. «Das ist einfach scheiße!»
Die Bremer dagegen haben im Abstiegskampf die Qualität entwickelt, immer genau die Spiele zu gewinnen, die sie gewinnen müssen: erst Heidenheim (2:0), dann Wolfsburg (1:0) – und jetzt auch gegen den HSV.
Trainer Thioune packt diese Mannschaft ganz offenbar mit seiner Ansprache und seinen taktischen Ideen. Auch die Geschichte des neuen Bremer Derby-Helden spielte er nicht herunter – ganz im Gegenteil.
Derby-Held Jens Stage
Noch bis einen Tag vor dem Spiel fehlte Jens Stage wegen einer Oberschenkel-Verletzung. «Ich war tot. Ich hatte Krämpfe am ganzen Körper. Nach 60 Minuten ging es einfach nicht mehr», sagte der Däne hinterher. Diese 60 Minuten reichten trotzdem, um das Nordderby mit zwei Toren zum 1:0 (37.) und 2:1 (57.) zu entscheiden.
«Das ist ein Junge, der in der Kabine wie Kitt alles zusammenhält», sagte Thioune. «Es war sehr eng. Das ist kein Geheimnis. Er hat gesagt: Er fühlt sich nicht perfekt. Aber für mich war es wichtig, dass er einfach dabei ist.»
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