Darmstadt 98 hat im Aufstiegsrennen der 2. Liga überraschend gepatzt. Beim Abstiegskandidaten Dynamo Dresden verlor die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt 1:3 (0:2) und verpasste nach dem Ende der Serie von 13 Ligaspielen ohne Niederlage den Sprung an die Tabellenspitze. Riesigen Frust gab es aufgrund der Schiedsrichter-Leistung. Es fielen deutliche Worte.
Vincent Vermeijs Doppelschlag (45./45.+2) ließ die Dresdner letztlich jubeln, nachdem Darmstadts Patric Pfeiffer (42.) aufgrund einer strittigen Notbremse die Rote Karte gesehen hatte. Nach Gelb-Rot gegen Jakob Lemmer (53.) spielten auch die Sachsen, die mit dem dritten Heimsieg der Saison vorerst aus der Abstiegszone kletterten, zu zehnt. Christoph Daferner (81.) erhöhte, Yosuke Furukawa (90.) traf spät für die Lilien.
Dresden-Stürmer Vermeij mit Doppelpack vor der Pause
Die beiden Teams boten einen munteren Beginn. Die erste gute Chance erarbeiteten sich die Gäste, die unter anderem auf den erkrankten Fraser Hornby verzichten mussten, doch Dynamo-Keeper Tim Schreiber parierte gegen Niklas Schmidt (21.).

Kurz vor der Pause überschlugen sich die Ereignisse: Erst rutschte Pfeiffer weg und holte dann Ben Bobzien von den Beinen. Schiedsrichter Lars Erbst stellte den Verteidiger vom Platz – sehr zum Unmut von Kohfeldt, der sich an der Seitenlinie echauffierte. Der Ex-Werder-Coach war vor allemddeshalb so sauer, weil Dynamo-Verteidiger Thomas Keller bei einer ähnlichen Situation in der siebten Spielminute zuvor nur die Gelbe Karte gesehen hatte. Keller hatte Darmstadt-Stürmer Isac Lidberg als letzter Mann umklammert und hätte aus Kohfeldts Sicht dafür vom Platz gemusst, statt nur verwarnt zu werden.
„Falsch“: Darmstadt-Trainer Kohfeldt kritisiert Rote Karte
„Es ist ein Halten. Uns wird immer gesagt: Halten ist viel schlimmer, als wenn die Aktion zum Ball geht“, so der 43-Jährige, den Pfeifers Platzverweis umso mehr aufregte: „Wie kann man da auf die Idee kommen, eine Rote Karte zu geben?“ Kohfeldt legte nach: „Wir hatten letzte Woche schon ein großes Problem mit dem Schiedsrichter, jetzt haben wir das Gefühl, es ist einfach zu viel. Heute ist es so offensichtlich falsch, das kann nicht ohne Kommentar bleiben.“ Zustimmung erhielt er sogar von Dresdens Trainer Thomas Stamm, der sagte: „Ich kann den Unmut verstehen, zu 100 Prozent. Es geht um eine einheitliche Linie. Die fehlt mir oft, heute auch.“
SVD-Keeper Marcel Schuhen ging am Sky-Mikrofon noch härter mit Referee Erbst ins Gericht. „Es sind zwei krasse Fehlentscheidungen aufgrund der Atmosphäre, die dieser geile Kessel mit sich bringt“, sagte der 33-Jährige, der die Ansetzung des unerfahrenen Schiris „eine absolute Vollkatastrophe“ nannte. Für Erbst war es erst der 24. Einsatz als Haupt-Unparteiischer in der 2. Liga.
Schuhen: Schiri Erbst hatte beim Spiel „nichts zu suchen“
„Ich glaube, wir brauchen gerade in so einer Situation im Aufstiegskampf Schiedsrichter, die so eine Stimmung auch gewohnt sind. Die wissen, was passiert“, meinte Schuhen. Vor diesem Hintergrund hätte Erbst bei einem Duell wie dem am Freitag im Rudolf-Harbig Stadion „nichts zu suchen“. Durch die Pleite verpasste Darmstadt den Sprung an die Tabellenspitze, während sich Dresden im Abstiegskampf Luft verschaffte.
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Nach dem Platzverweis für Pfeifer, den Schuhen als „eine Frechheit“ bezeichnete“, schlug Vermeij eiskalt zu: erst per Kopf, dann per Volleyschuss. Der zweite Durchgang begann mit dem nächsten Platzverweis. Nach zwei Fouls direkt nacheinander war die Partie für Lemmer vorzeitig beendet. Die Gastgeber konzentrierten sich danach stärker auf die Defensive, ehe noch Joker Daferner per Abstauber und auf der Gegenseite der ebenfalls eingewechselte Furukawa trafen. (sid/mp)
„Absolute Vollkatastrophe“: Zweitliga-Topklub attackiert den Schiri wurde gefunden bei mopo.de
