Er soll sein Opfer ausgepeitscht und ihm eine Pistole in den Mund gesteckt haben. Wegen eines Transporters, der samt 55 Kilo Marihuana verschwand, soll ein 25-Jähriger einen Mann über Stunden gefoltert haben. Nun steht er deshalb vor dem Landgericht. Der Angeklagte schilderte den Tathergang selbst – das Opfer schwieg. Auftraggeber der Bestrafungsaktion soll ein weltweit gesuchter Hamburger Drogenboss sein.
Angeklagt ist Muhammed K. Wegen Drogenhandels ist er bereits zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Am Montag ging es unter anderem um erpresserischen Menschenraub, gefährliche Körperverletzung sowie bewaffneten Handeltreiben mit Cannabis.
Auslöser der Tat: 55 Kilo Marihuana, die verschwanden
Die Tat soll sich in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 2024 in einem Haus an der Jevenstedter Straße (Lurup) ereignet haben. Auslöser des Gewaltexzesses war laut Anklage der Verlust von knapp 55 Kilogramm Marihuana, verpackt in 56 verschweißten Kunststoffpäckchen. Als kurzzeitiges Lager für die Drogen diente ein Transporter, der in Dulsberg vor einem Fitnessstudio geparkt war. Die Polizei wurde damals auf Männer aufmerksam, die sich im Umfeld verdächtig verhielten. In dem Wagen fanden die Beamten die Drogen in Umzugkartons und stellten den Transporter sicher.
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Doch davon, dass die Polizei den Wagen einkassiert hatte, bekamen die Gangster anscheinend nichts mit. Mehrere am Drogenhandel Beteiligte gerieten in den Verdacht, den Transporter gestohlen zu haben. Der mutmaßliche Auftraggeber machte seine Komplizen für das vermeintliche Verschwinden der Drogen verantwortlich. Über den Angeklagten Muhammed K. soll er von ihnen die Wiederbeschaffung des Marihuanas verlangt haben.
Der Auftraggeber war per Live-Übertragung dabei
In einem Haus an der Jevenstedter Straße kam es laut Anklage zur Abrechnung. Unter den anwesenden Männern war auch der Angeklagte. Der Drogenboss im Hintergrund hatte die Anwesenden zu dem Treffpunkt bestellt und war per Videoanruf zugeschaltet.
Muhammed K. soll die Männer zur Rede gestellt und sie mit einem Messer bedroht haben. Dabei soll er gesagt haben: „Ich werde euch töten, wenn ihr lügt.“
Opfer wurde ausgepeitscht
Schließlich wurde ein 49-jährige Familienvater aus der Gruppe herausgezogen und in einem Raum festgehalten. Sein Oberkörper wurde entkleidet, er wurde mit verbundenen Augen auf den Bauch gelegt. Mit einem Elektro-Verlängerungskabel soll Muhammed K. immer wieder auf den nackten Rücken des Mannes eingeschlagen haben. Zudem habe er ihm mit dem Tod gedroht und ihm dabei eine möglicherweise gefährliche Waffe vorgehalten und in den Mund gesteckt haben.
Die Misshandlungen zogen sich laut Anklage über mehrere Stunden hin. Zwischen den Schlägen sei der Mann immer wieder befragt worden, wo die Drogen seien. Er habe jedoch stets bestritten, etwas damit zu tun zu haben. Der Auftraggeber soll über die gesamte Zeit per Live-Übertragung dabei gewesen sein und dem Angeklagten weitere Anweisungen gegeben haben. Die Verletzungen führten zu Blutungen und Hautschäden, die bis heute vernarbt sein sollen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem Drogenboss im Hintergrund um Mansour Ismail handelt, der weltweit gesucht wird.
Angeklagter: Er sei „entgleist“
Zum Prozessauftakt ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger eine Erklärung vorlesen, später trug er zusätzlich eine handschriftliche, emotional gehaltene Stellungnahme vor. Darin bedauerte er seine Taten.
„Es ist wirklich ekelhaft, was ich gemacht habe“, erklärte er. Er sei „entgleist“ und in eine „Gangsterwelt“ geraten, die eigentlich nicht seine sei. Eine direkte Bezahlung habe es für ihn nicht gegeben. Später habe er lediglich „ein paar tausend Euro mehr“ als Bezahlung der Drogengeschäfte erhalten.
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Das mutmaßliche Opfer erschien zwar als Zeuge vor Gericht, machte jedoch keine Angaben. Der 49-Jährige berief sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht und verließ den Saal kommentarlos. Dabei traf sein Blick den Angeklagten, der daraufhin bewusst wegsah. Der Prozess wird fortgesetzt.
55 Kilo Gras weg – Mann in Hamburg stundenlang gefoltert wurde gefunden bei mopo.de

