Das Dschungelcamp spaltet in diesem Jahr wie kaum zuvor. Doch es geht längst nicht mehr nur um Prüfungen, Ekel-Essen oder Lagerfeuer-Zoff. Es geht um Macht, Geschlecht – und darum, wer in dieser Gesellschaft laut sein darf.
Ariel, das Dschungel-Küken, ist noch relativ neu im Trash-TV, aber dafür umso erfolgreicher, bekannt und beliebt – als jemand, der keine Konfrontationen scheut und klare Fakten benennt. Nun ist sie im Dschungelcamp zur Zielscheibe geworden. Nicht, weil sie unfair wäre. Sondern weil sie unbequem ist und Gil jeden Tag mit den Taten konfrontiert, die er lieber totschweigen will.
Dschungelcamp: Ariel im Shitstorm
Wieder einmal zeigt sich ein altes Muster: Eine Frau mit Meinung gilt als größerer Störfaktor als ein Mann mit problematischer Vergangenheit. Ob Kamala Harris gegen Donald Trump oder Ariel gegen Gil Ofarim – das Schema bleibt gleich. Männer dürfen poltern, tricksen, täuschen. Frauen sollen bitte leise sein. Und wenn nicht, dann gelten sie schnell als „zickig“, „hysterisch“ oder haben vermutlich „ihre Tage“. Während Männer wie Gil Ofarim sich jahrelang als Opfer inszenieren konnten – mit Interviews, Talkshows, Bühnenauftritten und nun einer kolportierten Dschungelgagen-Rekordsumme – reicht bei einer Frau wie Ariel eine klare Haltung, um einen Shitstorm auszulösen.
„Solange ich hier stehe, werde ich niemals einen Tag vergehen lassen, an dem ich dieses Thema totschweige.“
Konfrontiert der „Killer-Chihuahua“ – wie Gil sie zu nennen pflegt – ihn wie jeden Tag mit seinen Taten, nervt das nicht nur die Camper, sondern auch viele Zuschauer.
Ariel wird infantilisiert, sogar entmenschlicht
Parallel sitzen in „Die Stunde danach“ überwiegend Männer jenseits der 50 und sprechen Ariel ab, eine gute Mutter zu sein. Männer, die selbst nicht selten wegen Fehlverhaltens in den Schlagzeilen standen. Ariels Mutterschaft wird infrage gestellt, ihr Äußeres verspottet, ihr ganzes Sein entmenschlicht. So sagt Jürgen Milski, er könne „es“ nicht als Frau bezeichnen, und nennt sie „Waschmittel“ und „etwas“.
Hier nur ein paar Beispiele: Thorsten Legat spricht ihr das Frausein ab. Gil nennt sie „Mäusele“. Dadurch infantilisieren sie Ariel, um sich nicht inhaltlich mit ihr auseinandersetzen zu müssen. Sie nutzen ihren Altersvorsprung, um moralische Überlegenheit zu simulieren. Weil sie ihren Argumenten nichts entgegenzusetzen haben, greifen sie ihre Optik an. Die Botschaft ist eindeutig: Frauen, die unbequem und laut sind, müssen in ihre Schranken gewiesen werden.
Wird ein Mann laut, gilt das als maskuline Stärke. Dominanz. Führung.
Wird eine Frau laut, gilt sie als hysterisch – und wird degradiert.
Dschungelcamp: Ariel ist anstrengend – weil sie sagt, was andere sich nicht trauen
Ariel nimmt sich Raum. Und das provoziert. Auch Frauen – meist jenseits der 50 –, die gelernt haben, sich unterzuordnen, um dazuzugehören, empfinden ihr Verhalten als Angriff auf die eigenen Lebensentscheidungen. Das spiegelt sich im Verhalten von Simone – und auch in den Kommentarspalten – wider. Sie kehren die Taten eines Ofarims lieber unter den Teppich und bewahren den Frieden: Eine Frau hat schließlich leise und sittsam zu sein.
Zwei Jahre tingelte Gil Ofarim von Interview zu Interview und hielt an seiner Lügengeschichte fest, während der Hotelmitarbeiter Morddrohungen erhielt und seine Existenz zerstört wurde. Doch statt Reue zu zeigen, inszeniert sich Ofarim durch vage Andeutungen selbst als Opfer. Seine Strategie, sich mit Schweigen aus der Affäre zu ziehen, geht dank Ariel nicht auf. Sie ist sein Karma auf zwei Beinen. Sie lässt nicht locker. Während er sich in Ausflüchten verheddert, bleibt sie dran – und stellt die Fragen, die gestellt werden müssen.
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Ja, Ariel ist anstrengend. Aber nicht, weil sie nervt – sondern weil sie sagt, was andere sich nicht trauen. Weil sie nicht locker lässt. Und weil sie mit Gil Ofarim einen Mann konfrontiert, dessen Lüge reale Konsequenzen hatte. Nämlich für tatsächliche Opfer antisemitischer Angriffe, denen jetzt nicht mehr geglaubt wird.
Dschungelcamp: Laut, weiblich, unbequem – und deshalb ein Problem? wurde gefunden bei mopo.de

