NDS-News

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Ältere BeiträgeNie wieder Krieg!

Newsletter 01/2026 – Strategie- und Aktionsberatung am 1. Februar 2026

18. Januar 2026 um 20:17

Vorschau ansehen

Am 19. und 20. Januar 2026 wird unser Newsletter 01/2026 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf der Verbreitung eines Diskussionspapiers ‚Zur Strategie der Friedensbewegung in Deutschland 2026‘, mit dem wir unsere Strategie- und Aktionsberatung am 1. Februar 2026 vorbereiten.

Darüber hinaus gibt es einen Filmbericht zu unserer im Dezember 2025 stattgefundenen Veranstaltung „Ist der Gaza-Krieg vorbei?“.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 01/2026 im Mailverkehr

Hier findest Du ihn im PDF-Format:

Newsletter 01/2026 im PDF-Format
 
 

 
 

(Auszug von RSS-Feed)

ZUR STRATEGIE DER FRIEDENSBEWEGUNG IN DEUTSCHLAND 2026

17. Januar 2026 um 14:56

Vorschau ansehen

Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!“, Januar 2026
 

Geopolitische Entwicklungen

 
Die von der Trump-Regierung ausgehenden Destabilisierungs- und Verunsicherungsversuche durch völkerrechtswidrige Drohungen, militärische Angriffe gegenüber zahlreichen Staaten Lateinamerikas, West-Asiens und sogar dem NATO-Verbündeten Dänemark sind Ausdruck der Krise der Führungsmacht des internationalen Kapitalismus. Sie haben ein Ziel: den Untergang der US-Hegemonie zu verhindern. Die Vereinten  Nationen und andere internationale Organisationen, das Völkerrecht und internationale Verträge werden unverhüllt missachtet. Es gilt das Recht des Stärkeren, der Macht. Das zeigt sich ganz eklatant am Kidnapping des venezolanischen Präsidenten ebenso wie an der weiteren Unterstützung Israel bei der Vernichtung und Vertreibung der Palästinenser und Aneignung ihrer Territorien. Der strategische Gegner bei alldem ist China. Alle die US-imperialistischen Übergriffe sind diesem Hauptkampf untergeordnet. Die USA erweisen sich als größte Bedrohung friedlicher Verhältnisse und das größte Hindernis für eine Lösung globaler Probleme durch internationale Zusammenarbeit.

Strategiepapier downloadenPrognosen sagen bis zur Mitte des Jahrhunderts voraus, dass China eine um 70 Prozent höhere Wirtschaftskraft aufweisen wird als die USA und dass die USA nach Indien auf Platz 3 im Ranking der Wirtschaftsmächte abrutschen werden (in Kaufkraftparitäten gemessen, nicht in internationaler Währung). Die Konsequenz: Den USA droht der Verlust des Dollars als Weltleitwährung und damit das zentrale Instrument der globalen Sanktionierung. Die heterogene Formation BRICS-Plus mit der Zentralmacht China eint das strategische Ziel, die Rolle des Dollars in der Weltökonomie zurückzudrängen. Diesem Schicksal versucht die Trump-Regierung dadurch zu entgehen, dass sie über eine aggressive Zollpolitik Industrie- und High-Tech-Ansiedlungen in die USA holen will, um das eigene Wirtschaftswachstum zu stärken und das Chinas zu schwächen. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht dabei die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI). China soll dauerhaft von westlicher KI-Spitzentechnologie ausgeschlossen werden.

Taiwan ist für die US-Tech-Riesen und das US-Militär das Zentrum für die Herstellung der modernsten KI-Chips und KI-Server. Auch deshalb verstärkt Trump den unter Obama eingeleiteten Schwenk nach Asien, konzentriert zunehmend die US-Aufrüstung und die regionale und globale Bündnispolitik auf China.

Die US-Droh- und Kriegspolitik gegen Chinas öl- und gasreiche Partner (Iran, Venezuela) und zur Kontrolle strategischer Handelsrouten (Grönland, Taiwanstraße, Süd-Chinesisches Meer, Panama-Kanal) sind Ausdruck dieses Machtkampfs, den die USA militärisch durch eine brachiale Steigerung ihrer Militärausgaben gewinnen will. Die Billionen dienen dem Ausbau ihres Atomwaffenarsenals, der Errichtung einer KI-gesteuerten Raketenabwehr mit Weltraumwaffen, destabilisierender Multi-Domain-Task-Forces mit präzisen strategischen Hyperschallwaffen und dem Ausbau einer überlegenen Kriegsflotte. In dieser Strategie ist es für die USA von Nutzen, Russland von der Unterstützung Chinas möglichst fernzuhalten.
 

Lage und Herausforderungen in Deutschland

 
Deutschland will im Zuge der Aufrüstungsorgie zur größten konventionellen Militärmacht der EU und der europäischen NATO-Staaten werden und bietet sich als Aufmarschgebiet und Drehscheibe für NATO-Truppen im Spannungs- und Kriegsfall an. Das Ziel, Russland in ein kostspieliges Wettrüsten zu zwingen, um es zu ruinieren und einen Regime-Wechsel zu erzwingen, ist programmiert. Deutschland strebt hierfür die Rolle einer Führungsmacht an. Eine allumfassende Aufrüstung, welche die Aktivierung der Wehrpflicht ansteuert, den Weltraum militarisiert, den großspurigen Aufbau einer Panzer- und Drohnenflotte einschließt und eine dreifach stärkere Marine und ein fünffach stärkeres Heer im Vergleich zur Zeit vor dem Ukrainekrieg schafft, ist das Ziel.

Von strategischer Bedeutung gegenüber Russland ist das Streben nach präzisen Mittelstreckenraketen, seien es US-amerikanische, die im Sommer nach Deutschland kommen sollen, seien es in Europa zu entwickelnde Mittelstreckenwaffen oder seien es in den USA gekaufte Tomahawk-Marschflugkörper, die 2029 auf Schiffen und an Land stationiert werden sollen. Von interessierten Kreisen wird der Ruf nach einer „deutschen Bombe“ immer lauter. Deutschland macht sich so mutwillig zum Objekt russischer Gegenschläge. Eingedenk der Tatsache, dass es sich bei Russland um eine Atommacht handelt, die in ihre Nuklear-Doktrin die Schwelle für den Einsatz ihrer Nuklearkräfte so weit gesenkt hat, dass dieser bereits für den Fall einer existenziellen Bedrohung allein durch konventionelle Waffen ermöglicht wird, schlägt der NATO-Aufrüstungskurs einen konfrontativen Weg ein, der den Atomkrieg herausfordert. Dieser Kurs wird maßgeblich von Berlin mitbestimmt.

Für ihre Ziele will die Machtelite in Deutschland und der EU die Hochrüstung, Militarisierung und Kriegsvorbereitung vorantreiben. Die „Konversion pervers“ zum Ausbau der Rüstungsproduktion ist keine Lösung für die wirtschaftliche Stagnation und die Krise der Industrie, sondern pure Ressourcenverschwendung. Zur Finanzierung und um die sozialpolitischen und ökonomischen Herausforderungen im Sinne des Kapitals zu bewältigen, werden die Regierung und die sie dabei unterstützenden Parteien, getrieben durch einen ideologischen Klassenkampf von oben (also des Kapitals und neoliberaler Kräfte in Medien und Wissenschaft), ihre Angriffe gegen die sozialen Errungenschaften der Lohnabhängigen fortsetzen und verstärken. Das wird zur Demontage des Sozialstaats und zur weiteren Schwächung der Gewerkschaften führen. Oppositionskräfte gegen diese Politik werden zunehmend politisch angegriffen und immer massiveren Repressionen ausgesetzt.

Die Hauptaufgabe der Friedensbewegung ist es, alle Kräfte im Lande und in Europa zu sammeln, die sich der Aufrüstung Deutschlands und Europas entgegenstellen und den Weg der vertraglichen Lösungen von Kriegen und Konflikten zwischen Russland und den anderen europäischen Staaten auf der Basis von Abrüstung und vertraulicher Zusammenarbeit propagieren. Die Zukunft Europas liegt in einer Sicherheits- und Friedensordnung, die auf dem Prinzip der gleichen Sicherheit für alle beruht.
 

Einschätzung der Lage der Friedensbewegung und Herausforderungen

 
Die Friedensbewegung – hier verstanden empirisch als die Gesamtheit der Kräfte, die politisch gegen Kriege und die Unterstützung und Beteiligung daran, gegen Hochrüstung und Militarisierung aktiv sind – ist bisher zu schwach, um diese Entwicklungen aufzuhalten und umzukehren. Es gelingt ihr nicht, die Mehrheit der Bevölkerung zu erreichen, sie für die Unterstützung ihrer Forderungen zu gewinnen und in größeren Massen zu mobilisieren. Die bestehenden Spaltungen, Ab- und Ausgrenzungen in der Friedensbewegung verhindern machtvollere gemeinsame Aktivitäten.

Die Gewerkschaften und sozialen Kräfte sind in der Defensive, genauso wie die Umweltbewegung und die Bewegungen für Demokratie und Meinungsfreiheit und gegen staatliche Kontrolle und Repression. Die Gewerkschaftsführungen sowie die Sozialverbände reagieren darauf mit Appeasement und dem Bemühen um Kompromisse in der Wirtschafts- und Sozialpolitik bei weitgehender Akzeptanz der internationalen Politik und Hochrüstung. Eine ernsthafte politische Mobilisierung gegen die herrschende Politik wird nicht betrieben.

Das diesem Zustand zugrunde liegende Hauptproblem ist die ideologische Vorherrschaft und Offensive der Eliten in Politik, Medien und Wirtschaft: Die Mehrheit der Bevölkerung glaubt die Legenden von der Bedrohung durch Russland, dass Russland (und China und Iran usw.) „die Bösen“ seien und „wir“, Deutschland und die EU, „die Guten“. Die USA und Israel gelten dabei immer noch – trotz hin und wieder artikulierter Kritik als „Partner“ bzw. „Verbündete“ und „Demokratien“. Die Mehrheit glaubt auch, dass der Sozialstaat kaum, oder auf Dauer nicht mehr wie bisher bezahlbar sei. Viele glauben zudem, Erwerbslose, Eingewanderte, überzogene Leistungsansprüche und Forderungen der Gewerkschaften sowie zu hohe Belastungen der Unternehmen durch „Bürokratie“ bzw. Regulierungen seien die eigentlichen Problemursachen.

Diesen Legenden und Behauptungen muss entgegengetreten werden, ohne die realen Probleme und Herausforderungen zu leugnen. Die Friedensbewegung muss sich solidarisch an der Seite der Arbeiterklasse zeigen, wenn es um deren originäre sozialen Forderungen geht. Vor allem muss klar gesagt werden, dass die Demontage des Sozialstaats nur verhindert werden kann, wenn die fortschreitende Hochrüstung und ein Militärstaat gestoppt werden.

Ebenso ist es zwingend, in der internationalen Politik einseitigen und verzerrenden Darstellungen und Feindbildern entgegenzutreten, Kriege und Konfrontationspolitik abzulehnen und den Einsatz für Frieden und Entspannung, internationale Zusammenarbeit, gemeinsame Sicherheit und Abrüstung einzufordern. Wichtig sind dabei die scharfe Kritik an Doppelstandards und Doppelmoral und die Aufklärung über historische und politökonomische Hintergründe und Entwicklungen. Es muss akzeptiert werden, dass unterschiedliche Organisationen und Zusammenschlüsse in der Friedensbewegung unterschiedlich argumentieren und nur Teile weitergehende Kritik an Kapitalismus und Imperialismus vertreten.
 

Aufgaben konkret

 
Die Forderungen der FB richten sich vor allem an die Regierung und Parlamente im eigenen Land und im eigenen internationalen „Lager“ (Deutschland, EU NATO).

Um möglichst viele Menschen zu erreichen und einzubeziehen, ist es sinnvoll, sich bei Aktionen zu bestimmten Themen und Anlässen auf sie bezogene Forderungen und begründende Argumente zu konzentrieren und auf darüberhinausgehende Punkte ggf. zu verzichten.

Vorrangige Themen von Friedenaktionen 2026 sind:

  • gegen die Hochrüstung Deutschlands und der EU und die damit verbundene Demontage des Sozialstaats
  • gegen die Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen der USA, Deutschlands oder anderer Staaten. Dazu gehört die breite Unterstützung des Berliner Appell
  • gegen die Wehrpflicht und die Bundeswehrpropaganda an Schulen
  • gegen die Militarisierung und Kriegsvorbereitung im Gesundheitswesen, in Bildungswesen und Forschung und in anderen gesellschaftlichen Bereichen
  • gegen die Einschränkung der Meinungs- und Informationsfreiheit und die zunehmende Propaganda und Feindbildproduktion sowie die Repression gegen Friedenskräfte
  • für Frieden in der Ukraine und gegen die Kriegspolitik Deutschlands und der EU mit Waffenlieferungen, Geld und schlimmstenfalls direkter militärischer Beteiligung
  • gegen das internationale Verhalten Deutschlands und verbündeter Staaten, insb. gegen die Kriegs- und Sanktionspolitik der USA und gegen Völkermord und Besatzungspolitik Israels

Der Zusammenhang der Friedensbewegung zeigt sich nicht darin, dass die Gruppen alle immer umfassend gemeinsame Positionen vertreten, sondern in der Lage sind, differenziert und mit ihrem eigenen friedenspolitischen Schwerpunkt zu agieren. Nicht jede Gruppierung muss jede Aktion oder Forderung unterstützen. Kräfte, die Teile der Friedensbewegung diffamieren und sich die Propaganda der Herrschenden zu eigen machen und damit faktisch gegen die Friedensbewegung arbeiten, muss entschieden entgegen getreten werden.

Wichtig sind auch gemeinsame Aktionen, bei denen sich zentrale Kräfte der Friedensbewegung über gemeinsame Forderungen verständigen (etwa bei großen Demonstrationen oder Aufrufen wie dem Berliner Appell) und in denen die ganze Breite der Forderungen der Friedensbewegung in die Öffentlichkeit gebracht wird.

Aktive Kerne der Friedensbewegung haben die Aufgabe, den großen Zusammenhang herzustellen und gegen die Propagandaerzählungen zu argumentieren. Aufklärung über die internationalen und historischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe ist unabhängig von Aktionen und Mobilisierung Daueraufgabe in allen Bereichen, in der die Friedensbewegung einwirken kann.
 

Aktionen konkret

 
Für bereits konkrete Aktionen im Jahr 2026 ist zu diskutieren, welche Forderungen jeweils im Mittelpunkt stehen (sollten), wer welche Aktion organisiert, welche besonderen Zielgruppen und Bündnispartner angesprochen werden sollen und können, und wie ihr Zusammenhang zur Friedensbewegung insgesamt deutlich gemacht werden soll:

  • Luxemburg-Liebknecht-Demonstration gegen Krieg und Kapitalismus
  • Ostermärsche: für Frieden, gegen Hochrüstung und Kriegsvorbereitung
  • Aktionen gegen Wehrpflicht und Bundeswehr an Schulen und Hochschulen, mit Schüler-, Jugend- und Studierendenverbänden und -vertretungen
  • Aktionen gegen die Politik Israels in Palästina, mit palästinensischen und kritischen jüdischen Gruppen
  • Aktionen gegen die Aggressionen der USA gegen Venezuela, Kuba , Iran usw., mit Gruppen der internationalen Solidaritätsbewegung
  • Aktionen gegen Geschichtsrevisionismus und das Feindbild Russland
  • Aktionen gegen Hochrüstung und Sozialabbau, mit gewerkschaftlichen und sozialen Gruppen
  • Aktionen gegen die Stationierung von Mittelstreckenwaffen
  • Aktionen gegen die Militarisierung des Gesundheitswesens, mit dort Tätigen
  • Herbstdemonstrationen der Friedensbewegung

Bündnisse und Verbreiterung, Klärungsbedarf innerhalb der Friedensbewegung

 
Zu diskutieren und möglichst breit zu klären ist:

  • welche Positionen sind im Sinne eines Minimalkonsenses der Friedensbewegung unverzichtbar,
  • auf welche kann bei einzelnen Aktionen verzichtet werden,
  • welche Positionen können nicht akzeptiert werden,
  • wie ist mit weitergehenden Forderungen umzugehen, die nicht konsensfähig sind und Teile der friedensorientierten Bevölkerung ausgrenzen oder abstoßen (zu Migration, Palästina – Israel, Gender, Ökologie und Klima, internationale Fragen/Verhältnis zu einzelnen Staaten und Antiimperialismus, NATO, EU, Ukraine, Rüstungsexporte und -produktion, Antifa und Kampf gegen AfD und „Rechts“, Antikapitalismus, Herkunft und Verbindungen zu anderen Bewegungen und Ideologien, Haltung zu verschiedenen Parteien und ihren Vertretern u.a.).

Nötig ist die Verständigung darüber, wie eine möglichst breite Unterstützung und Mobilisierung für Forderungen der Friedensbewegung erreicht werden kann, die auf Ausgrenzung und Diffamierung anderer Friedensbewegter verzichtet und sie zurückweist. Es muss akzeptiert werden, dass die Friedensbewegung nicht homogen ist und dass es in vielen Fragen unterschiedliche und teils gegensätzliche Auffassungen gibt. In einem friedlichen Miteinander sollten verschiedene Positionen ausgetauscht und ausgehalten werden können. Alle Menschen, Gruppen und Organisationen, auch Parteien, die die gemeinsamen friedenspolitischen Forderungen unterstützen, sind in der Friedensbewegung willkommen.

Die Grenzen der Zusammenarbeit sind bereits mehrfach in breiten Bündnissen formuliert worden: „Rassismus, Antisemitismus, Faschismus und alle Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit lehnen wir ab. Deshalb gibt es keine Zusammenarbeit mit rechtsextremen und demokratiefeindlichen Kräften. Diese können auch nicht Teil unseres Bündnisses sein.“ Ansonsten muss sich die Friedensbewegung darum kümmern, wie sie möglichst viele Menschen und gesellschaftliche Gruppen anspricht und einbezieht und nicht darum, wen sie alles nicht dabei haben will.

Beratungen, in denen frühzeitig miteinander diskutiert wird, welche konkreten Aktionen in welchen Aktionsbündnissen notwendig bzw. gewünscht sind, sind konstruktiv. Diese Bündnisse sind dann jeweils gefordert, sich um tragfähige Aufrufe, eine gute Organisation und eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit und Mobilisierung zu kümmern, sowohl in den verschiedenen Gruppen der Friedensbewegung und den gesellschaftlichen Sektoren, die besonders angesprochen werden sollen, als auch in der Bevölkerung und (sozialen) Medien allgemein.

Bei diesen Beratungen sollten möglichst alle Spektren der Friedensbewegung, der linken und antiimperialistischen wie der eher „bürgerlichen“ und der christlichen, der „alten“ wie der „neuen“, einbezogen werden.
 

Öffentlichkeitsarbeit und Eingreifen in Meinungsbildung

 
Unabhängig von der Mobilisierung für Aktionen muss die Friedensbewegung stärker als bisher ihre Positionen und Argumente an die Bevölkerung herantragen und der herrschenden Propaganda entgegenwirken:

  1. Durch das Nutzen alternativer Medien, Kanälen und Personen im Internet und einen Ausbau von social media Angeboten, die der Friedensbewegung zuzurechnen sind. Sie müssen verschiedene Formate abdecken, von längeren argumentierenden Videos und Texten bis zu kurzen, v.a. Emotionen ansprechenden Memes und Interventionen. Verstärkt müssen Formen und Kanäle genutzt werden, die die jungen Generationen ansprechen.
  2. Durch Agieren vor Ort, wo die Menschen leben und arbeiten. Mit Ständen und Aktionen auf der Straße, mit örtlichen Veranstaltungen, durch Verteilen von Flyern, Stecken in Briefkästen, durch Diskussionsbeiträge bei Veranstaltungen anderer, in Betrieben und in Vereinen. Wichtig ist die stärkere Verankerung in organisierten Gruppen in Bereichen wie Gewerkschaften, Soziales, Sport, Freizeit, Umwelt, Schulen, Kultur und Kunst, Wissenschaft sowie in verschiedenen Berufsgruppen.

Größere Fortschritte werden dadurch allerdings erst erzielt werden können, wenn mehr Menschen die Notwendigkeit erkannt haben, sich hier zu engagieren und auch bereit sind, die damit verbundenen Anfeindungen und Nachteile in Kauf zu nehmen. Die wirken bei den Jüngeren stärker als bei Älteren, die bereits eine gesicherte Position erreicht haben, auch weil heute politische Aktivitäten über das Internet recherchiert werden und zu beruflichen Problemen führen können.

Um gegen die Behauptungen und Erzählungen der Propagandisten von Kriegsbeteiligung und Hochrüstung und Konfrontation gegen Russland, China u.a. etwas ausrichten zu können, besonders die Bedrohungslügen und das „Gut gegen Böse“-Schema, muss das Vertrauen in die deutsche Regierung und die Massenmedien erschüttert werden, indem deren einseitige, selektive und verzerrende Darstellungen und Doppelstandards angegriffen sowie Gegeninformation, Aufklärung und das Prinzip gleicher Standards und Anhörens immer auch der anderen Seite gestärkt werden.
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Ist der Völkermord in Gaza beendet? – Redemanuskript von Wiebke Diehl

28. Dezember 2025 um 07:30

Vorschau ansehen

Am 18.12.2025 führte die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘ unter diesem Titel ein Webinar durch.

Wir haben von dieser Veranstaltung auch einen Filmbericht hergestellt, der auch die Debatte im Chat-Raum sowie während der Veranstaltung spiegelt und außerdem die Antworten von Wiebke im Rahmen der Debatte.

Diesen umfassenden Bericht, findet ihr hier:

Filmbericht von der Veranstaltung am 18.12.2025
 


 

Redemanuskript Wiebke Diehl 18.12.2025

Wiebke DiehlNachfolgend veröffentlichen wir euch dazu nun auch das Redemanuskript unserer Referentin Wiebke Diehl ***
 

  • Viele von euch werden die neuerlichen Leidensbilder aus Gaza gesehen haben (wenn auch inzwischen viel zu wenig über Gaza und die menschengemachte humanitäre Katastrophe dort berichtet wird)
  • Man sieht dieser Tage Überschwemmungen, unzählige Menschen leiden unter den Folgen schwerer Regenfälle mitten in den Wintermonaten, bei immer niedrigeren Temperaturen.
  • Gebäude sind eingestürzt und mehr als 53.000 Zelte zerstört oder beschädigt worden. Betroffen sind davon etwa 250.000 von 1,5 Millionen Menschen, die in Folge des Gazakriegs in provisorischen Unterkünften hausen müssen.
  • Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) könnten sogar 795.000 Menschen von den Überschwemmungen und ihren Folgen betroffen sein
  • Etwa 20 Menschen, darunter Kinder, wurden in Folge der Unwetter bislang tot geborgen. Die Kinder sind nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden an Unterkühlung gestorben, andere Opfer waren Folge des Einsturzes von Gebäuden.
  • Matratzen und Kleider der Binnenvertriebenen sind mit Wasser vollgesogen, Familien müssen teils sogar ohne ein Zelt über dem Kopf ausharren.
  • Denn Israel lässt immer noch nicht die Ausrüstung für bis zu 1,3 Millionen Notunterkünfte in den Gazastreifen hinein, die nach Angaben der UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge UNRWA, das Israel seit Jahrzehnten loswerden will und mit Verboten überzieht, außerhalb der Küstenanklave bereitstehen. Die UNRWA nennt dies völlig zu Recht eine politische Entscheidung
  • Weder Wohncontainer noch Wasserpumpen, um das Wasser aus den Zeltlagern abzupumpen, noch Sandsäcke, Holz und Sperrholzplatten lässt Israel in den Gazastreifen hinein. Das UN-Nothilfebüro UN-OCHA hat zudem gerade erst wieder darauf hingewiesen, dass weiterhin ein großer Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten herrscht. Auch Decken und warme Kleidung werden der Bevölkerung in Gaza weiter vorenthalten. Ganz offensichtllich kommt Israel seinen aus dem Waffenstillstandsabkommen resultierenden Verpflichtungen nicht nach.
  • Durch die Überschwemmungen verschlimmern sich die hygienischen Verhältnisse im Gazastreifen, wo Israel in zwei Jahren Krieg fast das gesamte Gesundheitssystem zerstört hat, noch einmal dramatisch. Das Risiko sich ausbreitender Krankheiten durch verschmutztes Wasser steigt erheblich.

 

  • Ist der Völkermord in Gaza beendet, lautet die Leitfrage dieses Webinars, das wir als Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“ durchführen, weil inzwischen viel zu wenige Nachrichten aus Gaza, aber auch aus dem Westjordanland, dessen Annexion immer weiter vorangetrieben wird, sowie aus dem fast täglich von Israel angegriffenen Libanon und dem in Teilen unter israelischer Besatzung stehenden Syrien zu uns dringen
  • Die Frage, ob der israelische Völkermord im Gazastreifen beendet ist, lässt sich so dramatisch wie schnell beantworten:
  • Nicht nur sind, seitdem die so genannnte „Waffenruhe“ am 10. Oktober in Kraft trat, etwa 400 Bewohner der Küstenenklave in über 700 israelischen Verletzungen des Waffenstillstands zum Opfer israelischer Bomben geworden. Auch die Vertreibungen und Häuserzerstörungen im immer noch von Israel kontrollierten Teil der Küstenenklave, der weit über 50% ausmacht, dauern an

 

  • Vor drei Wochen hat Amnesty International einen Bericht veröffentlicht, in dem die MRO sehr treffend auf den Punkt bringt, warum der Völkermord in Gaza keinesfalls beendet ist, sondern anhält. Außerdem belegt Amnesty International in demselben Bericht, dass das anhaltende israelische Apartheidsystem ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt
  • Zum Gazastreifen und dem dort in der Tat anhaltenden Völkermord legt Amnesty International in seiner juristischen Analyse dar, dass Israel im Gazastreifen weiterhin Bedingungen schafft, die auf die physische Zerstörung der Palästinenser abzielen
  • Amnesty beruft sich dabei auf die Aussagen von Anwohnern, von medizinischem Personal und von humanitären Helfern, die die katstrophalen Zustände für die Bevölkerung in Gaza hervorheben
  • Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, erklärte anlässlich der Veröffentlichung des Berichts: „Der Waffenstillstand birgt das Risiko, eine gefährliche Illusion zu schaffen, dass das Leben in Gaza zur Normalität zurückkehrt. Doch während die israelischen Behörden und Streitkräfte das Ausmaß ihrer Angriffe verringert und begrenzte humanitäre Hilfe nach Gaza gelassen haben, darf die Welt sich nicht täuschen lassen. Der Völkermord in Israel ist noch nicht vorbei“
  • Es gebe keine Hinweise darauf, dass Israel ernsthafte Maßnahmen ergreife, die tödlichen Auswirkungen seiner Völkermord-Verbrechen rückgängig zu machen. Vielmehr setzten die israelischen Behörden ihre rücksichtslose Politik fort, schränkten den Zugang zu lebenswichtigen humanitären Hilfsgütern und lebenswichtigen Dienstleistungen ein und setzten absichtlich Bedingungen durch, die darauf abzielten, die Palästinenser in Gaza physisch zu vernichten“
  • Israel missachte mehrere Anordnungen des Internationalen Gerichtshofs, indem nicht ausreichend Nahrungsmittel, Medikamente und zur Reparatur lebenserhaltender Infrastruktur notwendige Materialien und Ausrüstungen in den Gazastreifen gelassen würden.
  • Wegen der Weigerung Israels, die Bevölkerung zu versorgen und die Situation vor Ort zu verbessern, steige die Anfälligkeit der Bevölkerung für Krankheiten und die Ausbreitung von Krankheiten nach monatelangen Hungersnöten massiv an. Israel habe – auch schon vor dem Gazakrieg durch die jahrzehntelange Besatzung und immer weiederkehrenden militärischen Angriffe – Umstände geschaffen, die zu einem langsamen Tod der Palästinenser führen würden, bedingt durch fehlende Nahrung, Wasser, Unterkunft, Kleidung oder sanitäre Einrichtungen.
  • Zwar gebe es einige sehr begrenzte Verbesserungen. Aber auch die Blockierung der Wiederherstellung lebenswichtiger Dienstleistungen sowie der Reparatur lebenserhaltender Infrastruktur habe ihren Anteil an der Bewertung, dass der Völkermord andaure.
  • Blindgänger könnten zudem nicht entfernt werden, kontaminierter Schutt und Abwasser stellten ernsthafte und potenziell irreversible Risiken für die öffentliche Gesundheit und Umwelt dar.
  • Die systematische Vertreibung der Palästinenser aus fruchtbaren Flächen durch Israel setze sich zudem unvermindert fort, wobei das israelische Militär derzeit in etwa 54–58 % des Gazastreifens stationiert ist.
  • Israel hat auch nicht aufgehört, den Zugang der Palästinenser zum Meer stark einzuschränken. Und Tel Aviv hat keine Maßnahmen ergriffen, um die Auswirkungen der umfangreichen Zerstörung von landwirtschaftlichen Flächen und Viehzucht in den letzten zwei Jahren anzugehen. Insgesamt bedeutet das, dass Palästinenser praktisch völlig ohne unabhängigen Zugang zu Nahrungsmitteln zurückbleiben.
  • Darüber hinaus bemängelt Amnesty International, die israelischen Behörden hätten es versäumt, diejenigen, die für den Völkermord verantwortlich zeichnen, zur Rechenschaft zu ziehen.

Bilanz des bisherigen Genozids:

  • Die Bilanz nach zwei Jahren Genozid ist unerträglich.
  • An die 69.000 Menschen wurden nach offiziellen Zahlen getötet, wobei fast ein Drittel der Opfer unter 18 Jahre alt war, 75 Prozent waren Frauen und Kinder. Das sind die offiziellen Zahlen der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen, die der ehemalige Kommandeur der israelischen Armee, Herzi Halevi, im September bestätigt hat, nachdem Tel Aviv über den gesamten Gazakrieg hinweg behauptet hatte, die Todeszahlen, die auch die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen für glaubwürdig halten, seien Hamas-Propaganda.
  • Herzi Halevi sagte, über 200.000 Palästinenser seien im Gazastreifen durch die Armee getötet oder verletzt worden – mehr als 10 Prozent der 2,2 Millionen Bewohner der küstenenklave. Zudem besagen geleakte Daten des israelischen Militärs, dass mehr als 80 Prozent der Opfer im Gazakrieg Zivilisten waren.
  • Eine jüngst veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und des Centre for Demographic Studies ist zu dem Schluss gekommen, dass der Gazakrieg mehr Todesopfer, nämlichmindestens 100.000, gefordert hat. Die Lebenserwartung in Gaza ist den Ergebnissen der Forscher zufolge im Jahr 2024 auf weniger als die Hälfte des ohne Krieg zu erwartenden Niveaus gefallen
  • Und es gibt noch deutlich höhere Zahlen:
  • Bereits im Juli 2024 waren Forscher im medizinischen Journal The Lancet davon ausgegangen, dass bereits zu diesem Zeitpunkt mindestens 186.000 Menschen getötet worden seien
  • Es gibt gar Wissenschaftler, die von einer Todeszahl bis zu mehreren Hunderttausenden ausgehen
  • Unter den im Gazakrieg Getöteten sind – nach den im Vergleich moderaten Zahlen der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen – etwa 540 humanitäre Helfer und über 1.700 Mitarbeiter des Gesundheitswesens
  • Außerdem wurden über 960 Mitarbeiter des Bildungswesens sowie 254 Journalisten und 346 UN-Mitarbeiter getötet. Wie die unabhängige globale Gewaltbeobachtungsstelle ACLED (Armed conflict Location & Event Data) feststellt, waren 15 von 16 der seit März, nach dem Scheitern der Waffenruhe, Getöteten Zivilisten.
  • Etwa 170.000 Menschen wurden zudem im Gazakrieg verletzt, viele davon schwer, oftmals mit Verstümmelungen.

 

Auch die breitflächige Zerstörung des Gazastreifens ist immens:

  • Über 90 Prozent der Gebäude sind zum Ziel von Angriffen geworden. Fast 340.000 wurden zerstört oder beschädigt. Auch 62 Prozent der Straßen wurden zerstört. Etwa 213 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen und 1.029 Schulen wurden attackiert.
  • Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind nur noch 14 der 26 Krankenhäuser in der Küstenenklave teilweise funktionsfähig. Die Krankenhäuser im südlichen Gazastreifen sind völlig überlastet.
  • 000 Kinder können nicht zur Schule gehen, weil laut UN-OCHA 97 Prozent der Schulgebäude teilweise oder vollständig beschädigt sind. Zudem wurden dreiundsechzig Universitätsgebäude zerstört.
  • Insgesamt hat Israels Militär mehr als 200.000 Tonnen Sprengstoff über dem Gazastreifen abgeworfen und dabei Schäden in Höhe von über 70 Milliarden US-Dollar (UN-Entwicklungsprogramm UNDP) verursacht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 4,9 Millionen der 61,5 Millionen Tonnen Schutt, unter der die Küstenenklave begraben liegt, mit Asbest verseucht. Ein Wiederaufbau, so er denn überhaupt zugelassenw wird, könnte Jahrzehnte dauern
  • Wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schon im April berichtete, waren bereits zu diesem Zeitpunkt 83 Prozent der landwirtschaftlichen Brunnen und 71 Prozent der Gewächshäuser beschädigt worden.
  • Die Wasserversorgungssysteme sind zusammengebrochen, so dass 96 Prozent der Haushalte im Juli von Wasserknappheit betroffen waren.
  • Vor 2023 machte die Landwirtschaft einen Anteil von rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung Gazas aus. Etwa ein Viertel der Bevölkerung verdiente seinen Lebensunterhalt in der Landwirtschaft und der Fischerei.
  • Heute sind nur noch neun Prozent des Farmlands überhaupt erreichbar, nur 1,5 Prozent davon sind noch für die Kultivierung geeignet.
  • Ähnlich wie den Bauern Gazas ergeht es den Fischern: während sie vor dem Oktober 2023 jährlich rund 5.417 Tonnen aus dem Mittelmeer fischen oder in Fischfarmen anzüchten konnten, hat die israelische Armee den Zugang zum Meer verboten. Auch solche „Maßnahmen“ sind – neben der Blockade von Hilfsgütern – Teil der israelischen Strategie, Hunger als Kriegswaffe einzusetzen und die Bevölkerung über Kurz oder Lang zu vernichten.
  • Und eins muss ganz klar gesagt werden:
  • Der Einsatz von Hunger als Waffe durch Israel im Gazakrieg war auch deshalb in diesem Ausmaß möglich, weil man ihn seit Jahrzehnten vorbereitet hat.
  • Systematisch wurde schon lange im Voraus der Aufbau einer Selbstversorgung unmöglich gemacht. Dov Weisglass, der Berater des damaligen israelischen Premiers Ehud Olmert, brachte das israelische Agieren 2006 auf den Punkt:
  • Er sagte: „Die Idee ist, die Palästinenser auf Diät zu setzen, aber sie nicht verhungern zu lassen.“
  • Genaustens wurde berechnet, wieviele Kalorien ein Menschen zum Überleben braucht. Man muss es so deutlich sagen: Die Regierung in Tel Aviv wusste bestens Bescheid, wann eine Hungersnot einsetzt, und hat sich – wie die Aussagen zahlreicher hochrangiger Politiker und Militärs schon aus dem Oktober 2023 belegen – bewusst dafür entschieden.
  • Dass Israel als Besatzungsmacht für die Versorgung der Bevölkerung Gazas verantwortlich ist und dafür auch mit dem nach Einschätzung des Internationalen Gerichtshofs „unabdingbaren“ UN-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge UNRWA zusammenarbeiten muss, hat der Internationale Gerichtshof (IGH) jüngst zweifelsfrei festgestellt.
  • Experten der Vereinten Nationen haben zudem in mehreren unabhängigen Untersuchungen bestätigt, dass Israel im Gazastreifen einen Genozid begeht.
  • Alles deutet, das habe ich glaube ich hinreichend dargelegt, darauf hin, dass dieser Völkermord keinesfalls beendet ist, sondern – zumindest vorerst – mit anderen Mitteln und tragischerweise auch unter internationaler Beaufsichtigung fortgeführt wird.
  • Es ist darum alles andere als angebracht, den Druck auf Israel sowie auf unsere eigene Regierung, die ja den nie vollständigen Rüstungsexportstopp gegen Israel wieder aufgehoben hat und Sanktionen auf EU-Ebene über den gesamten Gazakrieg blockiert hat, zu verringern.

 

Trotz des so genannte Waffenstillstandsabkommens herrscht in Gaza alles andere als Frieden. Und auch im Westjordanland, im Libanon und in Syrien zeigt sich, dass Tel Aviv seine Groß-Israel-Pläne und die Vertreibung und Bekämpfung der Bevölkerung, die diesen im Weg steht, unbeirrt fortsetzt

Insbesondere in Gaza werden diese israelischen Pläne nicht nur von den USA und anderen so genannten Freunden Israels unterstützt. Sie sollen zunehmend auch international abgesichert werden:

  • Der sogenannte 20 Punkte Friedensplan von US-Präsident Trump, den er Ende September mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Washington vorstellte und der inzwischen auch vom UN-Sicherheitsrat (mit zwei Enthaltungsn von Russland und China) beschlossen wurde (Resolution 2803), lässt keinerlei Raum für ein Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser, von einem Staat Palästina ist keine Rede und wenn man sich die 20 Punkte genau ansieht, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen, als dass es sich um ein kolonialistisches Projekt handelt
  • Selbst der sofortige Waffenstillstand ist wie bereits erwähnt nicht umgesetzt worden, sondern wird vielmehr durch Israel tagtäglich missachtet
  • Zwar wurden so gut wie alle israelischen Geisen sowie 1.700 in israelischen Gefängnissen inhaftierte Gazaner freigelassen (Hunderte übrigens in Leichensäcken und mit schwersten Folterspuren). Aber weder hat Israel wie vereinbart die für den Bau provisorischer Unterkünfte benötigten Materialien in die Küstenenklave gelassen. Noch wird für die Versorgung der Bevölkerung etwa mit Nahrungsmitteln und Medikamenten Sorge getragen, wie es eine Besatzungmacht nach internationalem Recht eigentlich tun müsste
  • Den Vereinten Nationen wird im Trump-Plan ohnehin allenfalls die Lieferung humanitärer Hilfsgüter zugestanden. Eine andere, eine politische Rolle wird der UNO nicht zugedacht
  • Der Gazastreifen soll von einer Übergangsregierung eines “technokratischen palästinensischen Komitees“ bzw. Exekutivkomitees verwaltet werden – unter der Aufsicht eines sogenannten Friedensrats, den Trump selbst leiten will und in dem der ehemlige britische Premier Tony Blair eine entscheidende Rolle spielen soll
  • Eine internationale Stabilisierungstruppe soll für „Sicherheit“ sorgen, (aber angeblich nicht gegen die Hamas kämpfen)
  • Die Hamas soll entwaffnet werden und darf keine politische Rolle spielen, genau wie andere bewaffnete palästinensische Organisationen auch. Und selbst die Palästinensische Autonomiebhörde soll sich erst reformieren, bevor sie überhaupt in Betracht gezogen wird, eine Regierung zu stellen
  • Gaza soll demilitarisiert werden, damit man sich gegen israelische Übergriffe nicht verteidigen kann
  • Und angeblich soll die Küstenenklave wieder aufgebaut werden
  • Nicht vorgesehen ist auch eine Aufklärung und Strafverfolgung der begangenen Kriegsverbrechen
  • Eigentlich geht es darum, die israelischen Kriegsziele, die man in zwei Jahren nicht umsetzen konnte, doch noch zu verwirklichen – insbesondere die Entwaffnung der Hamas
  • Letztlich sollen die Palästinenser in Gaza, ohne jedes Recht auf Selbstbestimmung, unter internationale Verwaltung gestellt und kolonisiert werden
  • Der Gazastreifen soll weiter von den anderen palästinensischen Gebieten im Westjordanland und in Ostjerusalem isoliert werden. Ein palästinenesicher Staat rückt damit in noch weitere Ferne
  • Zudem wird immer offensichtlicher, dass die US-Administration und Israel planen, den Gazastreifen zu teilen. Erst vor wenigen Tagen ist erneut durchgesickert, dass die Küstenenklave entlang der von Israel kontrollierten „gelben Linie“ aufgeteilt werden soll. Die internationalen Soldaten der Stabilisierungstruppe sollen auf der Ostseite gemeinsam mit israelischen Streitkräften stationiert werden
  • Der Wiederaufbau soll sich dann auf die unter israelischer und ausländischer Kontrolle stehende „grüne Zone“, die bis zu 58 Prozent des Gazastreifens ausmacht, konzentrieren. Hier können die USA ihre Investmentpläne bis hin zur von Trump schon während des Kriegs geforderten „Riviera des Nahen Ostens“ umsetzen. Ob dieses Gebiet den Palästinensern jemals wiedergegeben oder – wie es sich die rechten Kräfte in Israel wünschen – annektiert wird, steht in den Sternen
  • Die „rote Zone“, in der die Mehrheit der Bevölkerung lebt, will man in Trümmern liegenlassen

 


 

*** Wiebke Diehl ist Islamwissenschaftlerin und Journalistin. Sie engagiert sich zudem in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Filmbericht: Ist der Völkermord in Gaza beendet?

28. Dezember 2025 um 08:00

Vorschau ansehen

Unter diesem Titel lud unsere Initiative für den 18.12.2025 zu einer Online-Veranstaltung mit der Islamwissenschaftlerin und Journalistin Wiebke Diehl ein.

In dem Einladungstext dazu hieß es:

„Es wird behauptet, der Völkermord in Gaza sei beendet. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, es gebe keinen Grund mehr, für die Palästinenser auf die Straße zu gehen.

Dass der Vernichtungsfeldzug trotz des „großartigen Friedensplans“ von US-Präsident Donald Trump andauert und Israel zugleich den Libanon bombardiert, den Jemen angreift, dem Irak und dem Iran droht und seine Besatzung in Syrien verfestigt, wird in unseren Medien und der bundesdeutschen Politik geflissentlich verschwiegen. Auch die fatale Situation im völlig zerstörten Gazastreifen, den aufgrund der israelischen Blockadepolitik immer noch viel zu wenige Hilfslieferungen erreichen und dessen Anbauflächen größtenteils nicht mehr nutzbar sind, spielt kaum noch eine Rolle.

Wir aber schweigen nicht!“

Hier dokumentieren wir euch den Filmbericht von dieser Veranstaltung. In diesem sind das Eingangsreferat von Wiebke Diehl zu sehen und zu hören. Außerdem ihre Beiträge im Rahmen der Diskussion. Die Diskussionsbeiträge sind indes in schriftlichen Karten zusammengefasst, die im Film an den entsprechenden Stellen eingeblendet werden. Ebenso die Beiträge aus der Debatte im Chat. In diesem hatten Teilnehmende zahlreiche weitere Link-Hinweise gesetzt, die sich auf Webseiten beziehen, in denen man sich zu den angesprochenen Sachverhalten gut informieren kann. Diese Chat-Informationen haben wir euch weiter unten dokumentiert. Ebenfalls haben wir euch das Redemanuskript für diese Veranstaltung von Wiebke Diehl verlinkt.

Hier der Filmbericht: (Achtung: das Eingangsbild ist mit 30 Sekunden etwas zu lange eingestellt, der Film läuft dann also schon …)


 
Dieser Film enthält die folgenden Abschnitte. Wer diese leichter anklicken möchte, wechsele bitte in unseren Youtube-Kanal.

0:00:00 Intro
0:00:30 Anmoderation / Einführung in das Thema – Ralf Krämer
0:02:21 Einführungsbeitrag – Wiebke Diehl
0:28:38 Einführung in die erste Diskussionsphase – Ralf Krämer und Wiebke Diehl
0:31:16 Zusammenfassung der ersten Diskussionsphase – schriftliche Folie
0:32:17 Erste Antwortphase – Wiebke Diehl
0:36:21 Zusammenfassung der zweiten Diskussionsphase – schriftliche Folien
0:38:21 Zusammenfassung der Diskussion im Chat – schriftliche Folien
0:40:04 Zweite Antwortphase – Wiebke Diehl
0:47:14 Abmoderation der Veranstaltung – Hinweise auf Strategieberatung – Ralf Krämer
0:48:56 Wo kann man sich zur Strategieberatung am 1.2. anmelden? – Schriftliche Folie
 


 

Redemanuskript von Wiebke Diehl

 
Hier findet ihr das Redemanuskript von Wiebke Diehl, das sie sich für ihren Eingangsbeitrag erarbeitet hat:

Redemanuskript Wiebke Diehl 18.12.2025
 


 

Strategie- und Aktionsberatung der Friedensbewegung

 
Während der Veranstaltung hat der Moderierende Ralf Krämer auf eine ‚Strategie- und Aktionsberatung‘ aufmerksam gemacht, die am 1. Februar 2026 stattfindet. Hier findet ihr dazu weitere Informationen und außerdem die Möglichkeit euch für diese anzumelden:

https://nie-wieder-krieg.org/2025/12/17/strategie-und-aktionskonferenz-01-02-2026/
 


 

Im Chat empfohlene Links:

 
Während der Veranstaltung notierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer einige Links, die viele weitere Informationen enthalten. Diese findet ihr hier:

Zu den Ansichten in der Bevölkerung zu den Ereignissen in Gaza findet ihr hier eine Studie:

https://www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus/gaza-israel-und-deutschlands-aussenpolitik-ein-meinungsbild

Verwiesen wurde in der Chat-Debatte auf den kürzlich stattgefundenen Streik von Schülerinnen und Schülern. Dazu gibt es hier Informationen:

https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/#streikende-st%C3%A4dte

Verwiesen wurde auf ein Papier „Jenseits der Staatsraison”:

https://staatsraison.net/

Außerdem auf das Festival der Zukünfte und auf die Webseite ‚Diplomatie und Frieden‘:

https://festival-der-zukuenfte.de/

https://www.friedenunddiplomatie.de/kontakt

Viele Infos sind auch über die Webseite der ‚IMI erhältlich:

https://www.imi-online.de/

Eine interessante Informationsquelle sind die Consortium News:

https://consortiumnews.com/about/

Ebenso die Webseite ‚Palästina – antikolonial‘:

https://palaestina-antikolonial.de/

Bei Solidaritätsaktionen mit den Menschen in Gaza kommt es immer wieder zu staatlichen Repressionen. Dafür und um Informationen zu erhalten, wie man sich dagegen wehren kann, ist die Webseite der ‚Roten Hilfe‘ zu empfehlen:

https://rote-hilfe.de/
 


 

Spenden

 
Auch solche Zoom-Veranstaltungen sind mit Kosten verbunden. Wir freuen uns daher über jede Spende, die uns über unser Spendenkonto erreicht. Diese können im Rahmen der Einkommensteuererklärung beim Finanzamt geltend gemacht werden.

Spenden können über das Konto des SoLi-Verein e.V. bei der Stadtsparkasse Wuppertal eingezahlt werden.

IBAN: DE36 3305 0000 0000 1891 67

Ganz wichtig: Bitte im Verwendungszweck ‚Friedensprojekt‘ eintragen. Sonst kann die Spende nicht zugeordnet werden. Ebenfalls wichtig: Im Empfängerfeld genau diese Zeichenfolge bitte eingeben: Soli-Verein

Die Banken machen im Online-Zahlungsverfahren zunehmend bürokratische Schwierigkeiten. Wer exakt diesen Empfängerbegriff eingibt, kann aber sicher sein, dass die Spende dort eingeht, wo sie auch ankommen soll.
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Einladung zu einer Strategie- und Aktionskonferenz am 1. Februar 2026

17. Dezember 2025 um 12:00

Vorschau ansehen

Liebe Friedensfreundinnen, liebe Friedensfreunde,

Wir blicken auf ein Jahr zurück, das aus Protest gegen den Gaza-Krieg Einhunderttausend Menschen auf die Straßen in Berlin brachte. Eine so starke Solidarität für Palästina hat Deutschland noch nie erlebt. Gestärkt wurde die Friedensbewegung zudem durch die Demonstrationen am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart mit zusammen 35.000 Teilnehmenden und, was hoffungsvoll stimmt, durch den selbst organisierten Streik- und Protesttag von Schülerinnen und Schülern gegen die Wehrpflicht am 5. Dezember mit 55.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Dies sind wichtige Erfahrungen, auf die wir im vor uns liegenden Jahr aufbauen können. 2026 wird noch herausfordernder als 2025, die Fragestellungen noch drängender, die Verabredungen noch notwendiger.

2025 bescherte uns eine Weichenstellung für die massive Aufrüstung Deutschlands und der NATO in Europa – vor allem auf Pump. Der Plan, bis 2029 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für Militärausgaben im engeren Sinne ausgeben zu wollen, wird diese gegenüber 2024 (bzw. innerhalb von fünf Jahren) fast verdoppeln – auf etwa 170 Milliarden Euro. Der Schuldenberg treibt die Zinslast im Bundeshaushalt so hoch, dass dann fast jeder sechste Steuer-Euro des Bundes für Zinsen draufgeht. Der Spielraum für Sozialleistungen wird massiv eingeschränkt. Sozialer Kahlschlag droht. Die Hochrüstung soll Russland in die Enge treiben, möglichst ruinieren. Eine Atommacht Russland, die ohnehin konventionell gegenüber NATO-Europa zurückliegt und zudem durch Mittelstreckenwaffen aus Deutschland strategisch bedroht werden soll. Im Zuge der von Deutschland angeführten Aufrüstung droht nach flächendeckenden Musterungen die Wehrpflicht und der Aufbau einer europäisierten Atommacht. Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA wirft Fragen nach Kräfteverschiebungen auf dem Globus auf – nicht nur in Europa, sondern vor allem in Asien und Lateinamerika. Die Vielzahl der Anforderungen und die Brisanz der Entwicklungen verlangen nach Beratung, strategischen Festlegungen und Aktionen.

Die Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“ lädt dich herzlich ein zu einer …
 

Strategie- und Aktionskonferenz, online, am Sonntag, den 1. Februar 2026, 11 bis 14 Uhr.

 
Um an dieser teilzunehmen, musst du dich anmelden / registrieren. Siehe dazu weiter unten.

Wir schlagen vor zu diskutieren, was wir tun können, um:

  • den Ukrainekrieg möglichst schnell und auch nachhaltig zu beenden und der Kriegspropaganda entgegenzutreten,
  • in Gewerkschaften und Kirchen den Widerstand gegen Aufrüstung und Sozialabbau zu unterstützen,
  • mitzuhelfen, den Aktionstag der Jugendbewegung gegen die Wehrpflicht am 5. März 2026 gesamtgesellschaftlich zu verbreitern,
  • Pläne, Mittelstreckenwaffen in Deutschland zu stationieren, zu verhindern,
  • US-Absichten eines Regime-Change in Venezuela zu vereiteln?

 

Registrationslink

 
Um an der Online-Konferenz teilzunehmen, musst du dich registrieren. Unmittelbar danach wird dir ein individueller Zugangslink zugestellt, mit dem Du dich am 1. Februar kurz vor 11 Uhr in die Beratung einwählen kannst.

https://us06web.zoom.us/meeting/register/4_omYQQgTRWRliaIVYTTPg

Hinweis: Personen, die sich frühzeitig anmelden, erhalten diesen Zugangslink dann von uns noch ein zweites mal einige Tage vor der Konferenz zugestellt. Es muss dann also niemand lange in seinem Mailpostfach suchen.

Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘
 


 
Hier kannst du sehen, wie die Einladung am 17. und 18. Dezember als Mail verschickt wurde:

Verschickte Einladung

Weitere Einzelheiten zu der Konferenz werden im Januar veröffentlicht.
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Newsletter 14/2025 – Schulstreik – Webinare – Positionspapiere

07. Dezember 2025 um 23:08

Vorschau ansehen

Am 8. Dezember wird unser Newsletter 14/2025 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf Berichten vom Schulstreik gegen die Einführung neuer Zwangsdienste. Wir laden zudem zu einem Webinar zum Thema „Ist der Gaza-Krieg vorbei?“ ein, das am 18.12.25 stattfinden wird. Außedem versenden wir einen Bericht von unserem China-Webinar und wir berichten über verschiedene Positionsspapiere, die sich auf den 28-Punkte-Plan beziehen und auf das Verhältni zu Russland

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 14/2025 im Mailverkehr

Hier findest Du ihn im PDF-Format:

Newsletter 14/2025 im PDF-Format
 
 

 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Bundesweiter Schulstreik: 55.000 gegen die Wehrpflicht!

07. Dezember 2025 um 15:03

Vorschau ansehen

von Andrea Hornung ***

Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht waren ein voller Erfolg: Mehr als 55.000 Jugendliche waren bei den Streiks am 5.12. in mehr als 100 Städten auf der Straße – trotz Repression und Einschüchterungsversuchen. „Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft!“ und „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“ hörte man auf den Straßen in ganz Deutschland. Die Schülerinnen und Schüler haben damit deutlich gezeigt, dass sie von den Plänen der Bundesregierung nichts halten und sich nicht im Krieg verheizen lassen wollen. Nachdem der Bundestag am Freitag das sogenannte „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“ beschloss, kündigten sie für den 5.3. den nächsten Schulstreik an. Der 5.12. ist zum Auftakt einer neuen antimilitaristischen Jugendbewegung geworden.
 

Das „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“

 
Anlass für die Proteste war der Beschluss des „Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes“ am Freitag im Bundestag. Demnach bekommen ab dem 1. Januar 2026 alle 18-jährigen Fragebögen zu Motivation und Eignung für den Kriegsdienst. Männer müssen die Fragebögen beantworten. Ab 2027 kommen verpflichtende Musterungen hinzu. Die Bundesregierung hat bereits klargestellt: Wenn sich nicht genug Freiwillige melden, dann kommt die Pflicht. Und das, obwohl die große Mehrheit der Betroffenen die Wehrpflicht ablehnt. Umfragen an Schulen ergaben, dass vielerorts mehr als 80%, teilweise sogar weit mehr als 90% der Schülerinnen und Schüler gegen die Wehrpflicht sind. Sie fühlen sich nicht gehört von der Politik, die sie in kaputten Schulgebäuden sitzen lässt, ihnen eine zerstörte Umwelt hinterlässt und sie jetzt auch noch zum Kriegsdienst zwingen will. Es wächst die Erkenntnis, dass es im Kapitalismus grundsätzlich nicht um die Interessen von Jugendlichen geht, sondern immer um Profite.
 

Organisation durch lokale Schulstreikkomitees

 
Allein in Berlin waren über 10.000 junge Menschen auf der Straße. Selbst in kleineren Städten wie Friedberg oder Marburg waren es Hunderte, darunter sogar Grundschülerinnen und Grundschüler. Organisiert wurden die Proteste von den Jugendlichen selbst, die in den letzten Wochen Schulstreikkomitees in Städten und Schulen aufgebaut hatten und oft das erste Mal selbst politisch aktiv wurden. Allein in Göttingen nahmen an den Vorbereitungstreffen des Schulstreikkomitees bis zu 90 Schülerinnen und Schüler teil. Sie organisierten Verteilungen, Bannerdrops, klebten Plakate und standen am Freitagmorgen als Streikposten vor den Schulen. In Kiel fuhr das Streikmobil, ein Auto mit Plakaten und Megafon, von Schulhof zu Schulhof und mobilisierte noch unentschlossene Schülerinnen und Schüler zum Streik. Unterstützt wurde die Bewegung von SchülerInnenvertretungsstrukturen wie der LSV NRW, der LSA Berlin oder der KSV Kiel. Eine besonders aktive Rolle spielte vielerorts die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), aber auch die Falken, die linksjugend solid, der Internationale Jugendverein (IJV) und viele weitere politische Organisationen. Auch wir als Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“ riefen zu den Schulstreiks auf.
 

Repressionen in Rostock und Halberstadt

 
Während Verteidigungsminister Boris Pistorius am Donnerstag zu den Schulstreiks erklärte, dass „Jeder in diesem Land für und gegen alles demonstrieren kann“, sah die Realität anders aus. In Rostock drohte die Versammlungsbehörde mit Kontrollen der Freistellungen der Schülerinnen und Schüler und verlegte die Kundgebung dann eigenmächtig. In einer Schule in Halberstadt wurden die Schülerinnen und Schüler in ihrer Schule eingesperrt, um sie davon abzuhalten, streiken zu gehen. Bildungs- und Kultusministerien in ganz Deutschland versandten Briefe an Schulleitungen, in denen sie klarstellten, dass unentschuldigte Fehlstunden, die Note 6 oder sogar Verweise die Folge der Teilnahme an den Schulstreiks seien. Die Schülerinnen und Schüler bewiesen Mut und gingen dennoch auf die Straße. Sie argumentierten: „Was sind schon ein paar Fehlstunden gegen 180 Tage Töten Lernen oder im schlimmsten Fall sogar sterben?“ Und auch die GEW und viele Lehrerinnen und Lehrer solidarisierte sich mit den Schulstreiks.
 

Nächster Streiktag am 5.3.2026

 
Nach dem 5.12. muss es nun darum gehen, aktiv zu bleiben. Ronja Ruh von Schulstreik gegen Wehrpflicht erklärte: „Wir bleiben laut, bis die Wehrpflicht vom Tisch ist. Wir werden jedem Schritt zur Einführung der Wehrpflicht etwas entgegensetzen.“ Bis zum nächsten Streiktermin am 5.3. muss es darum gehen, Schulstreikkomitees in weiteren Schulen und Orten zu gründen, gegen Bundeswehrwerbung an Schulen und für bundeswehrfreie Schulen aktiv zu werden und am 5.3. mit noch mehr Schülerinnen und Schüler auf die Straße zu gehen. Als Friedensinitiativen sollten wir sie dabei unterstützen und ihre Stimme auch auf den Ostermärschen zu Wort kommen lassen.

 

*** Andrea Hornung engagiert sich in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘. Sie ist Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ)
 


 
Hier findet ihr zudem die
Presseerklärung des Bündnis Schulstreik gegen Wehrpflicht vom 5.12.2025


 
Nachfolgend haben wir euch ein paar Bilder eingefangen. Diese stammen aus Bonn, Frankfurt am Main, Bremen, Heidelberg, Potsdam, Wetterau, Rostock, Hamburg, Berlin und Köln. So oder ähnlich sah es am 5. Dezember in rund 100 Städten aus … Um euch die Bilder genauer anzuschauen, klickt bitte einfach auf das jeweilige Bild.


 
(Auszug von RSS-Feed)

PRESSEMITTEILUNG: Bündnis Schulstreik gegen Wehrpflicht

05. Dezember 2025 um 21:23

Vorschau ansehen

Bundesweiter Schulstreik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht

 
Zehntausende Jugendliche gehen heute auf die Straße – für Frieden, Selbstbestimmung und echte Zukunftsperspektiven

05.12.2025

Heute, am 5.12., wurde ein Gesetz zum sogenannten „neuen Wehrdienst“ beschlossen. Und heute streikten mehr als 55.000 Schüler*innen in mehr als 80 Städten, um sich dagegen zu wehren! Von Kiel bis München, von Göttingen bis Potsdam waren viele Plätze in den Schulen frei, blieben viele Klassenzimmer leer. „Wir sind beeindruckt davon, wie viele Schüler*innen heute gestreikt haben. Das zeigt: Die Schülerinnen und Schüler sprechen sich nicht nur in Umfragen gegen die Wehrpflicht aus, sondern sind bereit, dagegen aktiv zu werden. Sie haben heute Mut bewiesen. Denn sie möchten nicht 6 Monate lernen, zu töten. Sie wollen nicht im Krieg sterben. Heute waren über 55.000 Schüler*innen auf der Straße, trotz Repression und Drohungen durch Bildungsministerien, Schulleitungen und Versammlungsbehörden. An vielen Orten wurden die Schüler*innen aber auch von Eltern und Lehrer*innen, zum Beispiel von der GEW, unterstützt“, fasst Hannes Kramer, bundesweiter Pressesprecher, zusammen. In München gingen bereits am Vorabend über 2000 Menschen auf die Straße, um gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu demonstrieren.

Phil Werring aus Münster meint: „Wir sollen für Deutschland kriegstauglich werden – doch was ist mit unserem Recht, in Frieden zu leben?“ Auch in den Reden und in offenen Mikrofonen wurde deutlich, warum die Schüler*innen heute ihre Klassenzimmer verlassen haben: Sie wollen keine Wehrpflicht und keinen Krieg. Sie wollen gute Bildung, echte Zukunftschancen und ein Leben ohne Zwang und Drill. „Sie haben uns mit Fehlzeiten gedroht und versucht, mit Gesprächen einzuschüchtern. Das habe ich auch selbst so erlebt, aber mich entschieden, trotzdem zu streiken. Was ist schon ein Gespräch mit dem Schulleiter oder unentschuldigte Fehlstunden im Vergleich zu einem halben Jahr in der Kaserne?“, erzählt Golo Busche aus Kiel.

Getragen wird der Schulstreik von lokalen Initiativen, Streikkomitees und Bündnissen, in denen Schüler*innenvertretungsstrukturen wie zum Beispiel die LSV NRW, die SSV Frankenthal, die BSV Bochum, der LSA Berlin oder die KSV Kiel eine wichtige Rolle spielen. Viele von ihnen haben in den vergangenen Wochen mit großem Engagement Demonstrationen vorbereitet, Reden geschrieben, Plakate gestaltet, Umfragen durchgeführt und Mitschüler*innen mobilisiert. Der heutige bundesweite Aktionstag zeigt, wie groß der Widerstand gegen das heute beschlossene Gesetz ist.

Laut diesem Gesetz sollen ab Januar 2026 alle 18-Jährigen einen Fragebogen zur sogenannten „Wehrdiensttauglichkeit“ ausfüllen; junge Männer müssen diesen ausfüllen und sollen darüber hinaus verpflichtend gemustert werden. Für viele Jugendliche bedeutet das enormen Druck „Wir haben ein Recht darauf, selbst zu bestimmen, welchen Weg wir gehen – und wir lassen uns nicht in militärische Strukturen drängen“, betont Viktoria Gramm aus Mainz.

Damit ist jetzt schon klar: Mit dem heutigen Tag endet der Protest nicht. „Wir bleiben laut, bis die Wehrpflicht vom Tisch ist. Wir werden jedem Schritt zur Einführung der Wehrpflicht etwas entgegensetzen“, meint Ronja Ruh aus Berlin. Für den 5.3.2026 rufen wir als Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht deshalb zum nächsten Streik auf, der noch größer und stärker werden soll. Bis dahin werden sich die Schüler*innen auf die nächsten Streiks vorbereiten und sich gegen Bundeswehrwerbung an ihren Schulen einsetzen. Wir rufen alle Menschen – ob jung oder alt – auf, sich dem Protest anzuschließen und die Schüler*innen zu unterstützen.

Weitere Informationen gibt es unter: https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht/

https://schulstreikgegenwehrpflicht.com

Die Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht hat sich als bundesweite Vernetzung aktiver Schüler*innen im Zuge der Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht gegründet und steht allen Interessierten offen.

Kontakt:

E-Mail: [email protected]

(Auszug von RSS-Feed)

Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!

04. Dezember 2025 um 08:00

Vorschau ansehen

IPPNW-Ärztinnen und -Ärzte veröffentlichen Resolution:

„Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!“

 
Der Kernpunkt aller Rechtfertigungen für die geforderte „Kriegstüchtigkeit“ – Blockierung der Beendigung des Ukrainekrieges, Mega-Rüstung unter Erdrosselung von eigener Industrie und Sozialstaat sowie Aufblähung der Bundeswehr sowie Aufstellung von erstschlagstauglichen US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland 2026 – ist die Einpflanzung der Bedrohung durch Russland in unsere Herzen und Hirne. Russland werde „uns“ (die NATO) bis spätestens 2029 angreifen – vielleicht sei 2025 sogar schon der letzte Friedenssommer gewesen (Sönke Neitzel, Universität Potsdam). Wer dem widerspricht, wird medial in Verdacht gebracht, ein „Putin-Freund“ zu sein – oder doch zumindest „die Geschäfte Putins“ zu betreiben.

Dem gegenüber steht eine trotz vieler gegenteiliger Umfrageergebnisse als minoritär, ja isoliert dargestellte Friedensbewegung, die sich weitgehend in eine Verteidigungshaltung gegen solche Diffamierungen gedrängt sieht.

Dem wollen wir nun einen positiven Zukunftsentwurf entgegenstellen:
Für eine neue Entspannungspolitik!

Und die Abkehr vom Feindbild Russland, die hierfür notwendig ist, knapp und sachlich begründen: Nicht mit pazifistischer Utopie, sondern indem wir der Stimmungsmache ein paar elementare Fakten und realistische Vorschläge entgegensetzen.

Diese Resolution erscheint relativ kurz nach Veröffentlichung des sog. „28-Punkte-Plans“, mit dem erstmals seit über drei Jahren Krieg (und Hunderttausenden von Toten und Verstümmelten) ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch liegt, der für die beiden Großmächte hinter dem Konflikt eine realistische Verhandlungsgrundlage sein könnte. Unsere Resolution bezieht sich jedoch bewusst nicht auf diesen Plan (auch wenn sie überraschende Parallelen zu einigen seiner Inhalte aufweist). Denn sie hat eine weiter reichende Intention:

Sie zielt auf das dem Krieg und dem (selbst-)zerstörerischen Rüstungsfieber zugrunde liegende Problem in den Köpfen, das Feindbild Russland, die Russophobie. Diese wird durch eine toxische Mischung aus komplizierter Realität, selektierten Fakten, Halbwahrheiten und Verdrehungen geschürt und hat inzwischen pathologische Züge einer kollektiven Angstpsychose angenommen.

40 Jahre nach dem Friedensnobelpreis für die berufsbezogene Friedensorganisation IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) sehen wir uns als friedenspolitischer Arbeitskreis ihrer deutschen Sektion daher verpflichtet, diese schwere und gefährliche psychische Störung beim Namen zu nennen, mittels Fakten gegen das Fieber anzugehen und Bundesregierung sowie Gesellschaft dazu aufzurufen, zur Besinnung zu kommen.

Berlin, 04.12.25

Für den IPPNW-AK „Süd-Nord“ (friedenspolitischer Arbeitskreis von IPPNW-Deutschland):

Christoph Krämer
E-Mail: kraemer.ak-sn[at]ippnw.de

 


Resolution des IPPNW-AK „Süd-Nord“:      

Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik      

Als friedenspolitischer Arbeitskreis der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzt*in­nen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) fordern wir von der Bundesregierung eine neue Ent­spannungspolitik sowie die Förderung auch zivilgesellschaftlicher Aktivitäten zur Völkerver­ständigung mit Russland.

Und appellieren an die ganze Gesellschaft: Um einen Weg heraus aus der Eskalationsspi­rale und zur Beendigung des Ukrainekrie­ges zu eröffnen, greift es zu kurz, im Chor mit Regierung und Medien immer wieder einseitig nur den russischen Einmarsch in die Ukraine von 2022 anzuklagen, den auch wir als Bruch des Völkerrechts sehen. Vielmehr wenden wir uns klar gegen jede Form von Völkerrechtsbruch!

In Wahrnehmung der historischen Mission der IPPNW, der Verhütung des Atomkriegs, und der Kernziele des Leitbilds unserer deutschen Sektion, fordern wir daher:

  • Der Ukrainekrieg kann und muss jetzt beendet werden – durch Respektierung nicht nur der ukrainischen, sondern auch der russischen Sicherheitsinteressen. Denn die weitere Eskalation dieses Krieges kann rasch in einen offenen Krieg der NATO mit Russland mün­den, und damit in einen Welt- und Atomkrieg!
  • Dazu gehört zuvorderst die Abkehr von dem Plan, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, und die verbindliche und dauerhafte Festschreibung ihrer Neutralität.
  • Sowie die Bereitschaft zu Kompromissen von beiden Seiten, auch von westlicher – etwa was den Status der Krim betrifft (als Basis der russischen Schwarzmeerflotte) sowie der Ostukraine mit ihrer überwiegend russischstämmigen Bevölkerung und Kultur.
  • Sicherheit lässt sich in unserer von Atomwaffen und zunehmend auch von „künstlicher Intelligenz“ bedrohten Welt nicht durch gewaltsamen Ausbau der westlichen Dominanz, sondern nur gemeinsam herstellen: Sicherheit neu denken!
  • „Gemeinsame Sicherheit“ heißt: Rückkehr zum Prinzip der Charta von Paris, in der zur Be­endigung des Kalten Krieges 1990 festgeschrieben wurde: „Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden.
  • Dies bedeutet auch die Einsicht, dass Sicherheit in unserer modernen Welt, in der uns die Zerstörungspotenziale der Waffen längst über den Kopf gewachsen sind, nicht durch wei­tere Vergrößerung dieser Potenziale herstellbar ist, sondern nur durch ein neues Denken, das Kommunikation und Vertrauensbildung an die erste Stelle setzt.
    Bewährte Formate wie die UN und die OSZE sind hierfür zu reanimieren und zu stärken.
  • Rückkehr zum Völkerrecht – die UN-Charta gilt für alle, für Russland wie auch für den Westen!
  • Respektierung und Förderung der Multipolarisierung der Welt durch nicht-militärische Bündnisse wie die BRICS statt gewaltsamer Erhaltung der westlichen Hegemonie. Insbesondere hat die NATO nichts in Ostasien zu suchen – schon allein der NATO-Vertrag widerspricht diesen Plänen, denen jetzt eine klare Absage zu erteilen ist.
    Auch die BRICS-Initiativen zur Beendigung des Ukrainekrieges sind uns willkommen!
  • Rückkehr auch zum Rüstungsbegrenzungs- und -kontrollregime, mit dem der Kalte Krieg beendet wurde – vor allem:
    Rettung des New-Start-Vertrages über die Reduktion der strategischen Atomwaffen, der andernfalls Anfang 2026 ersatzlos ausläuft;
    Wiederbelebung des 2019 von Trump gekündigten INF-Vertrages, der Mitteleuropa von den atomaren Mittelstreckenwaffen befreit hatte, statt Stationierung neuer US-Mittel­streckenwaffen in Deutschland 2026;
    Beitritt Deutschlands zum Atomwaffen-Verbotsvertrag (TPNW), statt die in Deutschland stationierten US-Atomwaffen für Milliarden aus Steuergeldern zu modernisieren.
  • Hilfreich für die Vertrauensbildung sind auch zivilgesellschaftliche Aktivitäten wie Städte-, wissenschaftliche und kulturelle Partnerschaften, die durch die „Zeitenwende“ gecancelt wurden – hier ist ein Umdenken und eine schrittweise Wiederherstellung erforderlich.

Das beschriebene Umdenken wird nicht nur die Bedrohung der Welt durch Krieg, Atomkrieg und Völkermord eindämmen, das Klima schützen und Millionen von Menschen vor Flucht und Vertreibung bewahren. Sondern es wird auch unserem eigenen Land ganz direkten Ge­winn bringen: Denn der Wegfall der ruinösen Hochrüstung für 5% des BIP, die Mittel in der Höhe von fast 50% des Bundeshaushalts verschlingt und dazu Berge von Zinsen, die für BlackRock & Co. bestimmt sind, wird Geld für Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Eisen­bahn und Klimarettung freisetzen, die unser Land so dringend braucht.

Erläuterung dieser Initiative:

Ein ernsthafter Ansatz zur Beendigung des Ukrainekrieges erfordert zuallererst eine Umkehr des Denkens:
Zum einen die Erkenntnis, dass Kriege fast immer am Verhandlungstisch enden.
Sowie die Bereitschaft, unsere eigene, westliche Rolle bei der Herbeiführung des Konflikts zu sehen: Indem wir die Verletzung der russischen Sicherheitsinteressen durch die wortbrüchig seit Jahren vorangetriebene NATO-Ostexpansion erkennen. Und vor allem, indem wir diesen Kurs jetzt korrigieren, indem die NATO und ihre führenden Mitgliedsstaaten incl. Deutsch­lands, die Aufnahme der Ukraine in die NATO endlich ausschließen, und zwar dauerhaft.
Die Idee, mittels des Putsches von 2014 die westliche Hegemonie auf die Ukraine auszudeh­nen und die Krim als Standort der russischen Schwarzmeerflotte dem NATO-Territorium einzuverleiben – mit dem Ergebnis, die Ukraine in einen Pro-EU-/NATO-Teil und einen pro-russischen Teil zu spalten – hat sich als katastrophaler Fehler erwiesen.
Hinzu kam der Bruch des Minsk-II-Abkommens durch Präsident Selenskyjs Dekret Nr. 117 von 2021 zur Rückeroberung von Krim und Donbas – was der Westen tolerierte, ja förderte.
Sowie die vertane Chance von Istanbul gleich zu Beginn des Krieges, ihn mit einem Kompro­missfrieden zu beenden – dem die NATO bei ihrem Brüsseler Gipfel im März 2022 eine Ab­sage erteilte – bekräftigt durch die Entsendung von Boris Johnson nach Kiew, um Selenskyj von der Unterzeichnung abzuhalten.

Die Wiederherstellung des zerstörten Vertrauens in westliche Zusagen erfordert nun ein Aufgreifen der positiven Signale aus den USA durch ein klares Verständigungsangebot an Russland auch seitens des europä­ischen Teils der NATO einschließlich Deutschlands.

Und die Abkehr vom Kurs der „Kriegstüchtigkeit“, also der horrenden Vergrößerung der be­reits bestehenden konventionellen NATO-Überlegenheit (siehe Greenpeace-Studie 2024) –  
der mit der Steigerung der Rüstungsausgaben von 2% auf 5% des BIP verfolgt wird sowie
mit der Aufstellung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland, die Angriffs- und Erst­schlagswaffen sind und Moskau fast keine Vorwarnzeit mehr lassen.

Die Begründung dieser Eskalationsstrategie in hiesigen Medien und Talkshows – Russland plane bis 2029 einen Angriff gegen die NATO – widerspricht allen Fakten:

–  Jenseits propagandistischer Phrasen ist kein Interesse Russlands an einem solchen Angriff erkennbar. Sämtliche US-Geheimdienste haben 2024 und 2025 derartige Pläne verneint.

–  Zudem ist Russland militärisch nicht annähernd in der Lage, einen Krieg gegen die NATO zu führen. Laut SIPRI-Daten und der darauf basierenden Greenpeace-Studie von 2024 ist Russland konventionell selbst dem europäischen Teil der NATO weit unterlegen.

Beide Fehler – NATO-Ostexpansion samt der immer noch unkorrigierten Parole, der Weg der Ukraine in die NATO sei „unumkehrbar“ (Rutte) sowie die neue NATO-Massivrüstung – be­feuern die in Russland zunehmende Befürchtung, westeuropäische Mächte würden – wie schon mehrfach in der Geschichte – erneut einen Angriffskrieg gegen Russland planen.
Hinzu kommt der westliche Völkerrechts-Nihilismus, der sich seit 1999 in den westlichen Angriffskriegen gegen Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien manifestiert. Sowie die Kündigung zentraler Rüstungskontrollabkommen und die Missachtung von Verträgen durch die USA. In Russland wird bereits diskutiert, ob die USA überhaupt vertragsfähig sind.
Aktuelle Beispiele für die Doppelmoral des Westens sind das genozidale Vorgehen in Palästi­na, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen den Iran und die fortgesetzte Unterstützung der rechtsextremen israelischen Regierung mit Geld und Waffen durch die USA und Deutsch­land. Seine „Drecksarbeit“-Äußerung im deutschen Fernsehen zu Netanjahus Vorgehen of­fenbart die Geringschätzung des Bundeskanzlers für das Völkerrecht.

Russland zur Einhaltung des Völkerrechts zu bewegen, erfordert die Rückkehr zum Völker­recht auch durch den Westen – anstatt es durch dessen sogenannte „regelbasierte Ordnung“ zu ersetzen.

Der historische Fehler liegt nicht in der alten Entspannungs- und Verständigungspolitik, die bekanntlich zur Überwindung des Kalten Krieges und der Blockkonfrontation führte. Sondern in der Abkehr davon zugunsten westlichen Vormacht- und Expansionsstrebens wie der NATO-Ostexpansion, das ein Grundprinzip der Charta von Paris ignoriert:
Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden.

Daher:
Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!

Berlin, 04.12.25

(Auszug von RSS-Feed)

Filmbericht von unserem Webinar ‚Will China die Weltherrschaft?‘

03. Dezember 2025 um 21:00

Vorschau ansehen

Die Außenpolitik der Volksrepublik China verstehen

 
Unter diesem Titel organisierte die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘ für Mittwoch, den 3. Dezember 2025, ein Webinar mit Prof. Michael Brie.
 
Hier gibt es nun den Filmbericht des mit einem Folienvortrag unterstützten Einstiegsreferats von Michael Brie. Die intensiv geführte Diskussion der zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben wir aus Datenschutzgründen indes nicht erfasst.

Über den folgenden Link kann dieser Folienvortrag auch als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Folienvortrag von Michael Brie bei der Veranstaltung am 3. Dezember 2025

Ablauf:

0:00:00 Anmoderation durch Peter Wahl
0:03:45 Vortrag von Michael Brie zum Thema
0:54:31 Abmoderation und Ankündigung des nächsten Webinars
 


 

Der Einladungstext für die Veranstaltung

 
Die USA sehen ihren Anspruch auf globale Führung durch den Aufstieg Chinas bedroht. Seit Obamas Präsidentschaft wurde das Land zum Hauptgegner erklärt und mit Sanktionen bekämpft. Die EU schwimmt folgsam in Washingtons Kielwasser und bezeichnet China als „systemischen Rivalen“. Und der deutsche Außenminister Wadephul behauptet, Peking versuche das Völkerrecht und die internationale Ordnung umzuschreiben „um eigene he-gemoniale Bestrebungen zu rechtfertigen“.

Tatsächlich ist der Aufstieg Chinas das spektakulärste Beispiel dafür, dass nach 500 Jahren Kolonialismus und Imperialismus die weltweite Dominanz Europas und seines nordamerikanischen Ablegers zu Ende geht. Wie geht China damit um? Was sind die Interessen und Leitlinien seiner Außenpolitik? Will Peking wirklich die Stelle der USA einnehmen?

Diese und ähnliche Fragen sind Thema des Webinars.

Referent: Prof. Michael Brie

Prof. Brie ist Sozialphilosoph und China-Kenner. Bis 2023 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Moderation: Peter Wahl
 


 

Unser nächstes Webinar am 18.12.2025: Ist der Völkermord in Gaza beendet?

 
Nähere Infos dazu findest Du hier:

Webinar 18.12.2025: Ist der Völkermord in Gaza beendet?
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung

02. Dezember 2025 um 22:39

Vorschau ansehen

Die nachfolgenden Folien zum Thema ‚Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung‘ basieren auf einem Folienvortrag von Detlef Mielke (DFG-VK Gruppe Hamburg), den dieser am 22.11. auf einer Informationsveranstaltung in Hamburg hielt.

Um sich eine einzelne Folie genauer anzuschauen, klicken Sie bitte auf das jeweilige Bild.

Hier können Sie sich diesen Vortrag auch als PDF-Datei herunterladen:

Folienvortrag als PDF-Datei downloaden
 
Umfangreiche Informationen zum Thema Kriegsdienstverweigerung sowie viele Kontaktadressen zu Beratungsstellen, finden Sie auch auf der folgenden Seite:

Weitere Infos zum Thema Kriegsdienstverweigerung
 

 
 
 
 
 
 
 
 
(Auszug von RSS-Feed)

32. Friedensratschlag: Podiumsrunde Wehrdienst und Zwangsdienste

14. November 2025 um 21:20

Vorschau ansehen

Auf dem 32. Friedensratschlag in Kassel am 8. November diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Jugendverbänden was wir gegen Wehrpflicht und Zwangsdienste machen können.

Im ersten Teil der Debatte, die hier als Film dokumentiert wird, wurde diskutiert, auf welchen gesellschaftlichen Ebenen diese Debatte gegenwärtig eine Rolle spielt, wen sie erreicht und wen nicht. Aber aucch die Frage, was die Gewerkschaften in diesem Zusammenhang tun müssen. Im zweiten Teil stand stärker die Frage im Mittelpunkt, was jetzt getan werden muss um eine neue Wehrpflicht abzuwehren, wie also der Widerstand politisch gegen diese organisiert werden kann.

 

Einführung

 
Julian Eder (Moderation): Am 1. Januar 2026 soll das Wehrdienstgesetz in Kraft treten. Der Bundestag hat sich damit schon in der ersten Lesung befasst. Die öffentliche Debatte zur Wehrpflicht läuft schon seit langem und sehr intensiv. Gestritten wird aber in der Regel nicht darüber, ob die Wehrpflicht wieder eingeführt werden sollte, sondern darüber, wie schnell, in welchem Ausmaß und auf welche Art und Weise. Wir wollen hier nicht darüber diskutieren, ob die Wehrpflicht eingeführt werden sollte. Es ist ziemlich klar, dass wir alle dagegen sind. Wir sprechen jetzt darüber, wie wir diese Wehrpflicht verhindern können. Der Widerstand gegen die Wiedereinführung des Zwangs zum Kriegsdienst hat in ganz Deutschland in unterschiedlichsten Bereichen schon längst begonnen.
Wir haben auf diesem Podium jetzt sieben Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Bereichen und Organisationen versammelt:

  • Tom Widkämper, Mitglied des Jugendverbandes Linksjugend Solid und im Landesverband Hamburg aktiv
  • Till Tiedemann, aktiv bei ver.di Jugend in Kiel und dort auch im Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“
  • Phil, aktiv im offenen Schülertreffen Zukunftsmacher in Münster und im dortigen Schulstreikkomitee gegen die Wehrpflicht
  • Andrea Hornung, Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ)
  • Judith Busse, Landesgeschäftsführerin der DFG-VK in Hessen und Rheinland Pfalz
  • Greta Nowak, aktiv im Jugendverband Die Falken sowie Mitglied der Antimilitarismus Arbeitsgruppe
  • Mena Winkler, aktiv im Studierendenverband Die Linke SDS und dort im Bundesarbeitskreis Antimilitarismus und Frieden

 

Teil 1: Auf welchen gesellschaftlichen Ebenen spielt die Wehrpflichtdebatte eine Rolle?Warum die Wiedereinführung der Wehrpflicht gerade jetzt?

 
Julian: Ich fange direkt an mit einer Frage an die politischen Jugendverbände: Warum wird jetzt versucht, in dieser Situation die Wehrpflicht wieder einzuführen? Was sind die Hintergründe dazu und wie schätzt ihr die Auseinandersetzung darum ein?

Andrea (SDAJ): Ich möchte ganz grundsätzlich anfangen. Wir wissen, dass Kapitalismus und Imperialismus Krieg bedeuten. Und genau das ist der Hintergrund, vor dem die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll. Wir erleben gerade, dass Deutschland und die NATO Staaten sich vom Abstieg bedroht sehen, dass sie um ihre Absatzmärkte, Einflusssphären und Profite fürchten und dass sie deshalb einen großen Krieg vorbereiten, der sich vor allem gegen Russland und China richtet, der gerade jetzt schon mit Militärmanövern wie Quadriga oder Red Storm Bravo auch geübt wird. Und deshalb wird aufgerüstet. Deshalb sollen US Mittelstreckenraketen nächstes Jahr in Deutschland stationiert werden. Und deshalb soll auch die Wehrpflicht oder besser der Kriegsdienst eingeführt werden. Es geht also bei der Einführung der Wehrpflicht zum Kriegsdienst um nicht mehr und nicht weniger als um die Vorbereitung eines großen Krieges. Und um das zu rechtfertigen werden uns alle möglichen Lügen erzählt, wie z.B. dass der Russe uns bedroht. Ulrike Eifler hat in ihrem Workshop heute schon deutlich gemacht, dass es ganz zentral ist, dass wir die Bedrohungslüge entlarven. Und dem kann ich mich nur anschließen. Wir müssen deutlich machen, dass die NATO-Staaten Russland in allen wesentlichen militärischen Bereichen um ein Vielfaches überlegen sind und dass sie es sind, die die zahlreichen Angriffskriege auf der Welt begonnen haben, wie den Jugoslawienkrieg als ersten Krieg auf europäischem Boden nach 1945. Deshalb müssen wir uns gegen die NATO Staaten richten.

Es wird uns weiter erzählt, wir müssten der Gesellschaft was zurückgeben über einen Kriegsdienst oder über ein Gesellschaftsjahr. Und auch das ist eine Lüge. Wofür sollen wir was zurückgeben? Für die kaputten Schulen, in denen wir sitzen, für die zerstörte Umwelt, für die Stellenstreichungen, unter denen wir leiden, für den Ausbildungsplatzmangel? Uns wird erzählt, wir sollten die Demokratie verteidigen. Dabei ist es der Krieg, der den Demokratieabbau erfordert.

Wir erleben, wie die Palästina-Demos massenhaft verboten werden und wir jede einzelne einklagen müssen, damit wir demonstrieren können.

Wir erleben, wie die Versammlungsfreiheit und die Meinungsfreiheit immer weiter eingeschränkt und abgebaut werden.
Und mit der Wehrpflicht soll eben jetzt die ganze Gesellschaft weiter militarisiert werden, wie es schon seit Jahren und Jahrzehnten passiert, wie die Bundeswehr ja auch mit Schulen und Hochschulen verpflichtend zusammenarbeiten muss, wie jetzt in Bayern auch Zivilklauseln verboten werden. Und wir sollen eben auch als Kanonenfutter angeworben werden, im Zweifelsfall im großen Krieg auch sterben.

Die Wehrpflicht soll erst freiwillig eingeführt werden, als Wehrdienst aber schon. Das ist nur so halb freiwillig, wenn man sich anschaut, mit welchen Summen wir da geworben werden und was wir sonst beim Freiwilligen Sozialen Jahr im Vergleich kriegen. Und ganz so freiwillig ist es auch deshalb nicht, weil Männer von Anfang an auf die Briefe antworten müssen und ab 2027 auch verpflichtend gemustert werden. So zumindest steht es im Gesetzesentwurf. Aber im Gesetzesentwurf steht auch drin, dass die Wehrpflicht auf jeden Fall kommen soll, wenn man nicht genug Freiwillige erreicht. Es ist völlig klar, dass man die gewünschte Zahl von 460.000 Soldaten für die Bundeswehr nicht erreichen wird. Die Wehrpflicht ist also ein ganz elementarer Teil der Kriegsvorbereitung.

Das bedeutet aber auch: Wenn wir es schaffen, die Wehrpflicht zu verhindern, dann können wir einen ganz wichtigen Teil der Kriegsvorbereitung verhindern. Deshalb hat der Kampf gegen die Wehrpflicht, bzw. gegen den Kriegsdienst so eine strategische Bedeutung für uns. Deshalb ist es so wichtig, dass wir als Friedensbewegung das als unsere Aufgabe begreifen, dagegen zu kämpfen, die Aktivitäten dagegen zu stärken und gemeinsam deutlich sagen: Nein zur Wehrpflicht.

Tom (Linksjugend Solid): Ich meine, es gibt vorneweg noch einen simpleren Grund neben der Krise der NATO. Es zeigt sich, dass die bisherige Propaganda in den Schulen, also der Bundeswehr, im Kino, auf Social Media usw. nicht dazu führt, dass ein größerer Teil der Jugend kriegstüchtig ist. Im Gegenteil, es gehen immer weniger Menschen zur Bundeswehr. Und die Wehrpflicht ist sehr simpel darauf gerichtet, das zu kompensieren. Zur Krise der NATO würde ich noch hinzufügen, dass es ja nicht nur um den Niedergang des US-Imperialismus und auch des europäischen Imperialismus geht, sondern dass sich gerade gegen die kolonial begründete Gewalt und Ausbeutung heute eine globale Bewegung formiert. Die internationalen Hafenarbeiter-Streiks sind ja ein super Beispiel dafür, dass tatsächlich dafür gekämpft wird, weltweit Kriege zu beenden und zwar nachhaltig. Und das in Einheit damit, dass das Völker- und Menschenrecht aus der UN endlich erfüllt wird. Vor diesem Hintergrund ist eben die Wehrpflicht in den imperialistischen Kernländern eine Maßnahme dafür, Kriegstüchtigkeit herzustellen und den Widerstand in diesen imperialistischen Zentren zu bekämpfen. Hoch interessant finde ich daran, dass man immer wieder in Umfragen feststellen kann, dass 86 % der Jugendlichen gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht sind. Ich sehe darin ein Nein zu einem Leben mit Militär. Was aber auch heißt: Ja zu einem Leben ohne Militär. Deshalb ist die Auseinandersetzung um die Wehrpflicht ganz zentral und exemplarisch um die Lösung der aktuellen Krise. Deshalb sollen Befehl und Gehorsam vermittelt werden. Wir sollen auf eine humane Entwicklungsperspektive verzichten und uns dem Diktat militärischer Unterdrückung der Persönlichkeiten unterordnen.

Oder geht es tatsächlich um eine erfreuliche Perspektive humaner Entwicklung, in der die Entfaltung einer jeden Persönlichkeit damit einher geht, dass wir endlich darüber verfügen, dass wir tatsächlich ein Gesundheitswesen brauchen, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht, anstatt es als Feldlazarett umzurüsten?

Wir brauchen eine Schule, in der es um Emanzipation geht, statt dafür zu lernen auf den Russen zu schießen. Das kann man jetzt für alle weiteren gesellschaftlichen Bereiche ausführen. Ich meine, dass sich dieser Kampf deswegen deshalb lohnt, weil es auch eine massive Möglichkeit dafür ist, dass man in sehr breiten Bündnissen mit einer doch etwas weitreichenderen Perspektive und Verständnis von Frieden zu einer neuen Stufe an Verallgemeinerung von Friedensbewegung, kämpferischer Bewegung in Deutschland und darüber hinaus kommen kann. Diese Chance sollten wir unbedingt nutzen.
 

Wie präsent ist die Debatte bei Kindern und Jugendlichen?

 
Greta (Die Falken): Ich glaube, dass es mit der Wehrpflichtdebatte auch sehr viel zu gewinnen gibt, gerade bei Jugendlichen und Kindern. Unsere Jugendorganisation organisiert nicht nur Jugendliche, sondern eben auch schon Kinder. Ab sechs Jahren und auch schon im frühen Kindesalter ist der Krieg ein Thema. Sie bekommen mit, wenn man ihnen ernsthaft erklärt, dass Entscheidungen getroffen werden, die sie ganz konkret selber betreffen und sind dafür auch bereit auf die Straße zu gehen. Und ich glaube auch, dass es ein großer Moment ist, um auch viele junge Menschen zu politisieren, weil diese Frage der Wehrpflicht und der Bundeswehr ganz konkret eine Frage zwischen den Jugendlichen und dem Staat ist. Welches Verhältnis möchte man da einnehmen? Und viel konkreter stellt sich die Frage von Sozialismus oder Barbarei, um eine linke Perspektive an Jugendliche heranzutragen.

Ich denke, dass das nicht nur für Einzelpersonen und Jugendliche gilt, sondern auch für andere Jugendverbände. Besonders die Meinung zu der Wehrpflicht geht innerhalb von Jugendverbänden sehr weit auseinander. Viele sind sich einig, dass ein Pflichtdienst schlecht ist. Aber es ist schwierig, sich auf fundamentale Kritik an Krieg und Militarismus zu einigen. Da haben wir auf dem Podium eine schon sehr viel ausgereiftere Analyse davon, was hier gerade in der Welt passiert und wie man dagegen agieren kann. Und ich glaube, da kann man auch ganz unerwartete Bündnisse und knüpfen und Verbündete gewinnen.

Julian: Judith, wie geht ihr in der DFG-VK mit der öffentlichen Debatte um? Was meint ihr, wie man in die Auseinandersetzung gehen sollte?

Judith (DFG-VK): Wir sehen auch eine große Chance darin, dass das Thema mit dem neuen Wehrdienst wieder aufkommt, weil wir durch unsere KDV-Beratung auch viele junge Menschen politisieren können zu den Themen Krieg und Frieden. Wir hoffen natürlich, dass wir darüber dann auch Mitglieder gewinnen können. Das Thema Wehrpflicht sollte genutzt werden, um generell gegen Militarisierung in Deutschland zu kämpfen, auch wenn das natürlich nicht der einzige Punkt dabei ist. Wir als DFG-VK vergessen dabei nicht, dass es noch andere wichtige Themen gibt, wie die Aufrüstung und die Raketenstationierung in Deutschland, die ab 2026 stattfinden soll. Als mein letzter Punkt: Am besten sind wir nicht nur gegen den neuen Wehrdienst, sondern generell gegen die Wehrpflicht, wie sie im Grundgesetz steht. Wir sollten deshalb sagen, der dort der ganze Artikel 12a gestrichen wird.
 

Was passiert an den Schulen?

 
Julian: Phil, du bist im offenen Schülertreffen „Die Zukunftsmacher“ in Münster aktiv gegen die Wehrpflicht. Ihr wollt am 5. Dezember dort an mehreren Schulen streiken. Das passiert nicht nur in Münster, sondern in einigen Städten in Deutschland. Wie ist es dazu gekommen und was erhofft ihr euch von dieser Aktionsform?

Phil (Schülertreff): Vorab zur Situation in Münster und wie wir dazu gekommen sind. Unser offenes Schülertreffen „Zukunftsmacher“ bestand schon vor der Idee, Schulstreiks gegen die Wehrpflicht zu machen. Damit haben wir auch bereits im Juni dieses Jahres schon Schulstreiks organisiert, die durch die Landesschüler*Innenvertretung NRW initiiert worden sind, bei denen wir mit über 150 Schüler*Innen auch die Wehrpflicht angeprangert haben, aber neben anderen Themen wie marode Schulen und dass wir auch eine Schule für alle fordern. Und ich glaube, diese Stimmung – auch gegen die Wehrpflicht – hat sich seitdem noch verstärkt. Wir sehen in Umfragen, dass teilweise über 90 % der Schüler*Innen gegen die Wehrpflicht sind. Mit maroden Schulen, kaputten Toiletten, Leistungsdruck in den Schulen und dauerhafter Selektion wächst der Widerstand aber auch der generelle Ärger über die Zustände. Deshalb wollen wir diese Schulstreiks nutzen, um das in der Jugend vorhandene Protestpotenzial auf die Straße zu tragen.

Darum sind wir dem bundesweiten Aufruf zu den Schulstreiks zum 5.12. gefolgt und haben dann auch offene Treffen in Münster organisiert, wo wir Schüler*Innen dazu eingeladen haben. An zwei Schulen haben jetzt Streikkomitees, in denen wir arbeiten.

Wir haben uns auch an die Bezirksschülervertretung in Münster gewandt, die wir jetzt dafür gewinnen konnten. Auch mehrere SV [Schülervertretungen] haben schon ihr Interesse bekundet. Das zeigt, wie gut wir da dran anknüpfen können. Dabei sehen wir vor allem auch unsere Aufgabe darin, nicht nur gegen die Wehrpflicht an sich aktiv zu werden, sondern das in die allgemeine Militarisierung einzuordnen. Auch in der Jugend wirkt diese Bedrohungslüge aus dem Osten, dass der Russe uns angreifen will. Wir haben wollen darüber aufklären, dass es eine Lüge ist, um Deutschland wieder kriegstüchtig zu machen für einen großen Krieg. Da gelingt uns jetzt in Münster bereits relativ viel. Dieses tun auch im Rahmen des in Münster vorhandenen Bündnisses „Nein zur Wehrpflicht“, womit wir viele Schulen erreichen und hoffen, dass wir die Bildungsproteste vom Sommer deutlich übertreffen werden. Also gehen wir es an! Wir werden am 5.12. nicht nur in Münster, sondern bundesweit streiken, weil wir die Wehrpflicht verhindern wollen.
 

Welche Rolle spielen Hochschulen?

 
Julian: Mena, du bist an einer Hochschule aktiv. Welche Rolle spielen die Hochschulen in der ganzen Auseinandersetzung?

Mena (SDS): Die Auseinandersetzung um die Wehrpflicht ist vor allem ein Kampf um die Köpfe. Und daran entscheidet sich ja auch, ob es uns gelingt, dass die Gesellschaft friedensfähiger wird anstatt kriegstüchtig. Dazu ein Zitat aus der Verfassung der UNESCO von 1945:

„Da Kriege im Geiste der Menschen entstehen, muss auch der Friede im Geist der Menschen verankert werden. Die weite Verbreitung von Kultur und Erziehung zu Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden sind für die Würde des Menschen unerlässlich.“

Das ist es, was wir in den Hochschulen machen. Und ich meine, das ist es auch, wogegen sich die Wehrpflicht richtet, weil sie sich gegen die Persönlichkeitsentwicklung von jedem Einzelnen in diesem Sinne richtet und stattdessen ja bescheiden machen soll. Bei uns in Hamburg haben wir es mit Leuten zu tun, die am Friedensforschungsinstitut sind und die behaupten, die Friedenstätigkeit, die man jetzt gerade überhaupt nur noch machen könne, bestünde in der Wehrpflicht. Damit verbunden wird auch gesagt, dass der Frieden irgendwie nicht in Sicht sei, womit Alternativlosigkeit verbreitet wird.

Als Studierende sind wir in der Altersgruppe, die jetzt in die Wehrpflicht gehen soll und in einer sehr großen Mehrheit genau das nicht will. Interessant werden dann die damit verbundenen Diskussionen. Den ganzen Verteidigungsunsinn kann man auch in Diskussionen mit unseren Lehrenden als letztlich unwissenschaftlich gut auseinandernehmen.

Damit einhergehend haben wir in Hamburg die Umsetzung der SDG [Social Development Goals – UN-Aganda 2030] für die Uni entwickelt. Das heißt dann exemplarisch, beispielsweise in der Politikwissenschaft zu diskutieren, wie wir die UN in der Pädagogik stärken und dass die Bundeswehr in Schulen nichts zu suchen hat. Und auch Ingenieure können sinnvolle Städte bauen statt irgendein Kriegszeug. Auch streiten wir dafür, dass es Bafög für alle gibt, damit für alle ein Studium auch entsprechend finanziert ist.

Auch haben wir Kommilitonen aus aller Welt, also aus Pakistan, Indien, Peru, Sudan, Palästina. Und wir streiten auch dafür, dass genau diese Kommilitonen zu guten Bedingungen da sein können und bauen Kooperationen mit Hochschulen bis hin nach Palästina aus.

Unser Anspruch ist ein Leben ohne Militär, das wir selber produktiv gestalten können und dass jeder auf der Welt gut leben kann. Genau das sollten wir in den Hochschulen und auch darüber hinaus weiterentwickeln, dass wir uns diese Bedeutung gemeinsam beimessen.
 

Wie können und müssen sich Gewerkschaften einbringen?

 
Julian: Till, warum müssen sich Gewerkschaften in den Kampf gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht einbringen? Und was? Was war eure Motivation, in Kiel als Gewerkschaftsjugend bei dem Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ mitzumachen?

Till (ver.di-Jugend): Für uns als Gewerkschaftsjugend in Kiel ist klar, dass die Wehrpflicht ein Angriff auf uns als Jugend insgesamt darstellt, der einem Angriff auf unserem Lohn oder unseren Arbeitsbedingungen in nichts nachsteht. Im Gegenteil, denn im Zweifelsfall bezahlen wir diesen Angriff nämlich mit unserem Leben als Jugendliche. Als Jugendliche haben wir die letzten Jahre genug unter den ständigen Angriffen der Arbeitgeberseite gelitten. Jugendliche hat die Inflation wesentlich härter getroffen.

Der Ausbildungsplatzmangel schafft für viele Jugendliche eine Perspektivlosigkeit, die jetzt von der Bundeswehr genutzt wird, um mit vermeintlich attraktiven Angeboten Jugendliche anzuwerben. Die Bundeswehr ist allerdings kein guter Arbeitgeber, sofern es einen solchen überhaupt gibt, sondern dort sind psychischer Missbrauch, Rassismus, Sexismus und verbale wie manchmal körperliche Gewalt an der Tagesordnung. Krieg ist eben nicht ein Job wie jeder andere. Einen Kollegen zu töten hat nichts mit unseren Interessen als Arbeiter zu tun, egal ob aus Russland oder China oder sonst woher kommt.

Gleichzeitig droht uns mit der Einführung der Wehrpflicht als Beschäftigten auch ein Angriff auf unsere Arbeitsbedingungen und unsere Arbeitsplätze. So können Wehrpflichtige nach dem Wehrpflichtmodernisierungsgesetz auch in ziviler Infrastruktur eingesetzt werden, sofern diese als kriegsrelevant gilt. So werden genau die Bereiche, wo schlechte Arbeitsbedingungen wie beispielsweise im Krankenhaus, miese Bezahlung wie bei der Post oder auch Stellenabbau verpasst, wie in der öffentlichen Verwaltung, mit billigen Arbeitskräften mutmaßlich ohne Streik und vernünftige Arbeitnehmerrechte aufgefüllt werden. Dadurch wird der Lohndruck für uns Normalbeschäftigte nochmal merklich angezogen.

Gleichzeitig sollen mit Gesinnungsbekenntnissen und Regelabfragen die Kollegen rausgeschmissen werden, die sich gegen diesen Kriegskurs stellen und das auch mit ihren Kolleginnen und Kollegen diskutieren. Was das mit gewerkschaftlicher Durchsetzungskraft macht, kann man sich wohl gut vorstellen. Streik für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen? Pech gehabt. Maximilian ist 18, ist gerade mit seinem Abi fertig. Der macht euren Job. Und das Beste ist: Der Staat bezahlt auch noch seinen Lohn. Wir müssen nichts dafür machen. Gleichzeitig stecken wir Milliarden nicht in bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, sondern darin, dass wir bombensichere Lazarette bauen, damit im Kriegsfall wenigstens noch die Krankenhäuser für die Soldaten funktionieren, aber eben dann nicht mehr für die zivile Bevölkerung.

Spätestens damit ist klar, dass wir als Gewerkschaft ein originäres Interesse daran haben, diese Wehrpflicht zu verhindern und uns an den Aktivitäten des Bündnisses „Nein zur Wehrpflicht!“ zu beteiligen. Wir sind dem Bündnis beigetreten, weil wir eben genau diesen Zusammenhang sehen und es für wichtig finden, dort aktiv zu werden.
 

Teil 2: Was ist zu tun?

 
Julian: Wir haben jetzt in der ersten Runde eine politische Einordnung gehört von der Wehrpflicht, die Zusammenhänge, wo die eigentlich herkommt und was damit bezweckt werden soll. Und wir haben Einblicke gekriegt in Schule, Uni und Betrieb – also die Orte, an denen sich die Jugend vor allem aufhält. Jetzt wollen wir noch mal konkret darüber diskutieren, was wir tun können, um diese Wehrpflicht zu verhindern. Und da geht die erste Frage wieder an die politischen Jugendverbände: Was müssen und können wir dafür tun? Welche Schritte geht ihr da? Und wir fangen wieder mit der SDAJ an!
 

Umfragen in Schulen und eindeutige Ergebnisse

 
Andrea (SDAJ): Julian hat einleitend schon gesagt, dass die Wehrpflicht schrittweise eingeführt werden soll. Einmal, um die Infrastruktur zu schaffen, aber ganz wesentlich auch, um den Widerstand dagegen gering zu halten. Weil es ja erst mal als nur freiwillig deklariert wird und dann ist die Bevölkerung schon dran gewöhnt. Und genau dem müssen wir einen Strich durch die Rechnung machen und bei jedem Schritt, der gegangen wird, immer größere Aktivitäten auf die Beine stellen und dagegen aktiv werden. Und die Chance dazu, das zu tun, das haben wir. Ich finde, das ist in der ersten Runde schon deutlich geworden.

Die Studienergebnisse wurden genannt. Wir machen als SDAJ an vielen Schulen gerade Umfragen zur Wehrpflicht – teilweise von außen, teilweise von innen über die Schülervertretung. Die Ergebnisse zeigen flächendeckend, dass sich weit mehr als 80 % gegen die Wehrpflicht aussprechen und da keinen Bock drauf haben. Wir haben gemeinsam mit anderen Jugendorganisationen Bündnisse gegen die Wehrpflicht gegründet, vielfach unter dem Titel „Nein zur Wehrpflicht!“ und haben auch ein bundesweites Bündnis, das dagegen aktiv wird. IN einer gemeinsamen Petition sammeln wir Unterschriften gegen die Wehrpflicht. Das ist auch was, was jeder von uns tun und damit die Aktivität gegen die Wehrpflicht unterstützen und verbreitern kann.

Wir sind auch beteiligt an der Organisation von Demonstrationen und Schulstreiks am 5.12., von denen wir eben schon gehört haben, und versuchen dabei eben auch den Schulterschluss zu der Gewerkschaftsjugend zu schaffen. Till hat eben aus Kiel berichtet, dass wir da z.B. gemeinsam deutlich machen: Jeder Euro, der in die Aufrüstung fließt, das ist ein Euro, der an anderer Stelle bei Sozialem, Gesundheit, Bildung usw. im öffentlichen Dienst fehlt. Wir machen dabei auch deutlich, dass damit der Lohndruck noch weiter erhöht wird, weil damit unsere Situation auch in diesen Bereichen noch verschlechtert wird.

Zu den Schulstreiks möchte ich noch ein kurzes Beispiel aus Friedberg [in Hessen] nennen. In Friedberg ist es von einem Schüler ausgehend gelungen, über die Schülervertretung eine Umfrage zu machen. Im Ergebnis haben sich dabei 84,6 % der Schülerinnen und Schüler gegen die Wehrpflicht ausgesprochen. Es ist dort gelungen, einen Schulstreik zu beschließen, obwohl es nur ein einzelner Schüler war, der das initiiert hat. Zudem wurde beim Tag der offenen Tür eine Lostrommel gemacht, ähnlich zu dem anvisierten Losverfahren, wer zum Bund kommen soll. Wer kommt denn zum Bund? Wer muss denn im Zweifelsfall in den Krieg ziehen?

Und die Schülervertretung versucht bereits, die Schule für bundeswehrfrei zu erklären. Wir als SDAJ sehen unsere Rolle darin, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Selbstorganisation zu unterstützen, sie zu unterstützen, diese Schulstreiks zu organisieren und dort aktiv zu werden, wie zum Beispiel in Friedberg, Göttingen, Bielefeld, Münster und vielen anderen Städten. Das zeigt, dass das Thema ankommt, denn viele Jugendliche haben eben keinen Bock, sechs Monate ihres Lebens oder im Zweifelsfall ihr Leben zu geben. Und das ist eine Chance, die wir auch als Friedensbewegung nutzen müssen. Und ich halte auch die gemeinsame Aktivität wie z.B. bei den Schulstreiks für ganz zentral, weil ich da total viel lernen kann. Ich bin nicht alleine mit meiner Haltung zur Wehrpflicht, sondern 85 % meiner Schule sehen das genauso. Die sind auch alle dagegen. Ich kann lernen, ich muss das nicht hinnehmen. Ich kann mich dagegen wehren. Ich kann auf die Straße gehen, dagegen mit anderen gemeinsam. Ich kann dafür gegen Regeln verstoßen.

Denn was ist ein Schule schwänzen im Vergleich zu sechs Monaten Kriegsdienst oder im Zweifelsfall im Vergleich dazu im Sarg zu legen? Und da spüren wir unsere gemeinsame Kraft, wenn wir uns zusammentun. Frieden wird erkämpft. Frieden erreichen wir nicht, indem wir ein Kreuz auf dem Wahlzettel machen und für eine andere Regierung und für eine andere Regierung nur einsetzen, sondern es gibt eine einzige Kraft, die den Frieden erreichen kann. Es gibt eine Kraft, die sich gegen Wehrpflicht, Aufrüstung, Herrschende und ihre Kriegsvorbereitung erfolgreich wehren kann. Das ist die Mehrheit der Bevölkerung. Wenn wir uns dieser Kraft bewusst werden, wenn wir geschlossen handeln, dann können wir es schaffen, die Wehrpflicht zu verhindern, die Aufrüstung zu stoppen und für Frieden einzusetzen, für den Frieden zu erkämpfen und diese die Gesellschaft, die das alles hervorbringt, aus den Angeln zu heben. Und deshalb möchte ich uns alle hier aufrufen, am 5.12. auf die Straße zu gehen, die Schülerinnen und Schüler, die Jugendlichen zu unterstützen, das zum starken Aktionstag gegen die Wehrpflicht zu machen und eine breite Bewegung gegen die Wehrpflicht aufzubauen.
 

Militarisierung durch Wehrpflicht und Lehren aus der Geschichte

 
Julian: Tom, was sollten wir aus deiner Perspektive und aus der Perspektive der Linksjugend Solid jetzt machen, um diese Wehrpflicht zu verhindern?

Tom (Linksjugend Solid): Es lohnt sich, noch mal Tucholsky zu lesen. Deswegen jetzt ein Zitat zur Wehrpflicht 1924 von Kurt Tucholsky. Es bezieht sich auf das Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg und die Wehrpflicht im Kaiserreich. „Die alte Wehrpflicht hat diesen infamen Krieg mitverschuldet. Der Kadavergehorsam des deutschen Militarismus ist ein Pestherd gewesen, eine bunte, verlogene Sache, nach außen eine schmutzige, rohe und völlig wertlose nach innen. Die Produkte dieser militärischen Erziehung waren schlechte Karikaturen der Lehrer. Und da die schon eine Karikatur waren, kann man sich vorstellen, wie das aussah, was da herauskam. Männer, die allen Ernstes glaubten, eine Meldung, eine Dienstvorschrift stehe über dem Leben und könne eine Welt meistern. Die Niederlage, die Unbeteiligte haben mit büßen müssen, hat ihnen gezeigt, was es damit auf sich hat. Die alte Wehrpflicht hat das gesamte kulturelle Leben in Deutschland verdorben. Und wenn heute die republikanischen Parteien den Mut nicht aufbringen, das zu sagen, so liegt das wohl daran, dass sie es in ihren großen Masse bis heute noch nicht begriffen haben.“

Das ist jetzt aus zwei Gründen relevant. Erstens sollte man verstehen, dass die Wehrpflicht eine Auseinandersetzung ist, die nicht nur die Jugend etwas angeht, sondern weil wir alle kriegstüchtig gemacht werden sollen. Das ist auch verbunden mit der Ideologie, dass man nur aus Gewissensgründen verweigern könne, also nicht aus politischer oder philosophisch begründeter Rationalität, sondern nur aus vermeintlich schwachen Gewissensgründen. Gegen diese Hegemonie müssen wir kämpfen. Um das noch mal historisch einzuordnen: Die Wehrpflicht gab es im Kaiserreich, es gab sie im Faschismus und es gab sie in der Bundesrepublik, als gegen die Konsequenzen aus der Befreiung vom Faschismus aufgerüstet werden sollte gegen die Sowjetunion.

Das ist auch der Kontext, in dem man begreifen muss, welche Bedeutung eine Wehrpflicht für die Militarisierung einer gesamten Gesellschaft hat. In Hamburg machen wir bereits Kundgebungen gegen die Wehrpflicht in einem Bündnis. Was geht von uns, der SDAJ bis zum Landesjugendring, wo z.B. auch die Pfadfinder vertreten sind. Das finde ich extrem gut. Es macht dabei besonders Spaß macht, dass wir als Teil dieses Protestes eben auch Theater und Satire gegen den militaristischen Ungeist spielerisch hervorbringen und zur Geltung bringen. Eben dafür, dass wir an die Stärke der Unterdrücker nicht mehr glauben, sondern uns unserer Macht bewusst werden.
 

Diskussionsthema von Kindern bis zu Großeltern

 
Julian: Wir geben die gleiche Frage nochmal an die Falken weiter.

Gretha (Die Falken): Ich würde mich dem auf jeden Fall anschließen. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, noch mal den 5.12. als großen Aktionstag zu nehmen, wo sich dann die lokalen Proteste noch einmal zu vereinen und da auch eine große, kräftige Demo auf die Straße gebracht wird. Und gleichzeitig glaube ich, dass wir uns nicht daran aufhalten sollten, dass wir derzeit zum Teil sehr wenige sind, die sich bis jetzt politisch gefunden haben. Viele aus unserem Verband haben sehr positive Erfahrungen gemacht, einfach kleine Aktionen zu machen. Zum Beispiel in Frankfurt gab es eine Demo nur mit zwei Kindergruppen von uns und danach kamen super viele Passantinnen auf uns zu und wollten uns dabei unterstützen. Also ich glaube, man sollte sich nicht davon abhalten lassen, dass man eine kleine Organisation ist, sondern gerade auch die Zeit vor dem 5.12. noch mal nutzen, um das Thema auf die Straße zu bringen, auch mit den kleinsten Aktionen.

Wir wollen, dass es nicht nur die Jugendlichen beschäftigt, sondern eben auch die Eltern und Großeltern dieser Jugendlichen. Dass sie sich ernsthaft Sorgen machen und sich informieren für ihre Kinder. Und ich glaube, da sehe ich auch eine Verbindung zu der älteren Friedensbewegung, dass man diese Menschen auch unbedingt organisieren muss und dass sie auch einen Ort finden, wo sie für ihre Kinder, für den Frieden und gegen die Wehrpflicht streiten können. Gleichzeitig glaube ich, dass die Wehrpflicht auch nur ein Schritt hin zur Militarisierung der Jugend ist. Unabhängig davon, ob wir diesen Kampf um die Wehrpflicht jetzt am 5.12. gewinnen, können uns auch davor und danach gegen eine Militarisierung der Jugend einsetzen und zwar durch Friedenspädagogik und Bildung in allen Bereichen. Sie muss stärker in den Schulen stattfinden, aber auch in Jugendverbänden außerschulischer Bildung. Ich glaube, das ist ganz wichtig, zusätzlich zu einer reflektierten Geschlechterarbeit und allgemeiner freiheitlicher Erziehung, die damit Hand in Hand gehen muss.
 

Von der Kriegsdienstverweigerung zur antimilitaristischen Aufklärung

 
Julian: Judith, was sagst du? Was müssen wir gegen die Wehrpflicht tun? Und< welche Schritte geht die DFG-VK? Judith (DFG-VK): Ich finde auf jeden Fall auch, dass eine große bundesweite Demo eine sehr gute Idee ist. Auch um zu zeigen, wie viele wir eigentlich sind, die gegen die Wehrpflicht sind. In Frankfurt planen wir auch eine Demo abends am 4. Dezember. Dann kann man am nächsten Tag nach Berlin fahren. Und ich möchte noch auf eine andere Demo hinweisen. Und zwar gibt es jedes Jahr in Hessen unsere Aktion „Friedlicher Hessentag“. Kommendes Jahr ist der offizielle Hessentag in Fulda und auch da ist die Bundeswehr wieder [mit einer großflächigen Ausstellung] präsent. Für unser Bündnis suchen wir auch dafür noch Mitstreiter*Innen. Neben Demos macht die DFG-VK auch Lobbyarbeit, hauptsächlich mit der SPD und den Jusos. Wir haben irgendwie noch die Hoffnung, dass man manche vielleicht noch überzeugen kann, dass sie gegen diesen neuen Wehrdienst stimmen oder argumentieren.

Ansonsten hat auch einer von uns von in der DFG-VK, ein Jurist, zusammen mit Greenpeace ein Gutachten gegen diesen neuen Wehrdienst erstellt. Daraus geht hervor, dass dieser sogar verfassungswidrig ist und nicht verfassungskonform. Also kann man auch juristische Wege versuchen. Bei mehreren Ortsgruppen der DFG-VK versuchen wir, die Kriegsdienstverweigerung mit politischer Arbeit zu verbinden. Das heißt, dass man neben der Beratung auch Themenabende anbieten kann zur Militarisierung. Ich denke, das ist nicht nur sinnvoll für die jungen Menschen, sondern für alle Eltern und Großeltern. Beispielsweise um das bereits hier mehrfach angesprochene Feindbild zu entkräften.

In Hessen arbeiten wir gerade mit der GEW zusammen für einen Flyer für Schulen, vor allem für die Lehrkräfte zum Thema Militarisierung geht. Wir wollen Schulen anbieten, dass wir Unterrichtseinheiten durchführen können, vor allem auch als Gegengewicht zur Bundeswehr, indem wir dem eine eigene Sicherheitspolitik entgegensetzen.

Die vielen älteren Menschen in der DFG-VK fragen sich: Wie können wir die jungen Menschen erreichen? Da brauchen wir Hilfe [wie bei dem Workshop zu Social Media anschließend am zweiten Tag des Ratschlages]. Wir als DFG-VK wollen auch eigene Jugendgruppen aufbauen und fragen uns, wie wir das umsetzen. Was mir sehr wichtig ist, ist die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, weil ich glaube, dass wir das nur zusammen schaffen können. Und es ist auch wichtig, über gewisse Unterschiede mal hinwegzusehen, wenn es darum geht, gegen diese Militarisierung anzugehen.
 

Schulstreik und zu erwartende Repression

 
Julian: Die nächste Frage geht wieder an Phil. Ihr wollt streiken, aber wo es Streiks gibt, da gibt es auch immer den Versuch, diese zu brechen und zu untergraben. Mit welchen Repressionen rechnet ihr bei den Schulstreiks und wie wollt ihr damit umgehen?

Phil (Schülertreff): Repression haben wir leider jetzt schon erfahren, z.B. bei einer E-Mail, die wir an die Schulen geschickt haben. Eine Schulleitung hat die Weiterleitung an die SV abgelehnt, weil das zu parteipolitisch wäre. Wir sehen auch, dass teilweise auch Lehrkräfte sich nicht so positiv gegenüber unserer antimilitaristischen Haltung äußern. Wir haben dabei auch Ängste bei Schülern erlebt, vor allem die Angst vor dem Streik. Was passiert da überhaupt? Was kann da passieren? Und dann vor allem auch die Angst vor Schulverweisen, die die Schulleitung ausstellen kann. Wir wollen dabei ansetzen, indem wir sagen: Diese Ängste sind sehr legitim. Aber man darf sich davon nicht abschrecken lassen, weil genau das das wäre, was die Herrschenden wollen Dass wir nicht streiken gehen, keinen Widerstand gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zeigen. Wir sagen auch: Einen Tag streiken ist nichts im Vergleich zu sechs Monaten Wehrdienst in einer Armee, wo Sexismus und Rassismus alltäglich ist.

Vor allem durch die Verbreiterung unser Bündnisse sind wir auch umso mehr vor Repressionen geschützt. In Kassel <, desto weniger können Schulleitungen und auch Lehrkräfte und vielleicht auch Eltern, die sagen Ich will mein Kind nicht rauslassen, uns was antun, weil dann ein Schulverweis meistens keine Wirkung mehr hat. Also in Kassel hatten wir bereits mal den Fall, dass bei einem Schulstreik auch viele Schülerinnen einen Schulverweis bekommen haben, der aber letztlich nichts mehr gezählt hat, weil fast alle einen hatten. Und so etwas erhoffen wir uns natürlich auch, dass wir so breit aufgestellt sind, damit Repressionen nur noch abprallen und uns nicht mehr Angst einjagen. Vor allem von innen als Schulstreikkomitees.  

Der Kampf um die Köpfe an Hochschulen

 
Julian: Mena, du hast vorhin gesagt, der Kampf gegen die Wehrpflicht ist ein Kampf gegen die Köpfe und um die Köpfe. Wie gelingt es da, diese Auseinandersetzung um die Hegemonie von der Hochschule aus zu führen? Was muss dafür entwickelt und diskutiert werden?

Mena (SDS): Ich würde als erstes dazu bekräftigen, dass wir gar nicht groß genug denken können, um diese Auseinandersetzung zu führen, da es eine gerade laufende gesellschaftliche Debatte ist. Es macht einen Unterschied, wie auch wir aus den Hochschulen darin eingreifen. Also wer dann als Experte irgendwo eingeladen wird. Und deswegen macht es einen großen Unterschied, was dann da gesagt wird, damit die Hochschulen tatsächlich engagiert für den Frieden eingreifen. Und ich bin sehr gespannt, wie wir mit unseren weiteren Aktivitäten die Auseinandersetzung auf eine nächste Stufe bringen. Dabei denke ich an eine marxistisch qualifizierte und humorvoll kämpferische Friedensbewegung, die in den Hochschulen verankert ist, aber eben auch überall sonst in der Gesellschaft. Dafür ist relevant, dass die Friedensbewegung gegen die ganzen Erzählungen, der Kapitalismus sei alternativlos und bleibe ewig, für wirklich bessere gesellschaftliche Verhältnisse streitet.
 

Überzeugungsarbeit bei Gewerkschaften und Belegschaften

 
Julian: Till, welche Rolle können die Gewerkschaften in den Bündnissen „Nein zur Wehrpflicht!“ spielen?

Till (ver.di-Jugend): Ich sehe unsere Aufgabe als Gewerkschaftsjugend in der Bewegung gegen die Wehrpflicht primär darin, eine Schnittstelle zu den Kämpfen der Arbeiter zu bilden und klar zu machen, dass der Kampf um Frieden und dabei besonders auch gegen die Wehrpflicht zu diesen Kämpfen dazugehören. Dabei tun sich die Gewerkschaften aktuell in der Fläche noch schwer, da sie sich aktuell in der Defensive befinden, wie heute bereits die Gewerkschafterin Ulrike gesagt hat. Die Kriegsvorbereitungen treffen die Belegschaften hart und wir als Gewerkschaft haben darauf bisher noch keine gemeinsame kämpferische Antwort. In Kiel war ver.di eine der wenigen bundesweit, die in den Tarifverhandlungen zum öffentlichen Dienst kämpferisch aufgetreten ist, eine hohe Dichte an Streiktagen hatte und die Kolleginnen und Kollegen sowohl in der Jugend als auch auf der Erwachsenenebene mit Erfolg gut eingebunden hat.

Wir haben als Jugend dabei nicht zurückgeschreckt, in unseren Reden zu betonen, dass die aktuellen Kürzungen eben aufgrund der Aufrüstung geschehen und dass ein konsequenter Kampf dagegen nur funktioniert, wenn wir ihn mit der Friedensbewegung gemeinsam führen. Das hat allerdings auch nicht immer jedem Gewerkschaftsmitglied und jedem Streikenden gefallen. Aber diese Auseinandersetzung müssen wir eben in den Gewerkschaften ausfechten und immer wieder neu diskutieren. Nur so überzeugen wir die Kolleginnen und Kollegen davon, dass der Kampf um Frieden auch ein Kampf um bessere Arbeitsbedingungen ist.

Teile der Gewerkschaften haben aber genau davor Angst, die aktuellen Arbeitskämpfe mit politischen Fragen zu verknüpfen. Sie fürchten eine öffentliche Diskreditierung, wie sie die Friedensbewegung seit dem Ukrainekrieg verschärft erfährt. Ich halte das für einen Fehler, da ein konsequenter Kampf gegen beispielsweise Kürzungen im öffentlichen Dienst nur geführt werden kann, wenn wir die Ursache der aktuellen Angriffe der Arbeitgeberseite klar benennen und darauf verweisen, dass das Ganze im Zusammenhang mit der Kriegstüchtigkeit und der gerade passierenden Militarisierung steht.

Nur so bieten wir unseren Kolleginnen und Kollegen kohärente Erklärungsmuster, um eben diese Angriffe einzuordnen und abzuwehren. Deswegen sind wir als ver.di Jugend im Bündnis „Nein zur Wehrpflicht!“ engagiert und versuchen dort vor allem auch eine betriebliche Perspektive mit einzubringen.

Das Ganze funktioniert natürlich auch in die andere Richtung, indem wir uns als Gewerkschafter und Arbeiter an der politischen Arbeit des Bündnisses beteiligen. Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, unsere Arbeit als Gewerkschaft zu politisieren, indem wir zum Beispiel an Blockaden teilnehmen. Dadurch machen viele Azubis und Jungarbeiter erste Erfahrungen mit politischen Auseinandersetzungen und lernen auch über eine Tarifbewegung hinaus in Kämpfe zu zu gehen, auch wenn man ihn vielleicht nicht im ersten Schritt gewinnt. Aber das genau legt einen Grundstein sowohl für kämpferische Gewerkschaftsarbeit, als auch für die Zusammenführung von Gewerkschafts- und Friedensbewegung, was ja unser großes Ziel ist.

Und dazu finde ich wirklich gut, was Ulrike heute im Workshop gesagt hat. Denn nicht nur die Gewerkschaften, nicht nur die Gewerkschaftsbewegung und die Friedensbewegung müssen zusammengeführt werden. Auch die Bewegung, auch die aktuell anstehenden Streiks der Schüler müssen von uns Gewerkschaftern verknüpft werden. Wir müssen auf die Schulen zugehen und die Schülerinnen und Schüler als Gewerkschafter in ihrem Kampf dagegen unterstützen. In einem großen Krieg verheizt zu werden, dafür müssen wir uns engagieren und nur so können wir diese Wehrpflicht auch tatsächlich verhindern. Wir sind, jeder alleine genommen, nicht stark und durchsetzungsfähig genug. Wir werden es nicht schaffen, dass jeder durch Kriegsdienstberatung dieser Wehrpflicht entgleiten kann. Aber wenn wir es schaffen, gemeinsam zu stehen und uns gemeinsam gegen diese Wehrpflicht zur Wehr zu setzen, sind wir Millionen Mal stärker als alles, was uns diese Regierung gerade entgegensetzen kann. Denn wenn wir uns zusammentun und organisieren, dann haben wir das politische Potenzial, die Wehrpflicht zu verhindern. Das ist die Lehre aus über 100 Jahren Gewerkschaftsbewegung, aus einer langen friedenspolitischen Tradition. Und genau das ist es, was wir jetzt fortführen müssen, um diese Wehrpflicht und damit vielleicht auch den nächsten großen Krieg, der jetzt vor der Tür steht, zu verhindern.

Julian: Ihr seht, die Jugend kämpft und wir haben Power. Und es wurde gesagt, wir brauchen noch mehr junge Leute, die sich der Militarisierung entgegenstellen und mit uns kämpfen. Aber wir brauchen auch die alten Eisen. Wir brauchen auch eure Erfahrung. Wir brauchen die Erfahrung aus jahrzehntelangem Kampf. Es ist ein gemeinsamer Kampf, vor dem wir stehen. Und wir werden und müssen der Militarisierung überall entgegentreten, wo sie uns entgegenkommt.

Schließen möchte ich diese Runde mit einem Zitat. Wir hatten ja schon ein paar, diesmal von Antonio Gramsci: „Bildet euch! Denn wir brauchen alle eure Klugheit. Bewegt euch, denn wir brauchen eure ganze Begeisterung. Organisiert euch! Denn wir brauchen eure ganze Kraft.“ Und damit raus zum 5.12. zum Aktionstag gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Und lasst uns weiter darüber diskutieren, wie wir die Wehrpflicht und wie wir diesen Krieg, den sie gerade planen, stoppen können.

Quelle: Bundesausschuss Friedensratschlag, Bericht vom 32. Ratschlag.

(Auszug von RSS-Feed)

Übersicht Schulstreiks am 5.12. nach Bundesländern

25. November 2025 um 14:35

Vorschau ansehen

Hier eine Übersicht über die Orte, an denen am 5. Dezember Schulstreikaktionen vorgesehen sind.

Weitere Informationen sind auf der folgenden Webseite veröffentlicht:
https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/

Rückfragen oder Kontaktwunsch zu den Organisatoren? Bitte über die folgende Mail-Adresse:

[email protected]

Hinweis für die folgende Übersicht (Stand 2.12.2025). Sofern weitere Infos für den Ort vorliegen, sind diese verlinkt. Erkennbar an der roten Farbe. Dann dort einfach drauf klicken! Ihr kommt damit auf den Instagram-Kanal der an dem Ort Schulstreikenden.
 


 

10 Uhr, Königsplatz

11 Uhr, Unterer Kirchplatz

12 Uhr, Leibnitzplatz

10:30 Uhr, Rathausplatz

16:30 Uhr, Neutor

9 Uhr, Schauspielhaus

11 Uhr, Poppelsdorfer Allee

 

11 Uhr, Karl-Marx-Monument

13:30 Uhr, Schillerpark

11:30 Uhr, Luisenplatz

12:30 Uhr, Hauptbahnhof

10:00 Uhr, Postplatz

DÜSSELDORF

11:30 Uhr, Luisenplatz

10:00 Uhr, Theaterplatz

11 Uhr, Huenottenplatz

10 Uhr, I. Dellbrügge – (Höhe Burggymnasium/ Teichstraße)

12 Uhr, Rathausplatz

12 Uhr, Willy-Brandt-Platz

10 Uhr, Platz der alten Synagoge

11:30 Uhr, Elvis-Presley-Platz

GLADBECK

10 Uhr, Rathaus

gütersloh

11 Uhr, vor dem Rathaus

15:30 Uhr, Riebeckplatz

10:00 Uhr, Hachmannplatz

10 Uhr, Freiheitsplatz

13:30 Uhr, Ernst-August-Platz

9:15 Uhr, Johannesbrunnen Halberstadt

11:45 Uhr, Zug nach Tübingen

12 Uhr, Friedrich-Ebert-Platz

HITZACKER (ELBE)

12 Uhr, Theaterplatz am ZOB

11 Uhr, Stadtzentrum

12 Uhr, Bundesverfassungsgericht

12 Uhr, Rathaus

12 Uhr, Hildegardplatz

10:30 Uhr, Exerzierplatz

10 Uhr, Hauptbahnhof

10 Uhr, Messeplatz

13 Uhr, Staatliche FOS

LEER

9 Uhr, Wilhelm-Leuschner-Platz

Lingen

9 Uhr, Holstentorplatz

11:30 Uhr, Akademiehof

12 Uhr, Clamartpark

10 Uhr, Domplatz

18 Uhr, Gutenbergplatz

12 Uhr, Giesinger Bahnhof

10 Uhr, Stubengasse

13 Uhr, Carmer-Klett-Park

11:30 Uhr, Martin-Luther-Platz

10 Uhr, Bahnhof Pirna

10 Uhr, Alter Markt

11 Uhr, Am Rosengarten

11:30 Uhr, Gymnasium Schwertstraße

11:30 Uhr, Schillerplatz

12 Uhr, Porta Nigra

12 Uhr, Uhlanddenkmal

12 Uhr, Am Bauhaus-Museum

9 Uhr, Am Dernschen Gelände

WILHELMSHAVEN
Baden-Württemberg:
  1. Tübingen: Demo, Uhlanddenkmal/Uhlandstraße, 12:00, @schulstreikgegenwehrpflicht_tu
  2. Reutlingen: Kundgebung, Ort und Uhrzeit noch unklar, @schulstreikegegenwehrpflicht_rt
  3. Hechingen: Fährt zum Schulstreik nach Tübingen, 11.45 Treffpunkt für Zug nach Tübingen, https://chat.whatsapp.com/JZGq7JZxk50DcIR4clfqwb
  4. Stuttgart: 11:30, Schillerplatz, @schulstreikgegenwehrpflicht_st
  5. Karlsruhe: Kundgebung, 12:00, Bundesverfassungsgericht, @schulstreikgegenwehrpflicht_ka
  6. Heidelberg: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.hd
  7. Freiburg: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_fr
  8. Heilbronn: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_hn
  9. Weinheim: tbd, @schulstreikgegenwehrpflichtwh
  10. Ludwigsburg: Schulstreik mit Kundgebung, 11:30, Akademiehof, @schulstreikgegenwehrpflicht_lb

Bayern:

  1. München, 12:00, Giesinger Bahnhof, @neinzurwehrpflicht_munchen, [email protected]
  2. Landshut, 13:00 Uhr, staatliche FOS
  3. Kempten, 12:00 Uhr, Hildegardplatz, @kempten_gegen_wehrpflicht
  4. Augsburg, Demo, 10:00 Uhr, Königsplatz, @schulstreikaugsburg
  5. Nürnberg, Demo, 13:00 Uhr, Cramer-Klett-Park, https://chat.whatsapp.com/HHTIVro9iqdDqcqm8HTOo2?mode=hqrt1, @schulstreikgegenwehrpflichtnbg
  6. Erlangen, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.er
  7. Lindau, tbd, @Schulstreikgegenwehrpflicht_li

Berlin:

  1. Berlin,12:00, Hallesches Tor, https://www.instagram.com/streikgegenwehrpflicht.ber?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==

Brandenburg:

  1. Potsdam, 10:00, Alter Markt, @potsdamgegenwehrpflicht
  2. Cottbus, 13:30, Stadthallenvorplatz, https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht.cb?igsh=aTA5cWFyNnM3ZmNr&utm_source=qr

Bremen:

  1. Bremen, Demo, 12:00, Leibnizplatz, https://bremerfriedensforum.de/events/event/schul-und-unistreik-gegen-wehrpflicht/  

Hamburg:

  1. Hamburg, Demo, 10:00 (Start der Demo: 12:00), Hachmannplatz, https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht_hh?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==  

Hessen:

  1. Kassel, 12:00, Rathaus, @schulstreik_kassel
  2. Darmstadt, 11:30, Luisenplatz, https://www.instagram.com/schule.gegenkrieg_da?igsh=MXN1cGpvaDlidzB6cg==
  3. Friedberg, 11:30, Elvis-Presley-Platz, Insta: @streikgegenwehrpflichtwetterau
  4. Frankfurt, 12:00, Willy-Brandt-Platz
  5. Hanau, tbd
  6. Untertaunus, tbd

Mecklenburg-Vorpommern:

  1. Rostock, 11:00, Am Rosengarten, @schulpflichtgegenwehrpflichthro

Niedersachsen:

  1. Hannover, 13:30, Ernst-August-Platz, @neinzurwehrpflicht_hnvr
  2. Braunschweig, 12:00, Ort tbd, @schulstreik_braunschweig
  3. Göttingen, Kundgebung und Zubringerdemos, 12:00 (Zubringer 10:00-11:00), https://www.instagram.com/schulisgegenwehrpflicht.goe?igsh=dHk5cWwyaW1sa2Fj
  4. Wilhelmshaven, tbd
  5. Osterode am Harz, Kundgebung: 11:30, Martin-Luther-platz, @gegen.wehrpflicht.osterode

Nordrhein-Westfalen:

  1. Bonn, 11:00, Poppelsdorfer Allee, @schulstreik_bonn
  2. Eitorf, tbd, @eitorfgegenwehrpflicht,
  3. Köln, Demo, tbd, [email protected] Instagram: @schulstreik_koeln @nzw.koeln
  4. Solingen, Demo, 11:30, Gymnasium Schwertstraße, https://chat.whatsapp.com/KIrcLNBCPbgAf1BOTV5Vtr
  5. Dortmund, Demo, 12:00, tbd, @nzw_dortmund
  6. Essen, Demo, 10:00, I. Dellbrügge ( Höhe Burggymnasium/ Teichstraße), @schulstreik_essen
  7. Bochum Demo, 9:00, Schauspielhaus, @freistunde_bochum für Schüler @egw_bochum für Eltern
  8. Münster, Demo, 10:00, Stubengasse, @zukunftsmacher_muenster; @nzw_muenster
  9. Bielefeld, Demo, 10:30, Rathausplatz, @neinzurwehrpflicht.bielefeld

Rheinland-Pfalz:

  1. Trier, 12:00, Porta Nigra, @schulstreik_trier
  2. Mainz, 18:00, Gutenbergplatz,@mainzgegenwehrpflicht
  3. Koblenz, 10:00, Hauptbahnhof, @schulstreikgegenwehrpflicht_ko
  4. Ludwigshafen, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_lu
  5. Landau, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.ld

Saarland:

  1. Saarbrücken, Demo, 14:00, tbd, @schulstreikgegenwehrpflichtsrb

Sachsen:

  1. Dresden, Kundgebung, 10:00, Postplatz, @schulstreikgegenwehrpflicht.dd
  2. Chemnitz, Demo, 11:00, Karl-Marx-Monument, @schulstreikgegenwehrpflichtcmz
  3. Leipzig, 9:00, Wilhelm-Leuschner-Platz, @schulstreikgegenwehrpflicht_le
  4. Döbeln, 12:30, Hauptbahnhof

Sachsen-Anhalt:

  1. Harz, Kundgebung, 9:15, Johannesbrunnen Halberstadt, @schulstreik_harz
  2. Magdeburg, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.md
  3. Dessau, tbd, @schulstreik_dessau
  4. Pirna, tbd, @schulstreik_pirna

Schleswig-Holstein:

  1. Kiel, 10:30, Exerzierplatz + Zubringerdemo von Waldorfschule, @neinzurwehrpflichtkiel
  2. Flensburg, 12:00, Rathausplatz, @neinzurwehrpflicht_fl
  3. Itzehoe, 12:00, Theaterplatz am ZOB, schulstreikgegenwehrpflicht_iz, [email protected]
  4. Lübeck, 9:00, Holstentorplatz, @ schulstreikgegenwehrpflicht_hl

Thüringen:

  1. Gotha, tbd, @schulstreik_gotha
  2. Erfurt, Kundgebung, tbd, Anger, @schulstreik_erfurt
  3. Weimar, Demo, 12:00, Am Bauhaus-Museum, @schulstreik_weimar
  4. Jena, tbd, @schulstreik_jena

Darüber hinaus Kundgebungen und Demonstrationen am Nachmittag:
 

  • Leipzig, 17:00, Wilhelm-Leuschner-Platz
  • München, 4.12. (!), 18:00, Rosenheimerplatz
  • Frankfurt, 18:00, Bockenheimer Warte
  • Berlin, 16:00, Oranienplatz
  • Köln, 6.12. (!)
(Auszug von RSS-Feed)

US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen

23. November 2025 um 15:12

Vorschau ansehen

Stellungnahme / Presseerklärung

 

Warnung an die Regierungschefs von Deutschland, England und Frankreich

 

US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen
Bundeskanzler Merz muss seine Blockadehaltung aufgeben

 

Die Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“, die in den letzten 3 Jahren die Großdemonstrationen der deutschen Friedensbewegung gegen den Krieg in der Ukraine organisiert hat, begrüßt den „28-Punkte-Plan“ zu seiner Beendigung. Sie hat sich auf ihrer Klausurtagung intensiv damit beschäftigt und sieht darin eine Grund­lage, den blutigen Krieg und die anhaltenden Zerstörungen schnell zu beenden sowie den Plan für weitere Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den europäischen Staaten für eine neue Sicherheitsordnung zu nutzen. Die Blockadehaltung von Bundeskanzler Friedrich Merz ist kurzsichtig und perspektivlos. Sie reiht sich ein in das bittere Versagen Deutschlands und der EU. Unser Land muss friedensfähig sein und darf nicht kriegstüchtig werden.

Auch wenn der Plan für die Ukraine mit harten Bedingungen verbunden ist, überwiegt die Aussicht auf ein Ende des Krieges und Frieden in Europa alle Einwände. Der Plan bietet weitreichende Chancen auf ein Ende der seit Jahrzehnten wachsenden Konfrontation auf unserem Kontinent. Er knüpft damit an die Charta von Paris für ein neues Europa von 1990 an, die auf eine gesamteuropäische Sicherheitsordnung und Abrüstung zielt.

Wir fordern von der Bundesregierung, sich für eine Umsetzung des Friedensplans aktiv einzusetzen und auf die ukrainische Regierung einzuwirken, auf Grundlage dieses Plans Verhandlungen aufzunehmen.

Die deutsche Friedensbewegung betrachtet insbesondere Punkt 2 des Plans für die Zukunft Europas als richtungsweisend: „Zwischen Russland, der Ukraine und Europa wird ein umfassendes Nichtangriffsabkom­men geschlossen. Alle Streitpunkte der letzten 30 Jahre gelten damit als geklärt.“ Nach unserer Überzeu­gung bedeutet die Ausarbeitung dieses Punktes, eine neue stabile gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur unter Einschluss Russlands und der Ukraine zu schaffen, die einen dauerhaften Frieden gewährleistet.

Wir fordern von der Bundesregierung, die Chance nicht zu verspielen. Wer diesen Friedensplan torpediert, verkennt die Realitäten und verlängert den Krieg. Es vergrößert das Leiden der ukraini­schen Menschen und schafft für die Ukraine noch schlechtere Bedingungen für einen späteren Friedensschluss. Und es steigert die Gefahr einer Ausweitung des Krieges auf ganz Europa.

Eine stabile europäische Sicherheitsarchitektur bedeutet, militärische Angriffsfähigkeiten auf allen Seiten auszuschließen. Die für den kommenden Sommer geplante Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenwaffen in Deutschland, die als Erstschlags- und Enthauptungsschlagwaffen konzipiert sind und wie Magneten für russische Präventivangriffe auf Deutschland wirken, darf nicht stattfinden. Sie sind nicht nur in hohem Maße destabilisierend, ihre Stationierung würde zudem eine massive Reaktion russischer militärischer Gegenmaßnahmen auslösen.  

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Stationierungszusage zurückzuziehen, denn sie macht Europa nicht sicherer, sondern unsicherer. Wir fordern sie generell auf, die Aufrüstungspläne zu stoppen und den inneren Frieden in unserem Land zu bewahren.

Eine europäische Sicherheitsarchitektur schließt ein Absenken der Militär­potentiale vom Atlantik bis zum Ural auf möglichst niedrige Obergrenzen ein. Das massive Übergewicht westlicher konventioneller Waffen muss abgebaut werden, taktische Atomwaffen in Europa gehören abgeschafft. Auf beiden Seiten der Grenzen zwischen NATO und Russland sind ausgedünnte Zonen militärischer Rüstung notwendig, die gegenseitig strikt kontrolliert werden, um bei Truppenverschiebungen zu verhindern, dass gegenseitig neue Verunsicherung entsteht.

Bei konventioneller und atomarer Abrüstung innerhalb der europäischen NATO-Staaten und der EU braucht es keine Militärausgaben von 5 Prozent am Anteil der nationalen Wirtschaftsleistung, die zu Schulden in Billionenhöhe in Deutschland und den Partnerländern Europas führen würden. Nur Abrüstung schafft vielmehr Raum für dringende Ausgaben im Sozialen, der Bildung, im Gesundheitswesen und der Infrastruktur. Für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, die von der Jugend mehrheitlich als Zwangsdienst abgelehnt wird, gibt es keinen Grund.

Wir unterstützen die Aktivitäten am bundesweiten Aktionstag „Nein zur Wehrpflicht“ mit Schulstreiks und Demonstrationen am 5. Dezember und fordern die Bevölkerung auf, den „Berliner Appell“ zu unterzeichnen, der ein Nein zur Stationierung der Mittelstreckenwaffen fordert.

Berlin, 23.11.2025

Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“

Yusuf As, Wiebke Diehl, Ulrike Eifler, Andreas Grünwald, Rita Heinrich, Lühr Henken, Andrea Hornung, Jutta Kausch-Henken, Ralf Krämer, Michael Müller, Christof Ostheimer, Peter Wahl
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Aktuelles Material zum Schulstreik am 5.12.2025

20. November 2025 um 10:55

Vorschau ansehen

Um aktuelles Material zu sichten
und herunterzuladen, klicke bitte auf das Bild!

 

Wir sagen NEIN zur Wehrpflicht! NEIN zu allen Zwangsdiensten!

 
Erste Hinweise wo welche Aktionen stattfinden, sind hier zu finden:

https://nie-wieder-krieg.org/2025/11/25/uebersicht-schulstreiks-am-5-12-nach-bundeslaendern/.

Die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden. Zunächst als „freiwilliger Wehrdienst“, doch schon jetzt steht fest: Wenn sich nicht genug von uns melden, soll erst das Los entscheiden und dann kommt die Pflicht für alle. Es heißt, wir sollen für Deutschland Krieg führen können.
 

Doch was ist eigentlich mit unserem Recht in Frieden zu leben

 
und selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben führen wollen? Was ist mit Artikel 4 Absatz 3 der Grundgesetzes, nach welchem niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden darf? Wir wollen nicht ein halbes Jahr unseres Lebens in Kasernen eingesperrt sein, zu Drill und Gehorsam erzogen werden und töten lernen. Krieg ist keine Zukunftsperspektive und zerstört unsere Lebensgrundlage.
 

Deshalb gehen wir am 05.12.
nicht zur Schule!

 
Wir streiken gegen die Wehrpflicht & alle Zwangsdienste!
 

Gegen die Wehrpflicht.
Aber Warum?

 
Egal ob Nachrichten oder Talkshows – fast alle reden & diskutieren darüber. Politiker_innen, die Bundeswehr oder irgendwelche Moderator_innen argumentieren, wie wir die Wehrpflicht wieder einführen sollten.
 

Aber niemand redet mit uns.
Niemand fragt uns, was wir wollen.
Niemand will wissen was wir dazu denken.

 
Dabei sind wir die Betroffen! Es sind unsere Leben, über die sie diskutieren und bestimmen wollen! Deswegen zwingen wir sie uns zuzuhören, warum wir gegen die Wehrpflicht sind!
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Newsletter 13/2025 – Friedensratschlag – Schülerstreik – Webinare

15. November 2025 um 23:30

Vorschau ansehen

Am 16. und 17. November wird unser Newsletter 13/2025 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf Berichten vom Kassler Friedensratschlag, der mit rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 8. und 9. November stattfand. Wir informieren über dessen Verlauf und dokumentieren einige Inputbeiträge aus den diversen Workshops des Ratschlags.

Außerdem laden wir euch zu zwei Webinaren ein. Das erste trägt den Titel „Will China die Weltherrschaft?“. Es findet gemeinsam mit dem China-Experte Prof. Michael Brie am 3. Dezember statt. Ein weiteres Webinar ist für den 18. Dezember vorgesehen. In diesem geht es dann erneut um unsere Solidarität mit den Palästinensern, insbesondere mit den Menschen im Gaza-Streifen.

Außerdem rufen wir zur Unterstützung der Schülerstreiks in etlichen Städten am 5. Dezember auf, die sich gegen die neue Wehrpflicht richten.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 13/2025 im Mailverkehr

Hier findest Du ihn im PDF-Format:

Newsletter 13/2025 im PDF-Format
 
 

 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Webinar 18.12.2025: Ist der Völkermord in Gaza beendet?

15. November 2025 um 03:22

Vorschau ansehen

Es wird behauptet, der Völkermord in Gaza sei beendet. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt, es gebe keinen Grund mehr, für die Palästinenser auf die Straße zu gehen.

Dass der Vernichtungsfeldzug trotz des „großartigen Friedensplans“ von US-Präsident Donald Trump andauert und Israel zugleich den Libanon bombardiert, den Jemen angreift, dem Irak und dem Iran droht und seine Besatzung in Syrien verfestigt, wird in unseren Medien und der bundesdeutschen Politik geflissentlich verschwiegen. Auch die fatale Situation im völlig zerstörten Gazastreifen, den aufgrund der israelischen Blockadepolitik immer noch viel zu wenige Hilfslieferungen erreichen und dessen Anbauflächen größtenteils nicht mehr nutzbar sind, spielt kaum noch eine Rolle.

Wir aber schweigen nicht!

Am 18. Dezember (Beginn 19 Uhr) wollen wir uns zur Situation in Westasien, dem so genannten Nahen und Mittleren Osten, mit speziellem Fokus auf der Situation in Palästina austauschen.

Nach einem Input der Islamwissenschaftlerin und Journalistin Wiebke Diehl, Mitglied der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘, wollen wir auch diskutieren, wie wir die palästinensische Protestbewegung weiter unterstützen können.

Um an der Veranstaltung teilzunehmen, müsst ihr euch anmelden:

https://us06web.zoom.us/meeting/register/_YYNntwyTiWNItORr-vkIQ

Unmittelbar nach der Anmeldung wird euch ein individueller Zugangslink zugestellt, über den ihr euch am 18. Dezember kurz vor 19 Uhr dann in die Veranstaltung einwählen könnt.
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

Bundesweiter Aktionstag gegen die Wehrpflicht am 5. Dezember

14. November 2025 um 22:27

Vorschau ansehen

Schulstreiks und Demonstrationen in ganz Deutschland

 
Aktualisierung: Hier findet ihr inzwischen noch genaueres und umfassenderes Material:
 

Aktuelleres Material zum Schulstreik – Klick hier!


 
Schulstreiks gegen die WehrpflichtAm 5. Dezember rufen bundesweit Jugendbündnisse zu Kundgebungen und Demonstrationen und Schülerinnen und Schüler zu Schulstreiks gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht auf. In vielen Städten werden sie dabei von lokalen Nein-zur-Wehrpflicht-Bündnissen, Gewerkschaften und Friedensinitiativen unterstützt.

In zahlreichen Orten – darunter neben vielen anderen Berlin, Bochum, Dortmund, Bielefeld, Essen, Göttingen, Hannover, Kassel, Köln, Münster, München, Potsdam und Trier – laufen bereits konkrete Vorbereitungen für Schulstreiks. Zusätzlich entstehen in vielen weiteren Städten Protestzüge, Kundgebungen und kreative Aktionen.

Aktuelle Infos zu den Aktionen am 5. Dezember findet ihr hier:

Wir laden dazu ein, die streikenden Schülerinnen und Schüler sowie die Kundgebungen und Demonstrationen zu unterstützen, Materialien zu teilen und gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften, Gewerkschaften und lokalen Initiativen Rückhalt für den Protest aufzubauen.

(Auszug von RSS-Feed)

Will China die Weltherrschaft?

14. November 2025 um 21:30

Vorschau ansehen


Die Außenpolitik der Volksrepublik China
 
Webinar
Mittwoch, 3. Dezember, 19:00 Uhr


 

 
Hinweis Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden. Einen Filmbericht findet ihr hier:

Filmbericht von der Veranstaltung am 3.12.2025
 


 
Die USA sehen ihren Anspruch auf globale Führung durch den Aufstieg Chinas bedroht. Seit Obamas Präsidentschaft wurde das Land zum Hauptgegner erklärt und mit Sanktionen bekämpft. Die EU schwimmt folgsam in Washingtons Kielwasser und bezeichnet China als „systemischen Rivalen“. Und der deutsche Außenminister Wadephul behauptet, Peking versuche das Völkerrecht und die internationale Ordnung umzuschreiben „um eigene he-gemoniale Bestrebungen zu rechtfertigen“.

Tatsächlich ist der Aufstieg Chinas das spektakulärste Beispiel dafür, dass nach 500 Jahren Kolonialismus und Imperialismus die weltweite Dominanz Europas und seines nordamerikanischen Ablegers zu Ende geht. Wie geht China damit um? Was sind die Interessen und Leitlinien seiner Außenpolitik? Will Peking wirklich die Stelle der USA einnehmen?

Diese und ähnliche Fragen sind Thema des Webinars.

Referent: Prof. Michael Brie

Prof. Brie ist Sozialphilosoph und China-Kenner. Bis 2023 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Moderation: Peter Wahl

Um an der Veranstaltung teilzunehmen, müssen Sie sich registrieren. Unmittelbar danach wird Ihnen ein individueller Zugangslink zugestellt, mit dem Sie sich am 3. Dezember kurz vor 19 Uhr in die Veranstaltung einwählen können.

Registrationslink:
https://us06web.zoom.us/meeting/register/qjr8HEhmQD64iBKgcu2OfQ
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

32. Friedensratschlag: es bewegt sich was …

14. November 2025 um 21:05

Vorschau ansehen

Die Wiedergabe der Inhalte des Friedensratschlages kann sich in folgendem Bericht nur auf Wesentliches aus fünf Plenarvorträgen und zwei Podiumsrunden beschränken. Eine Dokumentation, die auch die 16 Workshops einbezieht, wird sich demnächst auf der Webseite Friedensratschlag befinden.

Dokumentieren können wir euch auf unserer eigenen Webseite bereits folgende Dokumente:

Auftakt Friedensratschlag 2025 – Jutta Kausch-Henken
Abschlusserklärung des Friedensratschlags 2025 in Kassel

Redemanuskript von Lühr Henken im Workshop Deutsche Hochrüstung und US-Raketenstationierung
Redemanuskript von Wiebke Diehl und Joachim Guilliard: Wirtschaftssanktionen und internationale Solidarität
Redemanuskript von Ralf Krämer zum Thema Hochrüstung, Finanzprobleme und Sozialabbau
Redemanuskript Andrea Hornung zum Thema Eigendynamiken der Aktivitäten von Jüngeren unterstützen

Ebenfalls haben wir euch hier die beiden Eröffnungsbeiträge von Ingar Solty und von Michael von der Schulenburg verlinkt.
 


 
Der nachfolgende Bericht wurde von Lühr Henken* verfasst.
 

Bericht vom 32. Friedensratschlag am 8. und 9. November in Kassel

 
FriedensratschlagDer 32. bundesweite Friedensratschlag im Kasseler Philipp-Scheidemann-Haus brachte am 8. und 9. November 2025 rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen- ein Rekordwert. Wie Jutta Kausch-Henken vom Mitveranstalter Bundesausschuss Friedensratschlag erfreut hervorhob, sei  etwa ein Viertel der Teilnehmenden zum ersten Mal dabei. Das jugendliche Element nahm tatsächlich einen spürbar größeren Raum ein als zuvor.

Ingar Solty, Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, deklinierte durch, dass Hochrüstung nicht als Gegenmittel zur De-Industrialisierung Deutschlands tauge. Gründe dafür seien, dass vom deutschen Geldsegen vor allem die US-amerikanischen Rüstungskonzerne profitierten und Rüstungsausgaben tote Konsumtion sei. Ausgaben für Bildung und Gesundheitswesen dagegen erzeugten Multiplikatoreffekte und es sei historisch bewiesen, dass Rüstung zur Verarmung der Werktätigen führe. Letztlich sei Hochrüstung ein Treiber der De-Industrialisierung.

Der Abgeordnete im EU-Parlament, Michael von der Schulenburg, früherer Assistent Secretary des UN-Generalsekretärs und Jahrzehnte lang in zahlreichen Kriegsgebieten unterwegs, beklagte in seiner blumigen Tour d`Horizon den Realitätsverlust der europäischen Politik. Schließlich werde die Bevölkerung der EU im Jahr 2050 lediglich 4,5 Prozent der Weltbevölkerung stellen – soviel wie etwa Nigeria – und für nur 9 Prozent des weltweiten BIP stehen. „Wir sind kleiner als wir denken“, sagte Schulenburg. Ebenso zeige sich das Missverhältnis in den Militärausgaben: Die NATO tätige 55 Prozent aller Militärausgaben, die Bürger der NATO-Staaten bildeten jedoch nur 8 Prozent der Weltbevölkerung. „Wie erklären wir das den übrigen 92 Prozent?“ fragte er. Bedauernswert sei auch, dass mehr als 60 Prozent in Deutschland glaubten, dass Russland an das Brandenburger Tor wolle. „Es ist völlig ausgeschlossen, dass das passiert,“ so seine Überzeugung.

Die aus Jerusalem per Zoom zugeschaltete emeritierte Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Birzeit, Helga Baumgarten, prangerte den seit 1948 verübten zionistischen Siedlerkolonialismus der israelischen Regierungen an, der zum Ziel habe, alle Palästinenser loszuwerden. Wir hätten zuletzt 24/7 im Livestream den Völkermord anschauen können, der jeden palästinensischen Widerstand zerschlagen solle. Der Völkermord werde auch nach dem 10.10., dem Beginn des Waffenstillstands, fortgesetzt. Baumgarten referierte das Urteil des am 26.10. beendeten Gaza-Tribunals in Istanbul unter der Leitung des US-Amerikaners Prof. Richard Falk, ehemaliger UN-Berichterstatter über die palästinensischen Menschenrechte. Das Tribunal habe Verbrechen der israelischen Regierung dokumentiert: Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung u.a. durch systematisches Aushungern und die Zerstörung des gesamten Nahrungs- und Versorgungssystems, systematische Zerstörung der Wohnung (Domizid), der Umwelt (Ökozid), des Gesundheitswesens, des politischen Gemeinwesens (Politizid), aller Hochschulen und die Ermordung tausender Studierender (Scholastizid). Alle westlichen Regierungen wurden wegen Mittäterschaft angeklagt, Deutschland vor allem wegen der Waffenlieferungen. Das Tribunal fordert die Suspendierung der Mitgliedschaft Israels aus allen internationalen Organisation, somit auch aus der UNO.

Ulrike Eifler, im Parteivorstand der Partei Die Linke und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Betrieb und Gewerkschaft ihrer Partei, plädierte leidenschaftlich dafür, die soziale Frage mit der Friedensfrage zu verbinden. Denn durch den Hochrüstungskurs seien Grundfeste des Sozialstaats in Gefahr: es drohten der Verlust des Achtstundentag und die Rückkehr zur 70-Stunden-Arbeitswoche. Sie appellierte an den klassenkämpferischen Geist in den Gewerkschaften und erinnerte an dessen historische Erfolge. Sie warnte davor, dass die Aussagen Pistorius’, dass der Öffentliche Dienst kürzer treten müsse, um die Hochrüstung zu finanzieren, realisiert werden könnten. Eifler wies anhand zahlreicher Beispiele auf innergewerkschaftliche Diskussionen und Entscheide hin, die sich dem Thema Krieg und Frieden widmeten. Das stimme sie optimistisch: „es bewegt sich etwas in den Gewerkschaften“, war ihr Fazit.

Dem Jugendpanel mit Vertreter*innen von der SDAJ, aus Linksjugend[`solid], DFG/VK, Ver.di Jugend, Die Falken, den Offenen Schülertreffen Münster und dem SDS ging es um das „Nein zur Wehrpflicht“. Andrea Hornung (SDAJ-Bundesvorsitzende) machte deutlich, dass die drohende Wehrpflicht der Vorbereitung eines großen Krieges diene, für den es keine Begründung gebe, denn die angebliche Bedrohung durch Russland gehöre als Lüge entlarvt. Die Wehrpflicht zu verhindern, bedeute den Krieg verhindern. Im Widerstand gegen die Wehrpflicht liege eine Chance der Politisierung der Jugend, betonten Judith Busse (DFG-VK Hessen) und Greta Nowak (Die Falken Hessen). Große Unterstützung unter den Ratschlagsteilnehmerinnen und -teilnehmern fand das von allen Podiumsgästen anvisierte Ziel, zu einem bundesweiten Aktionstag am 5. Dezember aufzurufen, mit Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und möglichst einer bundesweiten Demonstration. Die Unterstützung durch die Friedensbewegung wurde ausdrücklich eingefordert.

Beim Abschlussplenum forderte Reiner Braun (IPB) Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Selbstbestimmung, antiimperialistische Solidarität mit Venezuela und Kuba und plädierte dafür, gesellschaftliche Kontakte nach Russland wieder zu entwickeln. Vor allem gehe es um die Delegitimierung der NATO. Er appellierte für eine Demonstration in Brüssel im Frühjahr 2026 und eine Ostseekonferenz gegen US-Stützpunkte. Christoph von Lieven (ICAN-Vorstand) warnte, dass wir einem Atomkrieg näher seien als je zuvor und forderte die Abschaffung aller Atomwaffen. Wenn es tatsächlich wieder zu US-Atomwaffentests komme, würde dieses Ende des Teststopps dazu führen, dass wieder alle damit anfingen. Michael Müller (Vorsitzender der NaturFreunde Deutschlands) kritisierte scharf die herrschende Klimapolitik. Seit 1979 wisse man, dass wir auf eine Erwärmung um 3 Grad zusteuerten. In diesen 56 Jahren sei eklatantes Versagen zu beobachten. Es gebe die grausamen Zwillinge Klimakrise und Krieg: Die ärmsten seien als erste betroffen, die Hochrüstung solle ihre Flucht verhindern. Die Welt brauche Gemeinsamkeiten, nicht Konfrontation. Ziel müsse Abrüstung sein, so Müller. Barbara Heller (Bremer Friedensforum) schilderte die erfolgreiche kontinuierliche und innovative Friedensarbeit des Bremer Friedensforums: seine Auftritte in den Social Media, regelmäßige Newsletter und eine seit 40 Jahren gut besuchte wöchentliche Mahnwache auf dem Rathausmarkt. Zur Aufführung kam auch ein Mobi-Video für die bundesweite Demo nach Berlin am 3.10.. Reiner Braun berichtete von seinem Gespräch mit Hans Kristensen, dem US-Experten für strategische Waffen, wonach die US-Mittelstreckenraketen ab September 2026 nach Deutschland kommen sollen. In der Abschlusserklärung des Bundesausschusses Friedensratschlag wurde deshalb hervorgehoben, das Sammeln von Unterschriften unter den Berliner Appell gegen diese Erstschlags- und Enthauptungsschlagwaffen zu intensivieren. „100.000 Unterschriften reichen bei weitem nicht“, sagte Jutta Kausch-Henken.


* Lühr Henken, ist Ko-Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Mitglied des Personenbündnisses ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘, Herausgeber der Kasseler Schriften zur Friedenspolitik und er arbeitet mit in der Berliner Friedenskoordination.

(Auszug von RSS-Feed)

Wie können wir die Eigendynamik jugendlicher Aktivitäten gezielt unterstützen?

14. November 2025 um 21:02

Vorschau ansehen

Andrea Hornung ***
Friedensratschlag in Kassel am 8. und 9. November 2025 – Redemanuskript Workshop

Weitere Inputs und Berichte zum Friedensratschlag 2025 finden Sie hier:
Weitere Berichte Friedensratschlag
 

1. Die Lage der Jugend

 
Andrea Hornung während ihrer Rede am 3. Oktober 2025 in BerlinWenn wir darüber diskutieren wollen, wie wir Eigendynamiken Jugendlicher stärken können, müssen wir uns zunächst mit der Lage der Jugend auseinandersetzen: Jeder vierte Jugendliche ist von Armut bedroht, die Angriffe aufs Bürgergeld, die Sanktionen betreffen Kinder und Jugendliche besonders oft. Wir lernen in Schulen, die oft völlig kaputt sind, mit Lehrkräftemangel. In Frankfurt lernen Schüler in einer Schule, die mit 500 Metallstützen abgestützt wird – und das ist keine Ausnahme. Wir können feststellen, dass jedes Jahr mehr Jugendliche ohne Ausbildung bleiben, insbesondere diejenigen mit Haupt- und Realschulabschluss – und diejenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, das sind über 7% der Jugendlichen. Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet überhaupt aus. Die Jugendarbeitslosigkeit ist seit 2022 um 40% gestiegen, der massive Stellenabbau trifft Jugendliche zuerst: Weil wir die ersten sind, denen gekündigt wird und weil wir einfach keine Stellen mehr finden. Für die Jugendlichen, die eine Ausbildung bekommen, stehen unsichere Übernahme, Ausbildungsvergütungen, die nicht zum Leben reichen, und ausbildungsfremde Tätigkeiten auf der Tagesordnung. Der Erzählung von den angeblich faulen Jugendlichen steht die Realität gegenüber, dass (unbezahlte) Überstunden zunehmen und Jugendliche häufiger in prekären und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten – insbesondere in Berufen mit hohem Frauenanteil. Mehr als die Hälfte der Studierenden muss nebenbei arbeiten, weil sie keinen Bafög-Anspruch haben oder das Bafög nicht ausreicht. Jugendliche wohnen immer länger bei ihren Eltern, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können. Und während wir keine Ausbildungsplätze bekommen und die Jugendarbeitslosigkeit steigt, erzählt man uns das Märchen vom Fachkräftemangel. Die Ursache für tatsächlich fehlende Fachkräfte liegt überwiegend in schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung sowie in mangelnder Ausbildung. Die Bundeswehr nutzt diese geschaffene Perspektivlosigkeit aus und präsentiert sich Jugendlichen, als sicherer Arbeitgeber mit gutem Gehalt – dort kann man ohne NC und bezahlt studieren, muss sich aber für bis zu 17 Jahre verpflichten, dort bekommt man beim Freiwilligenprogramm „Dein Jahr für Deutschland“ das vierfache an Geld im Vergleich zum Freiwilligen Sozialen Jahr. Dafür wirbt die Bundeswehr immer stärker auf Berufsmessen und direkt an Schulen. Gleichzeitig werden Zivilklauseln angegriffen, in Bayern wurden sie mit dem Bundeswehrgesetz verboten und Schulen zur Kooperation mit der Bundeswehr gezwungen. Palästina-Solidarität wird auch an Schulen verfolgt. Durch Kürzungen werden uns die wenigen noch bestehenden einigermaßen bezahlbaren Freizeitmöglichkeiten wie bspw. Schwimmbäder, Sportvereine und Jugendzentren genommen. Freizeitgestaltung wird immer weiter kommerzialisiert. Die schlechter werdende Situation der Jugend drückt sich auch in der deutlich anwachsenden Zahl an psychischen Krankheiten aus: Jede*r fünfte Schüler*in hat psychische Probleme. Und: Ohnmacht und Resignation macht sich breit. Wir kennen nur die Situation nach der Agenda 2010, nachdem die Bundeswehr sich wieder an Angriffskriegen in aller Welt beteiligt, kennen kaum größere Antikriegsbewegungen.

Alle diese Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Jugend in unserem Land stehen in direktem Zusammenhang mit der ungebremsten Aufrüstung und Militarisierung: Jeder Euro, der in Aufrüstung fließt, fehlt an andere Stelle. Wer unbegrenzte Kriegskredite beschließt, der muss an anderer Stelle massiv sparen. Diese Entwicklung betrifft die übergroße Mehrheit der Bevölkerung. Wir können aber feststellen: Jugendliche trifft Militarisierung und Sozialabbau besonders hart.
 

2. Die Rolle und Funktion des „neuen Wehrdienst“

 
Dass die Jugend besonders betroffen ist, das gilt auch für die Wiedereinführung der Wehrpflicht, das gilt für die 18-jährigen, die den Kriegsdienst ableisten sollen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Wehrpflicht ablehnt, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung die Wehrpflicht insgesamt unterstützt.

Der Gesetzesentwurf zum „neuen Wehrdienst“ sieht bisher vor, dass alle 18-Jährigen eines Jahrgangs ab Januar 2026 einen Fragebogen zugesendet bekommen. Alle männlichen Jugendlichen sind verpflichtet diesen Fragebogen auszufüllen und können auf Grundlage der Angaben zur Musterung einberufen werden. Abgefragt werden soll neben der körperlichen Verfasstheit auch die Bereitschaft, Wehrdienst abzuleisten. Damit sollen regelmäßige Stimmungsbilder innerhalb der Jugend erfassen und ihre Propaganda besser anpassen und ausrichten können. Ab Juli 2027 sollen verpflichtende Musterungen hinzukommen. Mittlerweile werden weiter Formen wie ein Losverfahren, Freiheitsdienst oder verpflichtendes Gesellschaftsjahr diskutiert. Dass es am Ende um die Wiedereinführung des Kriegsdienstes geht, machte der Bundeskanzler mit seiner Aussage deutlich: „Es wird bei Freiwilligkeit allein nicht bleiben.“

Der Fragebogen wird im nächsten Jahr durch bis zu 350.000 Jugendliche verpflichtend auszufüllen sein. Davon sollen erstmal 5.000 Jugendliche die Bundeswehr erreichen. Diese Kennzahl kann zu einem späteren Zeitpunkt erhöht werden. Bei Nichterreichung kann sie als Vorwand dienen, um die Wehrpflicht auszuweiten und in einen allgemeinen Zwangsdienst umzuwandeln. Mit der Wehrpflicht werden Bundeswehr und Reservist*innen zahlenmäßig gestärkt. Ziel ist es bis 2030, bis zu 460.000 Soldat*innen zur Verfügung zu haben, darunter 200.000 aktive Reservist*innen. In diesem Zuge plant das Ministerium unter anderem den Ausbau von Karrierecentren. Die Bauprojekte der Bundeswehr haben in Städten besondere Priorität, weshalb andere Infrastrukturprojekte nach hinten verschoben werden. Die Wehrpflicht wird Jugendlichen eine relevante Zeit ihres Lebens nehmen – erstmal sechs Monate, über das wir nicht länger selbst entscheiden dürfen. Was das bedeutet, ist auch gestern auf dem Podium schon klar geworden: Wir sollen in Kasernen zu Drill und Gehorsam erzogen und „kriegstüchtig“ gemacht werden – in einer Institution, in der sich „Skandale“ wie Mobbing, sexualisierte Gewalt und faschistische Netzwerke häufen und viele psychische Probleme davontragen. Die Bundeswehr ist kein Abenteuer.

Unter anderem wird das Anwachsen der Bundeswehr damit begründet, dass Russland eine Gefahr für Deutschland darstelle und wir uns deshalb auf einen möglichen Krieg mit Russland vorbereiten müssten. Ein zentraler Bestandteil dieser Argumentation ist die Bedrohungslüge, die hier am Wochenende schon mehrfach erwähnt wurde: Die tatsächlichen Kräfteverhältnisse zwischen NATO und Russland werden verschleiert und damit verschwiegen, dass die NATO Russland in fast allen militärischen Bereichen deutlich überlegen ist. Es wird ein Sanktionspaket nach dem nächsten beschlossen, der „Kampf der Demokratien gegen die Autokratien“ beschworen und Russland zu einer willkürlich barbarischen Angriffsmaschine stilisiert. Mit dem Anwachsen der Truppenstärke werden die Voraussetzungen für das Führen eines großen Krieges geschaffen, bei der die NATO mit bis zu 5000 Toten Soldat*innen pro Tag rechnet. Mit der Wehrpflicht geht es darum, die Bundeswehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, die Jugend und die Gesellschaft insgesamt zu militarisieren, es geht darum mehr Jugendliche für die Berufsarmee zu gewinnen und Kanonenfutter für einen großen Krieg vorzuhalten.

Parallel läuft die Diskussion um die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres, die der aktuell durch die Grünen wieder stärker in die Diskussion gebracht wird. Vorgeschlagen wird ein Dienst von 9-12 Monaten, bei der Bundeswehr oder in sozialen und ökologischen Projekten. Das wird auch damit begründet, dass die sozialen Bereiche unterbesetzt sind. Aber: Die Wiedereinführung von sozialen oder anderen Ersatzdiensten verbessert die Situation in den unterbesetzten Bereichen nicht. Denn statt qualifizierten Fachkräften werden Ungelernte eingestellt. Für uns Jugendliche bedeutet das, als billige Arbeitskräfte und unter miesen Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Gleichzeitig werden zwangsverpflichtete Jugendliche als Lohndrücker gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen ausgenutzt.

Wir stellen also fest: Die Wehrpflicht ist zentraler Bestandteil der Kriegsvorbereitungen.
 

3. Die Rolle des Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus für Krieg und Krise

 
Jetzt möchte ich noch zu meinem dritten Punkt, zum Hintergrund der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung kommen. Schon der Gewerkschafter Jaurés wusste: Der Krieg trägt den Kapitalismus in sich, wie die Wolke den Regen. Das ist es, was wir gerade erleben. Deutschland sieht an der Seite der NATO-Staaten die eigenen Absatzsmärkte und Einflusssphären bedroht. Deshalb wird ein Krieg gegen die Konkurrenten China und Russland vorbereitet. Ich muss hier nicht erzählen, wie massiv der deutsche Imperialismus aufrüstet: 5% des BIP, das ist fast jeder zweite Euro des Bundeshaushalts, der in Aufrüstung und Krieg fließen soll. US-Mittelstreckenraketen sollen in Deutschland stationiert werden, die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden, der Krieg gegen Russland wird geübt. Darüber hinaus liefert Deutschland Waffen nach Israel, unterstützt den Genozid in Palästina und die Überfälle Israels auf Syrien, Iran, Libanon und Jemen.

Um die eigene internationale Position zu verbessern und die Mittel für die Aufrüstung frei zu machen, wird der Klassenkampf von oben in Deutschland intensiviert. Deshalb werden massiv Stellen abgebaut. Deshalb steht uns ein umfassender Sozialabbau bevor, der die Agenda 2010, den bisher größten Angriff auf die Arbeiterklasse seit 1945, noch weit übersteigen wird. Das bedeutet eine weitere Verarmung der Mehrheit der Bevölkerung, sinkende Reallöhne, Druck auf Tarifverträge, Angriffe auf das „Normalarbeitsverhältnis“ und den 8h-Tag, Einführung von Karenztagen und weitere Angriffe aufs Bürgergeld – wovon, wie ich eingangs sagte, Jugendliche besonders betroffen sind.

Parallel wird die Umwelt immer weiter zerstört: Deutschland verfehlt die selbstgesetzten Klima-Ziele deutlich, das 1,5-Grad-Ziel wurde 2024 erstmals überschritten. Das wird Konflikte und Kriege verschärfen und ausweiten sowie Fluchtbewegungen noch weiter stark ansteigen lassen.

Dass all diese Probleme und Entwicklungen aber eine gemeinsame Ursache haben, ermöglicht uns auch, den gemeinsamen Kampf dagegen zu führen, den Kampf gegen den Krieg auch als Kampf um die soziale Frage zu führen. Klar ist aus meiner Sicht: Die stärkere Verletzung der Interessen der Arbeiterklasse, der Mehrheit der Bevölkerung wird weitere Unzufriedenheit und Protestpotenzial hervorbringen. Daran müssen wir anknüpfen.

Wir stellen fest: Der Kapitalismus bringt Krieg, Krise und Umweltkatastrophe hervor.

Folglich können wir aus dem Gesagten drei Punkte ableiten, über die wir nun gerne diskutieren können, bevor wir dann nach einem zweiten Input gern über die konkrete, praktische Arbeit sprechen wollen. Die Annahmen lauten:

Annahme 1:  Jugendliche trifft Militarisierung und Sozialabbau besonders hart.

Annahme 2: Die Wehrpflicht ist zentraler Bestandteil der Kriegsvorbereitungen.

Annahme 3: Der Kapitalismus bringt Krieg, Krise und Umweltkatastrophe hervor.

 


 

*** Andrea Hornung ist Bundesvorsitzende der SDAJ und Mitglied der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘

 

(Auszug von RSS-Feed)

Wirtschaftssanktionen und internationale Solidarität

14. November 2025 um 21:00

Vorschau ansehen
Wiebke Diehl *** // Joachim Guilliard ***
32. bundesweiter Friedensratschlag in Kassel 8.11.25 – Redemanuskript Workshop

 
Weitere Inputs und Berichte zum Friedensratschlag 2025 finden Sie hier:
Weitere Berichte Friedensratschlag
 
Wirtschaftssanktionen sind in den letzten Jahren erfreulicherweise stärker in den Blick gerückt. Da sie eine zentrale Rolle in den internationalen Konflikten spielen, auch dieses Jahr auf dem Ratschlag. Dabei geht es in erster Linie um eigenmächtig verhängte, d.h. nicht von Institutionen wie dem UN-SR, die allein von allen Staaten als dazu legitimiert angesehen werden.

In früheren Workshops kam deutlich heraus, dass solche eigenmächtig verhängten Zwangsmaßnahmen, wie sie in der UNO bezeichnet werden, keine zivile Alternative zum Krieg sind, sondern ökonomische Kriegsführung die eklatant gegen Menschenrechte und Völkerecht verstoßen.

Wir werden das nicht wiederholen. Zwei Publikationen behandeln das ausführlich:

  • IALANA: Sanktionen & einseitige Zwangsmaßnahmen  – Auswirkungen und völkerrechtliche Grenzen (-> Wiebke)
  • IMI-Studie „Arsenal des Faustrechts: Wirtschaftsblockaden, Menschenrechte und der Widerstand des Südens“

Heute soll der Fokus auf die unterschiedliche Bewertung im politischen Westen und im Globalen Süden liegen – und auf den gewachsenen, gemeinsamen Widerstand.
 

Exemplarisch auch beim Wirtschaftskrieg gegen Syrien, parallel zum militärischen

 
Zu Beginn: ein Beispiel, das zugleich sehr eindrücklich für das steht, was wir beide pauschal über Sanktionen, über die völkerrechtliche, menschenrechtliche und humanitäre Dimension sagen würden. Das aber zugleich zumindest in seinem Ausgang überrascht und sich eben nicht so klar in das einreiht, was wir als typisch für Wirtschaftssanktionen und ihre Auswirkungen bezeichnen würden.
 

Syrien:

 
Nachdem Syrien bereits zuvor unter US-Sanktionen gestanden hatte, verhängten die USA und die EU (neben anderen Ländern) 2011 massive Sanktionen gegen das Land, die in der Folge noch mehrfach (insbesondere durch den Caesar-Act 2019) verschärft wurden und der Bevölkerung großes Leid zufügten. Im Rahmen des Caesar-Act wurden auch Sekundärsanktionen gegen ausländische Unternehmen und humanitäre Akteure sowie deren Mitarbeiter, wenn sie sich im Auftrag der syrischen Regierung am Wiederaufbau der Infrastruktur für das Wohlergehen der Bevölkerung beteiligen, verhängt. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für die negativen Auswirkungen von Sanktionen, Idriss Jazairy, sagte, in Syrien wirkten die Sanktionen verheerender als der Krieg.

Es zeigte sich, in welchem Ausmaß Menschenrechte durch Wirtschaftssanktionen eingeschränkt und missachtet werden. Betroffen sind insbesondere das Recht auf Leben (wie im vergangenen Sommer duch eine Studie im britischen Fachjournal The Lancet nachgewiesen wurde, sind zwischen 1971 und 2021 eine halbe Million Menschen jährlich weltweit wegen Sanktionen ums Leben gekommen): Menschen verhungern, weil sie nicht genug zu essen haben, sie sterben, weil die Gesundheitsversorgung massiv in Mitleidenschaft gezogen wird, sie sterben auch, weil sie etwa nach einem Erdbeben wegen mangelnder schwerer Fahrzeuge und Arbeitsmaterialien nicht aus den Trümmern gezogen werden können.

Außerdem: Verletzung der Menschenrechte auf angemessene Ernährung und höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit (ein Beispiel: Syrien produzierte vor dem Krieg 90 Prozent seiner Medikamente selbst, was wegen der aufgrund der Sanktionen nicht mehr einführbaren Rohstoffe dann nicht mehr möglich war). Insgesamt werden die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte durch Sanktionen massiv in Mitleidenschaft gezogen. Die Syrien-Sanktionen wurden auch gezielt dazu eingesetzt, den Wiederaufbau des vom Krieg geschundenen Landes zu verhindern.

Wie die meisten anderen Wirtschaftssanktionen und Wirtschaftsblockaden waren auch die Syriensanktionen eindeutig völkerrechtswidrig – weil sie nicht vom UN-Sicherheitsrat verhängt wurden, weil sie gegen das Interventionsverbot verstoßen und weil unter ihnen, wie die Nachfolgerin von Idriss Jazairy, Alena Duhan, ebenfalls in Bezug auf Syrien sagte, die Verwirklichung der Menschenrechte nicht möglich ist.

Und in Syrien zeigte sich viele Jahre auch, was als der Ralley-round-the-flag-Effekt bezeichnet wird. Während die (westlichen) sanktionierenden Staaten behaupten (nicht, dass wir es ihnen glauben würden), durch die Verhängung von Sanktionen eine unterdrückte Zivilbevölkerung schützen und den betreffenden Ländern zu Demokratie und Menschenrechten verhelfen zu wollen, geht es nicht nur faktisch um etwas ganz anderes: die Verwirklichung eigener geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen und vielfach (so auch im Fall Syrien) um Regimewechsel. Die Bevölkerung lehnt sich auch in den meisten Fällen eben nicht gegen ihre Regierung auf, die sie – so die Hoffnung der sanktionierenden Staaten – im Angesicht des Leids, das durch die Sanktionen entsteht, stürzen will. Sie rückt vielmehr im Gegenteil näher an ihre Regierung heran, weil sie sehr wohl erkennt, dass derjenige, der das Leid verursacht, von außen kommt (nämlich die Sanktionierenden).

Dieses Bumerang-Merkmal von Sanktionen, das sich vielerorts zeigt, war lange Zeit auch in Syrien zu beobachten, und zwar über viele Jahre.

Aber im vergangenen Dezember stürzten aus dem Westen, den Golfstaaten, der Türkei und Israel zwecks Regimechange unterstützte Terroristen ziemlich überraschend doch noch die Regierung Assad und installierten ein Regime unter dem einst per Kopfgeld (10 Millionen US-Dollar) von den USA gesuchten al-Qaida-Terroristen Abu Muhammad al-Dscholani. Kaum jemand hatte damit noch gerechnet, denn mit der Unterstützung Russlands, des Iran und der libanesischen Hisbollah hatte die syrische Armee große Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Syrien ist kein eindeutiges Gegenbeispiel zu der These, dass Sanktionen das von den sie verhängenden Staaten erwünschte Ziel eigentlich nie erreichen. Denn zum Sturz der syrischen Regierung führten viele Faktoren. Neben der massiven Unterstützung der Dschihadisten aus dem Ausland und dem schwindenden Engagement Russlands in Syrien wegen des Ukrainekriegs ist hier die massive Schwächung der Hisbollah durch den Krieg mit Israel zu nennen. Aber es muss festgehalten werden, dass auch die Sanktionen ihren Anteil hatten – weniger im intendierten Sinne, dass die Bevölkerung ihre Regierung stürzen solle, aber doch dadurch, dass sie durch das jahrelange Leid, das erheblich auch durch die Sanktionen bedingt war, zermürbt wurde und dadurch weniger widerstandsfähig war.

Dass syrische Soldaten in Scharen ihre Uniformen wegwarfen und die Flucht ergriffen, anstatt wie zuvor für ihr Land zu kämpfen, dürfte auch mit diesem Faktor zu tun gehabt haben.

Was in den vergangenen Monaten passiert ist, zeigt auch erneut die Doppelmoral westlicher Sanktionsregime: Schon im Februar, gut zwei Monate nach dem Putsch in Syrien, setzte die EU ihre Sanktionen aus (Banken-, Energie- und Verkehrsbereich) – außer diejenigen gegen die Regierung Assad. Man wagte es noch zu sagen, dies geschehe aus humanitären Zwecken – nachdem man die syrische Bevölkerung jahrelang ins Elend gestürzt und humanitären Helfern die Arbeit extrem erschwert hatte

Im Juli hoben auch die USA ihre Syrien-Sanktionen auf (man wolle den Wiederaufbau des Landes unterstützen). Das geschah, nachdem die Dscholani-Milizen bereits mehrere Massaker mit Tausenden Toten an Syriens Minderheiten verübt hatten. Die USA ließen die Sanktionen gegen die Assad-Regierung in Kraft. Aber die HTS-Miliz wurde wegen der angeblich “positiven Maßnahmen der neuen syrischen Regierung“ von der Terrorliste gestrichen.

Vor zwei Tagen (6.11.25) hat auch der UN-Sicherheitsrat die Syrien-Sanktionen gegen al-Dscholani, der sich seit dem Putsch mit seinem bürgerlichen Namen Ahmad al-Scharaa ansprechen lässt) und seinen Innenminister Anas Hasan Chattab (beide haben schwerste Kriegsverbrechen begangen) aufgehoben (fast einstimmig, einzig China enthielt sich; eingebracht wurde die Resolution von den USA). Am Montag wird Trump ihn in Washington empfangen. Beide waren vorher mit Reiseverbot, Einfrieren ihrer Vermögenswerte und einem Waffenembargo belegt. Syrien will sich der von den USA angeführten Koalition gegen IS (etwa 80 Länder) anschließen.

Die Menschenrechts- und Demokratiebilanz der neuen Machthaber in Syrien ist verheerend. Das zählt aber nicht, denn anders als die Regierung Assad, die nie bereit gewesen wäre, die von Israel annektierten Golanhöhen aufzugeben und die sogenannte Achse des Widerstands unterstützt hat, verhandeln sie seit Monaten mit Israel, sehen der fortschreitenden israelischen Besatzung im Land tatenlos zu und werden wahrscheinlich sogar ein sogenanntes Normalisierungsabkommen mit Israel schließen.

Syrien ist auch ein Beispiel dafür, dass Sanktionen eigentlich immer von den Staaten des globalen Nordens gegen Staaten des globalen Südens verhängt werden. Immer wirtschaftlich starke gegen wirtschaftlich schwächere Staaten, sonst würde es gar nicht funktionieren.

Und meistens geht es darum, die eigenen westlichen Interessen anderen aufzuoktroyieren, ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen, sie zu unterjochen (oder zu kolonisieren).
 

Wirtschaftssanktionen gegen ein Drittel der Menschheit

 
Die USA haben mittlerweile – allein oder zusammen mit den EU-Staaten – gegen mehr als 40 Länder eigenmächtige Embargomaßnahmen in Kraft gesetzt – faktisch gegen ein Drittel der Menschheit. Die am stärksten betroffenen Länder sind ihnen schon seit Jahrzehnten ausgesetzt: Nordkorea, Kuba, Iran und bis vor kurzem Syrien. Venezuela und Russland kamen vor 10 bzw. 11 Jahren dazu. Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban. Mit katastrophalen Auswirkungen.

Gegen diese Länder haben die USA umfassende Wirtschaftsblockaden errichtet. Denen gegen Kuba haben sich die EU-Staaten nicht angeschlossen (müssen deren Umsetzung gemäß dem Anti-Blocking-Statut sogar eigentlich unterbinden) und denen gegen Iran nur teilweise.

Faktisch beteiligen sie sich aber dennoch, da sie und die in der EU ansässigen Unternehmen sich dem Zwang der sog. sekundären oder extraterritorialen Sanktionen unterwerfen, mit denen die USA alle zu erpressen versuchen, US-Embargovorschriften gegen diese Länder einzuhalten.
 

Handels- und Finanzblockaden

 
Klassische Maßnahmen sind Handelsrestriktionen, die sich z.B. gegen Export und Import von Rohstoffen, insbes. Öl und Gas richten, häufig auch gegen die Einfuhr höher entwickelte Technologien.

Die wirksamste Waffe der USA sind aber Restriktionen im Finanzbereich. -> beruht auf zentraler Rolle des US-Finanzsystems und des Dollars als Leitwährung für einen großen Teil zwischenstaatlicher Geschäfte -> die effektivste und am universellsten einsetzbar Waffe -> können ausländische Unternehmen und Einzelpersonen treffen, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Im Unterschied zu Handelsbeschränkungen entfalten sie auch ohne internationale Unterstützung eine starke Wirkung.

Die eigenmächtigen Zwangsmaßnahmen oder Restriktionen laufen zum guten Teil über Embargo- oder Sperrlisten, auf denen Konzerne und Banken der angegriffenen Länder stehen, wodurch Geschäfte mit diesen genehmigungspflichtig oder gänzlich untersagt werden. Auch Einzelpersonen sind auf den Listen. Diese Listungen geschehen willkürlich, oft nur aufgrund tatsächlicher oder angeblicher Nähe zur jeweiligen Regierung, ohne gerichtliche Verfahren, ohne Möglichkeiten der Verteidigung. Die US-Regierung und die EU-Kommission agieren völlig außerhalb rechtsstaatlicher Normen, sie spielen Ankläger, Richter und Vollstrecker.
 

Terrorliste

 
Die USA haben 12.000 Unternehmen und Personen auf ihren Listen.

Das gröbste Instrument im Blockadewerkzeugkasten der USA sind aber die vom Außenministerium geführten Listen von Ländern, die angeblich den Terrorismus fördern. Mit Terrorismus hat das nichts zu tun. Darauf stehen Länder, die Washington als Hauptgegner einstuft, aktuell Iran, Nordkorea, Syrien, Venezuela und Kuba. Im Unterschied zu den Sperrlisten, zielt ein Eintrag hier auf den gesamten Staat. In Zusammenhang mit Zwangsmaßnahmen via Sperrlisten entsteht ein undurchsichtiges Dickicht sehr umfassender Restriktionen mit wirtschaftlicher, rechtlicher wie auch politischer enormer Tragweite. Aus diesem Grund und weil die gesamte Breite der Auswirkungen kaum absehbar ist, vollzieht Washington diesen Akt auch nur bei Staaten, zu denen die USA ohnehin faktisch keine wirtschaftlichen und politische Beziehungen mehr unterhalten. Hier ist das Risiko von Kollateralschäden gering.

Ihre große Wirkung in diesen Fällen entfalten die Blockaden vor allem durch Sekundärsanktionen, mit denen Banken und Unternehmen von Drittstaaten erpresst werden, sich zu beteiligen. Da schwer zu durchschauen ist welche Geschäfte mit welchen Partnern im angegriffenen Land noch risikolos sind, stellen viele ihre Geschäfte mit ihm völlig ein. Die EU hat Sekundärsanktionen als völkerrechtswidrig verurteilt und gegen ihre Anwendung in der EU eigentlich das sog. Blockade-Statut verabschiedet [, eine „Verordnung zum Schutz von den Auswirkungen der extraterritorialen Anwendung von einem Drittland erlassener Rechtsakte“] das EU-Bürgern und -Unternehmen sogar explizit verbietet extraterritoriale Rechtsvorschriften zu befolgen. Dieses ist aber zahnlos, da die dabei drohenden Strafen gering sind, im Vergleich mit dem was ihnen durch die USA droht ‒ im schlimmsten Fall der Ausschluss aus dem US-Markt und Finanzsystem.
 

Humanitäre Folgen

 
[[Blockaden bleiben im Westen meist unterm Radar, trotz teils katastrophaler Auswirkungen. Vor einer guten Woche wurde Kuba wieder von einem verheerenden Hurrikan überrollt. In den Berichten wurde die enorme Knappheit an den für den Wiederaufbau nötigem Materialen auf der Insel erwähnt, aber selten die Ursache. Typisch: wenn über die wirtschaftlichen Probleme, Versorgungsengpässe etc. in Kuba, Venezuela, Nicaragua …  berichtet wird, werden sie meist den „Regimes“ angelastet, nicht den Wirtschaftssanktionen.]]

Der Westen behauptet Maßnahmen gezielt gegen jeweilige „Regime“ einzusetzen. Tatsächlich treffen sie aber stets, sobald sie effektiv sind, das heißt den Handel und die Wirtschaft wirksam einschränken, in erster Linie die Bevölkerung. Vor allem deren ärmere, verletzlichsten Teile, d.h. Kinder, ältere und kranke Menschen etc.

Zahlreiche Studien haben den engen Zusammenhang zwischen Umfang und Dauer der Blockaden und dem sinkenden Lebensstandard infolge des Niedergangs der Wirtschaft nachgewiesen. Die Auswirkungen sind noch dadurch verschärft, dass es sich meist um Entwicklungsländer handelt. Sie schädigen und hemmen ihre Entwicklung auf Jahrzehnte.

[[- geht immer einher mit sinkender Lebenserwartung, vor allem für ärmere schwächere Teile der Bevölkerung.]]

Durch Vergleich von blockierten mit unbehelligten Ländern, haben Wissenschaftler empirisch berechnet, dass die Lebenserwartung durch Wirtschaftsblockaden im Schnitt pro Jahr um 0,3 Jahre sinkt. Insbesondere steigen Kinder- und Müttersterblichkeit oft dramatisch an.

Anders als Opfer von militärischen Angriffen sind die von Wirtschaftssanktionen nicht direkt sichtbar. Ihre Zahl kann durch Mortalitätsstudien per Haushaltsumfragen ermittelt werden. Mittels so einer Studie im Irak schätzte UNICEF, dass das Irakembargo bis 1998 bereits über 500.000 Kinder das Leben gekostet hat. Insgesamt muss man von weit mehr als einer Million Toten ausgehen. Eine Studie in Venezuela schätzte, dass die Blockademaßnahmen der USA und der EU zwischen 2017 und 2018 ca. 40.000 Menschenleben forderten.

Im August 2025 veröffentlichte eine renommierte medizinische Fachzeitschrift die Ergebnisse einer Studie, die die Entwicklung von Mortalitätsraten von betroffenen Ländern zwischen 1971 und 2021 ausgewertet hatte: Demnach sind Wirtschaftssanktionen der USA und der EU durchschnittlich für über 500.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich – so viele, wenn nicht mehr, wie in allen Kriegen zusammen. In Deutschland wurde diese erschreckende Zahl kaum wahrgenommen.

Die Höhe der Zahl hat sicher überrascht. Dass Wirtschaftssanktionen tödlich sind, ist aber seit jeher bekannt. US-Präsident Woodrow Wilson brachte es in einer Rede nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auf den Punkt: „Der Krieg ist eine barbarische Sache, […] der Boykott allerdings ein unendlich viel schrecklicheres Kriegsinstrument.“

Und die schädlichen bis tödlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung angegriffener Länder sind keinesfalls ein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern gehören zum Kalkül. Man will die Menschen so dazu bringen, ihre Regierung unter Druck zu setzen oder noch besser einen Regime Change einzuleiten.

Als die USA mit der Blockade Kubas begannen, hat der damalige stellvertretende US-Außenminister Lester D. Mallory in seinem Memorandum vom April 1960 offen verkündet, dass das Embargo verhängt wurde, um die linke revolutionäre Regierung durch Verelendung der Bevölkerung zu stürzen: „Die Mehrheit der Kubaner unterstützt Castro […] Das einzige denkbare Mittel, um die interne Unterstützung zu erschüttern, ist Enttäuschung und Unzufriedenheit, die auf wirtschaftlicher Unzufriedenheit und Not beruhen […] Jedes mögliche Mittel sollte umgehend ergriffen werden, um das wirtschaftliche Leben Kubas zu schwächen, […] Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung herbeizuführen“. [1]

[Todesopfer werden bewusst in Kauf genommen (-> Madeleine Albright, 1996)] 
 

Wirtschaftssanktionen sind eklatante Menschenrechtsverletzungen

 
In den sanktionierten Ländern steigt die Arbeitslosigkeit, Lebensmittel verteuern sich, es kommt zu einem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, die Inflation wird durch die Knappheit angeheizt (üblicherweise für Basisgüter weit mehr als für Luxusgüter), das Bruttonationaleinkommen sinkt, die Mittel des Staatshaushalts werden durch sinkende Steuereinnahmen und Zolleinnahmen verringert, Rohstoffe und Ersatzteile fehlen, was die heimische Produktion einbrechen lässt, Währungs- und Bankenkrisen können ausgelöst werden, dadurch wird eine Aufnahme von Staatsanleihen auf internationalen Finanzmärkten erschwert.

Zwar werden offiziell humanitäre Güter, Medikamente etc. von Sanktionen ausgenommen. Faktisch aber weigern sich Händler aus Sorge vor Konsequenzen dennoch, diese in sanktionierte Staaten zu liefern. Sie stehen der Bevölkerung also trotz der Ausnahmen auf dem Papier nicht zur Verfügung.

Das Leid der Zivilbevölkerung – denn die ist es, die am meisten leidet, und zwar gerade die Schwächsten, während die Herrschenden am allerwenigsten getroffen werden und die Sanktionen auch am besten umgehen können – ist keinesfalls ein Kollateralschaden. Vielmehr wird es in Kauf genommen, ja es ist Teil der Strategie: Die Bevölkerung soll, so das Kalkül, so sehr leiden, dass sie ihre Regierung stürzen möge.

Durch ihre humanitären Folgen sind Wirtschaftssanktionen auch im Westen in Kritik gekommen, vor allem durch das Irak Embargo.

„Smart Sanctions“ sollen allzu schlimme Folgen vermeiden, in Praxis änderte sich grundsätzlich nichts.

Probleme: werden zwar von vielen als unproblematisch betrachtet, sind dies aber aus mehreren Gründen nicht:

  1. Auch gegen Einzelpersonen verhängte Sanktionen verletzten Menschenrechte – sowohl die der Sanktionierten als auch von Familienangehörigen, die in bester Sippenhaft oft gleich mit sanktioniert werden.
  2. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sind individuelle Sanktionen hoch problematisch: in den seltensten Fällen wird lückenlos nachgewiesen, dass die Sanktionierten tatsächlich für die ihnen vorgeworfenen Völkerrechtsverstöße und Menschenrechtsverletzungen direkt und persönlich verantwortlich sind (Beispiel russische „Oligarchen“, bei denen offenbar ausreicht, dass sie Russen und reich sind).
  3. Die Sanktionierten haben kaum Möglichkeiten, sich gegen die Sanktionen auf rechtsstaatlichem Wege zu wehren.
  4. So individuell wie vorgegeben wird, ist diese Form der Sanktionen eben nicht. Gerade bei den russischen „Oligarchen“ (wobei zu fragen ist, warum deutsche Reiche nicht ebenfalls so bezeichnet werden) wird immer wieder betont, sie würden ganze Wirtschaftszweige kontrollieren. Demnach werden, wenn man sie sanktioniert, natürlich auch mindestens Teile der Bevölkerung getroffen. Ganz zu schweigen von den fatalen Auswirkungen, die die abnehmende Verfügbarkeit von russischen Düngemitteln (deren Vertrieb ist teilweise ebenfalls in der Hand von „Oligarchen“) auf die Ernährungs(un)sicherheit im globalen Süden hat.

Häufig sind individuelle Sanktionen nur eine Vorstufe zu umfassenden Wirtschaftssanktionen, sie öffnen also die Büchse der Pandora. Zudem belegen Studien, dass gezielte Sanktionen politische Repression eben nicht verringern, sondern vielmehr erhöhen, dass sie die humanitären Bedingungen für die Bevölkerung verschlechtern (z.B. weil die Herrschenden mehr Gelder für sich selbst abzweigen) und Korruption sowie schlechte Regierungsführung befördern.

Zurück zu den Wirtschaftssanktionen:

Wirtschaftssanktionen, genauer ausgedrückt einseitige Zwangsmaßnahmen, verstoßen aufgrund ihrer schädlichen bis tödlichen Folgen nach einhelliger Meinung namhafter Völkerrechtler, UN- und Menschrechtsorganisationen eklatant gegen zentrale Menschenrechte.
 

Völkerrechtliche Auseinandersetzung – polit. Westen vs. Globaler Süden

 
Das wird auch von immer mehr westlichen Völkerrechtlern, Politologen … anerkannt. Während sie aber darüber grübeln, wie das Instrument so verbessert werden kann, dass es weiter zum Erzwingen eines gewünschten Verhaltens anderer Länder eingesetzt werden kann, lehnt die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler und der Bevölkerung weltweit eigenmächtige Wirtschaftssanktionen grundsätzlich als Intervention der mächtigen westl. Industriestaaten in schwächere Staaten ab.
 

Schon lange in der UNO

 
Insbesondere Länder des Südens pochen auf die schon in der UN-Charta verankerten Grundsätze, vor allem auf den der „souveränen Gleichheit aller ihrer Mitglieder“ sowie auf den der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates. Diese Grundsätze sind ab den 1960er Jahren durch eine Reihe von Resolutionen der UN-Generalversammlung zu einem weitreichenden Interventionsverbot weiterentwickelt worden.

So wurde in der „Charta der wirtschaftlichen Rechte und Pflichten der Staaten“, die von der UN-Vollversammlung 1974 verabschiedet wurde, festgeschrieben, dass kein Staat wirtschaftliche, politische oder sonstige Maßnahmen anwenden darf, um einen anderen Staat zur Unterordnung zu nötigen.

Im Dezember 1983 richtete sich schon eine erste Vollversammlungs-Resolution u.a. mit Verweis auf diese Charta direkt gegen „Wirtschaftliche Maßnahmen als Mittel des politischen und wirtschaftlichen Zwangs gegen Entwicklungsländer“. Sie verurteilte die Praxis „industriell hochentwickelter Länder“, ihre dominierende Stellung in der Weltwirtschaft auszunutzen, um ihnen genehme Entscheidungen von Entwicklungsländern zu erzwingen.

Seither werden jährliche Resolutionen der UN GA gegen eigenmächtige Zwangsmaßnahmen verabschiedet, die nicht von dazu legitimierten Organen der Vereinten Nationen verhängt wurden. Seit 1994 inhaltlich ähnliche auch vom UN MR. Sie wurden inhaltlich immer mehr ausgeweitet und juristisch präzisiert und fanden immer deutlichere Mehrheiten. Seit vielen Jahren stimmen über Zwei Drittel dafür und nur die westl. Staaten und enge Verbündete dagegen. Sie verurteilen aufs Schärfste die Durchsetzung solcher Maßnahmen mit dem Ziel Länder das Recht zu nehmen, frei über ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme zu entscheiden. Sie wenden sich „nachdrücklich gegen den extraterritorialen Charakter dieser Maßnahmen, die darüber hinaus die Souveränität der Staaten bedrohen“, und fordern „alle Staaten auf, diese Maßnahmen weder anzuerkennen noch anzuwenden“, sondern ihnen aktiv entgegenzuwirken.

So zeigt sich ein völlig unterschiedliches Rechtsverständnis: Westen: „regelbasierte Ordnung“. Regeln die er selbst setzt, die er dem Rest der Welt in neokolonialer Manier überstülpen will.

Nicht-westliche Länder setzen mehrheitlich auf etabliertes Völkerrecht, verankert in der UN-Charta, Pakten und zentralen UN-Resolutionen – Regeln, Rechte, Pflichten, um die die Länder des Südens nach dem Abschütteln des kolonialen Jochs hart gerungen haben.

Der Süden will die Herrschaft des Rechts, während der Westen das Recht des Stärkeren verteidigt. Festhalten an jahrhundertelanger Dominanz von weiten Teilen der westlichen Gesellschaften. Mitgetragen bis in die Linke. Überlegenheitsdenken, Eurozentrismus [[So wirbt auch Jan van Aken in seinem Buch „Worte statt Waffen“ für Sanktionen als probates Mittel für zivile Konfliktlösungen.]] 
 

Praktischer Widerstand gegen WS

 
Angesichts der breiten Ablehnung ist es nicht überraschend, dass viele Länder schon seit langem helfen Wirtschaftsblockaden zu umgehen, in den letzten Jahren zunehmend offensiver.
 

Russland

 
Besonders deutlich gegen Russland.

Der Wirtschaftskrieg gegen Russland ist völkerrechtlich etwas anderes gelagert als die Blockaden gegen Kuba, Iran etc. Wenn der Einmarsch in die Ukraine als völkerrechtswidrig eingestuft wird, wie es die meisten Regierungen taten, dann dürfen Drittstaaten die Ukraine unterstützen, auch mit wirtschaftlichen Restriktionen. Das fällt dann unter kollektive Selbstverteidigung. Allerdings nur im Zusammenhang mit russischer Kriegführung, im wesentlichen also Waffen, Rüstung. Umfassende Blockaden des Exports von Rohstoffen, Ausschluss von internationalem Finanzsystem, Boykott von Unternehmen wegen bloßer Nähe zum Kreml, d.h. ein vollständiges Embargo um das Land zu „ruinieren“, sind völkerrechtswidrig.

Viele Maßnahmen verstoßen unabhängig davon gegen internatnale Abkommen (WTO …)

Und Sekundärsanktionen gegen Unternehmen von Drittländern, wie sie auch die EU verhängt, sind ohnehin nicht mit dem Völkerrecht vereinbar.

Dies ist, wie man Stellungnahmen entnehmen kann die Sicht der meisten Regierungen. Dadurch blieben die NATO-Staaten bekanntlich mit ihren umfangreichen Blockademaßnahmen gegen Russland ziemlich isoliert. Nur fünf Staaten außerhalb der NATO und der EU beteiligen sich mehr oder weniger aktiv: genau die Verbündeten, die auch gegen die UN-Resolutionen stimmten. Die übrigen Staaten führen ihre Zusammenarbeit mit Russland nicht nur fort, sondern haben sie zum Teil sogar noch intensiviert. Nicht nur China kauft seither russisches Öl und Gas in Rekordmengen, sondern auch zahlreiche andere Länder ‒ natürlich begünstigt durch Rabatte von bis zu 30 Prozent, die Moskau gewährt.

Die russischen Rohöl-Exporte nach China stiegen 2023 auf die Rekordmenge von 107 Millionen Tonnen, die Einnahmen stiegen von 40 Mrd. 2021 auf über 62 Mrd. 2024. Von Februar bis September dieses Jahres steigerte China seine Importe noch einmal drastisch. [2]

Indiens Importe russischen Öls wuchsen von 4 Millionen Tonnen auf über 87 Millionen Tonnen letztes Jahr. Die Inder zahlten dafür 53 Mrd., 37 Prozent der Gesamtausgaben für Rohöl-Importe.

Umgekehrt floriert auch der russische Import, indem unter Embargo stehende Waren über Nachbarländer importiert werden. Die Liefermengen dorthin nahmen in dem Maße zu, wie sie nach Russland sanken. [3] Zunehmend wurden westliche Güter auch durch asiatische ersetzt.

Das russische Handelsvolumen mit China legte schon in den ersten sechs Monaten um 64 Prozent zu, das mit Brasilen verdoppelte sich und das mit Indien stieg sogar auf mehr als das Vierfache. [4] Insgesamt vollzog sich so seit dem Frühjahr 2022 im Rekordtempo ein gravierender Umbruch im Welthandel.

[[Nachdem Trump jetzt neue weitreichende Blockademaßnahmen gegen den russischen Energiesektor verhängt hat, die insbesondere alle Geschäfte mit den beiden größten Energiekonzernen des Landes, Lukoil und Rosneft, unterbinden sollen, wird nun ein Rückgang der Ölimporte Chinas und Indien gemeldet.

Allen Firmen, die weiter Geschäfte mit den russischen Ölriesen oder ihren Tochterunternehmen machen, droht Washington mir Sekundärsanktionen, wie den Ausschluss von US-Finanzmärkten. Wie sich es längerfristig auswirkt, muss man sehen. Bisher wurden im Verein mit diversen Bündnispartnern Wege gefunden. Mit den Rekordimporten seit Anfang des Jahres hat China sich enorme Vorräte angelegt, die Peking und den chinesischen Firmen Zeit verschafft.

Einige indischen Raffinieren beziehen nun ihr Öl über kleinere russische Ölfirmen.

Auch Indiens größter staatlicher Ölraffineriebetreiber Indian Oil Corp (IOC) hat nach kurzer Unterbrechung den Kauf von russischem Rohöl wie Reuters berichtete wieder aufgenommen. Da Trump auch die Hälfte der Zölle in Höhe von 50 Prozent mit Kauf von Öl und Waffen aus Russland begründet ist der Druck hoch.]]

Darauf, wie sich die neuen Wirtschaftssanktionen Trumps auswirken, können wir in der Diskussion eingehen, Der indische Präsident Modi hat bisher das Drängen Trumps, Indien solle auf russisches Öl verzichten, mit den Worten abgewehrt, sein Land lasse sich nicht vorschreiben, mit wem es Geschäfte macht.
 

Iran

 
Das gilt auch für den Iran. Während Israel und die USA das Land militärisch angriffen und die 3 europäischen Garantiemächte des Wiener Abkommens den sog. Snapback-Mechanismus für Iran-Sanktion auslösten, hat Indien seine Öl-Importe aus dem Iran ausgeweitet [, sind aber mit einem Volumen von gut 1 Mrd. Dollar 2024 weit unterm Niveau vor Trumps Aufkündigung des Abkommens. [5] ]

Iran profitiert auch anderweitig stark davon, dass immer mehr Länder bereit sind, Blockaden zu umgehen.

Er konnte dadurch seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen in letzter Zeit stark ausbauen. Neben engerer Kooperation mit Russland, auch mit asiatischen Staaten. China ist mittlerweile der mit Abstand größte Handelspartner und in dessen oft als „neue Seidenstraße“ bezeichnete „Belt and Road Initiative“ spielt der Iran schon aufgrund seiner Lage eine zentrale Rolle.

Auch andere asiatische Staaten weiten, wie Indien, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der islamischen Republik stetig aus. Zudem baut der Iran in Kooperation mit China, Indien, Russland und seinen anderen Nachbarn große Transportkorridore über sein Territorium aus und integriert sich auf diese Weise immer stärker in die Region.

Durch die Mitgliedschaft in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), dem bedeutendsten sicherheits- und wirtschaftspolitischen Bündnis im Osten konnte er seine Integration dort auch politisch festigen. Und durch die Aufnahme in die BRICS konnte er seine Position gegenüber dem Westen natürlich ebenfalls entscheidend stärken.

Der Iran spielt so eine zunehmend gewichtigere Rolle im Umbruch in eine multipolare Welt, während die EU-Staaten und besonders Deutschland sich mit dem dauerhaften Verlust lukrativer Geschäfte im Iran abfinden müssen.
 

Kuba

 
Die Lage Kubas dessen Entwicklung uns besonders am Herzen liegt, ist schwieriger, obwohl die Blockade fast einhellig vom Rest der Welt abgelehnt wird.

Die Insel ist bekanntlich seit 1960 mit einer Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade konfrontiert und dadurch seit 65 Jahre erheblich in ihrer Entwicklung gehemmt.

[[Besonders seit den in den 1990er Jahren verabschiedeten Torricelli- und Helms-Burton-Gesetzen. Diese gestatten der US-Exekutive auch ausländische Unternehmen und Banken unter Androhung schwerer Konsequenzen zu zwingen, sich der Blockadepolitik zu unterwerfen. Für Geschäfte, die die US-Behörden als Verstoß betrachten, haben sie z.T. horrende Summen abgepresst. Die französische BNP Paribas 8,9 Mrd., Commerzbank 718 Mio.]]

Der wirtschaftliche Schaden für das Entwicklungsland ist enorm. Die kubanische Regierung schätzt die Gesamtkosten zum sechzigsten Jahrestag des Embargos auf über 144 Milliarden US-Dollar. Die jährlichen Schäden werden mittlerweile auf mehr 6 Milliarden US-Dollar geschätzt. [6]

Das kubanische Gesellschaftssystem kann die humanitären Folgen abfedern, dafür sorgen, dass niemand hungert. Die Versorgungsengpässe sind aber seit der Verschärfung durch Trump wieder massiv, besonders brutal während der Covid19-Pandemie.

Das Land hat auch mit anderen Problemen, wie den Nachwirkungen der Pandemie, einer verschärften Energiekrise, Erdbeben und zerstörerischen Hurrikane zu kämpfen, die die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter zugespitzt haben. Das größte Problem ist die US-Blockade, die unbarmherzig zusätzlich erwürgt.

Auch die EU und andere Verbündeten der USA kritisieren das Embargo als ungerechtfertigt und völkerrechtswidrig, vor allem die Anwendung von „Sekundärsanktionen“ die auch sie beeinträchtigen.

Wie isoliert die USA sind zeigen die Resolutionen der UN-Generalversammlung mit denen die Blockade seit 1992 Jahr für Jahr als völkerrechtswidrig nahezu einstimmig verurteilt wird, am 29. Okt. bereits zum 33. Mal. [Im letzten Jahr nur 2 Gegenstimmen. Dieses Jahr kamen die von fünf Regierungen hinzu: Mileis Argentinien, Ukraine, Paraguay, Ungarn und Nordmazedonien. Zwölf Staaten, darunter die EU-Mitglieder Polen, Estland, Lettland und Litauen, enthielten sich. Die übrigen anwesenden 165 Staaten stimmten dafür.]

Dass Kuba materiell nicht in dem Maß von der breiten Ablehnung profitieren kann wie z.B. der Iran, liegt zum einen daran, dass es als Insel direkt vor der US-Küste geografisch sehr ungünstig liegt. Zudem ist Kuba kein wichtiger Erdölproduzent und verfügt auch nicht selbst über viele andere Rohstoffe. Und die Blockademaßnahmen werden mit besonderem Nachdruck überwacht und durchgesetzt – auch gegenüber Banken und Unternehmen von Drittstaaten.

Dennoch erhält das sozialistische Land Hilfe. Seit Russland, der bisher wichtigste Partner, selbst mit einem Wirtschaftskrieg konfrontiert ist, kommt die meiste Unterstützung aus China. Es investiert seit dem Beitritt Kubas zur chinesischen „Belt and Road“-Initiative im Jahr 2018 in zunehmendem Umfang in Infrastrukturprojekte – von der Energieversorgung über Häfen bis hin zur Telekommunikation. U.a. spendet es große Mengen an Material für den Ausbau der Solarenergie. Bis 2028 sollen so 92 Photovoltaik-Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 2.000 MW entstehen.

Weiterhin wichtig bleiben auch russische Hilfen in Form von Weizen- und Öllieferungen, sowie der Kuba-Tourismus aus Russland, der von Moskau stark gefördert wird.

Kuba vertiefte auch kürzlich Beziehungen zu Vietnam und Laos. Vietnam wurde mittlerweile zum zweitwichtigster Handelspartner Kubas und der wichtigste Kapitalinvestor aus Asien.

Zusätzliche Hilfe gegen Trumps Würgegriff kann Kubas Aufnahme als Partner der BRICS bringen. Die Zusammenarbeit im BRICS-Rahmen könnte u.a. bei der Diversifizierung der kubanischen Wirtschaft und bei der Erneuerung des Energiesektors helfen.

Indien hat sich verpflichtet seine Zusammenarbeit im Rahmen der BRICS in Schlüsselbereichen wie Biotechnologie, erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Landwirtschaft und Tourismus auszubauen.

Und die BRICS-Partnerschaft dürfte die Nutzung alternativer Währungen, wie dem chinesischen Yuan und der indischen Rupie erleichtern, sowie die alternativer Finanztransfersysteme. Dadurch könnte die Finanzblockade teilweise durchbrochen und die Transaktionskosten gesenkt werden.
 

Dedollarisierung

 
Die ausufernden Finanzblockaden, gar verbunden mit dem Einfrieren von Guthaben der angegriffenen Länder und dem Ausschluss aus dem internationalen Finanzkommunikationsnetzwerk SWIFT, befeuern natürlich das Streben nach mehr wirtschaftlicher und finanzieller Unabhängigkeit von den USA und der EU.

Daher arbeiten viele Länder mit Nachdruck daran, sich vom US-Dollar und vom US-dominierten Finanzsystem wirksam abzukoppeln – naheliegenderweise gemeinsam mit China, Russland und dem Iran.

China baut den Yuan, bzw. den Renminbi, schon seit langem Schritt für Schritt zu einer Leitwährung aus. Wo es möglich ist, ersetzen immer mehr Staaten den Dollar im Handel durch den Yuan, voran die BRICS-Staaten. China und Brasilien wickeln ihren bilateralen Handel nur noch in ihren lokalen Währungen ab. [7] Insgesamt kann China mittlerweile schon über 50 Prozent seines Außenhandels in seiner eigenen Währung abwickeln. Indien baut ebenfalls beschleunigt die eigene Landeswährung Rupie zu einer internationalen Handelswährung und Alternative zum US-Dollar auf.

BRICS will auch über seine New Development Bank den Aufbau eines entdollarisierten Handelssystems vorantreiben. Diese multilaterale Entwicklungsbank soll dem Globalen Süden als Alternative zu IWF und Weltbank dienen. Sie steht auch anderen Ländern offen und kann zukünftig auch denen helfen, die durch Finanzblockaden vom US-dominierten Finanzsystem ausgeschlossen sind.

Parallel dazu arbeiten vielen Staaten und Bündnisse auch an Alternativen zum US-kontrollierten Finanzsystem und SWIFT. Russland hat bereits 2014 ein eigenes Transfersystem, etabliert, sowie ein nationales Zahlungssystem, inklusive Kreditkarte, namens Mir. Diese wird u.a. auch von  türkischen Banken akzeptiert. [8] Auch in Kuba kann man sie seit Dez. 2024 nutzen.  Im Januar 2023 wurde das russische mit dem iranischen Finanzkommunikationssystem zusammengeschlossen. [9]

Wesentlich leistungsfähiger ist Chinas „Grenzüberschreitendes Interbankenzahlungssystem“ (Cross-Border Interbank Payment System, CIPS). Ende April 2025 hatte CIPS bereits über 1670 Teilnehmer aus 119 Ländern und wickelte darüber Geschäfte mit mehr als 4.900 Bankinstituten in 187 Ländern ab. [10] Von SWIFT, das von 11.000 Finanzinstituten in 200 Ländern genutzt wird, ist das chinesische System noch ein gutes Stück entfernt, kann aber durchaus schon als echte Alternative fungieren.

Auch kubanische Banken nutzen mittlerweile Chinas SWIFT-Alternative.

All dies setzt der wirtschaftlichen Macht der USA, die sich stark auf die Dominanz des Dollars stützt, spürbar zu. Noch hat der US-Dollar mit Abstand den größten Anteil am Welthandel und an den Devisenreserven. Doch wird seine Dominanz zunehmend in Frage gestellt. Hatte der US-Dollar 1977 einen Anteil von 85 Prozent bei den Devisenreserven und 2001 noch von 73 Prozent, so betrug er 2023 nur noch rund 58 Prozent.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich im Zuge des Wirtschaftskrieges gegen Russland die Welt nun endgültig aufgeteilt hat, nicht nur in der völkerrechtlichen Debatte, sondern auch ganz real politisch und wirtschaftlich. Während sich der politische Westen enger zusammenschloss ‒ gegen Russland aber auch gegen China, erstarkten im Süden Blöcke, die sich gegen dessen Dominanzstreben richten und in denen Russland und China eine zentrale Rolle spielen. Vor allem das BRICS-Bündnis bekam enorme Bedeutung und Anziehungskraft. Nach seiner Erweiterung zu Brics+, umfasst es bereits mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Die Zunahme wirtschaftlicher Alternativen für Außenhandel und ausländische Investitionen bieten vielen Ländern des globalen Südens Wege, den neo-kolonialen Extraktivismus, d.h. die Beschränkung auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zum Nutzen globaler Firmen, zu überwinden. Es ist ein Prozess der weiteren Entkolonisierung, der einhergeht mit einem neuen selbstbewussten Eintreten der Länder für ihre Souveränität, sichtbar z.B. in der Abkehr der Sahel-Staaten von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Wir dürfen uns nichts vormachen. Die USA und ihre Verbündeten werden alles tun, um das Rad aufzuhalten, auch mit militärischer Gewalt, wo Wirtschaftsblockaden nicht ausreichen ‒ aktuell droht das Venezuela.
 


 

*** Wiebke Diehl ist Journalistin und aktiv in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘.
*** Joachim Guilliard ist im Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg und im Bundesausschuss Friedensratschlag aktiv.
 
Zurück zum Anfang

 


 

Fußnoten

 
[1] Memorandum from the Deputy Assistant Secretary of State for Inter-American Affairs (Mallory), Washington. April 6, 1960, Office of the Historian, Foreign Service Institut
zurück in den Text
[2]Russian Oil Finds Fewer Takers in China After Hit From Sanctions, By Bloomberg News, 3.11.2025
zurück in den Text
[3] EU-Behörde hat Verdacht: Nachbarn helfen Russland, die Sanktionen zu umgehen, Berliner Zeitung, 21.02.2023
zurück in den Text
[4] How Russia Pays for War, New York Times, 30.10.2022
zurück in den Text
[5] Gemäß COMTRADE database on international trade, andere geben weniger an. India Imports from Iran – 2025 Data 2026 Forecast 1988-2024 Historical, Trading Economics , November 2025.
India Emerges as Iran’s New Oil Buyer After Snapback, WANA (West Asia News Agency), 04 October 2025
zurück in den Text
[6] Kuba: Mangel in Kreativität verwandeln – Miserable ökonomische Kennzahlen, aber Licht am Ende des Tunnels. Zur wirtschaftlichen Lage Kubas, jW 21.07.2025,
zurück in den Text
[7] Brasilien und China einigen sich auf Handel in ihren Landeswährungen, Telesur, amerika21
zurück in den Text
[8] Türkei zahlt russisches Gas in Rubel und öffnet Banken für russische Kreditkarten, Business Insider, 9.8.2022
zurück in den Text
[9] Pepe Escobar, Die große Leiche: Russland-Iran entledigen sich des Dollars und brechen die US-Sanktionen, The Cradle / seniora.org, 13.2.2023
zurück in den Text
[10] CIPS Participants Announcement No. 108, CIPS, 12.5.2025
zurück in den Text

(Auszug von RSS-Feed)
❌