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Heute — 19. April 2026

Immer mehr gewalttätige Kinder: „Da muss eine Strafe her, die weh tut“

19. April 2026 um 07:55

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Die furchtbare Bluttat von Flottbek: Ein 15-Jähriger sticht einen 13-jährigen Mitschüler ab. Das Opfer überlebt mit sehr viel Glück. Eine erschreckende Tat – aber kein Einzelfall. Ein Blick in die aktuellen Polizeistatistiken zeigt, dass die Zahl der Gewalttäter bei Kindern und Jugendlichen steigt – vor allem bei den Unter-14-Jährigen. Nun verlangt die Deutsche Polizeigewerkschaft, dass daraus Konsequenzen gezogen werden. „Da muss eine Strafe her, die weh tut“, sagt Thomas Jungfer, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Hamburg.

In Deutschland sind Jugendliche erst ab 14 Jahren strafmündig. Wer bei einer Tat jünger ist, gilt nach Paragraf 19 Strafgesetzbuch als schuldunfähig und kann strafrechtlich nicht belangt werden. Die Deutsche Polizeigewerkschaft will das ändern. Thomas Jungfer, Chef der DPolG Hamburg, fordert, dass die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabgesetzt wird. Wer mit einem Messer in die Schule gehe und damit eine Straftat begehe, zeige schließlich, dass er sehr wohl schon eigenständig handeln könne. Viele seien heute mit 12 schon reifer, als seine Generation es mit 21 gewesen sei. Da müsse man auch die Gesetze anpassen.

Jugendgewalt in Hamburg: Polizeigewerkschafter fordert Strafmündigkeit ab 12 Jahren

Jungfer argumentiert dabei nicht nur mit Abschreckung, sondern auch mit dem Schutz der Opfer. Dem sei es schließlich egal, wie alt der Täter sei. „Da muss eine Strafe her“, sagt er, „die wirklich wehtut.“ Zugleich beschreibt er die Ursachen als vielschichtig: fehlender Respekt, Defizite in der Erziehung, überforderte Eltern, unbeaufsichtigte Schlüsselkinder, ein falscher Freundeskreis und soziale Netzwerke, in denen Gewalt vorgeführt werde. Innere Sicherheit, so seine Überzeugung, fange in der Familie an.

Vor der Stadtteilschule Flottbek: Mitarbeiter der Kriminaltechnik untersuchen den Tatort nach einem Messerangriff vor der Stadtteilschule Flottbek. Ein 15-Jähriger hat dort kurz zuvor einen 13-jährigen Mitschüler mit einem Messer lebensgefährlich verletzt. picture alliance/dpa | Marcus Brandt
Messerstecherei Flottbek
Vor der Stadtteilschule Flottbek: Mitarbeiter der Kriminaltechnik untersuchen den Tatort nach einem Messerangriff vor der Stadtteilschule Flottbek. Ein 15-Jähriger hat dort kurz zuvor einen 13-jährigen Mitschüler mit einem Messer lebensgefährlich verletzt.

Wie soll die Gesellschaft auf die zunehmende Gewalt reagieren? Mit mehr Konsequenz, findet auch die Hamburger Strafverteidigerin Dr. Christiane C. Yüksel, die früher Dozentin für Jugendstrafrecht an der Uni Hamburg war. Das ist bemerkenswert, denn eigentlich ist es ihr Beruf, für ihre Mandanten möglichst milde Strafen zu erreichen. Sie beobachtet, dass viele jugendliche Täter gerichtliche Weisungen oder Sozialstunden kaum noch fürchten. „Wenn ein Verfahren mit einer Ermahnung oder einer Weisung endet, wird das von vielen Jugendlichen nicht besonders ernst genommen“, sagt sie. Das hänge allerdings auch vom jeweiligen Richter ab. „Einige Jugendrichter sind sehr bemüht, dem Jugendlichen die Konsequenzen seines Verhaltens aufzuzeigen. Andere bekommen das weniger gut hin.“

Die Anwältin Dr. Christiane Yüksel gehört zu den bekanntesten Hamburger Strafverteidigern. Florian Quandt
Dr. Christiane Yüksel
Die Anwältin Dr. Christiane Yüksel gehört zu den bekanntesten Hamburger Strafverteidigern.

Von härteren Strafen hält das Deutsche Jugendinstitut (DJI) dagegen wenig. Die Fachleute verweisen darauf, dass es für eine Absenkung der Strafmündigkeit keine belastbare empirische Grundlage gibt. Kinder handelten oft impulsiv und spontan; eine abschreckende Wirkung des Strafrechts sei bei ihnen deshalb kaum zu erwarten. Das DJI warnt zudem vor Freiheitsentzug und Strafverschärfung.

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Solche Maßnahmen führen bei jungen Menschen oft nicht zu weniger, sondern zu neuer Straffälligkeit und können ihre Entwicklung zusätzlich belasten. Viele frühe Auffälligkeiten blieben vorübergehend und bedeuteten noch keine kriminelle Laufbahn. Helfen könne deshalb vor allem Prävention: also frühes Eingreifen, feste Beziehungen, Erziehung, Jugendhilfe und Unterstützung in Familie, Schule und Freizeit.

Immer mehr gewalttätige Kinder: „Da muss eine Strafe her, die weh tut“ wurde gefunden bei mopo.de

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Riesen-Manöver „Red Storm Bravo“ in Hamburg: Stellen wir uns vor, es ist Krieg

11. September 2025 um 18:57

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Es ist ein Fall, der hoffentlich niemals eintritt, den aber Experten des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesverteidigungsministeriums durchaus für denkbar halten: dass nämlich Russland in zwei, drei Jahren in der Lage und auch willens sein könnte, einen NATO-Staat anzugreifen. Denkbares Ziel: Litauen. In einem solchen Fall würde Deutschland nicht zum Kampf-, aber zum Aufmarschgebiet. Innerhalb kürzester Zeit müssten Hunderttausende NATO-Soldaten per Straße, Schiene und in der Luft einmal quer durch unser Land an die Ostgrenze des Bündnisgebiets verlegt werden, um die russische Armee zu stoppen. Genau dieses Szenario wird vom 25. bis 27. September in Hamburg geübt.

„Red Storm Bravo“ – so heißt das Großmanöver, an dem 500 Soldaten und eine große Zahl an Helfern und Mitarbeitern von Polizei, Feuerwehr und THW beteiligt sind, außerdem Hamburger Behörden und Unternehmen. Die Übung findet in verschiedenen Hamburger Stadtteilen statt. Das Übungsszenario geht davon aus, dass im Hafen bereits große NATO-Truppenkontingente eingetroffen sind, und nun besteht die Herausforderung darin, sie über Straßen und Autobahnen auf den Weg in Richtung Nordosten zu bringen.

Falls Russland das Baltikum angreift, wird Deutschland zum Aufmarschgebiet der NATO

„Sollte Russland beabsichtigen, die NATO zu testen, wird Deutschland zur Drehscheibe für die Verlegung von Truppen und Material an die Ostflanke des Bündnisgebiets“, erläutert der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kapitän zur See Kurt Leonards, die Grundidee von „Red Storm Bravo“. „Der militärische ,Operationsplan Deutschland‘ regelt, was dann zu tun ist. Deshalb üben wir verschiedene Szenarien.“

Kapitän zur See Kurt Leonards, neuer Kommandeur des Landeskommandos Hamburg: „Wenn es uns nicht gelingt, eine glaubwürdige Abschreckung hinzubekommen, dann gibt es wirklich Grund zur Sorge.“ Olaf Wunder
Bundeswehr
Kapitän zur See Kurt Leonards, neuer Kommandeur des Landeskommandos Hamburg: „Wenn es uns nicht gelingt, eine glaubwürdige Abschreckung hinzubekommen, dann gibt es wirklich Grund zur Sorge.“

Während sich „Red Storm Alpha“ im Jahr 2024 auf den Schutz verteidigungswichtiger Infrastruktur im Hamburger Hafen konzentrierte, steht bei „Red Storm Bravo“ die zivil-militärische Zusammenarbeit im Fokus. Ziel der Übung ist es, das Landeskommando Hamburg noch besser auf seine Aufgabe im Bündnisfall vorzubereiten: zum einen die militärische Führung, zum anderen die Koordination und Zusammenarbeit mit den zivilen Institutionen für das Funktionieren der „Drehscheibe Deutschland“ hier im Bundesland zu übernehmen.

An „Red Storm Bravo“ nehmen 500 Soldaten und zahlreiche zivile Akteure teil

Insgesamt werden rund 500 Soldatinnen und Soldaten mit zahlreichen Fahrzeugen und Hubschraubern an „Red Storm Bravo“ teilnehmen. Dazu kommen die Teilnehmer der beteiligten zivilen Institutionen und Unternehmen sowie deren Fahrzeuge und Ausrüstung. Um Beeinträchtigungen für Verkehr und Wirtschaft zu verringern, finden die Truppenbewegungen auf den Straßen in der Nacht statt. Zu rechnen ist unter anderem tagsüber mit Fluglärm durch Hubschrauber sowie einer nächtlichen Kolonnenfahrt im Stadtgebiet.

Zur Koordination der Übung wird eine Operationszentrale in der Reichspräsident-Ebert-Kaserne in Iserbrook eingerichtet und besonders gesichert. Zum Übungsszenario gehören zudem Störfälle wie beispielsweise zahlreiche Verwundete, die die Teilnehmenden vor zusätzliche Herausforderungen stellen werden.

Die Linke ruft zum Protest auf: „Keine Kriegsspiele in Hamburg“

Verschiedene Gruppen protestieren gegen die Übung. Das Bündnis „Gemeinsam gegen ,Red Storm Bravo’“, zu dem auch die linke Bürgerschaftsfraktion gehört, ruft zur Demonstration gegen das Manöver auf. Ein Protestzug wird am Freitag, 26. September, ab 18 Uhr vom Rathausmarkt über den St. Annenplatz zu den Landungsbrücken ziehen. Tenor: „Keine Kriegsspiele in Hamburg“. Kritisiert wird, dass neben logistischen Abläufen zur Truppenverlegung auch die Repression zivilen Widerstands und die Umsetzung des Arbeitssicherstellungsgesetzes gehöre, mit dem Beschäftigte im Kriegsfall zur Zwangsarbeit herangezogen werden könnten.

Riesen-Manöver „Red Storm Bravo“ in Hamburg: Stellen wir uns vor, es ist Krieg wurde gefunden bei mopo.de

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