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Sie helfen Kranken in Armut: Jetzt ist die Praxis ohne Grenzen selbst in Geld-Not

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Sie helfen den Ärmsten der Armen – und sind nun selbst in Not. Die Ärztinnen und Ärzte der Praxis ohne Grenzen in Eidelstedt, welche die Versorgung von unversicherten Menschen in Hamburg übernommen haben, wissen nicht mehr ein noch aus. Denn: Der Senat hat wichtige Gelder gestrichen, ohne die die Gesundheitsversorgung in der bisherigen Form nicht mehr gewährleistet werden kann.

Die Frauenärztin Dr. Cosima Vieth sitzt im Behandlungsraum im vierten Stock des grauen Plattenbaus an der Fangdieckstraße 53 (Stellingen), in dem sich bis vor ein paar Jahren noch das Arbeitsamt befand und in dem sich heute ein europaweit einzigartiges Projekt befindet: eine Poliklinik zur Versorgung von Menschen, die keine Krankenversicherung besitzen – die meisten von ihnen Geflüchtete oder Obdachlose. Aber auch ehemalige Selbstständige, die ihre Privatversicherung nicht mehr bezahlen können und nicht in die gesetzliche Kasse kommen.

Menschen ohne Krankenversicherung: In der Praxis ohne Grenzen in Eidelstedt finden sie Hilfe

Auch die Frau, die vor Dr. Vieth auf der Liege liegt, ist nicht krankenversichert. Sie kommt aus Ghana, ist illegal in Hamburg – und schwanger. Ihr runder Bauch ist entblößt, während die Gynäkologin mit der Sonde des Ultraschallgeräts darüberfährt, um zu kontrollieren, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist. Es ist der erste Arztbesuch der Frau, die schon in der 26. Woche ist.

In diesem Gebäude an der Fangdiekstraße in Eidelstedt ist die Poliklinik für die Ärmsten der Armen untergebracht. Florian Quandt
In diesem Gebäude an der Fangdiekstraße in Stellingen ist die Poliklinik für die Ärmsten der Armen untergebracht.
In diesem Gebäude an der Fangdiekstraße in Eidelstedt ist die Poliklinik für die Ärmsten der Armen untergebracht.

„Das sieht alles ganz wunderbar aus“, erklärt Vieth der werdenden Mutter auf Englisch und verbirgt dabei ihre Sorge vor dem, was der Schwangeren schon bald drohen könnte: die Abschiebung. Oder die Rücksendung in die Niederlande, wo sie vorher war. Denn: Der Hamburger Senat hat eine wichtige Regelung, die hochschwangere Frauen aus Drittländern bisher schützte, aufgehoben.

Hochschwangere Frauen und ihre Babys in Gefahr: Senat kürzt Gelder für ihre Versorgung

Bis vor Kurzem bekamen diese Frauen im üblichen Mutterschutzzeitraum ab der 34. Schwangerschaftswoche bis acht Wochen nach der Entbindung eine Duldung zugesichert, damit sie in dieser vulnerablen Zeit eine adäquate Versorgung im regulären Gesundheitssystem erfahren.

Hintergrund war ein tragischer Fall im Jahr 2010, an den Cosima Vieth sich noch gut erinnert: „Eine Patientin von mir hatte während eines Umverteilungstransports von Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern eine Totgeburt erlitten. So groß war der Stress, in den sie geraten war“, sagt die Ärztin, die den Senat damals von der Schutz-Regelung überzeugte.

Menschen ohne Krankenversicherung warten in der Praxis ohne Grenzen auf eine medizinische Behandlung. Florian Quandt
Menschen ohne Krankenversicherung warten in der Praxis ohne Grenzen auf eine medizinische Behandlung.
Menschen ohne Krankenversicherung warten in der Praxis ohne Grenzen auf eine medizinische Behandlung.

Die Abschaffung empört Vieth zutiefst: „Wir sehen schon die Folgen: Die Frauen haben Angst, verzichten auf Vorsorgeuntersuchungen und auf die Anmeldung in einer Geburtsklinik“, sagt die 77-jährige Ärztin, die ihren Job in der Praxis ohne Grenzen genau wie ihre in der Mehrheit verrenteten 50 Kollegen ehrenamtlich tätigt. „Das führt zu einer Gefährdung von Mutter und Kind!“

Hamburger Ärztin schreibt Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD)

Aus Vieths Sicht führt die Kürzung außerdem keineswegs dazu, dass irgendwo Gelder gespart werden: „Die Frauen landen dann als Notfall im Krankenhaus, das dann auf den Kosten sitzen bleibt bzw. eine Erstattung von der Stadt einfordern muss. Darüber sind die Kliniken auch nicht glücklich.“ Die Ärztin hat dem Bürgermeister einen Brief geschrieben.

Dabei sind die Schwangeren nicht die einzigen Patienten der Praxis ohne Grenzen, die von den Kürzungen betroffen sind. Denn es gibt noch eine weitere Notlage: Auch chronisch kranke Menschen müssen um ihre Medikamente, Untersuchungen und eventuelle OP bangen. Denn: Bisher wurden die Kosten hierfür von einer eigens für die Finanzierung von unversicherten Patienten eingerichteten Clearingstelle übernommen. Deren im ersten Halbjahr 2026 aufgebrauchtes Budget wurde vom Senat anders als in den Jahren zuvor aber nun nicht mehr aufgefüllt. Die Kasse ist leer!

Ein Herz für Arme: Prof. Dr. Peter Ostendorf (87) ist Gründer der Praxis ohne Grenzen. Florian Quandt
Prof. Dr. Peter Ostendorf (87) ist Gründer der Praxis ohne Grenzen.
Ein Herz für Arme: Prof. Dr. Peter Ostendorf (87) ist Gründer der Praxis ohne Grenzen.

Ein Herz für Arme: 50 Ärzte und 30 MTA kümmern sich ehrenamtlich um die medizinische Versorgung

Der Gründer der Praxis ohne Grenzen, Prof. Peter Ostendorf, der früher Chefarzt am Marienkrankenhaus war, kann es nicht fassen: „Das ist eine Katastrophe für uns!“ Allein mit dem auf Spendengeldern basierenden Etat der Praxis ohne Grenzen sei die Versorgung der Patienten nicht finanzierbar. Ostendorf hat keine Idee, woher er beispielsweise das Geld für Insulin nehmen soll. Oder das Geld für Impfstoffe. „Wir hatten hier letzte Woche einen Tuberkulosefall. Wenn wir den nicht behandeln können, läuft der frei durch die Stadt und steckt andere an!

Eine Stellungnahme der zuständigen Sozialbehörde in der Sache steht noch aus.

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Die Praxis ohne Grenzen wurde 2014 von Prof. Dr. Peter Ostendorf gegründet. Seitdem hat die Poliklinik an der Fangdieckstraße mehr als 60.000 Menschen versorgt. Die 50 bis 55 Ärzte sowie 30 MTA und Verwaltungsmitarbeiter arbeiten alle ehrenamtlich. Die große Mehrheit von ihnen befindet sich bereits im Rentenalter. Es gibt Fachärzte für sämtliche Disziplinen – Neurologen, Augenheilkunde, Pädiatrie, Gynäkologie, Innere Medizin, Kardiologie, Zahnheilkunde, Orthopädie, Dermatologie und HNO. Außerdem können die Patienten eine Sozialberatung wahrnehmen, die bei Wohnungslosigkeit Unterstützung anbietet, bei der Rückkehr in die Krankenversicherung oder bei der Suche nach einem geeigneten Krankenhaus für eine OP.

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(Auszug von RSS-Feed)
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