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Heute — 19. April 2026

„Howie“ in Hamburg: Der beste Carpendale, den es je gab

19. April 2026 um 09:01

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Für das finale Konzert seiner finalen Tournee gastierte Howard Carpendale (80) am Sonnabend in der Barclays-Arena in Hamburg. Künstler, die wie er schon öfter einen Rücktritt vom Rücktritt machten, stehen gerne mal unter dem Generalverdacht, den richtigen Moment des Abschieds verpasst zu haben. Das dürfte von Howie niemand behaupten: Die Schlagerlegende präsentierte sich mit fetter Band, erstklassigen Arrangements seiner Lieder, netten Geschichten und prominenten Familienmitgliedern. Nur bei dem Thema Abschied ruderte er nun doch wieder zurück …

Howard Carpendale winkt freundlich, als er sich am Sonnabend nach dem Intro zu seiner 15-köpfigen Band (!) auf die Bühne der Barclays-Arena gesellt. Zum blonden Haar trägt er einen schwarzen legeren Anzug und Glitzerschal. Mitte Januar ist der deutsch-südafrikanische Schlagersänger 80 geworden, die Jahre sieht man ihm nicht an. „Ich hab diese Zahl ignoriert. Für mich gilt die gar nicht, ich bin 4160 Wochen alt. Das klingt doch besser“, wird er später in seiner Begrüßung sagen.

Howard Carpendale schlägt am Anfang sentimentale Töne an

Doch am Anfang der letzten Show seiner vermeintlich letzten Tournee, die dementsprechend unter dem Motto „Meine Abschiedstournee“ steht, schlägt er textlich durchaus sentimentale Töne an: „Wir teilen jetzt schon alles, was man erleben kann. Erinnerungen leuchten überall auf unserem Weg zusamm′n. Und ich weiß, nichts bleibt für immer“, heißt es im Show-Opener „Let’s Do It Again!“ Und in „Ist ein Leben genug“ singt Howie sitzend auf einem in der Mitte der Bühne platzierten weißen Barhocker die Zeilen: „Was es mir bedeutet, dass ihr hier seid. Denn irgendwann ist es zu spät.“

Fette Band, erstklassige Arrangements und Mega-Show

Das soll’s dann auch erst mal gewesen sein in Sachen Schwermut. Denn er hat einiges aufgefahren für sein Finale nach 60 Jahren Karriere im Scheinwerferlicht: Seine Band, zu der auch ein Trompeter und Saxofonist gehören, die immer wieder Akzente setzen, bringen die Songs in modernen, stilsicheren Arrangements rüber. Das Bühnendesign steht dem um nichts nach: Die XXL-Leinwand, die Howie in unterschiedlichen Variationen in Großaufnahme zeigt, ist ein Star für sich. Über der Bühne hängt ein beweglicher Lichterkranz. Das alles bildet eine tolle Symbiose.

„Ich habe vor, noch eine Weile zu singen“

Nach einem „Hi / Simply The Best“ gibt es Jubel total. „Deswegen ist Hamburg immer unser letztes Konzert“, meint der im südafrikanischen Durban geborene Künstler mit Blick in die gut gefüllte Arena. „Ja, Freunde, ich muss ganz ehrlich sagen, als wir den Vorverkauf angefangen haben vor etwa anderthalb Jahren, da habe ich das nicht erwartet… Ich hoffe, ihr seid alle nicht nur gekommen, weil ihr das Gefühl habt, ich hab nur noch eine Chance, den Typen zu sehen. Nee, nee, ich hab vor, noch eine Weile zu singen, aber da komm ich noch zu …“


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Erst erzählt er von seiner Frau, die in Reihe 7 vor der Bühne sitzt. „Wir sind 46 Jahre zusammen. Eine lange Zeit… Wenn zwei Menschen so viel Zeit zusammen verbringen, muss ein gewisser Humor dabei sein: einander anmachen, einander veräppeln, einander verarschen … Ich mach es ein bisschen besser als sie.“ Von seinem Humor, der oftmals ein Geschmäckle von altem Herrenwitz hat, gibt er in kleinen Anekdoten immer wieder eine Kostprobe. „Du bist das Letzte“, stimmen die Backgroundsänger daraufhin für ihn an.

Bei „Fremde oder Freunde“ vergisst Howie den Text

Bei „Fremde oder Freunde“ vergisst Howie kurz den Text. Danach erzählt er eine Story von Frank Sinatra, dem bei einem Konzert in New York Gleiches widerfuhr und der daraufhin weinte, bis ein Zuschauer von ganz hinten rief: „Frankie, das macht nix, we love you!“ „Und ich hab mir gedacht, vielleicht könnte ja so was auch bei mir passieren“, scherzt er. Der „Howie – wir lieben dich“-Ruf kommt prompt und immer mal wieder an diesem Abend.

Dann geht es um Udo Jürgens

Dann geht es um einen anderen Großen aus dem Schlagerbusiness. Howie und Udo Jürgens waren nicht die besten Freunde, dennoch zollt er ihm mit einer umgetexteten Coverversion von „Ich war noch niemals in New York“, zu der die Familie Jürgens ihren Segen gab, Respekt. Wie jazzig die Band das musikalisch umsetzt, hätte dem 2014 verstorbenen Komponisten gefallen.

Fans drehen durch – und rennen bis zum Bühnenrand

Beim Kultsong „Tür an Tür mit Alice“ stimmt der komplette Saal mit einem „Who the fuck is Alice?“ mitein. Sowieso springen die Menschen immer wieder von den Sitzen vor Begeisterung. Manche rennen bis nach vorne zum Bühnenrand, zum Leidwesen der Security. Dann gibt es Blumen für Howie wie zu „ZDF Hitparade“-Zeiten. „Seit vielen Tourneen passiert das eigentlich gar nicht mehr“, zeigt sich der frühere Frauenschwarm freudig überrascht. Nur mit dem Aufheben der Stengel hat er – nach Hüftoperation in 2023 – ein paar Probleme.

Als er vom Barhocker aus „Eine Nacht in New York City“ vor abendlicher Wolkenkratzer-Skyline auf der Leinwand anstimmt, ein Lied über die Menschen, die wir vermissen im Leben, hat das eine unglaubliche Intensität. In diesem Moment ist der einst als Beat-Sänger und Elvis-Presley-Imitator gestartete Künstler nicht mehr nur der Schlagersänger. Man kann sich dem Eindruck nicht verwehren, dass Howie, der über 700 Songs in seiner Karriere aufgenommen hat, erst 80 Jahre alt werden musste, um ein Grandseigneur der Musik zu werden. Er ist irgendwie erst jetzt auf dem Zenit angekommen, und man glaubt ihm jedes Wort.

Carpendale über Kriege und das Kindersterben: „Ich kann es nicht mehr sehen“

In der Anmoderation von „Unter einem Himmel“ zeigt er sich fassungslos über die momentanen Kriege, das Kindersterben und die vielen Waffen: „Ich kann es nicht mehr sehen“, sagt er und erntet zustimmenden Applaus. Später wird er zum Song „Ihr Großen dieser Erde“ noch mal nachlegen: „Da sind eine Handvoll alter Menschen, die so alt sind wie ich, die scheinen diese Welt zerstören zu wollen.“ Statt „Menschen“ hätte er allerdings auch ruhig „Männer“ sagen können …

Nach einer Pause kehrt er mit „Hello Again“ zurück – und alle singen mit. „Dass ich endlich ein Lied mit ihm auf der Bühne singe, das ist für mich das Größte“, meint Carpendale. „Es geht natürlich um meinen Sohn Wayne.“ Bevor dieser leibhaftig auf die Bühne kommt, zeigt Howie erstmal dessen Instagram-Account und ein dort von ihm veröffentlichtes Promo-Video zur Tour von den Beiden. „Mit KI kann ich jetzt endlich richtig Hochdeutsch sprechen“, sagt Howie darin und erntet Lacher in der Halle.

Carpendale singt „Stand By Me“ mit seinem Sohn in der Barclays-Arena

Vater und (ein hochkonzentrierter) Sohn singen eine eingedeutschte Version von „Stand By Me“. Ein wunderbarer Moment, der in innigen Umarmungen der Beiden mündet. „Ich hab immer über dich gesagt, dass du ein Typ bist, der sich nicht so ernst oder wichtig nimmt“, meint Wayne im Anschluss. „Aber heute Abend musst du bitte einfach mal wahrnehmen, dass du für so viele Menschen im Leben so unglaublich wichtig warst… I love you!“ Der Saal applaudiert.

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Gänsehaut erzeugt Carpendale Senior mit seinem Lied für die Toten „Du bist doch noch hier“. Ansonsten reiht sich in der zweiten Hälfte Hit an Hit, vornehmlich aus den 1970ern und 1980ern: „Samstag Nacht“, „Wem (erzählst du nach mir deine Träume), „Deine Spuren im Sand“, „Laura Jane“, „Nachts, wenn alles schläft“, „Dann geh doch“ sowie „Das schöne Mädchen von Seite 1“, sein erster großer Hit, den er an diesem Abend von dem Rapper seines Backingchors aufmotzen lässt.

Howie über Zukunftspläne: „Das ist meine letzte Tournee, aber …“

„Das ist meine letzte Tournee, und das ist tatschlich so“, meint Howie gegen Ende, nach 25 Tourneen in 60 Jahren. „Das heißt aber lange nicht, dass ich aufhöre zu singen, denn ich kann nicht leben, ohne zu singen – das gehört einfach zu mir.“ Jubel der Erleichterung brandet auf. Howie präzisiert seine Zukunftspläne ohne das Reisen: „Mein Traum ist, das zu tun, was man in Amerika auch tut: In einem schönen Saal wie z.B. dem CCH für ein paar Abende hintereinander aufzutreten… Man könnte drei, vier, fünf Abende hintereinander machen. Das ist das, was ich machen möchte.“

„Ich hoffe auch, dass Hamburg in der 1. Liga bleibt“

Dann betont Carpendale nochmal, dass dies die schönste Tournee sei, die er je gemacht habe, und bedankt sich bei allen Beteiligten. „Ich hoffe sehr, dass wenn sie in sechs Monaten an diesen Abend denken werden, sie noch wissen, was sie gefühlt haben. Emotionen sind das Wichtigste …“ Seine Band hat „We love you, Howard“-Plakate für ihn gemalt und singt ihm ein entsprechendes Ständchen. Howie ist gerührt: „Es war unglaublich mit euch“, richtet er an seine Truppe.

Und an das Publikum: „Ihr seid wirklich die Besten, mir fehlen die Worte im Moment. Ich hoffe auch, dass Hamburg in der 1. Liga bleibt.“ Eine wunderbar stilsichere und mit starkem Bläsereinsatz dekorierte Version von „Ti Amo“, das der Saal im Kollektiv mitsingt, sowie den sehr persönlichen Song „Symphonie meines Lebens“ gibt es zum Abschied. Und wir legen uns fest: Das war der beste Carpendale, den es jemals gab.

„Howie“ in Hamburg: Der beste Carpendale, den es je gab wurde gefunden bei mopo.de

(Auszug von RSS-Feed)
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