Der Eimsbütteler TV steigt nach zwei Oberliga-Jahren wieder in die viertklassige Regionalliga Nord auf und spielt dort gegen Vereine wie den VfB Oldenburg oder den VfB Lübeck. Mit einem 6:0-Kantersieg gegen den Blumenthaler SV nahm der Hamburger Vizemeister am Sonntag in Heeslingen die letzte Hürde souverän. Riesen-Jubel beim ETV!
Nach dem Schlusspfiff tanzten sie überschwänglich zu Gloria Gaynors „I will survive“ über den Rasen. Sie hatten nicht nur „überlebt“, sie hatten ihre Gegner teilweise überrollt. Mit neun Punkten und 15:4 Toren schloss der Eimsbütteler TV die Aufstiegsrunde als souveräner Erster ab.
„Ich bin jetzt zehn Jahre beim ETV, viele Spieler kenne ich seit Tag eins“, freute sich Trainer Can Schultz einige Bierduschen später: „Es ist Wahnsinn, wie die Gruppe funktioniert hat.“ Noch länger beim Verein, nämlich seit 2014 ist Jon Pauli, der nach langem Verletzungspech nun seinen zweiten Regionalliga-Aufstieg feiern konnte. „Im ersten Aufstiegsjahr war ich dabei, aber nicht wirklich fit“, erinnerte sich Pauli: „Drei Jahre lang war es ein Auf und Ab. Deshalb ist das für mich auch ein ganz besonderer Moment.“
Ein gut vorbereiteter, denn die Ausgangslage war komfortabel. Eimsbüttel durfte sich dank seiner vorherigen Siege (4:1 bei Egestorf, 5:3 gegen Todesfelde) eine Niederlage mit bis zu drei Toren gegen den Bremer Meister erlauben. Ein Polster, das gegen Blumenthal nicht wirklich in Gefahr geriet: Bis auf einen frühen Fernschuss von Alejandro Kellnar (2.) brachte der BSV offensiv in den ersten 45 Minuten nichts zustande und schwächte sich zudem selbst durch die Rote Karte für Dennis Brendow (38.), der Jasper Hölscher vom ETV im Mittelfeld rüde umgegrätscht hatte.
ETV im Stau – keine Tore zur Pause
Eimsbüttel kontrollierte Spiel und Gegner – und vergab einige Hochkaräter durch Max Mbodje (6.), Leonard Mai (37.) und Toralf Hense (45.+3), der aus kurzer Distanz an den Pfosten köpfte. Das 0:0 zur Pause war höchst schmeichelhaft für die Bremer.
Das Waldstadion in Heeslingen war kurzfristig zum Schauplatz bestimmt wurden, weil Sturmschäden die angedachte Austragung in Celle verhindert hatten. Vor 125 Jahren heiratete in Heeslingen das Worpsweder Künstlerpaar Martha und Heinrich Vogeler, auch für Eimsbüttel sollte es ein besonderer Ort werden. Die Anreise erwies sich durch einen Stau allerdings als beschwerlich, erst gut 70 Minuten vor dem Anpfiff traf der Mannschaftsbus am Stadion ein.
Karim-Doppelpack macht für Eimsbüttel alles klar
Weder die Verzögerung noch die stimmliche Übermacht der Blumenthal-Fans unter den 400 Anwesenden konnte das Projekt Aufstieg aber in Bedrängnis bringen. Dario Sultan (50.) brachte das ETV-Tor noch einmal in Gefahr, doch kurz darauf köpfte Kapitän Bamo Karim (55.) die Eimsbütteler in Führung. Nun hätte Blumenthal in Unterzahl schon fünf Treffer erzielen müssen, um den Regionalliga-Traum noch zum Platzen zu bringen …
Stattdessen machte der Torschütze einfach weiter: Als seine Mitspieler Tom Politz, Mbodje und Pauli den Ball partout nicht im Netz unterbringen konnten, war Käpt’n Karim zur Stelle und platzierte das Runde – wenngleich auch erst im zweiten Versuch – ins Eckige. 2:0 für den ETV nach 62 Minuten! „Ich freue mich einfach, wir sind auf einem sehrt guten Weg“, sagte Karim, als der Aufstieg geschafft war. Hense (65.) erhöhte gegen die konsternierten Bremer bald auf 3:0, die Messen waren gelesen.
Hense knipst weiter, auch Todesfelde steigt auf
Auch Hense (76.) gelang mit seinem 4:0 noch ein Doppelpack – wie schon am Mittwoch im vorentscheidenden Spiel gegen Todesfelde. Politz (89., 90.+3) sorgte dann mit einem weiteren Doppelpack für den Endstand. Eimsbüttel gelang es damit als erstem Verein, die Aufstiegsrunde mit drei Siegen aus drei Spielen zu beenden – mit Rekord in die Regionalliga! „In der Aufstiegsrunde haben wir eine Klarheit gezeigt, die ein Zeichen ist“, geht Pauli das Abenteuer Regionalliga optimistisch an. Neben dem ETV qualifizierte sich auch der schleswig-holsteinische Meister SV Todesfelde durch ein 2:0 gegen Germania Egestorf-Langreder für die kommende Viertliga-Saison.
„Es war ein weiter Weg, an den wenige geglaubt haben“, resümierte Hölscher, der den Fußball beim ETV auch als Ausgleich zu seiner Nachwuchsarbeit beim HSV ansieht: „Unsere Doppelspitze war brutal schwer zu verteidigen.“ Doppel-Torschütze Hense spielt seine zwölfte Saison für Eimsbüttel, Hölscher hat schon in der Landesliga für den ETV gekickt, Pauli als Spieler sogar die Bezirksliga-Tiefen des Vereins erlebt. Derzeit trainiert er auch die A-Jugend des Vereins, der in Verbindung mit dem Hamburger Pokalsieg des Nachbarklubs HEBC nun für einen Eimsbütteler Fußballfrühling gesorgt hat – und auch für Freude bei anderen Vereinen.
Das könnte Sie auch interessieren: Vor Spiel gegen Deutschland: Fußballzwerg Curaçao feiert Kantersieg im WM-Test
Mit dem Eimsbütteler Aufstieg hat der Oberliga-15. Nikola Tesla nun endgültig den Klassenerhalt sicher. Falls der TSV Havelse in den nächsten Tagen eine Drittliga-Lizenz erhalten und St. Paulis U23 dadurch in der Regionalliga bleiben sollte, wäre in Hamburgs höchster Spielklasse auch noch ein Platz für Türk-Birlikspor Pinneberg frei. Die Holsteiner gewannen das vorsorglich angesetzte Entscheidungsspiel der Landesliga-Zweiten gegen den Bramfelder SV am Samstag gleich mit 7:0.
Käpt’n Karim schießt Eimsbüttel mit Rekord in die 4. Liga! wurde gefunden bei mopo.de

