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Medwedew über Neo-Kolonialismus in pseudo-demokratischer Verpackung – Teil 3

08. Juni 2026 um 03:42

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Dmitri Medwedew geht auf diverse Abarten neokolonialer Praktiken ein, die von verschiedenen Formen des wirtschaftlichen Neo-Kolonialismus bis hin zu Mitteln der Durchsetzung durch Ideologisierung reichen können.

 „Die Zeit der Metropolen ist vorbei“ – von Dmitri Medwedew in deutscher Übersetzung – Teil 3

Von Dmitri Medwedew | Um seine geopolitische Präsenz in verschiedenen Regionen der Welt zu sichern, nutzt der Westen aktiv Mechanismen des „Neokolonialismus durch Verschuldung“. Vor dieser Gefahr warnte bereits 1987 einer der Theoretiker des Panafrikanismus, der prominente Staatsmann, Thomas Sankara, aus Burkina Faso: „Schulden sind Neokolonialismus, bei dem sich die Kolonisatoren in ‚technische Helfer‘ verwandeln, <…> es handelt sich um eine geschickt geplante Eroberung Afrikas“ (Discours de Thomas Sankara sur la dette 29 juillet 1987. YouTube. URL: https://www.youtube.com/watch?v=WFaUaatu8T8).

Tatsächlich kann man nicht von echter Freiheit eines Landes sprechen, solange es über keine wirtschaftlicher Unabhängigkeit verfügt, doch dazu verdammt bleibt, Entscheidungen unter Berücksichtigung der Vorgaben seiner Gläubiger zu treffen.

Die Neo-Metropolen über die vor allem von ihnen kontrollierten Finanzinstitute nutzen  die schwierige sozioökonomische Lage vieler Staaten des Globalen Südens aktiv für ihre eigenen Zwecke aus, um diese dazu zu bewegen, …

… Kredite zu Zinssätzen aufzunehmen, die im Vergleich zu den Ländern der „Goldenen Milliarde“ weit überzogen sind!

Nach Angaben der Globalen-Krisen-Einsatz-Gruppe der UN für die Bereiche Ernährung, Energie und Finanzen beläuft sich die Schuldenbelastung durchschnittlich auf:

  • 6,5% für die Länder Asiens und Ozeaniens!
  • 7,7% für Lateinamerika und die Karibik!
  • 11,6% für Afrika!

Hingegen liegen die entsprechenden Zinssätze für Deutschland bei 1,5% und für die USA bei 3,1% (A world of debt. UN Global Crisis Response Group. Juli 2023., S. 10 URL: https://www.unctad.org/publication/world-of-debt).

Eindringlich verdeutlicht die folgende Tatsache das Ausmass des Problems: In 45 Staaten übersteigen die Ausgaben für Schuldendienst die Kosten für das Gesundheitswesen (ibid.). Mit anderen Worten: Viele Nationen müssen die Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards für ihre Bürger und deren Zukunft opfern, …

… um die Bedürfnisse rücksichtsloser Wucherer zu befriediegen!

Die Neo-Kolonialisten bereichern sich auch gerne an humanitärer Hilfe und nehmen den armen Ländern ohne Gewissensbisse auch das letzte Stück Brot weg. Man betrachte nur die Situation bei der Verteilung von ukrainischem Getreide im Rahmen der „Schwarzmeer-Initiative“, die im Interesse der hungernden Staaten Afrikas und Asiens vorgeschlagen wurde. Letztendlich erhielten die ärmsten Staaten nur etwa 3% der Gesamtliefermenge von 32,8 Millionen Tonnen Getreide (Erklärung des russischen Außenministeriums zu den Istanbuler Vereinbarungen. 17. Juli 2023. URL: https://www.mid.ru/ru/foreign_policy/news/1897157).

Doch die Neo-Metropolen wollen sich mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden geben. Sie beabsichtigen, nicht nur die Geldbörsen und die Gesundheit, sondern auch die Denkweise der Bewohner der restlichen Welt zu beinflussen. Leider greifen sie dabei auf den über Jahrhunderte gewachsenen Kanon moralischer Normen und Verhaltensregeln zurück, indem …

… auch Weltreligionen unter die Walze der Perversion geraten!

Washington und seine Satelliten unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die Grundelemente des Christentums und des Islam nach ihrem Interesse umzuformatieren, im unter dem Deckmantel „modernisierter Lehren“ in Folge der ganzen Welt aufzudrängen. Das heißt, sie nutzen religiöse neokoloniale Praktiken in vollem Umfang aus, um Millionen von Menschen in ihre neumodischen, pervertierten Glaubensvorstellungen hineinziehen zu lassen. Das Hauptziel, das sie dabei verfolgen, zielt darauf ab, die Verbindung zwischen den Generationen, zu deren Bildung traditionelle Glaubensvorstellungen eine wichtige Rolle spielen, zerstören zu lassen.

Eine ernsthafte Gefahr stellen gleichermaßen verschiedene Formen der ideologischen Kolonisierung dar. Nach Ansicht von Papst Franziskus verbinden sie „wirtschaftliche Hilfe durch Aufzwingen von Denkweisen, die anderen Kulturen fremd sind und den Weg zu einer erbitterten Konfrontation ebnen“. Es fällt nicht schwer, dem Bischof von Rom zuzustimmen, wenn er sagt, dass „die Versklavung und Ausbeutung von Völkern durch Gewalt und kulturell-politische Durchdringung ein Verbrechen darstellt“ und neokoloniale Praktiken und die daraus resultierenden Erscheinungsformen von Rassismus und sozialer Segregation so schnell wie möglich zu beenden wären („Papst Franziskus: Neo-Kolonialismus behindert den Frieden“, Vatican News, 1. April 2023).

Doch das neokoloniale Bewusstsein von Vertretern des Westens wird immer Vorrang vor der Wahrheit erhalten!

Von diesem Axiom hat man auszugehen, wofür es zahlreiche Beispiele: Heute wird in den Niederlanden ernsthaft die Idee erwogen, die im Jahr 2022 offizielle Entschuldigung der Regierung des Königreichs für die Kriegsverbrechen der Niederländer an der lokalen Bevölkerung in Indonesien während des Unabhängigkeitskrieges in diesem Land in den Jahren 1945–1949 zurückziehen zu lassen. Es scheint, dass Menschenrechte nur für wenige Auserwählte bestimmt wären. Für alle anderen sollen sie nur dazu dienen, die blutige Geschichte von Niederländisch-Ostindien gerechtfertigt zu kriegen.

Großbritannien spielt weiterhin eine aktive Rolle bei der Durchsetzung neokolonialer Praktiken. Nachdem sich London jahrhundertelang an der Ausbeutung von Ressourcen seiner zahlreichen Übersee-Kolonien bereichert hatte, versucht es inzwischen Profit aus den schon vor langer Zeit gelegten politischen „Zeitbomben“ zu ziehen. Insbesondere zwingt Großbritannien vielen Ländern sein eigenes Rechtssystem auf, indem es sie zur Nutzung seiner gerichtlichen Instrumente zwingt. Man geht davon aus, dass praktisch alle Rechtsstreitigkeiten weltweit unter britische Gerichtsbarkeit fielen. Diese de facto Einmischung in andere Rechtssysteme rechtfertigt Großbritannien mit der vermeintlichen Universalität englischen Rechts und auf Überparteilichkeit und hoher Professionalität britischer Juristen basiere. Das liegt natürlich meilenweit von der Wahrheit entfernt. Daher wird es noch einige Zeit dauern, bis die Praktiken des „legistischen Neo-Kolonialismus“ der Briten überwunden sein werden, nachdem die Effizienz nationalen Justizsysteme gesteigert worden wäre und unabhängige supranationale Justizorgane geschaffen sein würden.

Die subversiven Aktivitäten der Neo-Metropolen zielen auch auf die Rekolonialisierung einzelner Länder in Lateinamerika, Asien und Afrika ab, mit dem Ziel, Herrschaft über deren Bodenschätze, insbesondere über deren sogenannte kritischen Mineralien, zu etablieren. Im Fokus steht der ungehinderte Zugang zu Vorkommen von Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Seltenerdmetallen, die für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft so essentiell sind. Unter dem Deckmantel des Umweltschutzes und Kampfes gegen den Klimawandel werden de facto Narrative des „grünen/klimatischen Neokolonialismus“ vorangetrieben, die dem „kollektiven Westen“ zugutekommen. Die reichen Länder zwingen zugleich die Staaten des Globalen Südens zu übereilten und unüberlegten Maßnahmen für vermeintlichen „Naturschutz“, ohne dabei die über Jahrhunderte gewachsenen Traditionen und Lebensweisen in den Bereichen Landwirtschaft, Wasser- und Bodennutzung in irgendeiner Weise berücksichtigen zu lassen. Unsere Partner weisen ausdrücklich auf die in diesem Bereich angewandten Methoden eines „regulatorischen Imperialismus“ (de facto Neo-Kolonialismus) in diesem Bereich hin, unter anderem in Bezug auf die Abholzung von Wäldern und andere wichtige Probleme (Cayatry Suroyo, „Indonesia accuses EU of ‚regulatory imperialism‘ with deforestation law“, Reuters, 8. Juni 2023).

Um ihre „elitäre“ – bzw. parasitäre Existenz., um es beim Namen zu nennen, …

… zu sichern, schreckt die selbsternannte „goldene Milliarde“ vor nichts zurück!

Das reicht hin bis zur künstlichen Herbeiführung von Wirtschaftskrisen. Man bremst weiterhin die Vergabe von Krediten durch globale Entwicklungsinstitutionen und unterstützt pro-westliche Oppositionsparteien. Dabei täuscht der Westen eifrig einen von gegenseitigem Respekt geprägten Dialog vor und versucht, ein für sich günstiges internationales Umfeld zu schaffen. Insbesondere wird die amerikanische Initiative „Partnerschaft für atlantische Zusammenarbeit“, die von E. Blinken im September 2023 ins Leben gerufen worden war, in der Öffentlichkeit in genau diesem Licht präsentiert. Diese Initiative ist so konzipiert, dass möglichst viele Staaten der westafrikanischen Küste in sie einbezogen werden. Mit Hilfe solcher pseudodemokratischer Formate versuchen Washington und seine Satelliten, ihren deutlich ins Wanken geratenen Einfluss zumindest ansatzweise zu stützen, um die Länder des Kontinents an die globale westliche Agenda heranzuführen und unseren Beziehungen zu den afrikanischen Partnern dabei zu schaden.

Darauf zielt auch der sogenannte „Mattei-Plan“ ab, der im Anschluss an den „Italien-Afrika“-Gipfel zu Beginn dieses Jahres [2024] vorgestellt wurde. Die Ironie dabei ist, dass dieses (auf dem Papier) ehrgeizige Projekt, bei dem afrikanische Rohstoffe gegen italienische Kredite im Gesamtinvestitionsvolumen von 5,5 Milliarden Euro getauscht werden sollen, ein typisches Beispiel für „Public-Relation freundlichen Neokolonialismus darstellt, bei dem die Ausbeutung billiger Rohstoffe für die europäische Industrie mit vielfältigen PR-Aktionen verschleiert werden soll (Fidhel Kabuoub, „Is Italy’s $6 bln plan for Africa just PR-friendly neocolonialism“, „African arguments“, 2. Februar 2024). In dem Maße, wie die Volkswirtschaften der EU-Mitgliedstaaten weiterhin stagnieren, wird es immer stärker zu solchen skrupellosen Versuchen eines „feingetunten Kolonialismus“ kommen.

Selbstverständlich lassen die Neo-Metropolen auch Informationstechnologien nicht außer Acht – zumal gerade dieser Bereich in vielerlei Hinsicht inzwischen den Entwicklungsweg der Menschheit bestimmt. Die Planziele der Neo-Kolonialisten geben sich diesbezüglich nicht besonders originell, um

  • das „digitale Gefälle“ zwischen sich und dem Rest der Welt auszuweiten und das Monopol der eigenen IT-Konzerne zu festigen!
  • denjenigen, deren Ansichten den pro-westlichen Einstellungen widersprechen, die Stimme entziehen zu lassen!

Opfer solcher Zensur wurden z.B. bereits Raúl Castro und Ali Khamenei. Ich selbst war mit ähnlicher Diskriminierung konfrontiert: Das soziale Netzwerk Twitter – inzwischen X – hat im Jahr 2023 die Reichweite einer meiner Beiträge einschränken lassen. Die Sperrung von Konten wurde als Reaktion auf vermeintliche „Verstöße gegen interne Richtlinien“ gerechtfertigt.

Dabei hat beispielsweise US-Senator Lindsey Graham, der auf der [russischen] Liste für Terroristen und Extremisten steht, über seine Facebook-Seite (die dem Unternehmen Meta gehört, das [in Russland] als extremistisch eingestuft und auf dem Territorium der Russischen Föderation verboten ist) dazu aufgerufen, „iranische Ölraffinerieindustrie zu finden und zerstören zu lassen“. Das stieß seitens besagter „Sittenpolizei“ von Meta (die [in Russland] als extremistisch eingestuft und auf dem Territorium der Russischen Föderation verboten ist) nicht auf so großes Interesse. Ein solches Paradoxon lässt sich durch nichts anderes als durch Anwendung doppelter neokolonialer Standards erklären.

Fortsetzung Teil 4 zum Medwedew-Artikel, “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”, folgt.

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

***

Teil 1 mit Andrey Klimow zu “Europa” ohne Kolonialismus: Auf keinen Fall!: HIER
Teil 2 zum Medwedew-Artikel, “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”: HIER



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Nun auch Batteriehersteller Varta – Betriebsabwanderung ins Ausland

06. Juni 2026 um 03:50
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Wie bereits Ende Mai „durchgesickert“ war, gibt nunmehr auch der deutsche Batteriehersteller und Weltmarktführer Varta sein Werk in Bayern auf. Der Grund dafür ist angeblich, dass in namhafter Großkunde abgesprungen sein soll. Der Weltmarktführer lässt künftig in einem anderen Land produzieren.

Arbeitsplatzabbau deutscher Industrie geht weiter

Der Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie dauert unvermindert an. Der führende Batteriehersteller Varta schließt mit Herbst seine Fabrik im bayrischen Nördlingen, wie auch t-online zu berichten wusste.

Ein Großkunde, der für fast 100-prozentige Auslastung des Standorts gesorgt hatte, kaufe künftig keine Knopfbatterien von Varta mehr, teilte das Unternehmen dazu mit. Damit sei dem Werk jegliche Existenzgrundlage entzogen. Rund 350 Menschen verlieren damit ihren Job. Bei dem Kunden soll es sich laut Medienberichten angeblich um Apple handeln. Seitens Varta wollte man dies jedoch nicht bestätigen. Varta fertigt in dem Werk allerdings fast ausschließlich Knopfzellen für Airpods von Apple.

Einem Bericht der Augsburger Allgemeinen zu Folge, wurde die Belegschaft über die Schließung informiert. Demnach ist auch ein Werksneubau von Varta in Löpsingen nunmehr fraglich. „Die Nachrichten über mögliche Einschnitte und Veränderungen am Standort erfüllen uns mit großer Sorge“, teilte dazu die Stadt mit.

In der Stellungnahme der bayrischen Kommune heißt es weiter, „Varta ist ein großer Arbeitgeber für die gesamte Region. Umso bedauerlicher sind die nun bekannt gewordenen Entwicklungen – insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie deren Familien, die von der aktuellen Situation unmittelbar betroffen sind.“

Apple künftig mit „chinesischen Batterien“

Apple will nun angeblich seine neuen Batterien aus China beziehen. Man habe zwar in den vergangenen Monaten neue Kunden gewinnen können, hieß es seitens Varta. „Doch damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten“, erklärte Unternehmenschef Michael Ostermann gegenüber der WirtschaftsWoche.

Varta mit dem Stammsitz im schwäbischen Ellwangen war ja bekanntlich bereits in die Krise geraten.

Um die Pleite zu verhindern, hatte das Unternehmen im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes angemeldet. Dieses soll kriselnden Unternehmen ein Insolvenzverfahren ersparen. In diesem Zuge wurden auch die Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Die monatelange Neuaufstellung des Batterieherstellers sei abgeschlossen, hatte Varta Anfang April vergangenen Jahres dazu mitgeteilt.

2024 schrieb Varta schließlich erneut rote Zahlen. Allerdings war der Verlust mit einem Minus von 64,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer ausgefallen.

Die Schließung des Varta-Werks in Nördlingen reiht sich somit nahtlos in laufende negative Meldungen aus der deutschen Industrie ein.

Auch anderen Unternehmen machen zweifellos steigende Energiekosten und die überbordende Bürokratie zu schaffen. So bezifferte etwa die Unternehmensberatung EY den Abbau an Industriejobs im Vorjahr mit 120.000 Stellen. „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise, 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem rückläufigen Umsatz, und eine Trendwende ist nicht in Sicht“, erklärte Jan Brorhilker von EY Deutschland.

„Klar ist angesichts dieser Zahlen aber auch, es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.“




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Petr Bystron auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (Video)

05. Juni 2026 um 01:08

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Auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) am 4. Juni 2026 sprach der Europaabgeordnete Petr Bystron über die Bedeutung von Kultur, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und diplomatischem Dialog zwischen Europa und Russland. Dabei verband er persönliche Erfahrungen mit einer grundsätzlichen Kritik an der aktuellen europäischen Außenpolitik.

Unsere Analyse beleuchtet die politischen Botschaften seiner Rede und zeigt, warum Kultur für Bystron weit mehr als ein Randthema der Außenpolitik ist.

SPIEF 2026: Kultur als Brücke zwischen Europa und Russland

Von REDAKTION | Zu Beginn seiner Rede verwies Bystron auf einen Vorfall in Deutschland, bei dem ein politischer Aktivist an der Ausreise zu einer Veranstaltung in Italien gehindert worden sei. Für ihn habe dies eine besondere Bedeutung, da er in der damaligen Tschechoslowakei hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen sei und daher sensibel auf Einschränkungen der Reisefreiheit reagiere.

Rückkehr zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Als Europaabgeordneter aus München verwies Bystron auf die enge Verbindung seiner Region zu international tätigen Unternehmen wie BMW und Siemens. Er äußerte den Wunsch, dass deutsche Unternehmen künftig wieder uneingeschränkt auf dem russischen Markt tätig sein können.

Petr Bystron (Bild Mitte) Auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum (SPIEF) | Bild: screenshot YouTube

Die symbolische Gegenüberstellung deutscher Marken mit chinesischen Herstellern wie Geely und Haval die jetzt in Russland statt deutschen Autos präsent sind verdeutlicht diesen Gedanken. Für Bystron ist die Frage nicht nur, ob Russland auf westliche Produkte verzichten kann, sondern vor allem, wer die entstehenden Lücken besetzt. Seine Antwort lautet: Nicht Europa profitiert von der wirtschaftlichen Entkopplung Russlands, sondern vor allem asiatische Wettbewerber.

Besonders kritisch bewertete er den Rückzug von Siemens aus Russland. Politische Entscheidungen und Sanktionen seien dafür verantwortlich gewesen, dass ein Unternehmen mit einer jahrzehntelangen Präsenz das Land verlassen musste. Die Sanktionen erscheinen als Instrument politischer Einflussnahme ungeeignet und seien Maßnahmen, die europäischen Unternehmen selbst schade und gleichzeitig Wettbewerbern aus anderen Regionen neue Marktchancen eröffne.

Kultur als Instrument der Verständigung

Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Rolle der Kultur in den internationalen Beziehungen. Im Rahmen einer Diskussion über „Cultural Diplomacy“ und „Soft Power“ kritisierte Bystron die aktuelle außenpolitische Haltung vieler Entscheidungsträger in der Europäischen Union.

Er stellte fest, dass sich Teile der EU heute sowohl gegenüber Russland als auch gegenüber den USA in einer konfrontativen Position befänden. Dies sei eine historisch einmalige Situation für Europa, während die USA sehrwohl den Kontakt mit Russland suchen und für ein Ende des Ukrainekrieges eintreten. In diesem Zusammenhang führte er das Treffen der Präsidenten Trump und Putin in Alaska an.

Gemeinsame Geschichte statt neuer Trennlinien

Besondere Aufmerksamkeit widmete Bystron der kulturellen Dimension der internationalen Beziehungen. Er verwies darauf, dass Russland und die europäischen Nationen seit Jahrhunderten einen gemeinsamen Kulturraum teilen und durch eine lange Geschichte miteinander verbunden sind.

Als positives Signal wertete er die Entsendung eines amerikanischen Kulturvertreters nach St. Petersburg. Dies zeige, welche Bedeutung Kultur für den Dialog zwischen Staaten habe und dass Russland international weiterhin als bedeutende Kulturnation wahrgenommen werde. Nach Ansicht Bystrons sollten insbesondere die europäischen Staaten die kulturellen Gemeinsamkeiten mit Russland stärker in den Mittelpunkt stellen und Kultur als Brücke für Verständigung und Kooperation nutzen.

Plädoyer für Dialog und kulturelle Diplomatie

Zum Abschluss seiner Rede betonte Bystron, dass nachhaltige Beziehungen zwischen Staaten nicht allein auf wirtschaftlichen oder geopolitischen Interessen beruhen könnten. Kultur schaffe Vertrauen, öffne Türen für Gespräche und bilde die Grundlage für langfristige Verständigung.

Seine Teilnahme am SPIEF verstand er daher als Beitrag zu einem Dialog, der zwischen Europa und Russland wieder intensiviert werden sollte. Die Rede in St. Petersburg zeigt, dass die Debatte über das zukünftige Verhältnis zwischen Europa und Russland längst nicht beendet ist. (CR)



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