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Gestern — 25. Juli 2026

Hormus-Schock erreicht die Supermarktregale

25. Juli 2026 um 13:00

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Die Krise an der Straße von Hormus frisst sich von den Öltankern bis in die Lebensmittelregale durch. Millionen Tonnen Dünger konnten seit Kriegsbeginn nicht exportiert werden, während zugleich neue Angriffe im Schwarzen Meer die Getreidetransporte aus der Ukraine gefährden. Weizen kostet inzwischen so viel wie seit drei Jahren nicht mehr – und die eigentliche Preiswelle bei Brot, Fleisch und Milchprodukten könnte erst noch bevorstehen.

Im Mittelpunkt der aktuellen Krise steht Harnstoff, der weltweit wichtigste Stickstoffdünger. Die Golfstaaten liefern mehr als ein Drittel der globalen Exporte, doch seit Ende Februar wurden nach Berechnungen des International Food Policy Research Institute rund 3,9 Millionen Tonnen an Ausfuhren blockiert oder ausgesetzt. Das entspricht etwa 30 Prozent der jährlichen Düngemittelexporte der Region. Zwar konnten nach einer zwischenzeitlichen Vereinbarung im Juni wieder erste Frachter die Meerenge passieren, von einem normalen Warenverkehr kann jedoch weiterhin keine Rede sein. Hunderte Schiffe stecken fest, neue Lieferverträge werden kaum abgeschlossen und die Gefahr einer erneuten vollständigen Blockade ist nicht gebannt.

Die Folgen waren bereits an den Großhandelsmärkten zu sehen. Eine Tonne Harnstoff kostete vor dem Krieg etwa 400 Dollar, im April waren es zeitweise mehr als 850 Dollar. Bis Juni fiel der Preis zwar wieder auf rund 453 Dollar zurück, doch diese Beruhigung beruht auf der Hoffnung, dass die Transportrouten schrittweise wieder geöffnet werden. Zugleich arbeiten viele Düngemittelfabriken am Persischen Golf nur noch mit reduzierter Leistung, weil sich die Ware in den Lagern stapelt. Harnstoff lässt sich zwar mehrere Monate aufbewahren, doch Hitze und Feuchtigkeit können seine Qualität beeinträchtigen. Je länger die Abfuhr stockt, desto eher müssen Anlagen ihre Produktion weiter drosseln.

Der Düngerpreis trifft die Landwirtschaft nicht sofort, dafür aber mit Verzögerung und großer Breitenwirkung. Stickstoffdünger wird überwiegend mithilfe von Erdgas hergestellt – auch etwas, was die Netto-Null-Fanatiker gerne ignorieren. Teureres Gas außerhalb des Nahen Ostens verteuert damit unmittelbar auch die Produktion. Bauern reagieren auf hohe Preise häufig, indem sie weniger düngen oder Anbauflächen verkleinern. Das senkt bei der nächsten Ernte die Erträge. Besonders gefährdet sind Reis, Mais und Weizen – jene Grundnahrungsmittel, von denen Milliarden Menschen abhängig sind. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass die Störungen monatlich 1,5 bis drei Millionen Tonnen Düngemittelhandel verzögert haben und allein bei Reisflächen von mindestens 40 Millionen Hektar Ertragseinbußen von zehn bis 20 Prozent drohen könnten.

Gleichzeitig gerät auch das Getreideangebot selbst unter Druck. Weizen-Futures stiegen auf mehr als sieben Dollar je Scheffel und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren. Dazu tragen Ernteausfälle nach Hitze und Trockenheit bei, doch ebenso negativ wirkt sich die erneute Eskalation im Schwarzen Meer darauf aus. Russische Angriffe auf Odessa und ukrainische Exportanlagen gefährden eine der wichtigsten Getreiderouten der Welt. Bei einem Angriff auf den mit Mais beladenen Frachter „Golden Leo“ vor Odessa wurden zehn Menschen getötet. Nach Angaben aus der Ukraine ist bereits etwa ein Drittel der dortigen Exportkapazität am Schwarzen Meer ausgefallen.

Damit treffen drei Preistreiber gleichzeitig aufeinander: teure Energie, knapper Dünger und unsichere Getreidetransporte. Höhere Diesel- und Frachtkosten verteuern zunächst den Betrieb von Traktoren, Kühlhäusern und Lastwagen. Danach steigen die Kosten für Futtermittel, wodurch Fleisch, Eier und Milchprodukte nachziehen. Die Supermärkte bekommen diese Belastungen nicht an einem einzigen Tag geliefert. Sie wandern über Monate durch die gesamte Produktionskette, bis Hersteller und Händler sie nicht mehr auffangen können. Was heute an den Rohstoffbörsen geschieht, landet daher oft erst Wochen oder Monate später auf dem Kassenbon.

Der neue Welternährungsbericht der Vereinten Nationen zeigt, wie verwundbar das System bereits vor dieser Belastungsprobe war. Eine gesunde Ernährung kostete 2025 im weltweiten Durchschnitt 4,28 kaufkraftbereinigte Dollar pro Person und Tag – fast ein Viertel mehr als 2021. Rund 2,69 Milliarden Menschen können sich eine solche Ernährung nicht leisten. Halten die durch Krieg, Energie und Dünger verursachten Preissteigerungen an, könnten im Jahr 2030 zusätzlich neun bis 18 Millionen Menschen hungern.

Die Straße von Hormus ist damit längst nicht mehr nur ein Problem für Ölimporteure und Reedereien. Durch die Meerenge liefen vor dem Krieg nämlich bis zu 30 Prozent des international gehandelten Düngers. Wird dieser Flaschenhals blockiert, geraten Bauern auf mehreren Kontinenten auch an dieser Front unter Druck, obwohl ihre Felder Tausende Kilometer vom Persischen Golf entfernt liegen. Washington, Jerusalem und Teheran führen ihren Machtkampf mit Raketen, Sanktionen und blockierten Seewegen. Bezahlt wird jedoch auch an der Supermarktkasse – und in den armen Staaten der Welt nicht selten mit Hunger.

(Auszug von RSS-Feed)
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Heuchelei: China warnt vor der japanischen Atombombe – und rüstet selbst massiv auf

21. Juli 2026 um 08:00

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Während Tokio versucht, sich an die neuen geopolitischen Gegebenheiten anzupassen, will Peking das Reich der aufgehenden Sonne öffentlich desavouieren. Obwohl Japan kein Interesse an Atomwaffen hat, wirft die chinesische Führung dem Land vor, tausende Atomsprengköpfe bauen zu können. Doch der eigentliche Aggressor in der Region ist das Reich der Mitte.

Die Propagandamaschine der Kommunistischen Partei Chinas läuft auf Hochtouren. Über das offizielle Sprachrohr des Militärs, die „PLA Daily„, wirft Peking dem Nachbarn Japan vor, sich heimlich in eine nuklear bewaffnete Nation zu verwandeln. Der Vorwurf lautet, Tokio horte rund 44 Tonnen separiertes Plutonium, womit sich theoretisch mehr als 5.500 Atomsprengköpfe bauen ließen. Was die chinesische Führung bei dieser gezielten Panikmache jedoch geflissentlich verschweigt, ist die eigene, zunehmend aggressive Expansionspolitik.

Der propagandistische Vorstoß aus Peking entbehrt nicht einer gewaltigen Portion Heuchelei. Während die chinesische Militärzeitung wild über theoretische japanische Nuklearsprengköpfe spekuliert, baut das Reich der Mitte sein reales, einsatzbereites Nukleararsenal in rasantem Tempo aus. Die Volksrepublik China ist längst eine hochgerüstete Atommacht, die ihre Nachbarn im Indopazifik mit regelmäßigen militärischen Drohgebärden überzieht. Nun gerät das Reich der aufgehenden Sonne wieder einmal in den Fokus der regionalpolitischen Rundumschläge.

Japan hat – was Peking offensichtlich ignoriert – allerdings eine klare, historisch tief verwurzelte ablehnende Haltung zu Massenvernichtungswaffen. Das Land ist der einzige Staat der Welt, der jemals im Krieg Ziel von Atombombenabwürfen wurde, und unterwirft sich bis heute den strikten „Drei nicht-nuklearen Prinzipien“: keine Atomwaffen besitzen, keine produzieren und keine ins Land lassen. Das vorhandene Plutonium stammt aus dem zivilen Atomprogramm und steht unter der lückenlosen Beobachtung der Internationalen Atomenergiebehörde. Von einem geheimen Atomwaffenprogramm kann also keine Rede sein.

Dass Japan derzeit sein Verteidigungsbudget deutlich erhöht und massiv in die militärische Forschung investiert, ist jedoch kein Rückfall in den Militarismus, wie Peking behauptet. Es ist vielmehr ein Akt der reinen Selbstbehauptung, zumal die japanischen Streitkräfte ohnehin nur auf eine Basis-Landesverteidigung ausgelegt sind. Die Regierung in Tokio reagiert damit auf eine erdrückende geopolitische Realität, die von einem immer dominanter und aggressiver auftretenden China geprägt ist. Die ständigen Provokationen Pekings rund um Taiwan, die Handelsschikanen und die militärische Präsenz in umstrittenen Gewässern zwingen Japan regelrecht dazu, seine bislang rein defensive Ausrichtung an die neuen Gefahren anzupassen.

Um diese legitimen Schutzmaßnahmen zu torpedieren, nutzt Peking die historischen Belastungen zwischen den beiden Staaten eiskalt aus. Chinas Staatsmedien ziehen bewusst Parallelen zum imperialen Japan vor dem Zweiten Weltkrieg, welches auch weite Teile der Mandschurei besetzte. Die dunklen Kapitel der japanischen Geschichte werden gezielt instrumentalisiert, um das heutige, demokratische Japan als tickende Zeitbombe darzustellen. Am Ende geht es in diesem diplomatischen Säbelrasseln jedoch nicht um Japans zivil genutztes Plutonium. Es geht um den chinesischen Hegemonialanspruch in Asien. Tokios militärische Modernisierung ist keine Bedrohung für den Frieden, sondern die unausweichliche Antwort auf ein China, das diesen Frieden längst infrage stellt.

(Auszug von RSS-Feed)
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