Vorschau ansehen
Die furchtbare Bluttat von Flottbek: Ein 15-Jähriger sticht einen 13-jährigen Schüler ab. Das Opfer überlebt mit sehr viel Glück. Eine erschreckende Tat – aber kein Einzelfall. Ein Blick in die aktuellen Polizeistatistiken zeigt, dass die Zahl der Gewalttäter bei Kindern und Jugendlichen steigt – vor allem bei den Unter-14-Jährigen. Nun verlangt die Deutsche Polizeigewerkschaft, dass daraus Konsequenzen gezogen werden. „Da muss eine Strafe her, die weh tut“, sagt Thomas Jungfer, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Hamburg.
In Deutschland sind Jugendliche erst ab 14 Jahren strafmündig. Wer bei einer Tat jünger ist, gilt nach Paragraf 19 Strafgesetzbuch als schuldunfähig und kann strafrechtlich nicht belangt werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft will das ändern. Thomas Jungfer, Chef der DPolG Hamburg, fordert, dass die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabgesetzt wird. Wer mit einem Messer in die Schule gehe und damit eine Straftat begehe, zeige schließlich, dass er sehr wohl schon eigenständig handeln könne. Viele seien heute mit 12 schon reifer, als seine Generation es mit 21 gewesen sei. Da müsse man auch die Gesetze anpassen.
Jugendgewalt in Hamburg: Polizeigewerkschafter fordert Strafmündigkeit ab 12 Jahren
Jungfer argumentiert dabei nicht nur mit Abschreckung, sondern auch mit dem Schutz der Opfer. Dem sei es schließlich egal, wie alt der Täter sei. „Da muss eine Strafe her“, sagt er, „die wirklich wehtut.“ Zugleich beschreibt er die Ursachen als vielschichtig: fehlender Respekt, Defizite in der Erziehung, überforderte Eltern, unbeaufsichtigte Schlüsselkinder, ein falscher Freundeskreis und soziale Netzwerke, in denen Gewalt vorgeführt werde. Innere Sicherheit, so seine Überzeugung, fange in der Familie an.

Wie soll die Gesellschaft auf die zunehmende Gewalt reagieren? Mit mehr Konsequenz, findet auch die Hamburger Strafverteidigerin Dr. Christiane C. Yüksel, die früher Dozentin für Jugendstrafrecht an der Uni Hamburg war. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich ist es ihr Beruf, für ihre Mandanten möglichst milde Strafen zu erreichen. Sie beobachtet, dass viele jugendliche Täter gerichtliche Weisungen oder Sozialstunden kaum noch fürchten. „Wenn ein Verfahren mit einer Ermahnung oder einer Weisung endet, wird das von vielen Jugendlichen nicht besonders ernst genommen“, sagt sie. Das hänge allerdings auch vom jeweiligen Richter ab. „Einige Jugendrichter sind sehr bemüht, dem Jugendlichen die Konsequenzen seines Verhaltens aufzuzeigen. Andere bekommen das weniger gut hin.“

Von härteren Strafen hält das Deutsche Jugendinstitut (DJI) dagegen wenig. Die Fachleute verweisen darauf, dass es für eine Absenkung der Strafmündigkeit keine belastbare empirische Grundlage gibt. Kinder handelten oft impulsiv und spontan; eine abschreckende Wirkung des Strafrechts sei bei ihnen deshalb kaum zu erwarten. Das DJI warnt zudem vor Freiheitsentzug und Strafverschärfung.
Das könnte Sie auch interessieren: Collien Fernandes: Nächste Staatsanwaltschaft prüft ihre Anzeige gegen Ulmen
Solche Maßnahmen führen bei jungen Menschen oft nicht zu weniger, sondern zu neuer Straffälligkeit und können ihre Entwicklung zusätzlich belasten. Viele frühe Auffälligkeiten blieben vorübergehend und bedeuteten noch keine kriminelle Laufbahn. Helfen könne deshalb vor allem Prävention: also frühes Eingreifen, feste Beziehungen, Erziehung, Jugendhilfe und Unterstützung in Familie, Schule und Freizeit.
Immer mehr gewalttätige Kinder: „Da muss eine Strafe her, die weh tut“ wurde gefunden bei mopo.de

