Der positiven Worte hat es genug gegeben, und die Protagonisten können sie auch nicht mehr hören. „Es das bringt mir ja nichts, wenn wir Lob bekommen oder Spiele gut bestreiten und dann nichts dabei rauskommt“, bilanzierte er enttäuschter Alexander Blessin nach St. Pauli 1:2-Niederlage von Augsburg. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir irgendwann auch mal die Punkte ziehen müssen. Weil sonst wird das nichts.“
Mit „das“ ist der Klassenerhalt gemeint, und um von diesem weiterhin träumen zu dürfen, muss man Anfang Februar zumindest schon ein bisschen Fantasie aufbringen. Nicht weil die Mannschaft nicht das grundsätzliche Vermögen hätte oder den Eindruck erweckt, sich aufgegeben zu haben. Aber drei unnötige und knappe Auswärtsniederlagen in Folge (1:2 in Wolfsburg, 2:3 beim BVB, jetzt 1:2 in Augsburg) sind nicht mehr ausschließlich mit unglücklichen Umständen zu erklären.
Zumal sich das Momentum ein wenig gedreht hat. Hatte St. Pauli in Wolfsburg und Dortmund noch mit Schiri-Entscheidungen gehadert, so gab es nun einen berechtigten Last-Minute-Strafstoß beim 1:1 gegen Leipzig und einen durchaus diskutablen am Samstag. In einer Situation wie jener, in der sich St. Pauli befindet, muss man das gewinnbringend für sich nutzen und darf nicht ohne jeden Ertrag aus so einem Spiel gehen.
St. Pauli braucht noch mindestens sechs Siege
14 weitere bleiben noch, der Rückstand ist mit fünf Punkten „nicht an einem Spieltag aufgeholt“, wie Blessin korrekterweise festgestellt hat. Von den 42 noch zu vergebenen Zählern bräuchte Braun-Weiß vermutlich in etwa die Hälfte, um am Ende eine Chance auf den Relegationsplatz oder gar mehr zu haben. Heißt: Siege müssen her. Mindestens noch sechs. Und auch gern mal solche, die man von der Papierform her nicht auf dem Zettel hat. Denn genau das macht die Konkurrenz (Mainz, Augsburg, HSV) gerade vor und verschafft sich dadurch sowohl Punktepolster als auch breite Brust.
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Aussichtslos – um das mal deutlich herauszustellen – ist die Lage mitnichten! Man sieht, dass Leben in der Truppe steckt, dass das Potenzial für die Bundesliga-Tauglichkeit vorhanden ist, dass man auf Augenhöhe mit den Top-Teams agieren und sowieso gegen die direkte Konkurrenz bestehen kann. Aber bislang ist es immer der eine kleine Fehler, die eine vergebene Chance zu viel. Nuancen halt, wie so oft auf höchstem Niveau. Wenn der FC St. Pauli das abstellen kann, führt der Weg nicht zwingend zurück ins Unterhaus, aber um es mit Blessins Worten zu sagen: „Wir brauchen halt Ergebnisse. Eher heute als morgen.“
„Sonst wird das nichts“: Rechenspiele für einen braun-weißen Klassenerhalt wurde gefunden bei mopo.de
